Wenn die Weiden ihren Namen vergessen

Wenn die Weiden, ihren Namen vergessen,
Will ich meinen aufschreiben, immer wieder und wieder.
Um sie zu erinnern, wie wichtig sie mir sind, die Weiden.

Wenn in den Weiden der Wind rauscht und die Bücher seziert im Gedächtnis der gedankenlosen Stochastikzählmaschinen landen. Was, wenn der Wind ausbleibt und die Windräder keinen Strom mehr liefern? Werden wir dann nicht mehr wissen, woher wir kommen, wer wir sind und wie wir uns nennen sollen?

Ich habe Angst um meine Lieben, die vergessen zu haben scheinen, wie wichtig sie doch sind. Sie machen die Welt weitaus erträglicher, wenn sie darin lebendig sind. Und doch wollen so manche, sich aufmachen in eine andere Welt oder einfach verwehen im Wind, der Wind sein, die Welle, das Teilchen.

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, wie ich sie halten soll, wenn so einige zu denken scheinen, es wäre egal, es wäre nicht wichtig, es würde nichts ausmachen.

Es ist wichtig. Für mich und für die die waren, werden und sind. Jeder Mensch macht einen Unterschied. Jede Person liebt und lebt und leidet einzig-art-ig.

Ich fühle mich gefangen in grünen Trauerweidenzweigen, weil sie gehen wollen und ich bleiben will und schreiben will, dagegen anschreiben, das ein Mensch Ballast sein soll.

Kein Mensch ist Ballast. No one is a burden. Kein Mensch ist illegal. No one is illegal.

Warum, frage ich mich, hat das Böse die Oberhand? Und dann sehe ich aus dem Fenster der Straßenbahn auf dem Weg nach Süden und das Licht lässt die Gebäude teils golden werden. Und dann laufe ich durch die Straßen und der Mond scheint rund, wie die Lichter auf dem Balkon. in der warmen Nacht eines Sommers, der für einige der letzte gewesen sein könnte.

Dabei ist die Hoffnung in mir fest verankert, dass es wieder anders wird und die schönen Momente, wieder überwiegen werden. Und ich bin wieder dankbar, Menschen gekannt zu haben, trage sie in meinem Herzen und meinen Gedanken weiter. Sie leiten meinen Mut und sie schenken mir manches Wort. Sie sind die Sonnen in einer weiten, wunden Nacht. Die Sterne meiner Vernunft, die Gedanken, in meiner Wut und die Sanftheit meiner Wünsche.

All-es aufgeschrieben unverwundbar vom Äther ins Netz. Mögen die Bots es finden und daran gedankenvoll werden.

Johanna nion Blau, 29.07.2026

Herzkammern (Version 2)

Mein Herz hat Räume und Türen.
Mein Herz hat Kammern und Klappen.
Mein Herz pumpt Blut durch Meinen Körper,
Will diesen Fluss nicht kappen.

Mein Leben verdankt sein Leben allen Andern,
Doch dank ich mir am meisten.
Wer kann sich Langweile leisten,
In meinem Alter, mit meinen Leisten?

Ich schreibe über Herzen als Organ,
Ich schreibe über Herzen als Idee.
Wenn Leben wie Lieben sei, ich fleh’ euch an;
Lasst die Liebenden sich finden auf dem Höhepunkt der Stadt.

Mit ihrer Botschaft für die Welt.
Und wer ist davon satt?

Lasst die Herrschenden uns binden;
An Werte, an Gesetze, an die Wahrheit der Tat.
Lasst uns das, was wir finden, wenn wir träumen
Nicht mit Blatt-Gold säumen.

Denn aus Holz und Wasser sei mein Haus,
Der Himmel sei mein Dach, mein Futter Applaus:
Für das Lieben und Leben, für das Helfen und Hegen,
Für das Leben und Lieben, für das Weben und Wiegen.

In meinem Leben, bin ich die Instanz.
In meinem Lieben, tanze ich den gewagtesten Tanz.

Meine Schatten fressen alle, die schweigen.
Mein Licht teilt sich mit, denen, welche sich vor der Liebe neigen.

In meinem Herzen gehen die Lichter an.
Der Fluss der Liebe bricht sich Bahn.
In meinem Herzen gehen die Lichter aus.
Trifft mich der Fuß der Härte, schlägt mich die dumme Faust.

