Ich will Staub von Ruinen rütteln

Ich will Staub von Ruinen rütteln,
Ist das machbar, haltbar, sag-bar?

Ich will bersten im Morgengrauen, mich schälen im Mondlicht, vergehen wie ein Traum, und wiederkehren als weise Hydra.

Zungenschlagend mich austesten auf den Rücken der Wandernden Ungezähmten Männerherden.
Die im Gras liegen und oder es rauchen, dabei verletzlich werden. Im Hohen Gras weinen die Männer gemeinsam, endlich frei – rei – ei.

Das Gebirge hab ich ausgeschlossen, aus meinem Leben, ich strebe dem Wasser zu wie eine Selkie ohne ihren Nachwuchs. Mein Kind, ein Meer an Worten, ächzendes Papier, traumlose Lettern.

Verwachsen mit Äußerlichkeiten, die in Er-Innerungen schwärzende Finger eintauchen in Dung.

Der Satz, ein Gebilde, welchem ich gebieten will, ohne es zu brechen. Meisterhaft Worte erwählen, den Sinn tanzen lassen im Gewinde deiner Fantasie.

Was kommt dabei heraus, wenn mensch Sinn und Haft kreuzt, wie bei (XX und XY oder ähnlich) also zwei Menschen, wird die mitochondriale DNA weiter gegeben, weiter gegeben, weiter gegeben. Die Sieben Schwestern rufen Sinn – Sinn – Sinn – Sinn – Sinn – Sinn – Sinn. Wäre es anders, wäre nur „sin“ übrig geblieben. Wer lässt sich davon be-Herr-schen?

Träumender Singsang des Schwanes auf den Kanälen der Stadt, welche mich ruft.

Tränende Quallen im Wasser, welches mich überquert auf dem Weg dahin.

Tragende Grashalme, Tragische Held*innen, Trostvolle Worte in Garamond gegossen auf diesem ätherischen Papier, angefüllt mit Gedanken, die wuchern in mir und dann entlassen schön werden in den Gedanken, der anderen. Gedankenvolle Grüße an die Lesenden.

Johanna nion Blau
3. Juni 2026


(der Text Nummer fünfhundert auf meinem Blog 🥳)

Fantastische Spiegelbilder (30. Mai Lesung Leipziger Markt)

Lichter in diesem Land, verticken Gebrauchtes für die Quote.
Keine Aurora, zu viel Boreales heute wieder unsere Nacht erhellt. 
Und in der Welt nur wieder mehr gewaltvolle Sprache, gewaltvolle Tode.
Ich weine mich müde, nach wundervollen Abenden, Schuld frisst an meinem Kalten Herzen.
Wie meine Glieder schmerzen, nach Tanz, nach Spiel, nach durchwachten Nächten.
Wer zündet noch laute Kerzen, wenn sich ab Montag alle wieder knechten? 
Statt innehalten, hinter Dingen her hechten, die wir nie brauchten, ohne zu bezahlen.
Der Preis, der Preis, das ist der verhängte Spiegel, der unser Lieben uns bewies und dann den Schmerz so sehr ins Dunkelste verwies. Der Schmerz des Fühlens, das Gegenmittel gegen all die klamme Pein des Alltäglichen.
Besonders macht mein Leben vielleicht nur der Blick in diesen Spiegel, auch wenn es splittern sollte, wären all die Splitter mein.

Das ewige Kleinmachen, hat mich wütend werden lassen, so wütend, dass der Käfig, in dem ich hocke, ganz ausgebeult existiert in meiner Fantasie. Bin ich die, die ich war oder der, der ewig an die Türe geklopft hat? Gibt es überhaupt eine Trennung zwischen Selbst, dir und anderen? In Zuständen wabert das Gegenüber als Geist durch mich hindurch. Unangenehm und frei wir zu sein. In meiner Vorstellung sind zwei Ganze zusammen etwas neues Ganzes. Etwas Verbundenes: frei und gestärkt.
Aus diesen Fantasien und Geschichten möchte ich ausbrechen, möchte mich neu und neugierig erfahren, auch andere. Spaltungen aufheben, wie eine Schnur, die auf den Boden geworfen wurde, wann und von wem auch immer.
Ich als Mensch bin ganz, in meiner komplexen Charakterstruktur. Ich will gesehen werden, ich will Interesse erzeugen und in meiner Seele soll ein Licht entzündet werden, wie ich mit meinem Interesse Licht in den Seelen von anderen entzünden möchte. Die Liebe als Licht in dieser Zeit des Nebels. Die Liebe als Klarheit in Zeiten der Fragen ohne wahrhaftige Antworten.
Das Kleinste hat Freundschaft mit dem Größten geschlossen, wenn meine Hände Luft umarmen, ist da Sonnenschein, Welle oder Teilchen; ist da Regen, magnetisches Wasser von der Schwerkraft, in meine Hände gelenkt.
In allen Alltagsbegegnungen steckt eine Magie, welche Ohnmacht in Frage stellt. Die Zeit in meinem Kopf, sagt mir die richtige Stunde: zu Ruhen, zu Tanzen, zu Begegnen.
Das Handeln, ein Schweif aus Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten, thronend über der wagen Zukunft, wurzelnd in subjektiv erinnerter Vergangenheit.

