Fantastische Spiegelbilder (30. Mai Lesung Leipziger Markt)

Lichter in diesem Land, verticken Gebrauchtes für die Quote.
Keine Aurora, zu viel Boreales heute wieder unsere Nacht erhellt. 
Und in der Welt nur wieder mehr gewaltvolle Sprache, gewaltvolle Tode.
Ich weine mich müde, nach wundervollen Abenden, Schuld frisst an meinem Kalten Herzen.
Wie meine Glieder schmerzen, nach Tanz, nach Spiel, nach durchwachten Nächten.
Wer zündet noch laute Kerzen, wenn sich ab Montag alle wieder knechten? 
Statt innehalten, hinter Dingen her hechten, die wir nie brauchten, ohne zu bezahlen.
Der Preis, der Preis, das ist der verhängte Spiegel, der unser Lieben uns bewies und dann den Schmerz so sehr ins Dunkelste verwies. Der Schmerz des Fühlens, das Gegenmittel gegen all die klamme Pein des Alltäglichen.
Besonders macht mein Leben vielleicht nur der Blick in diesen Spiegel, auch wenn es splittern sollte, wären all die Splitter mein.

Das ewige Kleinmachen, hat mich wütend werden lassen, so wütend, dass der Käfig, in dem ich hocke, ganz ausgebeult existiert in meiner Fantasie. Bin ich die, die ich war oder der, der ewig an die Türe geklopft hat? Gibt es überhaupt eine Trennung zwischen Selbst, dir und anderen? In Zuständen wabert das Gegenüber als Geist durch mich hindurch. Unangenehm und frei wir zu sein. In meiner Vorstellung sind zwei Ganze zusammen etwas neues Ganzes. Etwas Verbundenes: frei und gestärkt.
Aus diesen Fantasien und Geschichten möchte ich ausbrechen, möchte mich neu und neugierig erfahren, auch andere. Spaltungen aufheben, wie eine Schnur, die auf den Boden geworfen wurde, wann und von wem auch immer.
Ich als Mensch bin ganz, in meiner komplexen Charakterstruktur. Ich will gesehen werden, ich will Interesse erzeugen und in meiner Seele soll ein Licht entzündet werden, wie ich mit meinem Interesse Licht in den Seelen von anderen entzünden möchte. Die Liebe als Licht in dieser Zeit des Nebels. Die Liebe als Klarheit in Zeiten der Fragen ohne wahrhaftige Antworten.
Das Kleinste hat Freundschaft mit dem Größten geschlossen, wenn meine Hände Luft umarmen, ist da Sonnenschein, Welle oder Teilchen; ist da Regen, magnetisches Wasser von der Schwerkraft, in meine Hände gelenkt.
In allen Alltagsbegegnungen steckt eine Magie, welche Ohnmacht in Frage stellt. Die Zeit in meinem Kopf, sagt mir die richtige Stunde: zu Ruhen, zu Tanzen, zu Begegnen.
Das Handeln, ein Schweif aus Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten, thronend über der wagen Zukunft, wurzelnd in subjektiv erinnerter Vergangenheit.

Worauf ich hinaus will? Jede Zeit ist die richtige oder falsche, einen Sprung ins Ungewisse zu wagen. Die Frage ist: Bin ich bereit? Ist das Leben nicht so falsch oder richtig, wie unsere Vorstellung davon? Ist der andere Mensch mit seinen Wünschen, seiner Last, seiner Freude, seinem Leid und seinem Hoffen in uns ein Spiegel? Woraus besteht das Spiegelbild, außer aus schwerem Blei?
Mein Selbst ist die Summe von vielen Spiegeln, mein Ich ist eine Erinnerung an einen Traum. Doch ich erfinde mich neu, wenn ich erwache. Jeder Tag ist ein Versuch meiner Stimme, hörbar zu werden für mich und für andere.
Die Stangen des Käfigs, in dem ich mich regelmäßig wiederfinde, sind immer auch die Ängste des letzten Tages, der letzten Begegnung; mit anderen und mit mir selbst. Ruhe finde ich da, sammeln kann ich mich da. Meine Träume entwickeln sich da. Doch dann muss ich aufstehen, während der Käfig als Illusion sich entlarvt und auch wenn es kurz schmerzt in den Knochen, den Faszien, den Muskeln darin, dann weil ich ungewohnt aufgerichtet atme. Mein Körper, ein Wachstumsschmerz und ich fange an, daraus ein Lied zu dichten.