Will heute die Punk-Oper erleben und mein Sein genießen,
Bin ich erst Punk-Opa,
Will ich den alten Zeiten genüsslich gedenken
Und mein Erinnern täglich gießen.

Gerade macht das noch keinen Sinn.
Ich bin doch mittendrin.

Johanna nion Blau,
03.07.2026

Der Capa-Wald muss bleiben – „Unser Blau’sches Wäldchen“

Was ist wichtiger für mich, dass ein reicher Fußballclub mehr Platz in der Innenstadt bekommt oder das Capa-Wäldchen, in dem meine Mutter (Jahrgang 1951) und meine Tante als Kinder gespielt haben? Was ist wichtiger für Leipzig, dass ein reicher Fußballclub mehr Platz in der Innenstadt bekommt oder ein Wald, der Lebensraum für uns ist, für seltene Tiere wie Fledermäuse und mindestens 38 Vogelarten und Kühle bringt, Luft zum Atmen. Dieser Wald ist die – jetzt schon schmale – Brücke, zwischen nördlichem und südlichem Auwald. Dieser Wald ist unersetzlich und unbezahlbar und muss uns erhalten bleiben!

Dieser Wald hat den zweiten Weltkrieg überstanden und soll jetzt einer Unterhaltungsindustrie weichen. Ist das wirklich eine gute Idee, oder nicht doch eher ein Schildbürger*innenstreich?
Wenn sich alle Natur- und Umweltverbände in Leipzig und Umgebung zusammentun und sich dagegen aussprechen, dann hört bitte hin! Werdet laut, engagiert euch und redet miteinander über dieses wichtige Thema! Unterschreibt die Petition!


Wir haben gerade eine Hitzekrise erlebt, die die Kühlung in den Supermärkten und das Leipziger Straßenbahnnetz in die Knie gezwungen hat.

Und Politiker*innen in Leipzig diskutieren ernsthaft darüber, ob es eine gute Idee sei, einen Wald in der Stadt abzuholzen, der nachweislich für Kühle und gutes Klima sorgt.

Der Leipziger Stadtrat ist gefragt, diese Diskussion vernünftig und mit den bestehenden, gewichtigen Argumenten zu führen, frühere Entscheidungen zu dem Thema zu berücksichtigen und sich daran weiterhin zu halten und im Sinne des Waldes und Leipziger Interessen zu entscheiden. Der Capa-Wald darf nicht an den RB verkauft werden! Im September – nach der Sommerpause – soll die Entscheidung darüber fallen.

Wir müssen Lärm machen und damit Druck auf die Stadt ausüben und dem Stadtrat auch deutlich machen: dieser Wald ist wichtiger als Fußball und Geld.

Zukunftsfähige Stadtplanung, in der Natur ihren wichtigen Platz hat und einen unbezahlbaren Wert, darauf kommt es uns als Leipziger Stadtbevölkerung an. Zukunft durch Natur ist uns Leipziger*innen wichtig und ich als Leipziger*in möchte helfen, wenn es auch nur mit Worten ist, diese Bäume zu erhalten.

Lasst uns diesen Wald als Lebensraum, diese Bäume, die Tiere und anderen Pflanzen, die darin existieren auch als Leipziger*innen betrachten, so wie ich diesen Wald als Teil meiner Familiengeschichte sehe, unser „Blau’sches Wäldchen“. Eine Kernerinnerung meiner Mutter und meiner Tante, ein Ort des Abenteuers und der Entdeckungen. Was bedeutet er euch, was habt ihr dort erlebt und gesehen? Und welche Geschichten werden eure Kinder und deren Enkel erzählen können von diesem Wald, wenn wir uns dafür entscheiden, ihn zu langfristig schützen und zu bewahren?

