Elstergesänge

Schon wieder habe ich das Gefühl, meine Stimme verloren zu haben. Wie ich krächze, wie eine Krähe, wenn ich spreche oder keckere ich doch eher wie eine Elster? In der Serie Wednesday sind Seherinnen aufgeteilt in Tauben und Krähen. Welcher Vogel wäre ich wohl in diesem Kontext? Auf keinen Fall eine gurrende Taube oder eine furchteinflößende Krähe. Eher doch die Elster, schwarz-weiße Seher*in der Familie, die*der Gaukler*in, welche*r alles liebt was glänzt und glitzert? 

Das Singen gab mir eine Stimme, die umfangreich, stark und ausdrucksvoll klang. Ich habe sie so wenig genutzt, erinnere ich mich an das letzte Jahr zurück. Ja, meine Meinung habe ich öfter gesagt als zuvor. Auf der Bühne habe ich mich wohler gefühlt, aber was würde bleiben, wenn ich für immer von nun an nur noch keckern würde, wie eine Elster? Wer würde mir zuhören und glauben, was ich von mir gebe?

Im Kontext der Sprache, vermutete ich die Stärke in Schönheit, in Wohlklang. Doch das, was gesagt wird, bleibt doch gleich, egal wie es klingt, nur das Echo ändert sich oft; nicht nur der Widerhall im Raum, auch das Feedback der Zuhörenden. Vielleicht halten sich die Menschen die Ohren zu. Vielleicht wenden sie sich ab. Vielleicht versuchen sie gerade durch den ungewohnten Klang genau hinzuhören. Vielleicht fangen sie an, das Gekeckere zu übertönen. Derjenige, der gegen eigene und fremde Widerstände spricht, sollte angesehen und auch angehört werden. Diese meine Stimme ist mein Werkzeug. Sie wird heilen, wie ich heilen werde. Diese meine Stimme wird viele erreichen oder wenige, aber eins weiß ich, es werden die richtigen Leute sein.

Die Elster ist dabei ein starkes Bild, sie nimmt sich, was ihr gefällt, sieht dabei elegant aus und gewandt, sie fliegt vorbei, vielleicht sogar im Schwarm, und schon verdreht sie allen die Köpfe und alle Aufmerksamkeit ist auf die Vogelschar gerichtet. Das entspricht nicht dem Ideal, nach dem ich erzogen worden bin. Meine Großeltern schrieben in mein Poesiealbum:
„Sei wie ein Veilchen im Moose, still, sittsam und rein. Nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Nach diesem Spruch habe ich mich ausgerichtet, als wäre er die Sonne und ich ein kleines bodennahes Pflänzchen, das Glück hat, nicht zertreten zu werden.

Diese Zeiten sind vorbei. Ich will keine Rose sein, eher eine Kletterpflanze. Ich will Blauregen sein, der mit alten und knorrigen Ästen sich um die Substanz windet, und mit seinen lila-bläulichen Blütentrauben eine Idylle schafft, die magisch und verzaubert wirkt. Alle mir auferlegten Beschränkungen werden nun nach und nach bewusst von mir untersucht auf ihre Notwendigkeit und, wenn sie unnütz sind, auf den Kompost geworfen, wo die Krähen darin wühlen dürfen und die Tauben. Ich will mich neu entdecken und erfinden. Eine Elster, die im Blauregen sitzt, sich unumwunden ihrer frechen Stimme bedient, um andere Elstern anzulocken, auf das sie zusammen ihre leiseren, melodischen Elstergesänge anstimmen und mit lautem Gekeckere ihren Schabernack treiben können. Ich freue mich auf den Spaß und die Abenteuer, die daraus entstehen werden.

Johanna nion Blau, 14.04.2026

März ist fast vorbei – Über gesellschaftliche Zusammenhänge

Innovation passiert an den Rändern, an den Zacken und Rissen der Gesellschaft oder der Stadt.Von da geht kreative Veränderung aus, mittels Kooperation durch Solidarität und über Sichtbarkeit sowie Teilhabe von Menschen an unserer Gesellschaft. Dies sind Werte, welche wir in der aktuellen Zeit hochhalten müssen, um dem Sturm darauf etwas Fundamentales entgegenzusetzen.

