Wenn ich will

Ich will, wen ich will.
Das ist Wahrheit und es tut weh.
Wen ich will, das ist nicht schwer zu verstehen.
Mein Wille bin ich und in den Traumfugen der Zeit,
Verkleidet sich ein Narr, um meine Wünsche zu erfüllen.
Semikolon; so viele gute Menschen wollen nicht mehr fühlen.
Haben zum Glück überlebt, hab überlegt in mir noch mehr zu wühlen.
Ich bin startklar, aber das Benzin ist aus. Ins Meer tauche ich an den Turbinen vorbei.
Rauschen in den Ohren, ich bin frei. Solange mein Gefühl mich nicht hetzend ohrfeigt, bleibt es dabei.
Das Sonnensegel gespannt, bin ich auf dem Weg zur letzten Insel. Im Traum bau ich am Blau‘schen Tunnel durch den Berg, der vor mir aufragt.
Ich will, wen ich will, wenn ich will.

Johanna nion Blau, 7.7.2025

Steigbügelhalter

Wimmernde Ängste leiten diese Staaten in Abgründe, sollten wir ihnen folgen, sie leiten lassen?

Sie wünschen Sich Sicherheit für sich, verbergen ihre Ängste im Hohn und in den Schreien der kleinen Leute nach neuen Wegen der Kontrolle über unkontrollierbare Sachverhalte, wie das Leben, das Vergehen, die Zeit und die Natur.

Wenn ich sie ansehe, sehe ich Unsicherheit. Dann sehe ich jemanden, der sich an den Rockzipfel seiner Mama zurückwünscht, Und das nie zugeben würde, eher versinkt die Welt in rasenden alles verzehrenden Kriegen, als das er das jemals zugeben würde.

Die komplexe Kugel auf der wir leben, die Natur, die Lebewesen auf ihr: Mutter Erde zerstören sie, weil sie es nicht wahrhaben wollen, dass sie sie geboren hat. Das sie sich um sie kümmert und sie nährt und ihre Ängste abfedern könnte.

Vertrauen ist etwas, was sie sich wünschen und nicht erhoffen können. Denn die Hoffnung liegt begraben unter den Geldscheinen, die sie für Ihre Lügen sammeln. Ihr Gewissen ist tot, wie das Geld, welches niemand essen kann. Welches aber die Welt ernähren könnte, im jetzigen System.

Doch wer will das schon. Wenn es schön wäre, könnte Mann es nicht mehr kontrollieren. Der Kern der Macht ist der Versuch, Kontrolle über andere Menschen auszuüben, durch Geld, Angst und Zwang.

Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist die Aufgabe der Menschheit, wir brauchen keine Manager, keine Macher, keine Pioniere, nicht einmal mehr Helden.

Wir sind alles, was es braucht, um aufzustehen, um die Steigbügel abzuschneiden, das Pferd abzuzäumen und endlich, endlich freizulassen. Auf dass es selbst das Grünste Gras, das Frischeste Wasser und den Kühlsten Schatten finde.

Lasst die Freiheiten der Lebewesen ihnen den Weg zeigen hin zu Frieden, Wohlstand und Wohlbefinden für alle, die in dieser Welt, den Willen dazu haben.

Johanna nion Blau, 3.7.2025

Die Sterne tanzen

Die Sterne tanzen über den Waldboden.
Sie wandeln dort, um uns lautlos zu verkünden:
Die Welt ist magisch, für solche, die verwinden.

Sie leuchtet, glitzert und funkelt.
Erst recht, wenn es in den Herzen vieler Leute dunkelt.

In Sommernacht um Sommernacht glühen die Würmchen um die Wette.
Sie zeigen uns statt Irre unbekannte Wege ins Könnte, Würde, Hätte.
Wir schauen hin, um uns kurz zu verlieren und dann schnell wieder zu finden.
Wer an sich wächst, kann diesen Zauber genüsslich binden.
Wer an sich glaubt kämpft dafür, dass solche Wunder nicht verschwinden.