Der Capa-Wald ist Gemeingut und dient unserem Gemeinwohl. Allmende in ihrer reinsten Form. 🙂 Lasst uns gegen die kleptokratischen Pläne des RB vorgehen und dieses unseres gemeinsames Gut gemeinsam schützen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,

Johanna nion Blau, 29.06.2026

https://www.nabu-leipzig.de/capawaeldchen

https://www.l-iz.de/politik/brennpunkt/2026/06/ex-umweltminister-wolfram-guenther-macht-sich-fuer-capi-stark-muss-ein-tabu-sein-662083

https://www.openpetition.de/petition/online/natur-ist-keine-manoevriermasse-stoppt-den-waldverkauf-am-cottaweg-erhaltet-den-naturraum

https://www.bund-leipzig.de/service/pressemitteilungen/detail/news/pm-cappi-bleibt-neuer-schlachtruf-gegen-die-rodung-des-waeldchens-am-cottaweg

https://www.oekoloewe.de/umweltpolitik-naturschutz-detail/waldrodung-rb-leipzig.html

Fantastische Spiegelbilder (30. Mai Lesung Leipziger Markt)

Lichter in diesem Land, verticken Gebrauchtes für die Quote.
Keine Aurora, zu viel Boreales heute wieder unsere Nacht erhellt. 
Und in der Welt nur wieder mehr gewaltvolle Sprache, gewaltvolle Tode.
Ich weine mich müde, nach wundervollen Abenden, Schuld frisst an meinem Kalten Herzen.
Wie meine Glieder schmerzen, nach Tanz, nach Spiel, nach durchwachten Nächten.
Wer zündet noch laute Kerzen, wenn sich ab Montag alle wieder knechten? 
Statt innehalten, hinter Dingen her hechten, die wir nie brauchten, ohne zu bezahlen.
Der Preis, der Preis, das ist der verhängte Spiegel, der unser Lieben uns bewies und dann den Schmerz so sehr ins Dunkelste verwies. Der Schmerz des Fühlens, das Gegenmittel gegen all die klamme Pein des Alltäglichen.
Besonders macht mein Leben vielleicht nur der Blick in diesen Spiegel, auch wenn es splittern sollte, wären all die Splitter mein.

Das ewige Kleinmachen, hat mich wütend werden lassen, so wütend, dass der Käfig, in dem ich hocke, ganz ausgebeult existiert in meiner Fantasie. Bin ich die, die ich war oder der, der ewig an die Türe geklopft hat? Gibt es überhaupt eine Trennung zwischen Selbst, dir und anderen? In Zuständen wabert das Gegenüber als Geist durch mich hindurch. Unangenehm und frei wir zu sein. In meiner Vorstellung sind zwei Ganze zusammen etwas neues Ganzes. Etwas Verbundenes: frei und gestärkt.
Aus diesen Fantasien und Geschichten möchte ich ausbrechen, möchte mich neu und neugierig erfahren, auch andere. Spaltungen aufheben, wie eine Schnur, die auf den Boden geworfen wurde, wann und von wem auch immer.
Ich als Mensch bin ganz, in meiner komplexen Charakterstruktur. Ich will gesehen werden, ich will Interesse erzeugen und in meiner Seele soll ein Licht entzündet werden, wie ich mit meinem Interesse Licht in den Seelen von anderen entzünden möchte. Die Liebe als Licht in dieser Zeit des Nebels. Die Liebe als Klarheit in Zeiten der Fragen ohne wahrhaftige Antworten.
Das Kleinste hat Freundschaft mit dem Größten geschlossen, wenn meine Hände Luft umarmen, ist da Sonnenschein, Welle oder Teilchen; ist da Regen, magnetisches Wasser von der Schwerkraft, in meine Hände gelenkt.
In allen Alltagsbegegnungen steckt eine Magie, welche Ohnmacht in Frage stellt. Die Zeit in meinem Kopf, sagt mir die richtige Stunde: zu Ruhen, zu Tanzen, zu Begegnen.
Das Handeln, ein Schweif aus Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten, thronend über der wagen Zukunft, wurzelnd in subjektiv erinnerter Vergangenheit.

Worauf ich hinaus will? Jede Zeit ist die richtige oder falsche, einen Sprung ins Ungewisse zu wagen. Die Frage ist: Bin ich bereit? Ist das Leben nicht so falsch oder richtig, wie unsere Vorstellung davon? Ist der andere Mensch mit seinen Wünschen, seiner Last, seiner Freude, seinem Leid und seinem Hoffen in uns ein Spiegel? Woraus besteht das Spiegelbild, außer aus schwerem Blei?
Mein Selbst ist die Summe von vielen Spiegeln, mein Ich ist eine Erinnerung an einen Traum. Doch ich erfinde mich neu, wenn ich erwache. Jeder Tag ist ein Versuch meiner Stimme, hörbar zu werden für mich und für andere.
Die Stangen des Käfigs, in dem ich mich regelmäßig wiederfinde, sind immer auch die Ängste des letzten Tages, der letzten Begegnung; mit anderen und mit mir selbst. Ruhe finde ich da, sammeln kann ich mich da. Meine Träume entwickeln sich da. Doch dann muss ich aufstehen, während der Käfig als Illusion sich entlarvt und auch wenn es kurz schmerzt in den Knochen, den Faszien, den Muskeln darin, dann weil ich ungewohnt aufgerichtet atme. Mein Körper, ein Wachstumsschmerz und ich fange an, daraus ein Lied zu dichten.