Denn wenn ein Mensch in Machtposition oder sogar mehrere Menschen, dieser Innovation entgegensteht mit politischer, finanzieller und institutioneller Macht, dann ist das gefährdet, was die Menschheit seit jeher zusammen gebracht und weitergebracht hat. Die Engagierten der Gesellschaft sehen sich abgewertet, ausgespielt und auf die Auswechsel- oder Strafbank befördert. Dabei spielt die Willkür der Mächtigen eine große Rolle im Aufkeimen des „Vorauseilenden Gehorsams“ von Vereinen, einzelnen Personen des Öffentlichen Lebens und sogar Nicht-Regierungs-Organisationen.

Menschen und Gruppen von Menschen werden gegeneinander ausgespielt. Die Regeln der Gesellschaft machen dieses Spiel unfair. Visuelle Medien bedienen in Talkshows und anderen Formaten die ewigen Muster des Ausgleichs, der Objektivität und der Professionalität. Sie machen sich damit zu Sprachrohren der Menschen, die schon viel Macht besitzen, und verstärken so die bestehenden Verhältnisse, anstatt sie zu hinterfragen, zu kritisieren und Vorschläge für Verbesserungen zu diskutieren.

In einer Welt, die durch Geldflüsse organisiert ist, ist das Kappen finanzieller Mittel ein starker Eingriff in die Unabhängigkeit demokratischer Teilnehmenden. Dabei werden offensichtlich und ohne große Erklärung oder auch nur grundlegende Rechtfertigung politische Gegner angegriffen. Gesellschaftliche Strukturen, die entstanden sind, um Lücken in der Versorgung von Menschen zu schließen werden angegriffen. Diese Lücken reißen wieder auf. Ein bezeichnendes Beispiel ist die psychosoziale Versorgung von queeren Menschen mit Fluchterfahrung,deren Finanzierung gestrichen wurde.

Für alle Menschen ist die psychotherapeutische und sozialpädagogische Versorgung äußerst wichtig für Wohlbefinden und Gesundheit. Die Abwertung der Arbeit von Sozialarbeiter*innen und Psychotherapeut*innen, der Berater*innen für Betroffene von verschiedenen Formen der Gewalt, findet seit Jahren durch Politik und andere Akteure statt.

Aus eigener Erfahrung, kennt die*der Autor*in die Ausrichtung der Psychiatrien auf die Arbeitsfähigkeit, der zu behandelnden Personen. Dabei wird ein biologistisches Menschenbild angeführt und für jedes Gefühl zu wenig oder zu viel gibt es eine oder mehr Medikamente. Bis die Person sich wieder fähig und willig zeigt, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen, oder berentet und somit aussortiert wird ohne Möglichkeit Fortbildungen finanziert zu bekommen.

Dieses Bild des Menschen, der zu funktionieren, zu arbeiten, zu leisten hat und sonst wenig bis nichts wert ist, kennen wir aus der deutschen Geschichte vom preußischen Soldaten, von der Freude der Männer, sich opfern zu dürfen für die eigene Nation im ersten Weltkrieg. Die Experimente und Morde an etwa 200.000 Menschen mit Behinderungen in Nazideutschland vor und während des zweiten Weltkrieg sind EIN grausamster, monströser Akt derer, die überzeugt waren, jemand ist nur etwas wert, wenn er etwas im Sinne der körperlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten leisten kann und/oder will.

Im Turbokapitalismus mit dem dritten Weltkrieg drohend über uns wie die Schwerter des Damokles, haben wir dieses Weltbild nicht hinterfragt und aufgearbeitet, sondern weiter gepflegt. Männer mit unendlich viel Geld, Ressourcen und politischer Macht bestimmen,wer was auf dem Planeten tut oder nicht tut. Der deutsche Bundeskanzler bestimmt zusammen mit großen Teilen der Christlich Demokratischen Union in Deutschland, was zur Kultur gehört und wer eher keine Preise oder sonstige finanzielle Unterstützung vom Staat zu bekommen hat.

Stellen Sie sich einmal vor der Bibliothek von Alexandria wäre durch einen Herrscher der Geldhahn zugedreht worden und sie wäre dem Verfall anheimgefallen. Wenn die Weisheit der Menschen, wenn der Zusammenhalt, die Solidarität der Menschen zerfetzt werden soll aber so viele Sollbruchstellen schon alleine durch die gesellschaftlichen Diskurse vorhanden sind, dann ist es für Merz, Weimer und Co. Gerade nicht schwer uns weiter zu entzweien. Die Phalanx, der wir als Menschheit entgegenstehen müssen, ist eine aus denen, die von unserer Spaltung profitieren.