Johanna nion Blau, 30.06.2025


Auf Friedliche Zeiten

In den frühen, stillen Stunden,
Wenn die Panik wieder aufkeimt,
stelle ich den Wecker auf morgen.
Verschlafe bei Hausarbeit den Tag.

In meinen Träumen ist die Welt so kostbar,
Wie ein Regenguss nach vielen dürren Tagen.
In langen Sommernächten, ein Kuss.
Ein Hans im Glück in endlosen Sackgassen
Ich kanns einfach nicht lassen.
Bin glücklich zu leben und zu sein.
Bin frei in tanzenden Menschenmassen.

Das Wir zu feiern, kein Muss aber der Weg.
Hin zu unser aller Ziel:
Auf Erden das Glück zu mehren
Auf Erden das Glück zu teilen
Auf dieser Erde an Plänen fürs Glücklich sein zu feilen
Dabei alt werden in Frieden
Ich wünsche für uns alle Friedliche Zeiten

Johanna nion Blau, nach CSD in Leipzig, 29.06.2025

Love Stories

Gerade lese ich „In all deinen Farben“ von Bolu Babalola. Darin kommen mythische Gestalten vor, die mal mehr mal weniger bekannt sind. Die klassischen Sagen wandelt Bolu Babalola so um, dass es einfach Spaß macht die Entwicklungen zu verfolgen. Da ist zum Beispiel Psyche, die für einen Verlag namens Olymp arbeitet und ihren Kollegen Eros anhimmelt. Das Happy End, dass sie sich verdient haben, bekommen sie auch und das tut so gut zu lesen.

Voll von tragischen Liebesgeschichten ist mein Kopf. Ich will ihn schütteln, alles heraus katapultieren, was sich da so angesammelt hat über die Jahrzehnte. Alle Erfahrungen, Verhaltensregeln, Regeln fürs „rarmachen“, fürs Flirten, für Partnerschaften, für die Zeit der Trennung. All das will ich auf hoher See über Bord werden, so dass sich da die Tiefseebergbauern damit auseinandersetzen können.

Ich möchte neu beginnen. Mit allem, vor allem mit der Liebe. Dabei spielt die Liebe zu mir selbst eine große Rolle. Es hat angefangen mit Akzeptanz mir gegenüber. Meine „Macken“ oder vielleicht einfach Besonderheiten habe ich besser ertragen. Ich habe mich nicht mehr schuldig gefühlt, Eis zu essen in der Öffentlichkeit oder früher als alle anderen eine Party zu verlassen. Ein Freiheitsgefühl war die Belohnung für dieses Verhalten meinerseits. Diese Freiheit zu gehen oder zu bleiben, möchte ich nicht mehr missen.

Die Freiheit mich auszudrücken, ist mir ebenfalls wichtig. Mal trage ich im Sommer ein Kleid, dazu offene Haare, dann wieder Kurze Hose, mit Oberteil. Ist es ein Vorteil, dass mein Körper als weiblich eingestuft wird und es nicht ins Gewicht fällt, was ich trage? Ich kann ein Sakko anziehen, niemand würde sich beschweren, wenn aber eine männlich eingestufte Person ein Kleid trägt, und Lippenstift fragen sich viele, welche Sexualität die Person hat. Das finde ich so traurig und auch schädlich. Ich will für alle die Freiheit, Kleidungsstücke danach auszuwählen, wonach ihnen der Sinn steht. Kein Kleidungsstück sollte einem bestimmten Geschlecht vorbehalten sein, so sieht es auch Künster*in Alok Vaid-Menon. Or to say it with Ru Paul’s words: “We’re all born naked and the rest is drag.”

Wenn ich ein Sommerkleid anziehe, Lippenstift auflege und rausgehe in die Welt, dann cross dresse ich. So fühlt es sich für mich an. Alle anderen sehen eine cis-Frau, die sich schick macht. Aber für mich ist es einfach anders. Und das Menschen zu erklären, finde ich kompliziert. Aber ist es das?
Ich bin genderfluid. Der Überbegriff ist nicht-binär. Also ordne ich mich nicht entweder dem Geschlecht weiblich oder männlich zu, sondern etwas darüber hinaus, drum herum, dazwischen. Das ändert sich täglich und die Übergänge sind fließend, also fluide. Es ist für mich wichtig, mich damit zu beschäftigen. So viele Rollenbilder, in die andere Menschen mich einsortieren möchten, sind für mich zu eng, zu langweilig oder einfach zu unpassend.