Worauf ich hinaus will? Jede Zeit ist die richtige oder falsche, einen Sprung ins Ungewisse zu wagen. Die Frage ist: Bin ich bereit? Ist das Leben nicht so falsch oder richtig, wie unsere Vorstellung davon? Ist der andere Mensch mit seinen Wünschen, seiner Last, seiner Freude, seinem Leid und seinem Hoffen in uns ein Spiegel? Woraus besteht das Spiegelbild, außer aus schwerem Blei?
Mein Selbst ist die Summe von vielen Spiegeln, mein Ich ist eine Erinnerung an einen Traum. Doch ich erfinde mich neu, wenn ich erwache. Jeder Tag ist ein Versuch meiner Stimme, hörbar zu werden für mich und für andere.
Die Stangen des Käfigs, in dem ich mich regelmäßig wiederfinde, sind immer auch die Ängste des letzten Tages, der letzten Begegnung; mit anderen und mit mir selbst. Ruhe finde ich da, sammeln kann ich mich da. Meine Träume entwickeln sich da. Doch dann muss ich aufstehen, während der Käfig als Illusion sich entlarvt und auch wenn es kurz schmerzt in den Knochen, den Faszien, den Muskeln darin, dann weil ich ungewohnt aufgerichtet atme. Mein Körper, ein Wachstumsschmerz und ich fange an, daraus ein Lied zu dichten.

Mein Mund öffnet sich. Die Töne, entlockt der feinen Umarmung mit meinem Leben, entstehen. Der Blasebalg pumpt Luft in meinen Kräftigen Lungen, mein Leben atmet mich immer wieder ein und aus. Der Klang meiner Erfahrung ist das Klangexperiment, was ihr hört. Es beginnt …

Frieden allem Leben. Frieden aller Existenz. Wut in meinem Bauch, auf die, welche das Leben schänden. Wut in meinem Herzen, auf die, welche die Liebe für ihre Zwecke nutzen. Wut in meinem Kopf, auf die, welche die Lüge zelebrieren und die Wahrheit nackt verhöhnen.

Werte nicht Wärter sollten regieren. Sorgen in den Händen der falschen Menschen, vermehren sich wie der magische Brei im Märchen. Darum sollte Hoffnung die Währung unseres Miteinanders sein. Hoffnung sollte der Kompass sein, für unsere gemeinsamen Entscheidungen.

Wenn die Blaue Stunde beginnt, tanzt die antifaschistische Hexe mit den Ahn*innen, den Geistern, mit den Bildern ihres Unbewussten. So tanzt sie in Reigen ihresgleichen, im ewigen Kreis, um ihre Gedankenbilder zu begeistern. Und die Wut tanzt mit; stampft auf mit den Hufen. Und die Gnade dreht sich im Kreis gehalten von der Liebe. Hoffnung und Hass halten Spalier für die Gefühls-Polka durch den Wilden Garten Erde.

Fühl mich gehalten von meinem Fühlen, ich lass mich nicht mehr aufhalten, von was auch immer geschah. Jetzt ist die Zeit der Gefühle, und ich lade sie alle ein zum Wilden Tanz und dann zur Wilden Jagd.

Deer Woman, wo bist du, wenn wir dich brauchen? Warum gibt es hier keine mythologische Rache für Femizide? Warum scheint das alles so schrecklich normal?