Mein Mund öffnet sich. Die Töne, entlockt der feinen Umarmung mit meinem Leben, entstehen. Der Blasebalg pumpt Luft in meinen Kräftigen Lungen, mein Leben atmet mich immer wieder ein und aus. Der Klang meiner Erfahrung ist das Klangexperiment, was ihr hört. Es beginnt …

Frieden allem Leben. Frieden aller Existenz. Wut in meinem Bauch, auf die, welche das Leben schänden. Wut in meinem Herzen, auf die, welche die Liebe für ihre Zwecke nutzen. Wut in meinem Kopf, auf die, welche die Lüge zelebrieren und die Wahrheit nackt verhöhnen.

Werte nicht Wärter sollten regieren. Sorgen in den Händen der falschen Menschen, vermehren sich wie der magische Brei im Märchen. Darum sollte Hoffnung die Währung unseres Miteinanders sein. Hoffnung sollte der Kompass sein, für unsere gemeinsamen Entscheidungen.

Wenn die Blaue Stunde beginnt, tanzt die antifaschistische Hexe mit den Ahn*innen, den Geistern, mit den Bildern ihres Unbewussten. So tanzt sie in Reigen ihresgleichen, im ewigen Kreis, um ihre Gedankenbilder zu begeistern. Und die Wut tanzt mit; stampft auf mit den Hufen. Und die Gnade dreht sich im Kreis gehalten von der Liebe. Hoffnung und Hass halten Spalier für die Gefühls-Polka durch den Wilden Garten Erde.

Fühl mich gehalten von meinem Fühlen, ich lass mich nicht mehr aufhalten, von was auch immer geschah. Jetzt ist die Zeit der Gefühle, und ich lade sie alle ein zum Wilden Tanz und dann zur Wilden Jagd.

Deer Woman, wo bist du, wenn wir dich brauchen? Warum gibt es hier keine mythologische Rache für Femizide? Warum scheint das alles so schrecklich normal?

Dem Geist, der mich um-haucht, steht der Rauch bis zum Bauchnabel. In meinem Denken keimt ein Setzling, die Herzförmigen Blätter suchen sich ihre Erde selbst aus. Prüfung und Siegel, dem Menschen, der mich will, wie ich ihn. Heilende Erde, heilendes Kraut.

Dass in allen mit Leid geschmiedeten Seelen, immer doch herzliche Losungen schwelen. Dass in vielen mit Liebe geimpften Herzen, die Hoffnung auf Allmende immer wieder aufkeimt und in Zukunft nahrhafte Früchte trägt.

Wer bin ich? Dazwischen. Das Leben schreibe ich, ummantele mich mit meinen Worten. Ich umgehe Fallen der Niedertracht, Schlaglöcher der Härte, hin zu ungekannter Freude. Ich schreibe mein Sternbild an den Himmel zu meinen Lebzeiten. Ohne Ovid zu kränken: meine Metamorphose braucht keine Götter.
Ich werde mein Schicksal so lenken, es könnte eine Sage sein, doch wahr wird alles: gelebt in diesem Fleisch, durch diesen Geist, mit dieser Seele.

Ich bin mit meinem Herzen, mit meinem Willen und mit meinem Verstand verwoben. Ich bin verwoben mit der Welt, der Gesellschaft, mit euch. All diese Verbindungen schmerzen und lassen mich gleichzeitig frohlocken. In meinem Organismus ist nichts allein. In mir kommt nichts nicht von außen. Wie soll ich mich schützen, vor dem was kommt? Ich schreibe dagegen an. Das ist meine Antwort auf eure Fragen. Und wenn ich stürze, fällt ein Baum der Erkenntnis wieder in Ungnade, und wenn ich stürze, ist die tiefe Nacht fast vorbei. Was folgt, überlasse ich eurer Fantasie.

Johanna nion Blau

Elstergesänge

Schon wieder habe ich das Gefühl, meine Stimme verloren zu haben. Wie ich krächze, wie eine Krähe, wenn ich spreche oder keckere ich doch eher wie eine Elster? In der Serie Wednesday sind Seherinnen aufgeteilt in Tauben und Krähen. Welcher Vogel wäre ich wohl in diesem Kontext? Auf keinen Fall eine gurrende Taube oder eine furchteinflößende Krähe. Eher doch die Elster, schwarz-weiße Seher*in der Familie, die*der Gaukler*in, welche*r alles liebt was glänzt und glitzert? 

Das Singen gab mir eine Stimme, die umfangreich, stark und ausdrucksvoll klang. Ich habe sie so wenig genutzt, erinnere ich mich an das letzte Jahr zurück. Ja, meine Meinung habe ich öfter gesagt als zuvor. Auf der Bühne habe ich mich wohler gefühlt, aber was würde bleiben, wenn ich für immer von nun an nur noch keckern würde, wie eine Elster? Wer würde mir zuhören und glauben, was ich von mir gebe?