Mein Körper hat große Brüste, Kurven und eine ausladende Hüfte. Meine Mutter sagte früher oft zu mir, ich hätte ein „gebärfreudiges Becken“. Ich wirke also sehr „weiblich“. Dazu habe ich lange Haare, trage manchmal Lippenstift und selten Wimperntusche.

So komplex das erscheint, ich habe Worte dafür. So kompliziert das für andere klingen mag; für mich fühlt es sich endlich schlüssig an. Für mich ist es wichtig und ein Privileg, dass ich mich in meinem Körper wohlfühle. Für mich ist es aber auch eine Herausforderung zu flirten, einem Menschen zu zeigen, dass ich Interesse an ihm habe. Eine Verbindung aufzubauen zu Leuten, die nicht rein platonisch ist.

Ich bin froh, dass ich jünger aussehe als ich bin, da ich noch so viel erleben möchte und ich mir vorstelle, dass das für einen Menschen jenseits der Wechseljahre vielleicht nicht mehr so einfach wäre. Berichtigt mich da gern. Es ist eine Angst, die ich hege. Und ich bin froh, dass trotz oder gerade wegen des faschistoiden Backslashs, den die LGBTIAQ+ Community weltweit aktuell leider wieder erfährt, Menschen für ihre Rechte kämpfen, zu lieben, zu leben, Kinder aufzuziehen, miteinander alt zu werden; Menschenrechte eben.

Trotz all dieser Neugier ist da ein tiefes Verlangen nach einer festen, langfristigen Partnerschaft, den Hafen wie es Mascha Kaléko nannte, den Anker auf hoher, stürmischer See. Den Hauptgewinn aller Glückspiele dieser Welt. Hauptsache ich kaufe ein Los. Vielleicht ist dieser Text eins. Wer weiß.

Happy Pride Month! Und einen großartigen CSD allen, ohne Zwischenfälle, mit viel Liebe und Freude in einer bunten, freien Gemeinschaft.

Johanna nion Blau, 21.06.2025

Vom Werden und Vergehen

Ich muss an Mascha Kaléko denken und ihre „paar Leuchtenden Jahre“. Vor dem Fenster sitze ich, denke an Mascha und schreibe mir die Seele aus dem Leib. Wenn ich wüsste, würde ich wohl verstummen, so mein Bauchgefühl. Ich bin hier und jetzt und ich schreibe. Die Zukunft hat aufgehört zu scheinen. Sie kriecht durch meine Gedanken, wie ein verwundetes Tier, faucht mich an, fährt die Krallen aus. Sie läuft auf einem trügerischen Teppich aus Tod, Gier und Verwüstung. Die Sache ist die, ich hoffe noch darauf, dass dies der Anfang von etwas Schönem sein könnte. Ich hoffe, darauf, dass die Herrscher dieser Welt sich in Luft auflösen, das Geld seinen überhöhten Wert verliert und wir wieder anfangen, Gemeinschaften und eigenes Wohlbefinden als verwirklichbare Ziele zu teilen.
Muss den erst alles zerstört werden, Menschen umgebracht oder für ihr Leben gezeichnet werden? Müssen wir denn wirklich erst so sehr leiden, bis wir verstehen, was zu tun ist?
Ich sitze am Fenster meines Zimmers. Das Grün auf der anderen Straßenseite erinnert mich an den Kreis vom Werden und Vergehen; von Knospe, Blüte, Frucht, Knospe, Blüte, Frucht.