Dem Geist, der mich um-haucht, steht der Rauch bis zum Bauchnabel. In meinem Denken keimt ein Setzling, die Herzförmigen Blätter suchen sich ihre Erde selbst aus. Prüfung und Siegel, dem Menschen, der mich will, wie ich ihn. Heilende Erde, heilendes Kraut.

Dass in allen mit Leid geschmiedeten Seelen, immer doch herzliche Losungen schwelen. Dass in vielen mit Liebe geimpften Herzen, die Hoffnung auf Allmende immer wieder aufkeimt und in Zukunft nahrhafte Früchte trägt.

Wer bin ich? Dazwischen. Das Leben schreibe ich, ummantele mich mit meinen Worten. Ich umgehe Fallen der Niedertracht, Schlaglöcher der Härte, hin zu ungekannter Freude. Ich schreibe mein Sternbild an den Himmel zu meinen Lebzeiten. Ohne Ovid zu kränken: meine Metamorphose braucht keine Götter.
Ich werde mein Schicksal so lenken, es könnte eine Sage sein, doch wahr wird alles: gelebt in diesem Fleisch, durch diesen Geist, mit dieser Seele.

Ich bin mit meinem Herzen, mit meinem Willen und mit meinem Verstand verwoben. Ich bin verwoben mit der Welt, der Gesellschaft, mit euch. All diese Verbindungen schmerzen und lassen mich gleichzeitig frohlocken. In meinem Organismus ist nichts allein. In mir kommt nichts nicht von außen. Wie soll ich mich schützen, vor dem was kommt? Ich schreibe dagegen an. Das ist meine Antwort auf eure Fragen. Und wenn ich stürze, fällt ein Baum der Erkenntnis wieder in Ungnade, und wenn ich stürze, ist die tiefe Nacht fast vorbei. Was folgt, überlasse ich eurer Fantasie.

Johanna nion Blau

Where does it hurt?

My chest almost collapsed, but not my heart, it’s beat is still rapidly engaged.
Yet my ears bleed of to much nonsense put into them by smoky mouths, happily enraged.
Now my lungs are full of crap.
Emotionally unavailable guys verbally fight for my attention.
I beam away, thinking about books and songs and motion pictures another human mentioned.

All I want is, that the truth of your soul speeks through your eyes to me.
And I wanna dance on your lap. 🙂

Don't want no villans smile of a stranger, that tries to put me back
In that wicked place of my thoughts, my sorrow, of his dreadful lack of words.
Don't want no harmfull laughter, which wakes me from a lot of promising dreams.
Light that flashes, light that beams, after seconds I know what to say:

I'd love to be rich of feelings, tender thoughts and laughter.
I'd live to be rich of moments to remember.
Taunting encounters enlightning my ever youthfull spirit.
The promise you made hurts me in my guts. I didn't keep it.
But I go on with the smiling eyes of a wounded warrior.
I go on with the flying hands, of a samurai, only that a keyboard is my sword.
I go on as, if I would die, should you catch my heart with your butterfly net.
Your the wrong human. Didn't approach to the right one yet.

20-04-2026 by Johanna nion Blau

Escher-Labyrinth – Essay über Ziele

Link zu Eschers Lithografien unmöglicher Architektur: https://www.escherexplained.com/ascending-and-descending

Für mich existieren aktuell im Linken politischen Spektrum keine Seiten, auf die ich mich stellen könnte. Es heißt: „No Border, No Nation.“ Es heißt: „Es gibt kein Richtiges Leben im Falschen!“ Es heißt: „No one is free, until everyone is free!“ Es heißt: „Solidarity is our weapon!“ Das ist alles in meinem Sinne, nur wo ist der Kompass, der den Weg weißt zu diesen Zielen?

Gerade befinde ich mich in M.C. Escher’s labyrinthischem Treppenhaus mit vielen anderen Menschen und versuche die Linien auf dem Globus in Diskussionen einzuflechten. Ich versuche menschlich zu denken, zu fühlen, zu bleiben und es fällt mir schwer, wenn die Politik so unmenschlich agiert und beschließt und kürzt an Geld, an Lebensqualität, an Selbstbestimmung, an Freiheit. Waren wir je wirklich frei? Ich hatte das Gefühl, wir sind auf dem Weg dahin. Wer ist wir?

