Die Wurzelfrau

Die Wurzelfrau

Heldensagen aufgeschüttet,
auf die Ahnen deiner Krone.
Heute sind sie so zerrüttet.
Sag nicht das jetzt ich hier wohne!

Treues Feld sich selber pflegt,
Heilkraut und das Leid der Welt.
Vergiss nicht, dass ich auf ihm geh.
Hab‘ es so oft schon bestellt. Weiterlesen

Neuland

Neuland

Munter nur im Traum,
allein nur unter Leuten.
Wer fragt „Wer bin ich?“
muss sich trau’n,
was andere vergeuden.

Leben, Lust und Liebe,
was ist der rechte Weg?
Das alles sich für Triebe,
nur einsam neu belebt?

Und geht es hier um Hoffnung,
dann sagt mir mein Verstand:
Für alles gib dein Herz,
als größten Unterpfand.

Wer es verliert, wird leiden,
Wer es gewinnt, der zeigt
mir seine dunklen Seiten
und bringt mich ins neue Land.

/ 8-2011

Feld mit fünf Glockenblumen
Feld mit fünf Glockenblumen

Nacktheit Tag – Mantel Nacht

Nacktheit Tag – Mantel Nacht

Komm Nacht,
umkleide mich,
lösch die Gedanken,
ich leide nicht.

Träum von der Wirklichkeit,
ich meide Licht.
Es ist so dunkel,
durchscheint mich schlicht.

Versuch zu retten,
das weise Denken,
das schwere Fühlen,
den Tag, den wir hätten.

Schlicht ist was ist,
gebraucht was gedacht.
Wird Wirklichkeit hohl,
wird Wahrheit zur Nacht.

Und träum ich den Tag,
so süß er mir scheint.
Es ist eine Lüge,
die Wahrheit zu sein meint.

Ich seh in die Sonne,
spüre das Licht.
Bin ich schon wach?
Nein, ich fürchte mich nicht.

/ 7-2010

Vollmond
Vollmond

Mein Schatten

Mein Schatten

Ein Wort, ich fliehe,
Nicken – Eifersucht.

Leiden, wenn du vorbeigehst.
Genieße, den Augenblick davor.

Seide, wenn du mich berührst
an meiner Hand,
mir deinen Stempel aufdrückst.

Bleib‘ bis zum Morgen, bis ein Lächeln
von deinen Lippen fällt,
Auf meinen Schatten – ihn erhellt,
dass ich mein Schatten bin.

/ 8-2011

Du
Schatten – Doodle von Johanna Blau

In den Städten

In den Städten

Asphalt wie eine Tagesdecke,
über die Welt, die ich gern hätte.

Frei und bunt und wild gewachsen,
Wald und Feld – die grünen Achsen.

So geträumt, bald aufgewacht,
jeden Tag daran gedacht.

Sonderbar war alles da.
Was ich fühlte, wen ich sah.

Traum, doch Wahrheit vor der Tür.
Seh mit Klarheit, bin schon hier.

Mond hinter Hausdach, Südvorstadt, Leipzig

Legung 2001

Ins Leben tauchen oder weiter übers Wasser gehen?

Ich will leben und zwar wirklich unter Menschen und ich will auf mein Herz hören, mein Herz scheint nur nicht sprechen zu können, nicht meine Sprache.

Du hältst deine Träume in der Hand und bist so vertieft, dass das Leben an dir vorbei fließt. Das Haus, das du dir gebaut hast, reicht dir deiner Meinung nach und trotzdem ruft dein Herz nach etwas ,was du noch nicht erfahren hast und vor dem du erzitterst.
Der frische Wind, der aufkommt muss dich endlich aus der Reserve locken, doch du empfindest ihn nur als lästig und verschließt davor die Augen – hin und her gerissen setzt du deinen ach so scharfen Verstand in Bewegung und stehst doch auf der Stelle, denn ohne Herz lässt sich keine zufriedenstellende Entscheidung finden.
Die Sicherheit, die du dir durch dein erfolgreiches Wissen geschaffen hast, ist ein Gefängnis, klebt wie eine kalte, rostige Rüstung an deinem Körper und ist dadurch ein Grund für deine Unbeweglichkeit und Angst davor, dich in den Strom der Gefühle, des Erlebens und der Träume zu werfen.
Die Krone des Erfolges auf deinem Haupt ist für dich eine unerträgliche Last, die du dennoch nur selten wagst abzunehmen und selbst dann macht dich die Angst vorm Versagen in der Wirklichkeit stumm und träge.

vom 13.06.2002

napoleonundwurzelfrau
Napoleon und die Wurzelfrau, Skulpturen entstanden 2007