Innovation passiert an den Rändern, an den Zacken und Rissen der Gesellschaft oder der Stadt.Von da geht kreative Veränderung aus, mittels Kooperation durch Solidarität und über Sichtbarkeit sowie Teilhabe von Menschen an unserer Gesellschaft. Dies sind Werte, welche wir in der aktuellen Zeit hochhalten müssen, um dem Sturm darauf etwas Fundamentales entgegenzusetzen.
Denn wenn ein Mensch in Machtposition oder sogar mehrere Menschen, dieser Innovation entgegensteht mit politischer, finanzieller und institutioneller Macht, dann ist das gefährdet, was die Menschheit seit jeher zusammen gebracht und weitergebracht hat. Die Engagierten der Gesellschaft sehen sich abgewertet, ausgespielt und auf die Auswechsel- oder Strafbank befördert. Dabei spielt die Willkür der Mächtigen eine große Rolle im Aufkeimen des „Vorauseilenden Gehorsams“ von Vereinen, einzelnen Personen des Öffentlichen Lebens und sogar Nicht-Regierungs-Organisationen.
Menschen und Gruppen von Menschen werden gegeneinander ausgespielt. Die Regeln der Gesellschaft machen dieses Spiel unfair. Visuelle Medien bedienen in Talkshows und anderen Formaten die ewigen Muster des Ausgleichs, der Objektivität und der Professionalität. Sie machen sich damit zu Sprachrohren der Menschen, die schon viel Macht besitzen, und verstärken so die bestehenden Verhältnisse, anstatt sie zu hinterfragen, zu kritisieren und Vorschläge für Verbesserungen zu diskutieren.
In einer Welt, die durch Geldflüsse organisiert ist, ist das Kappen finanzieller Mittel ein starker Eingriff in die Unabhängigkeit demokratischer Teilnehmenden. Dabei werden offensichtlich und ohne große Erklärung oder auch nur grundlegende Rechtfertigung politische Gegner angegriffen. Gesellschaftliche Strukturen, die entstanden sind, um Lücken in der Versorgung von Menschen zu schließen werden angegriffen. Diese Lücken reißen wieder auf. Ein bezeichnendes Beispiel ist die psychosoziale Versorgung von queeren Menschen mit Fluchterfahrung,deren Finanzierung gestrichen wurde.
Für alle Menschen ist die psychotherapeutische und sozialpädagogische Versorgung äußerst wichtig für Wohlbefinden und Gesundheit. Die Abwertung der Arbeit von Sozialarbeiter*innen und Psychotherapeut*innen, der Berater*innen für Betroffene von verschiedenen Formen der Gewalt, findet seit Jahren durch Politik und andere Akteure statt.
Aus eigener Erfahrung, kennt die*der Autor*in die Ausrichtung der Psychiatrien auf die Arbeitsfähigkeit, der zu behandelnden Personen. Dabei wird ein biologistisches Menschenbild angeführt und für jedes Gefühl zu wenig oder zu viel gibt es eine oder mehr Medikamente. Bis die Person sich wieder fähig und willig zeigt, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen, oder berentet und somit aussortiert wird ohne Möglichkeit Fortbildungen finanziert zu bekommen.
Dieses Bild des Menschen, der zu funktionieren, zu arbeiten, zu leisten hat und sonst wenig bis nichts wert ist, kennen wir aus der deutschen Geschichte vom preußischen Soldaten, von der Freude der Männer, sich opfern zu dürfen für die eigene Nation im ersten Weltkrieg. Die Experimente und Morde an etwa 200.000 Menschen mit Behinderungen in Nazideutschland vor und während des zweiten Weltkrieg sind EIN grausamster, monströser Akt derer, die überzeugt waren, jemand ist nur etwas wert, wenn er etwas im Sinne der körperlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten leisten kann und/oder will.
Im Turbokapitalismus mit dem dritten Weltkrieg drohend über uns wie die Schwerter des Damokles, haben wir dieses Weltbild nicht hinterfragt und aufgearbeitet, sondern weiter gepflegt. Männer mit unendlich viel Geld, Ressourcen und politischer Macht bestimmen,wer was auf dem Planeten tut oder nicht tut. Der deutsche Bundeskanzler bestimmt zusammen mit großen Teilen der Christlich Demokratischen Union in Deutschland, was zur Kultur gehört und wer eher keine Preise oder sonstige finanzielle Unterstützung vom Staat zu bekommen hat.
Stellen Sie sich einmal vor der Bibliothek von Alexandria wäre durch einen Herrscher der Geldhahn zugedreht worden und sie wäre dem Verfall anheimgefallen. Wenn die Weisheit der Menschen, wenn der Zusammenhalt, die Solidarität der Menschen zerfetzt werden soll aber so viele Sollbruchstellen schon alleine durch die gesellschaftlichen Diskurse vorhanden sind, dann ist es für Merz, Weimer und Co. Gerade nicht schwer uns weiter zu entzweien. Die Phalanx, der wir als Menschheit entgegenstehen müssen, ist eine aus denen, die von unserer Spaltung profitieren.
Die Hoffnung, des*der Autor*in, ist ein breiter gesellschaftlicher Zusammenschluss; ein Aufbäumen der Gesellschaft gegen die Kleptokratien, die Autokratien, die Diktaturen, die Faschistischen Organisationen und Staaten.
Wir können uns heute und schon früher konnten wir uns eine gerechte, offene und vielfältige Welt vorstellen. Nicht nur dass, auch in der Menschheitsgeschichte hat sie existiert. Die Umverteilung der Ressourcen ist notwendig, damit alle auf diesem Planeten ein gutes Leben haben und sie ist möglich.
Der Schutz der Natur und unserer Umwelt ist die dringendste Aufgabe, die wir als Menschheit angehen müssen und die uns alles abverlangen wird. Lassen wir nicht weiter zu, dass Technokraten die letzten brauchbaren Ressourcen und viel zu viel Energie dafür verwenden, die K.I. zu fragen, wann das neueste Smartphone auf dem Markt verfügbar sein wird.
Die Uhr zeigt fünf nach zwölf aber für die folgenden Generationen von Menschen, Tieren und anderen Lebewesen auf diesem Planeten dürfen wir nicht in Verzweiflung verfallen. Lasst uns hoffen, lasst uns lieben und lachen, lasst uns nach Selbstverwirklichung streben, als Gegenentwurf zum Gehorsam.
Lasst uns künstlerisch unser Leben gestalten, aussteigen und einsteigen, was gesellschaftliche Prozesse angeht, uns engagieren und dabei die Fürsorge für uns selbst nicht vergessen. Lasst uns unsere Psyche heilen und so den generationsübergreifenden Traumata entgegentreten, die diese Gesellschaft lähmen und begrenzen. Es kann noch schön werden für alle oder es kann wieder schön werden. Ich bin davon überzeugt. Diese Überzeugung lässt mich schreiben und sprechen und singen.
Herzliche Grüße
Johanna nion Blau, 29.03.2026