Im Kontext der Sprache, vermutete ich die Stärke in Schönheit, in Wohlklang. Doch das, was gesagt wird, bleibt doch gleich, egal wie es klingt, nur das Echo ändert sich oft; nicht nur der Widerhall im Raum, auch das Feedback der Zuhörenden. Vielleicht halten sich die Menschen die Ohren zu. Vielleicht wenden sie sich ab. Vielleicht versuchen sie gerade durch den ungewohnten Klang genau hinzuhören. Vielleicht fangen sie an, das Gekeckere zu übertönen. Derjenige, der gegen eigene und fremde Widerstände spricht, sollte angesehen und auch angehört werden. Diese meine Stimme ist mein Werkzeug. Sie wird heilen, wie ich heilen werde. Diese meine Stimme wird viele erreichen oder wenige, aber eins weiß ich, es werden die richtigen Leute sein.

Die Elster ist dabei ein starkes Bild, sie nimmt sich, was ihr gefällt, sieht dabei elegant aus und gewandt, sie fliegt vorbei, vielleicht sogar im Schwarm, und schon verdreht sie allen die Köpfe und alle Aufmerksamkeit ist auf die Vogelschar gerichtet. Das entspricht nicht dem Ideal, nach dem ich erzogen worden bin. Meine Großeltern schrieben in mein Poesiealbum:
„Sei wie ein Veilchen im Moose, still, sittsam und rein. Nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Nach diesem Spruch habe ich mich ausgerichtet, als wäre er die Sonne und ich ein kleines bodennahes Pflänzchen, das Glück hat, nicht zertreten zu werden.

Diese Zeiten sind vorbei. Ich will keine Rose sein, eher eine Kletterpflanze. Ich will Blauregen sein, der mit alten und knorrigen Ästen sich um die Substanz windet, und mit seinen lila-bläulichen Blütentrauben eine Idylle schafft, die magisch und verzaubert wirkt. Alle mir auferlegten Beschränkungen werden nun nach und nach bewusst von mir untersucht auf ihre Notwendigkeit und, wenn sie unnütz sind, auf den Kompost geworfen, wo die Krähen darin wühlen dürfen und die Tauben. Ich will mich neu entdecken und erfinden. Eine Elster, die im Blauregen sitzt, sich unumwunden ihrer frechen Stimme bedient, um andere Elstern anzulocken, auf das sie zusammen ihre leiseren, melodischen Elstergesänge anstimmen und mit lautem Gekeckere ihren Schabernack treiben können. Ich freue mich auf den Spaß und die Abenteuer, die daraus entstehen werden.

Johanna nion Blau, 14.04.2026

Ein steinerner Kokon

Hab mich umgeben mit schlechtem Atem
War geduldig mit falschem Schein
Der Rückzug in meinen heiligen Garten
War notwendig, hier nun nur Ruhe und Sein.

Hab mich selbst doch eingesponnen in Beton
Schwebe im Raum umgeben von steinernem Kokon
und angefüllt mit Schmerzen
Die, die ich war, löst sich auf, um die, die ich werde, zu herzen.

Das Wandern in der Dunklen Stunden
Das Sein in sich; wie zerfurcht und eingegraben: Wut
Es lastete auf mir, es schützte mich, ich trug
Mich hin zu meinen alten Wunden.

Nun möchte ich mich zeigen
Der Welt und allen, die darin schweigen
Wie sich lösen aus dem Stein, der mich umgibt?
Da, die Scherbe der letzten Aufregung, die mir vergibt,

Wenn ich sie aufhebe,
Sie ist die diamantene Träne.
Wie sie edel den Beton zerfetzt.
Damit ich mich, in diese Welt neu säe:
Flügelschlagend, schillernd, Raumgreifend und jetzt.

Johanna nion Blau, 13. März 2026



A Flawed Snowflake

A flawed Snowflake on your rist,
Is there such a thing?
They are all beautiful
And they are unique
As long as they exist.

Like a ring so old
With its bliss
Fitting to the one wearing it
Made by inspiring wit
Until both, ring and flake melt
And become something else
Water or silver or gold.

A flawed snowflake in the blaze,
Is it possible that I mistook it for something else?
Could it be a flake of ash instead?
Tumbling up from the burning sea of health
Rising to the sky from a building on fire
Floating away from a red candle
Illuminating two faces who desire in a haze.