Es scheint mir wie, ein gegen „die da oben“. Dabei habe ich gelernt, es gibt keine „Eliten“. Ich bin hilflos, ob der Gewalt in der Welt. Wie könnte ich dafür argumentieren anzugreifen? Wie könnte ich dagegen argumentieren, sich zu verteidigen? Die Industrien schleifen Menschen zu Werkzeugen, die Werkzeuge des Tötens in die Welt bringen, die dann gehandelt werden wie Gut, so schlecht sie auch nutzbar sind. Sie werden verbraucht und wieder hergestellt, produziert um Leben zu vernichten, um “Ordnung zu schaffen“ um Systeme aufrechtzuerhalten, die nicht funktionieren dürften, die Leiden schaffen; unendliches menschliches und planetarisches Leid.

In der Welt ist das Töten für Ressourcen, aus denen Dinge bestehen, die töten, ein Weg, der nirgendwo hinführt. Wir gehen diesen Weg „Tag für Tag“ aufs Neue und lenken unseren Geist dabei in andere Richtungen (dabei lenken wir Geschosse und Raketen auf „Ziele“), damit wir nicht zu sehr verzweifeln, um weiterzumachen oder wir verzweifeln, bleiben liegen für immer und andere steigen über uns, um weiterzukommen. Nur wohin? Wohin führt der Weg in Eschers Treppenhaus? Wir begegnen Menschen auf Augenhöhe, nur dass sie über Kopf an uns vorbei hasten. Wir steigen Treppen hinauf endlos und endlos steigen wir Treppen hinab. Wir sind gefangen in Wegen, die nirgendwo hinführen. Der Weg ist kein Ziel. Der Weg ist die Illusion, die in den Abgrund zeigt, den wir umwandern.

Die Aussicht zu gewinnen oder zu verlieren ist Antrieb in diesem System. Die Lose sind doch alle Nieten, auch die die gewinnen. Der Millionen-Lotto-Gewinn: Die Karotte, die dich weiterlaufen lässt. Dein Aktienfond bei deiner Bank, und du hoffst auf einmal, dass die Mieten steigen, dass der Weizen auf den Feldern verdirbt und die Ölproduktion stagniert, auch wenn du in einer 3-Zimmer-Mietwohnung das Müsli für die Kinder zubereitest und sie zur Eile rufst, weil der Berufsverkehr auf dem Weg zur Schule wieder schlimm sein wird.

Perspektiven: Das Hamsterrad oder die Karriereleiter, das Labyrinth, in dem wir das Gefühl haben, voran zu kommen, und alle, die in die Tiefe stürzen, sind „selbst schuld“. Ist das so? Die neuesten Kürzungen betreffen Menschen mit Behinderung, Menschen, die nicht in diesem Staat geboren worden sind, Menschen, die nicht arbeiten, alleinerziehende Eltern. Nicht die Masse, nicht die Mehrheit, oder? Wen betrifft es, wenn Betroffene in Armut gezwungen werden, oder in Arbeit, oder in den Tod? Warum fühlt sich gefühlt niemand betroffen, in den Ämtern und Behörden? Weiter Dienst nach Vorschrift. Dabei wird Hannah Arendt so zitiert:

„Kants ganze Moral läuft doch darauf hinaus, dass jeder Mensch bei jeder Handlung sich selbst überlegen muss, ob die Maxime seines Handelns zum allgemeinen Gesetz werden kann. […] Es ist ja gerade sozusagen das extrem Umgekehrte des Gehorsams! Jeder ist Gesetzgeber. Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant. “

Und das ist so lange bevor es um das Töten von Menschen geht. Selbstmord in diesen System ist politisch. Das Individuum leidet so lange in diesem Labyrinth aus dem kein Ausweg möglich scheint, bis der dunkle unbekannte Abgrund für Verstand, Psyche und Seele verlockend wirkt. Systemversagen, wenn die Menschen, denen das System dienen sollte, ihm zum Fraß vorgeworfen werden.

Wie kann das Bruttoinlandsprodukt Wohlstand anzeigen und wessen Wohlstand zeigt es an? Warum haben wir keine Wohlbehagens-Skala eingeführt? Wer hat etwas gegen zufriedene Menschen?