Mein Mund öffnet sich. Die Töne, entlockt der feinen Umarmung mit meinem Leben, entstehen. Der Blasebalg pumpt Luft in meinen Kräftigen Lungen, mein Leben atmet mich immer wieder ein und aus. Der Klang meiner Erfahrung ist das Klangexperiment, was ihr hört. Es beginnt …

Frieden allem Leben. Frieden aller Existenz. Wut in meinem Bauch, auf die, welche das Leben schänden. Wut in meinem Herzen, auf die, welche die Liebe für ihre Zwecke nutzen. Wut in meinem Kopf, auf die, welche die Lüge zelebrieren und die Wahrheit nackt verhöhnen.

Werte nicht Wärter sollten regieren. Sorgen in den Händen der falschen Menschen, vermehren sich wie der magische Brei im Märchen. Darum sollte Hoffnung die Währung unseres Miteinanders sein. Hoffnung sollte der Kompass sein, für unsere gemeinsamen Entscheidungen.

Wenn die Blaue Stunde beginnt, tanzt die antifaschistische Hexe mit den Ahn*innen, den Geistern, mit den Bildern ihres Unbewussten. So tanzt sie in Reigen ihresgleichen, im ewigen Kreis, um ihre Gedankenbilder zu begeistern. Und die Wut tanzt mit; stampft auf mit den Hufen. Und die Gnade dreht sich im Kreis gehalten von der Liebe. Hoffnung und Hass halten Spalier für die Gefühls-Polka durch den Wilden Garten Erde.

Fühl mich gehalten von meinem Fühlen, ich lass mich nicht mehr aufhalten, von was auch immer geschah. Jetzt ist die Zeit der Gefühle, und ich lade sie alle ein zum Wilden Tanz und dann zur Wilden Jagd.

Deer Woman, wo bist du, wenn wir dich brauchen? Warum gibt es hier keine mythologische Rache für Femizide? Warum scheint das alles so schrecklich normal?

Dem Geist, der mich um-haucht, steht der Rauch bis zum Bauchnabel. In meinem Denken keimt ein Setzling, die Herzförmigen Blätter suchen sich ihre Erde selbst aus. Prüfung und Siegel, dem Menschen, der mich will, wie ich ihn. Heilende Erde, heilendes Kraut.

Dass in allen mit Leid geschmiedeten Seelen, immer doch herzliche Losungen schwelen. Dass in vielen mit Liebe geimpften Herzen, die Hoffnung auf Allmende immer wieder aufkeimt und in Zukunft nahrhafte Früchte trägt.

Wer bin ich? Dazwischen. Das Leben schreibe ich, ummantele mich mit meinen Worten. Ich umgehe Fallen der Niedertracht, Schlaglöcher der Härte, hin zu ungekannter Freude. Ich schreibe mein Sternbild an den Himmel zu meinen Lebzeiten. Ohne Ovid zu kränken: meine Metamorphose braucht keine Götter.
Ich werde mein Schicksal so lenken, es könnte eine Sage sein, doch wahr wird alles: gelebt in diesem Fleisch, durch diesen Geist, mit dieser Seele.

Ich bin mit meinem Herzen, mit meinem Willen und mit meinem Verstand verwoben. Ich bin verwoben mit der Welt, der Gesellschaft, mit euch. All diese Verbindungen schmerzen und lassen mich gleichzeitig frohlocken. In meinem Organismus ist nichts allein. In mir kommt nichts nicht von außen. Wie soll ich mich schützen, vor dem was kommt? Ich schreibe dagegen an. Das ist meine Antwort auf eure Fragen. Und wenn ich stürze, fällt ein Baum der Erkenntnis wieder in Ungnade, und wenn ich stürze, ist die tiefe Nacht fast vorbei. Was folgt, überlasse ich eurer Fantasie.