Dieses Wissen, dass es auch hätte schön sein können, frisst meinen Verstand. Bis ich mich hinsetze, den Laptop aufklappe und anfange zu schreiben. Diese gefühlte Klarheit bricht sich Bahn. Die fluoreszierenden Murmeln spiralen hinab in den Nebel des Morgen. Und es ist okay für mich.
Aber ich frage mich: Was kann ich tun? Was kann ich tun, damit es aufhört für andere gerade so schlimm, so schrecklich, so tödlich zu sein. Wir beschwören die Liebe, wir beschwören die Kunst, wir beschwören die Gemeinschaft. Müssten nicht, die die die Waffen bauen und verkaufen ein Gewissen haben? Müssten nicht die, die Heere anführen, sich dazu entschließen, sie wieder auf die Arbeiten des Lebens zu verteilen, statt auf die Arbeit des Todes und der Zerstörung?

Allen, welche leiden, allen, welche sich auflehnen, allen, welche mit allen Mitteln kämpfen: Euch gehören meine Gedanken. Mein Herz schlägt euch zu. Und wenn ich stärker wäre und wenn ich robuster wäre, wäre meine Stimme weiter, lauter und bestimmter. Ich bin ich. Es ist ein revolutionärer Akt allein damit zufrieden zu sein. Selbstliebe ist für vieles ein Anfang. Danke bell hooks.

Mein restliches Leben könnte ich mich damit beschäftigen, jeden Zweig und jedes Blatt an dem Baum auf der anderen Straßenseite zu beschreiben. Das werde ich nicht tun. Ich bin Zeugin. Wovon? Einer Zeitenwende, einer Revolution, Evolution, dem Weltuntergang? Es gibt mir eine trügerische Sicherheit in die Karten zu schauen. Sie zeigen Leben, sie zeigen Zukunft. Meine Augen will ich vor dem Tod jedoch nicht verschließen. So viel Tod und Leiden. Ich werde hinschauen. Ich werde schreiben.
Dankbar bin ich für die Existenz von Freude bei all dem Leid, von Freundschaften, bei all dieser Feindschaft, von Liebe, die hoffentlich den Hass in die Schranken weisen wird.

Weise Worte habe ich verinnerlicht, heute geht es mir ums Schreiben. Damit die Mauer zwischen mir und meinen Gedanken, nicht mehr so hoch aufragt vor meinem Gesicht und ich wieder die Bäume auf der anderen Straßenseite bewundern kann. Der Himmel ist blau. Die Mauersegler liefern sich einen Wettkampf und rufen sich zu: „Ich bin schneller, ich habe gewonnen, ich bin Sieger.“ Vielleicht hat es so angefangen? Das Ende ist noch nicht geschrieben. Darauf liegt meine Hoffnung. Streckt sich aus wie eine Katze, die in der Sonne badet. Unbekümmert, so lange alles zu sein scheint wie immer.

Johanna nion Blau, 19.06.2025

Mein Mund heißt mich schweigen

Sehnsucht, weht Schatten vor meine Füße. Friss mir doch meinen Willen von der Haut! Das Wünschen fällt mir schwer. Die Angst schwelt, dass ich versinke, hinab mit dem Stein, der meinen Wunsch ins Wasser trägt.
So unbeholfen im Schweigen ist mein Mund, dass meine Ohren klingen. So unbekannt, wie meine Hände, bist du mir im Traum. Wer pflanzt, den Baum, der uns süßen Schatten spendet? Im Sommer. Im Herbst. Im Frühling. Der Baum, der Licht bringt, in den Wintern, die folgen.
Im Land wird gerüstet, mein Herz legt alle Panzer ab. Doch fang ich an zu fragen, heißt mein Mund mich schweigen. Ich geh in die Gefahr, doch treiben aus meinem Kopf Blüten aus Papier. Der Wind verweht sie noch, wo sie luftig verglühen. Lass sie aufs Wasser fallen. Lass es zu Tee werden, den ich trinken will: Her mit dem Willen, wahr zu dir zu sprechen.
Ein Meer soll meine Hoffnung werden, so dass Glück die Wahrheit in Zukunft Liebe nennt.

Johanna nion Blau, 1.6.2025