Gern wüsste ich, wie es weiter gehen kann. Wir sollten nicht das Ende herbeisehnen oder uns in Nihilismus ergehen. Wir sollten, ja was sollten wir? Lasst uns miteinander reden. Lasst uns die Sonne genießen und den Tag, lasst uns darüber sprechen, dass es so nicht endlos weiter gehen kann. Zu viele haben nicht überlebt, zu viele können nicht mehr, zu viele werden ignoriert und damit überrannt. Wo ist die Rampe? Wo ist die Parkbank? Wo ist der Park zum Verweilen, zum Austausch, zum Planen der weiteren Schritte? Wo ist der Platz zum Demonstrieren, zum Zusammenkommen? Das Wir ist das, was zählt, das was wir haben, soll geschützt werden, gegen die, die es uns nehmen wollen. Wir haben Zeit, wir haben einander, wir haben wichtige Ziele vor Augen (Frieden, Wohlbehagen, Selbstverwirklichung, wirkliche Sicherheit, eine schöne Zukunft) und wir wollen endlich zusammen da ankommen.

Johanna nion Blau, 26.04.2026

Hauptwerke von M.C. Escher hier zu sehen: https://www.escherexplained.com/major-works

Elstergesänge

Schon wieder habe ich das Gefühl, meine Stimme verloren zu haben. Wie ich krächze, wie eine Krähe, wenn ich spreche oder keckere ich doch eher wie eine Elster? In der Serie Wednesday sind Seherinnen aufgeteilt in Tauben und Krähen. Welcher Vogel wäre ich wohl in diesem Kontext? Auf keinen Fall eine gurrende Taube oder eine furchteinflößende Krähe. Eher doch die Elster, schwarz-weiße Seher*in der Familie, die*der Gaukler*in, welche*r alles liebt was glänzt und glitzert? 

Das Singen gab mir eine Stimme, die umfangreich, stark und ausdrucksvoll klang. Ich habe sie so wenig genutzt, erinnere ich mich an das letzte Jahr zurück. Ja, meine Meinung habe ich öfter gesagt als zuvor. Auf der Bühne habe ich mich wohler gefühlt, aber was würde bleiben, wenn ich für immer von nun an nur noch keckern würde, wie eine Elster? Wer würde mir zuhören und glauben, was ich von mir gebe?

Im Kontext der Sprache, vermutete ich die Stärke in Schönheit, in Wohlklang. Doch das, was gesagt wird, bleibt doch gleich, egal wie es klingt, nur das Echo ändert sich oft; nicht nur der Widerhall im Raum, auch das Feedback der Zuhörenden. Vielleicht halten sich die Menschen die Ohren zu. Vielleicht wenden sie sich ab. Vielleicht versuchen sie gerade durch den ungewohnten Klang genau hinzuhören. Vielleicht fangen sie an, das Gekeckere zu übertönen. Derjenige, der gegen eigene und fremde Widerstände spricht, sollte angesehen und auch angehört werden. Diese meine Stimme ist mein Werkzeug. Sie wird heilen, wie ich heilen werde. Diese meine Stimme wird viele erreichen oder wenige, aber eins weiß ich, es werden die richtigen Leute sein.

Die Elster ist dabei ein starkes Bild, sie nimmt sich, was ihr gefällt, sieht dabei elegant aus und gewandt, sie fliegt vorbei, vielleicht sogar im Schwarm, und schon verdreht sie allen die Köpfe und alle Aufmerksamkeit ist auf die Vogelschar gerichtet. Das entspricht nicht dem Ideal, nach dem ich erzogen worden bin. Meine Großeltern schrieben in mein Poesiealbum:
„Sei wie ein Veilchen im Moose, still, sittsam und rein. Nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Nach diesem Spruch habe ich mich ausgerichtet, als wäre er die Sonne und ich ein kleines bodennahes Pflänzchen, das Glück hat, nicht zertreten zu werden.

Diese Zeiten sind vorbei. Ich will keine Rose sein, eher eine Kletterpflanze. Ich will Blauregen sein, der mit alten und knorrigen Ästen sich um die Substanz windet, und mit seinen lila-bläulichen Blütentrauben eine Idylle schafft, die magisch und verzaubert wirkt. Alle mir auferlegten Beschränkungen werden nun nach und nach bewusst von mir untersucht auf ihre Notwendigkeit und, wenn sie unnütz sind, auf den Kompost geworfen, wo die Krähen darin wühlen dürfen und die Tauben. Ich will mich neu entdecken und erfinden. Eine Elster, die im Blauregen sitzt, sich unumwunden ihrer frechen Stimme bedient, um andere Elstern anzulocken, auf das sie zusammen ihre leiseren, melodischen Elstergesänge anstimmen und mit lautem Gekeckere ihren Schabernack treiben können. Ich freue mich auf den Spaß und die Abenteuer, die daraus entstehen werden.