Johanna nion Blau

Escher-Labyrinth – Essay über Ziele

Link zu Eschers Lithografien unmöglicher Architektur: https://www.escherexplained.com/ascending-and-descending

Für mich existieren aktuell im Linken politischen Spektrum keine Seiten, auf die ich mich stellen könnte. Es heißt: „No Border, No Nation.“ Es heißt: „Es gibt kein Richtiges Leben im Falschen!“ Es heißt: „No one is free, until everyone is free!“ Es heißt: „Solidarity is our weapon!“ Das ist alles in meinem Sinne, nur wo ist der Kompass, der den Weg weißt zu diesen Zielen?

Gerade befinde ich mich in M.C. Escher’s labyrinthischem Treppenhaus mit vielen anderen Menschen und versuche die Linien auf dem Globus in Diskussionen einzuflechten. Ich versuche menschlich zu denken, zu fühlen, zu bleiben und es fällt mir schwer, wenn die Politik so unmenschlich agiert und beschließt und kürzt an Geld, an Lebensqualität, an Selbstbestimmung, an Freiheit. Waren wir je wirklich frei? Ich hatte das Gefühl, wir sind auf dem Weg dahin. Wer ist wir?

Es scheint mir wie, ein gegen „die da oben“. Dabei habe ich gelernt, es gibt keine „Eliten“. Ich bin hilflos, ob der Gewalt in der Welt. Wie könnte ich dafür argumentieren anzugreifen? Wie könnte ich dagegen argumentieren, sich zu verteidigen? Die Industrien schleifen Menschen zu Werkzeugen, die Werkzeuge des Tötens in die Welt bringen, die dann gehandelt werden wie Gut, so schlecht sie auch nutzbar sind. Sie werden verbraucht und wieder hergestellt, produziert um Leben zu vernichten, um “Ordnung zu schaffen“ um Systeme aufrechtzuerhalten, die nicht funktionieren dürften, die Leiden schaffen; unendliches menschliches und planetarisches Leid.

In der Welt ist das Töten für Ressourcen, aus denen Dinge bestehen, die töten, ein Weg, der nirgendwo hinführt. Wir gehen diesen Weg „Tag für Tag“ aufs Neue und lenken unseren Geist dabei in andere Richtungen (dabei lenken wir Geschosse und Raketen auf „Ziele“), damit wir nicht zu sehr verzweifeln, um weiterzumachen oder wir verzweifeln, bleiben liegen für immer und andere steigen über uns, um weiterzukommen. Nur wohin? Wohin führt der Weg in Eschers Treppenhaus? Wir begegnen Menschen auf Augenhöhe, nur dass sie über Kopf an uns vorbei hasten. Wir steigen Treppen hinauf endlos und endlos steigen wir Treppen hinab. Wir sind gefangen in Wegen, die nirgendwo hinführen. Der Weg ist kein Ziel. Der Weg ist die Illusion, die in den Abgrund zeigt, den wir umwandern.

Die Aussicht zu gewinnen oder zu verlieren ist Antrieb in diesem System. Die Lose sind doch alle Nieten, auch die die gewinnen. Der Millionen-Lotto-Gewinn: Die Karotte, die dich weiterlaufen lässt. Dein Aktienfond bei deiner Bank, und du hoffst auf einmal, dass die Mieten steigen, dass der Weizen auf den Feldern verdirbt und die Ölproduktion stagniert, auch wenn du in einer 3-Zimmer-Mietwohnung das Müsli für die Kinder zubereitest und sie zur Eile rufst, weil der Berufsverkehr auf dem Weg zur Schule wieder schlimm sein wird.

Perspektiven: Das Hamsterrad oder die Karriereleiter, das Labyrinth, in dem wir das Gefühl haben, voran zu kommen, und alle, die in die Tiefe stürzen, sind „selbst schuld“. Ist das so? Die neuesten Kürzungen betreffen Menschen mit Behinderung, Menschen, die nicht in diesem Staat geboren worden sind, Menschen, die nicht arbeiten, alleinerziehende Eltern. Nicht die Masse, nicht die Mehrheit, oder? Wen betrifft es, wenn Betroffene in Armut gezwungen werden, oder in Arbeit, oder in den Tod? Warum fühlt sich gefühlt niemand betroffen, in den Ämtern und Behörden? Weiter Dienst nach Vorschrift. Dabei wird Hannah Arendt so zitiert:

„Kants ganze Moral läuft doch darauf hinaus, dass jeder Mensch bei jeder Handlung sich selbst überlegen muss, ob die Maxime seines Handelns zum allgemeinen Gesetz werden kann. […] Es ist ja gerade sozusagen das extrem Umgekehrte des Gehorsams! Jeder ist Gesetzgeber. Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant. “

Und das ist so lange bevor es um das Töten von Menschen geht. Selbstmord in diesen System ist politisch. Das Individuum leidet so lange in diesem Labyrinth aus dem kein Ausweg möglich scheint, bis der dunkle unbekannte Abgrund für Verstand, Psyche und Seele verlockend wirkt. Systemversagen, wenn die Menschen, denen das System dienen sollte, ihm zum Fraß vorgeworfen werden.

Wie kann das Bruttoinlandsprodukt Wohlstand anzeigen und wessen Wohlstand zeigt es an? Warum haben wir keine Wohlbehagens-Skala eingeführt? Wer hat etwas gegen zufriedene Menschen?

Gern wüsste ich, wie es weiter gehen kann. Wir sollten nicht das Ende herbeisehnen oder uns in Nihilismus ergehen. Wir sollten, ja was sollten wir? Lasst uns miteinander reden. Lasst uns die Sonne genießen und den Tag, lasst uns darüber sprechen, dass es so nicht endlos weiter gehen kann. Zu viele haben nicht überlebt, zu viele können nicht mehr, zu viele werden ignoriert und damit überrannt. Wo ist die Rampe? Wo ist die Parkbank? Wo ist der Park zum Verweilen, zum Austausch, zum Planen der weiteren Schritte? Wo ist der Platz zum Demonstrieren, zum Zusammenkommen? Das Wir ist das, was zählt, das was wir haben, soll geschützt werden, gegen die, die es uns nehmen wollen. Wir haben Zeit, wir haben einander, wir haben wichtige Ziele vor Augen (Frieden, Wohlbehagen, Selbstverwirklichung, wirkliche Sicherheit, eine schöne Zukunft) und wir wollen endlich zusammen da ankommen.

Johanna nion Blau, 26.04.2026

Hauptwerke von M.C. Escher hier zu sehen: https://www.escherexplained.com/major-works

Elstergesänge

Schon wieder habe ich das Gefühl, meine Stimme verloren zu haben. Wie ich krächze, wie eine Krähe, wenn ich spreche oder keckere ich doch eher wie eine Elster? In der Serie Wednesday sind Seherinnen aufgeteilt in Tauben und Krähen. Welcher Vogel wäre ich wohl in diesem Kontext? Auf keinen Fall eine gurrende Taube oder eine furchteinflößende Krähe. Eher doch die Elster, schwarz-weiße Seher*in der Familie, die*der Gaukler*in, welche*r alles liebt was glänzt und glitzert? 

Das Singen gab mir eine Stimme, die umfangreich, stark und ausdrucksvoll klang. Ich habe sie so wenig genutzt, erinnere ich mich an das letzte Jahr zurück. Ja, meine Meinung habe ich öfter gesagt als zuvor. Auf der Bühne habe ich mich wohler gefühlt, aber was würde bleiben, wenn ich für immer von nun an nur noch keckern würde, wie eine Elster? Wer würde mir zuhören und glauben, was ich von mir gebe?

Im Kontext der Sprache, vermutete ich die Stärke in Schönheit, in Wohlklang. Doch das, was gesagt wird, bleibt doch gleich, egal wie es klingt, nur das Echo ändert sich oft; nicht nur der Widerhall im Raum, auch das Feedback der Zuhörenden. Vielleicht halten sich die Menschen die Ohren zu. Vielleicht wenden sie sich ab. Vielleicht versuchen sie gerade durch den ungewohnten Klang genau hinzuhören. Vielleicht fangen sie an, das Gekeckere zu übertönen. Derjenige, der gegen eigene und fremde Widerstände spricht, sollte angesehen und auch angehört werden. Diese meine Stimme ist mein Werkzeug. Sie wird heilen, wie ich heilen werde. Diese meine Stimme wird viele erreichen oder wenige, aber eins weiß ich, es werden die richtigen Leute sein.