Die Hoffnung, des*der Autor*in, ist ein breiter gesellschaftlicher Zusammenschluss; ein Aufbäumen der Gesellschaft gegen die Kleptokratien, die Autokratien, die Diktaturen, die Faschistischen Organisationen und Staaten.

Wir können uns heute und schon früher konnten wir uns eine gerechte, offene und vielfältige Welt vorstellen. Nicht nur dass, auch in der Menschheitsgeschichte hat sie existiert. Die Umverteilung der Ressourcen ist notwendig, damit alle auf diesem Planeten ein gutes Leben haben und sie ist möglich.

Der Schutz der Natur und unserer Umwelt ist die dringendste Aufgabe, die wir als Menschheit angehen müssen und die uns alles abverlangen wird. Lassen wir nicht weiter zu, dass Technokraten die letzten brauchbaren Ressourcen und viel zu viel Energie dafür verwenden, die K.I. zu fragen, wann das neueste Smartphone auf dem Markt verfügbar sein wird.

Die Uhr zeigt fünf nach zwölf aber für die folgenden Generationen von Menschen, Tieren und anderen Lebewesen auf diesem Planeten dürfen wir nicht in Verzweiflung verfallen. Lasst uns hoffen, lasst uns lieben und lachen, lasst uns nach Selbstverwirklichung streben, als Gegenentwurf zum Gehorsam.

Lasst uns künstlerisch unser Leben gestalten, aussteigen und einsteigen, was gesellschaftliche Prozesse angeht, uns engagieren und dabei die Fürsorge für uns selbst nicht vergessen. Lasst uns unsere Psyche heilen und so den generationsübergreifenden Traumata entgegentreten, die diese Gesellschaft lähmen und begrenzen. Es kann noch schön werden für alle oder es kann wieder schön werden. Ich bin davon überzeugt. Diese Überzeugung lässt mich schreiben und sprechen und singen.

Herzliche Grüße

Johanna nion Blau, 29.03.2026

Ein steinerner Kokon

Hab mich umgeben mit schlechtem Atem
War geduldig mit falschem Schein
Der Rückzug in meinen heiligen Garten
War notwendig, hier nun nur Ruhe und Sein.

Hab mich selbst doch eingesponnen in Beton
Schwebe im Raum umgeben von steinernem Kokon
und angefüllt mit Schmerzen
Die, die ich war, löst sich auf, um die, die ich werde, zu herzen.

Das Wandern in der Dunklen Stunden
Das Sein in sich; wie zerfurcht und eingegraben: Wut
Es lastete auf mir, es schützte mich, ich trug
Mich hin zu meinen alten Wunden.

Nun möchte ich mich zeigen
Der Welt und allen, die darin schweigen
Wie sich lösen aus dem Stein, der mich umgibt?
Da, die Scherbe der letzten Aufregung, die mir vergibt,

Wenn ich sie aufhebe,
Sie ist die diamantene Träne.
Wie sie edel den Beton zerfetzt.
Damit ich mich, in diese Welt neu säe:
Flügelschlagend, schillernd, Raumgreifend und jetzt.

Johanna nion Blau, 13. März 2026



„Too Much“ oder „Die Laute Stille meiner eigenen Gedanken“

Ich werde kämpfen, aber wohl vielleicht eher gegen mich, als für jemanden, den ich will, oder? Ich werde kämpfen für meine Liebe zu mir selbst, das auf jeden Fall jeden Tag aufs Neue, denn jede FLINTA* Person, die Selbstliebe hinbekommt, ist etwas Sand im Getriebe und sich dann noch künstlerisch „deep and honest“ auszudrücken online, dass würde vielleicht noch einen anderen Menschen inspirieren, so etwas zu tun. 
Inspiriert hat mich Lena Dunham’s „Too Much“ damit, anzufangen zu schreiben. Gerade habe ich die sechste Folge zu Ende geschaut und ich liebe alle Charaktere in dieser Serie, auf eine weirde Art, die mich an mich erinnert, wie ich in meinem Zimmer Mixtapes von Radio Fritz aufnehme und in Visions und Musikexpress blättere. Wahrscheinlich denken viele, die mich sehen und nicht kennen, ich sei jünger. Ich bin Jahrgang 1982, also habe ich die 90er bewusst erlebt. (Was hat das mit Lena Dunham zu tun?)