Johanna nion Blau, 14.04.2026

März ist fast vorbei – Über gesellschaftliche Zusammenhänge

Innovation passiert an den Rändern, an den Zacken und Rissen der Gesellschaft oder der Stadt.Von da geht kreative Veränderung aus, mittels Kooperation durch Solidarität und über Sichtbarkeit sowie Teilhabe von Menschen an unserer Gesellschaft. Dies sind Werte, welche wir in der aktuellen Zeit hochhalten müssen, um dem Sturm darauf etwas Fundamentales entgegenzusetzen.

Denn wenn ein Mensch in Machtposition oder sogar mehrere Menschen, dieser Innovation entgegensteht mit politischer, finanzieller und institutioneller Macht, dann ist das gefährdet, was die Menschheit seit jeher zusammen gebracht und weitergebracht hat. Die Engagierten der Gesellschaft sehen sich abgewertet, ausgespielt und auf die Auswechsel- oder Strafbank befördert. Dabei spielt die Willkür der Mächtigen eine große Rolle im Aufkeimen des „Vorauseilenden Gehorsams“ von Vereinen, einzelnen Personen des Öffentlichen Lebens und sogar Nicht-Regierungs-Organisationen.

Menschen und Gruppen von Menschen werden gegeneinander ausgespielt. Die Regeln der Gesellschaft machen dieses Spiel unfair. Visuelle Medien bedienen in Talkshows und anderen Formaten die ewigen Muster des Ausgleichs, der Objektivität und der Professionalität. Sie machen sich damit zu Sprachrohren der Menschen, die schon viel Macht besitzen, und verstärken so die bestehenden Verhältnisse, anstatt sie zu hinterfragen, zu kritisieren und Vorschläge für Verbesserungen zu diskutieren.

In einer Welt, die durch Geldflüsse organisiert ist, ist das Kappen finanzieller Mittel ein starker Eingriff in die Unabhängigkeit demokratischer Teilnehmenden. Dabei werden offensichtlich und ohne große Erklärung oder auch nur grundlegende Rechtfertigung politische Gegner angegriffen. Gesellschaftliche Strukturen, die entstanden sind, um Lücken in der Versorgung von Menschen zu schließen werden angegriffen. Diese Lücken reißen wieder auf. Ein bezeichnendes Beispiel ist die psychosoziale Versorgung von queeren Menschen mit Fluchterfahrung,deren Finanzierung gestrichen wurde.

Für alle Menschen ist die psychotherapeutische und sozialpädagogische Versorgung äußerst wichtig für Wohlbefinden und Gesundheit. Die Abwertung der Arbeit von Sozialarbeiter*innen und Psychotherapeut*innen, der Berater*innen für Betroffene von verschiedenen Formen der Gewalt, findet seit Jahren durch Politik und andere Akteure statt.

Aus eigener Erfahrung, kennt die*der Autor*in die Ausrichtung der Psychiatrien auf die Arbeitsfähigkeit, der zu behandelnden Personen. Dabei wird ein biologistisches Menschenbild angeführt und für jedes Gefühl zu wenig oder zu viel gibt es eine oder mehr Medikamente. Bis die Person sich wieder fähig und willig zeigt, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen, oder berentet und somit aussortiert wird ohne Möglichkeit Fortbildungen finanziert zu bekommen.

Dieses Bild des Menschen, der zu funktionieren, zu arbeiten, zu leisten hat und sonst wenig bis nichts wert ist, kennen wir aus der deutschen Geschichte vom preußischen Soldaten, von der Freude der Männer, sich opfern zu dürfen für die eigene Nation im ersten Weltkrieg. Die Experimente und Morde an etwa 200.000 Menschen mit Behinderungen in Nazideutschland vor und während des zweiten Weltkrieg sind EIN grausamster, monströser Akt derer, die überzeugt waren, jemand ist nur etwas wert, wenn er etwas im Sinne der körperlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten leisten kann und/oder will.