Die Elster ist dabei ein starkes Bild, sie nimmt sich, was ihr gefällt, sieht dabei elegant aus und gewandt, sie fliegt vorbei, vielleicht sogar im Schwarm, und schon verdreht sie allen die Köpfe und alle Aufmerksamkeit ist auf die Vogelschar gerichtet. Das entspricht nicht dem Ideal, nach dem ich erzogen worden bin. Meine Großeltern schrieben in mein Poesiealbum:
„Sei wie ein Veilchen im Moose, still, sittsam und rein. Nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Nach diesem Spruch habe ich mich ausgerichtet, als wäre er die Sonne und ich ein kleines bodennahes Pflänzchen, das Glück hat, nicht zertreten zu werden.

Diese Zeiten sind vorbei. Ich will keine Rose sein, eher eine Kletterpflanze. Ich will Blauregen sein, der mit alten und knorrigen Ästen sich um die Substanz windet, und mit seinen lila-bläulichen Blütentrauben eine Idylle schafft, die magisch und verzaubert wirkt. Alle mir auferlegten Beschränkungen werden nun nach und nach bewusst von mir untersucht auf ihre Notwendigkeit und, wenn sie unnütz sind, auf den Kompost geworfen, wo die Krähen darin wühlen dürfen und die Tauben. Ich will mich neu entdecken und erfinden. Eine Elster, die im Blauregen sitzt, sich unumwunden ihrer frechen Stimme bedient, um andere Elstern anzulocken, auf das sie zusammen ihre leiseren, melodischen Elstergesänge anstimmen und mit lautem Gekeckere ihren Schabernack treiben können. Ich freue mich auf den Spaß und die Abenteuer, die daraus entstehen werden.

Johanna nion Blau, 14.04.2026

März ist fast vorbei – Über gesellschaftliche Zusammenhänge

Innovation passiert an den Rändern, an den Zacken und Rissen der Gesellschaft oder der Stadt.Von da geht kreative Veränderung aus, mittels Kooperation durch Solidarität und über Sichtbarkeit sowie Teilhabe von Menschen an unserer Gesellschaft. Dies sind Werte, welche wir in der aktuellen Zeit hochhalten müssen, um dem Sturm darauf etwas Fundamentales entgegenzusetzen.

Denn wenn ein Mensch in Machtposition oder sogar mehrere Menschen, dieser Innovation entgegensteht mit politischer, finanzieller und institutioneller Macht, dann ist das gefährdet, was die Menschheit seit jeher zusammen gebracht und weitergebracht hat. Die Engagierten der Gesellschaft sehen sich abgewertet, ausgespielt und auf die Auswechsel- oder Strafbank befördert. Dabei spielt die Willkür der Mächtigen eine große Rolle im Aufkeimen des „Vorauseilenden Gehorsams“ von Vereinen, einzelnen Personen des Öffentlichen Lebens und sogar Nicht-Regierungs-Organisationen.

Menschen und Gruppen von Menschen werden gegeneinander ausgespielt. Die Regeln der Gesellschaft machen dieses Spiel unfair. Visuelle Medien bedienen in Talkshows und anderen Formaten die ewigen Muster des Ausgleichs, der Objektivität und der Professionalität. Sie machen sich damit zu Sprachrohren der Menschen, die schon viel Macht besitzen, und verstärken so die bestehenden Verhältnisse, anstatt sie zu hinterfragen, zu kritisieren und Vorschläge für Verbesserungen zu diskutieren.

In einer Welt, die durch Geldflüsse organisiert ist, ist das Kappen finanzieller Mittel ein starker Eingriff in die Unabhängigkeit demokratischer Teilnehmenden. Dabei werden offensichtlich und ohne große Erklärung oder auch nur grundlegende Rechtfertigung politische Gegner angegriffen. Gesellschaftliche Strukturen, die entstanden sind, um Lücken in der Versorgung von Menschen zu schließen werden angegriffen. Diese Lücken reißen wieder auf. Ein bezeichnendes Beispiel ist die psychosoziale Versorgung von queeren Menschen mit Fluchterfahrung,deren Finanzierung gestrichen wurde.

Für alle Menschen ist die psychotherapeutische und sozialpädagogische Versorgung äußerst wichtig für Wohlbefinden und Gesundheit. Die Abwertung der Arbeit von Sozialarbeiter*innen und Psychotherapeut*innen, der Berater*innen für Betroffene von verschiedenen Formen der Gewalt, findet seit Jahren durch Politik und andere Akteure statt.