Und ich kenne dieses Gefühl des vorsichtigen, optimistischen Vortastens; beim Menschen kennenlernen, beim in eine neue Schule kommen, beim Arbeiten in einer neuen Umgebung mit neuen Kollegas. Es könnte schön werden, denke ich jedes Mal und dann fallen mir alle Sachen ein, die schief gegangen sind und noch die dazu die schief gehen könnten.

Ja, gerade verstecke ich meine bewusste Aufmerksamkeit in Serien, die nichts mit meiner Realität und der politischen Lage zu tun haben. Aber dann ist da doch immer ein Funke, der mich aufhorchen lässt, ein Gefühl, welches mich zurück bringt in die Wirklichkeit, die vergangen ist oder gerade passiert. Und gerade fühle ich eine schwere Einsamkeit. Es ist als wären alle unerreichbar. Ich will auch darüber schreiben, wie sehr ich mich in Gesprächen zurücknehme, dieses Gefühl einkessele in Höflichkeiten und Fragen, wie es denn dir geht? Warum ich das tue?
Ich will nicht zu viel sein, zu aufdringlich, zu crazy, zu oversharing, zu ehrlich, zu emotional, zu überfordernd, zu fordernd.

Und gleichzeitig will ich einfach laut singen, die Lieder, die mir vorspiegeln, was in mir vorgeht und die Songs, die mir vormachen, wie es noch werden könnte.
Ich will ehrlich sein mit mir und mit anderen. Was ist, wenn ich mir wieder eine Halsentzündung einfange, wenn ich zu laut oder zu hoch singe? Was ist, wenn ich wieder enttäuscht werde, wenn ich mich auf jemanden einlasse, den ich noch nicht kenne?
Ich weiß es nicht. Ich will nicht meine vergangenes Erfahrungen einem Menschen überstülpen, der mir nichts getan hat. Mit Freund*innen kann ich das doch auch. Ich lerne Menschen kennen, wir verstehen uns oder nicht, wir streiten, versöhnen uns und haben wieder etwas übereinander gelernt.
Manchmal scheint es mir so zu sein, dass das eine andere Schublade ist, in die ich einsortiere. Und da stecken diese ganzen Romantischen Komödien und Dramen drin, auch Dawson’s Creek (Rest in Peace „Dawson“) und so viele Happy Ending Schriften auf dem Bildschirm, wo es einfach erst mal angefangen hatte. Wie geht’s denn nun weiter? Wo ist die Anleitung für den Rest des Zusammenlebens von zwei Menschen, bitte?

Diese Serie gerade macht mir solche Angst, weil sie in zwei Folgen noch so viel falsch machen könnte, auch wenn sie in den sechs Folgen davor so viel richtig gemacht hat. Ich habe Angst weiter zu schauen und deswegen schreibe ich gerade diesen Text. Das scheint so banal, wie ein fünftes pinkes Kissen zu sein, was entsorgt wird. Doch, ich bin nicht bereit, das für mich zu akzeptieren. Es ist nicht banal. Ich bin erkältet, schon wieder, es ist kurz vor Weltenende und ich kann dabei zuschauen, sobald ich mich entscheide durch Instagram zu scrollen. Ich bin fertig mit allem, und ich traue mich nicht, Menschen anzurufen, die ich schätze, weil all diese Menschen auch gerade zu tun haben mit allem. So kommt es mir nicht nur vor, es ist so. Und ich glaube nicht, dass geteiltes Leid, halbes Leid ist. Das ist einfach nicht so.

Wir sind auf der Suche nach etwas Schönem, an einem buntbemalten Osterei vorbei gekommen. Aber es ist noch Februar und wir trauen uns nicht, das Ei zu öffnen. Es ist noch zu früh, es könnte gefüllt sein mit noch mehr Abscheulichkeiten, es könnte für eine andere Person dahin gelegt worden sein. Aber was, wenn es für uns da liegt und selbst nicht mehr abwarten kann, geöffnet zu werden? Da, die obligatorische Metapher.

Ich habe einfach Angst, dass mein Radar so kaputt ist, als wäre ich am Nordpol gelandet, die Einstürzenden Neubauten lassen grüßen, und wer ist diese Stella Maris überhaupt? Ich kann dieses Lied nicht mehr hören. Ich mag Happy Endings, die nicht enden. Ich liebe die Serie: „Heartstopper“. Ich möchte Leuten glückliche Leben schreiben. Ich möchte Solar Punk sein und Ursula K. Le Guins Welten betreten dürfen, in diesem oder im nächsten Leben.