Im Turbokapitalismus mit dem dritten Weltkrieg drohend über uns wie die Schwerter des Damokles, haben wir dieses Weltbild nicht hinterfragt und aufgearbeitet, sondern weiter gepflegt. Männer mit unendlich viel Geld, Ressourcen und politischer Macht bestimmen,wer was auf dem Planeten tut oder nicht tut. Der deutsche Bundeskanzler bestimmt zusammen mit großen Teilen der Christlich Demokratischen Union in Deutschland, was zur Kultur gehört und wer eher keine Preise oder sonstige finanzielle Unterstützung vom Staat zu bekommen hat.

Stellen Sie sich einmal vor der Bibliothek von Alexandria wäre durch einen Herrscher der Geldhahn zugedreht worden und sie wäre dem Verfall anheimgefallen. Wenn die Weisheit der Menschen, wenn der Zusammenhalt, die Solidarität der Menschen zerfetzt werden soll aber so viele Sollbruchstellen schon alleine durch die gesellschaftlichen Diskurse vorhanden sind, dann ist es für Merz, Weimer und Co. Gerade nicht schwer uns weiter zu entzweien. Die Phalanx, der wir als Menschheit entgegenstehen müssen, ist eine aus denen, die von unserer Spaltung profitieren.

Die Hoffnung, des*der Autor*in, ist ein breiter gesellschaftlicher Zusammenschluss; ein Aufbäumen der Gesellschaft gegen die Kleptokratien, die Autokratien, die Diktaturen, die Faschistischen Organisationen und Staaten.

Wir können uns heute und schon früher konnten wir uns eine gerechte, offene und vielfältige Welt vorstellen. Nicht nur dass, auch in der Menschheitsgeschichte hat sie existiert. Die Umverteilung der Ressourcen ist notwendig, damit alle auf diesem Planeten ein gutes Leben haben und sie ist möglich.

Der Schutz der Natur und unserer Umwelt ist die dringendste Aufgabe, die wir als Menschheit angehen müssen und die uns alles abverlangen wird. Lassen wir nicht weiter zu, dass Technokraten die letzten brauchbaren Ressourcen und viel zu viel Energie dafür verwenden, die K.I. zu fragen, wann das neueste Smartphone auf dem Markt verfügbar sein wird.

Die Uhr zeigt fünf nach zwölf aber für die folgenden Generationen von Menschen, Tieren und anderen Lebewesen auf diesem Planeten dürfen wir nicht in Verzweiflung verfallen. Lasst uns hoffen, lasst uns lieben und lachen, lasst uns nach Selbstverwirklichung streben, als Gegenentwurf zum Gehorsam.

Lasst uns künstlerisch unser Leben gestalten, aussteigen und einsteigen, was gesellschaftliche Prozesse angeht, uns engagieren und dabei die Fürsorge für uns selbst nicht vergessen. Lasst uns unsere Psyche heilen und so den generationsübergreifenden Traumata entgegentreten, die diese Gesellschaft lähmen und begrenzen. Es kann noch schön werden für alle oder es kann wieder schön werden. Ich bin davon überzeugt. Diese Überzeugung lässt mich schreiben und sprechen und singen.

Herzliche Grüße

Johanna nion Blau, 29.03.2026

Ein steinerner Kokon

Hab mich umgeben mit schlechtem Atem
War geduldig mit falschem Schein
Der Rückzug in meinen heiligen Garten
War notwendig, hier nun nur Ruhe und Sein.

Hab mich selbst doch eingesponnen in Beton
Schwebe im Raum umgeben von steinernem Kokon
und angefüllt mit Schmerzen
Die, die ich war, löst sich auf, um die, die ich werde, zu herzen.

Das Wandern in der Dunklen Stunden
Das Sein in sich; wie zerfurcht und eingegraben: Wut
Es lastete auf mir, es schützte mich, ich trug
Mich hin zu meinen alten Wunden.

Nun möchte ich mich zeigen
Der Welt und allen, die darin schweigen
Wie sich lösen aus dem Stein, der mich umgibt?
Da, die Scherbe der letzten Aufregung, die mir vergibt,

Wenn ich sie aufhebe,
Sie ist die diamantene Träne.
Wie sie edel den Beton zerfetzt.
Damit ich mich, in diese Welt neu säe:
Flügelschlagend, schillernd, Raumgreifend und jetzt.

Johanna nion Blau, 13. März 2026