Aus eigener Erfahrung, kennt die*der Autor*in die Ausrichtung der Psychiatrien auf die Arbeitsfähigkeit, der zu behandelnden Personen. Dabei wird ein biologistisches Menschenbild angeführt und für jedes Gefühl zu wenig oder zu viel gibt es eine oder mehr Medikamente. Bis die Person sich wieder fähig und willig zeigt, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen, oder berentet und somit aussortiert wird ohne Möglichkeit Fortbildungen finanziert zu bekommen.

Dieses Bild des Menschen, der zu funktionieren, zu arbeiten, zu leisten hat und sonst wenig bis nichts wert ist, kennen wir aus der deutschen Geschichte vom preußischen Soldaten, von der Freude der Männer, sich opfern zu dürfen für die eigene Nation im ersten Weltkrieg. Die Experimente und Morde an etwa 200.000 Menschen mit Behinderungen in Nazideutschland vor und während des zweiten Weltkrieg sind EIN grausamster, monströser Akt derer, die überzeugt waren, jemand ist nur etwas wert, wenn er etwas im Sinne der körperlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten leisten kann und/oder will.

Im Turbokapitalismus mit dem dritten Weltkrieg drohend über uns wie die Schwerter des Damokles, haben wir dieses Weltbild nicht hinterfragt und aufgearbeitet, sondern weiter gepflegt. Männer mit unendlich viel Geld, Ressourcen und politischer Macht bestimmen,wer was auf dem Planeten tut oder nicht tut. Der deutsche Bundeskanzler bestimmt zusammen mit großen Teilen der Christlich Demokratischen Union in Deutschland, was zur Kultur gehört und wer eher keine Preise oder sonstige finanzielle Unterstützung vom Staat zu bekommen hat.

Stellen Sie sich einmal vor der Bibliothek von Alexandria wäre durch einen Herrscher der Geldhahn zugedreht worden und sie wäre dem Verfall anheimgefallen. Wenn die Weisheit der Menschen, wenn der Zusammenhalt, die Solidarität der Menschen zerfetzt werden soll aber so viele Sollbruchstellen schon alleine durch die gesellschaftlichen Diskurse vorhanden sind, dann ist es für Merz, Weimer und Co. Gerade nicht schwer uns weiter zu entzweien. Die Phalanx, der wir als Menschheit entgegenstehen müssen, ist eine aus denen, die von unserer Spaltung profitieren.

Die Hoffnung, des*der Autor*in, ist ein breiter gesellschaftlicher Zusammenschluss; ein Aufbäumen der Gesellschaft gegen die Kleptokratien, die Autokratien, die Diktaturen, die Faschistischen Organisationen und Staaten.

Wir können uns heute und schon früher konnten wir uns eine gerechte, offene und vielfältige Welt vorstellen. Nicht nur dass, auch in der Menschheitsgeschichte hat sie existiert. Die Umverteilung der Ressourcen ist notwendig, damit alle auf diesem Planeten ein gutes Leben haben und sie ist möglich.

Der Schutz der Natur und unserer Umwelt ist die dringendste Aufgabe, die wir als Menschheit angehen müssen und die uns alles abverlangen wird. Lassen wir nicht weiter zu, dass Technokraten die letzten brauchbaren Ressourcen und viel zu viel Energie dafür verwenden, die K.I. zu fragen, wann das neueste Smartphone auf dem Markt verfügbar sein wird.

Die Uhr zeigt fünf nach zwölf aber für die folgenden Generationen von Menschen, Tieren und anderen Lebewesen auf diesem Planeten dürfen wir nicht in Verzweiflung verfallen. Lasst uns hoffen, lasst uns lieben und lachen, lasst uns nach Selbstverwirklichung streben, als Gegenentwurf zum Gehorsam.

Lasst uns künstlerisch unser Leben gestalten, aussteigen und einsteigen, was gesellschaftliche Prozesse angeht, uns engagieren und dabei die Fürsorge für uns selbst nicht vergessen. Lasst uns unsere Psyche heilen und so den generationsübergreifenden Traumata entgegentreten, die diese Gesellschaft lähmen und begrenzen. Es kann noch schön werden für alle oder es kann wieder schön werden. Ich bin davon überzeugt. Diese Überzeugung lässt mich schreiben und sprechen und singen.

Herzliche Grüße

Johanna nion Blau, 29.03.2026