Die wichtigen Fragen will ich stellen und Antwort erwarten dürfen. In all meinen Beziehungen. Und wenn mir die Antwort nicht gefällt, dann lass uns darüber reden.

Diese Stille ist es, die mich betroffen macht, die ich mit unendlichen Playlisten und auch mal mit Lachen oder Diskussionen übertönen möchte. Die laute Stille meiner eigenen Gedanken. Und wenn ich da so liege und mir Sorgen mache um mein Umfeld, wenn ich da so liege und denke, alles wird noch schlimmer werden, wenn ich nur versuche vor die Tür zu gehen. Was mache ich? Ich gehe raus, ich treffe Menschen, ich schaue ihnen in die Augen und in ihre Herzen. Ich kann nicht anders. Das sind Begegnungen, die mich verwandeln.
Die Einsamkeit ist eine Illusion, die die Mächtigen uns vorleben. Von allen Lügen, ist sie die erste, welche entlarvt werden muss. Es ist okay, Serien zu streamen und sich damit wegzubeamen und es ist okay, diese Serien dazu zu nutzen, etwas eigenes zu schaffen. Etwas zu schaffen, was andere mitbekommen, was sie irgendwie bewegt.
Die Stille, der Stillstand, die Ruhe vor dem Sturm, das ist wie ich Anlauf nehme. Nichts habe ich vergessen, von dem was ich geschrieben habe, es ist mein, es ist euer, wenn ihr wollt. Es wird schön werden, wenn wir wir werden. Wenn wir uns wieder bewegen.

Johanna nion Blau, 16.02.2026

A Flawed Snowflake

A flawed Snowflake on your rist,
Is there such a thing?
They are all beautiful
And they are unique
As long as they exist.

Like a ring so old
With its bliss
Fitting to the one wearing it
Made by inspiring wit
Until both, ring and flake melt
And become something else
Water or silver or gold.

A flawed snowflake in the blaze,
Is it possible that I mistook it for something else?
Could it be a flake of ash instead?
Tumbling up from the burning sea of health
Rising to the sky from a building on fire
Floating away from a red candle
Illuminating two faces who desire in a haze.

A flawed snowflake startled by a fan,
Could it be a flake of sorts?
Maybe a flake of dust
A flake made by the old time rulers
Who’s strong breath of rust
Made the flakes tumble into the future,
For us to understand, what doesn’t work anymore at hand.

The flawed snowflake might as well be all:
It is dust
It is fire
It is ice
It might a metaphor for our believes, for our belongings
For our glass cliffs or reefs
For your longings for sure.

Who decides, what is flawed anyway?
Who acts normal in a firestorm?
Who breaths freely when the dust is floating in the air?
Who is made perfect, when nature itself is on the shelf?
Who might still care anyway?
As long as we have to define, measure and to rhyme,
Nothing can truly be free.

Johanna nion Blau 30.01.2026

Photo by Lini Popini

Bald 500 Texte und was gerade passiert

Puh, gerade habe ich geschaut, wie viele Beiträge ich veröffentlicht habe auf meinem LyrikBlog und ich war überrascht:
490 Gedichte, Kurztexte und Essays habe ich da veröffentlicht bis jetzt. Bestimmt sind auch ein paar Fotos und Zeichnungen dabei, meist aber verbunden mit von mir geschriebenem Texten. Wenn alles so weiter geht, werde ich bald 500, in Worten fünfhundert Texte veröffentlicht haben.
Das mit dieser Zahlt verbundene Gefühl, fällt mir schwer zu beschreiben.
Gerade wenn ich den Text, den ich schreiben will, einfach aus verschiedensten Gründen noch nicht geschrieben habe. Was in der Welt gerade vor sich geht – dafür die passenden Worte zu finden fällt mir unendlich schwer. Ich fühle mich der Worte beraubt, und das ist für eine Dichter*in kein guter Zustand.
Natürlich geht es so vielen Menschen viel, viel schlimmer als mir, wenn sie denn überlebt haben. Ich sehe hin und ich fühle Schmerz. Ich höre hin und es klingt mir in den Ohren. Das mag das Konzept sein, die Menschen fassungslos zu machen, darüber, was Menschen anderen Menschen bereit sind anzutun.
Das in Worte zu kleiden, scheint mir gerade unmöglich. Und doch versuche ich es unvorhergesehen mit diesem Text.
Wie beschreibe ich das Unfassbare? Ich beschreibe meinen Mangel an Worten dafür.
Ich hoffe so sehr, dass wir uns wieder finden als Gemeinschaft, als Menschheit. Gerade sind da so viele Schlachtfelder und Menschen fragen sich, warum die Menschen nicht zurückschlagen im Iran, in den USA. Das tun sie mit den Mitteln des Rechtes und der Gerechtigkeit. Wir kämpfen auf Seiten der Rechtschaffenheit und daher kämpfen wir grundlegend und so lange wie möglich ohne Waffengewalt. Das mag naiv scheinen, aber es ist ein Weg. Ich hoffe, ich muss nie einen anderen gehen. Ich wünschte, es müsste sich niemand für einen anderen entschieden haben oder entscheiden müssen. Ich kann sie verstehen. Aber ich hoffe immer noch.

Und eins fließt mir aus den Fingern: wenn die Liebe in den Zeiten der Krise durch den Asphalt bricht, wie ein Löwenzahn, dann kann es wieder schön werden. Wenn wir nicht verzweifeln und trotzdem schönes tun und erschaffen, dann ist da Hoffnung. Und wir erschaffen unsere Welt aus den Trümmern der herrschenden Betonköpfe. Darauf wird es wachsen, sprießen und gedeihen: Pflanzen, Tiere, Menschen. Das ist meine Hoffnung; die Hoffnung auf ein heitereres Morgen.

Liebe in Zeiten der Krise

Die Haare auf meinen Zähnen, machen mich unattraktiv für die falschen Partner*innen, so hoffe ich. Soweit, so gut. Die Farbe auf meinen Lippen signalisiert ihnen, auf Abstand zu bleiben. Sie kommentieren: Das ist aber ein rotes Rot. Ich lächle und zeige meine Zähne. 
Die Männer in meinem Herzen müsste ich erobern, aber meine Innere Prinzessin wartet immer noch darauf, von ihnen gerettet zu werden.
Die von mir erwählten Menschen retten sich selbst. In ihrer Abwesenheit schwebt der verborgene Tanz, der mir von ihnen versprochen wurde.
Das Los, das ich ziehe, zieht mich in die Welt, egal wohin, egal wer, nur los.
Loslassen; das Gebot der Stunde. Die Welt macht es vor. Und der Tand bäumt sich auf in meinem Zimmer, ich räume und räume, bis ich wieder Gastgeber*in sein könnte.
Die Katze liebt das Chaos. Ich liebe mich selbst. Und immer der Anschein von Glück im Spiegel, bis mir die Flecken auf der Oberfläche auffallen. Ich fange an zu putzen.
Fallen oder Fliegen fragte ich mich. „To fall for someone“ und „to fall in love“ heißt es. I fell for you and no wonderwall appeared, just writings on the wall of your back.

Der Blick, der mich fragen macht, warum ich dich nicht umarme und frage, was du morgen machst?
Der Blick, der mich fragen macht, warum ich jemals Hoffnung hatte, dich zu fragen.
Der Blick, der mich fragen macht, warum ich mich frage, was in dir vorgeht und ob du dir auch alles mit mir vorstellen könntest.
Was ist Wahrhaftigkeit, wenn nicht die Möglichkeit im Verstand und im Gefühl zu ertasten, sich auszumalen, was sein könnte. An einer Weggabelung zu stehen und sich zu entscheiden, sich zu entscheiden. Was passiert, wenn die innere Wahrheit, der Wahrheit eines Gegenüber begegnet. Endlich ent-täuscht sein, es besser als ewig vielleicht grundlos zu hoffen.

Die FOMO Meditation habe ich mir für später auf der App gespeichert. Für den Mittagsschlaf, den ich mir leisten kann. Ich will zurück zu meiner Zufriedenheit, mir der ich in die Welt ging und auf Freunde traf, die ich noch nicht kannte. Seit dem letzten Samstag, sehe ich Feind*innen, da wo ich vorher Menschen sah. Dieses Bild, welches SpiegelTV rahmt und verhöckert, möchte ich betrachten und dann wieder dem Fegefeuer übergeben.
Offen seien meine Augen zu sehen, offen seien meine Ohren zuzuhören. Und offen sei ich für die Freude, das Leid, und den Weg, den du gegangen bist, ehe wir uns trafen.

Johanna nion Blau, 22.01.2026