A flawed snowflake startled by a fan,
Could it be a flake of sorts?
Maybe a flake of dust
A flake made by the old time rulers
Who’s strong breath of rust
Made the flakes tumble into the future,
For us to understand, what doesn’t work anymore at hand.

The flawed snowflake might as well be all:
It is dust
It is fire
It is ice
It might a metaphor for our believes, for our belongings
For our glass cliffs or reefs
For your longings for sure.

Who decides, what is flawed anyway?
Who acts normal in a firestorm?
Who breaths freely when the dust is floating in the air?
Who is made perfect, when nature itself is on the shelf?
Who might still care anyway?
As long as we have to define, measure and to rhyme,
Nothing can truly be free.

Johanna nion Blau 30.01.2026

Photo by Lini Popini

Liebe in Zeiten der Krise

Die Haare auf meinen Zähnen, machen mich unattraktiv für die falschen Partner*innen, so hoffe ich. Soweit, so gut. Die Farbe auf meinen Lippen signalisiert ihnen, auf Abstand zu bleiben. Sie kommentieren: Das ist aber ein rotes Rot. Ich lächle und zeige meine Zähne. 
Die Männer in meinem Herzen müsste ich erobern, aber meine Innere Prinzessin wartet immer noch darauf, von ihnen gerettet zu werden.
Die von mir erwählten Menschen retten sich selbst. In ihrer Abwesenheit schwebt der verborgene Tanz, der mir von ihnen versprochen wurde.
Das Los, das ich ziehe, zieht mich in die Welt, egal wohin, egal wer, nur los.
Loslassen; das Gebot der Stunde. Die Welt macht es vor. Und der Tand bäumt sich auf in meinem Zimmer, ich räume und räume, bis ich wieder Gastgeber*in sein könnte.
Die Katze liebt das Chaos. Ich liebe mich selbst. Und immer der Anschein von Glück im Spiegel, bis mir die Flecken auf der Oberfläche auffallen. Ich fange an zu putzen.
Fallen oder Fliegen fragte ich mich. „To fall for someone“ und „to fall in love“ heißt es. I fell for you and no wonderwall appeared, just writings on the wall of your back.

Der Blick, der mich fragen macht, warum ich dich nicht umarme und frage, was du morgen machst?
Der Blick, der mich fragen macht, warum ich jemals Hoffnung hatte, dich zu fragen.
Der Blick, der mich fragen macht, warum ich mich frage, was in dir vorgeht und ob du dir auch alles mit mir vorstellen könntest.
Was ist Wahrhaftigkeit, wenn nicht die Möglichkeit im Verstand und im Gefühl zu ertasten, sich auszumalen, was sein könnte. An einer Weggabelung zu stehen und sich zu entscheiden, sich zu entscheiden. Was passiert, wenn die innere Wahrheit, der Wahrheit eines Gegenüber begegnet. Endlich ent-täuscht sein, es besser als ewig vielleicht grundlos zu hoffen.

Die FOMO Meditation habe ich mir für später auf der App gespeichert. Für den Mittagsschlaf, den ich mir leisten kann. Ich will zurück zu meiner Zufriedenheit, mir der ich in die Welt ging und auf Freunde traf, die ich noch nicht kannte. Seit dem letzten Samstag, sehe ich Feind*innen, da wo ich vorher Menschen sah. Dieses Bild, welches SpiegelTV rahmt und verhöckert, möchte ich betrachten und dann wieder dem Fegefeuer übergeben.
Offen seien meine Augen zu sehen, offen seien meine Ohren zuzuhören. Und offen sei ich für die Freude, das Leid, und den Weg, den du gegangen bist, ehe wir uns trafen.

Johanna nion Blau, 22.01.2026

Lied einer verliebten Selkie

In den Wellen, ein Kopf, sie schaut mich an. Ich bin verkopft in dieser Welt, in meiner Welt. 
Im Meer eine Welt, sie schäumt mich an, ich bin betropft, der Wind trägt die Wellen in mein Herz, die salzige Welt in meine Tränen.
Aufs Geratewohl geh ich am Strand entlang, spüre wie es an mir reißt, der Sturm mich beißt, ein Stück von mir mit sich reißt, hinaus in die Wogen.
Traum-segelnd gerate ich in mein Gleichgewicht. Weiche jedem Strudel aus, jedem Hai, suche die Augen, die mein Leuchtturm sein könnten.
Verbunden mit meinem Körper durch einen dünnen Faden schick ich meine Seele aus, den Hafen zu finden, an dem meine Hoffnung immer schon glückstrunken ankommen wollte.
Die Härte der Wogen schlägt um sich in meinem Gesicht, das Salz des Meeres atme ich aus und ein, um heilsame Tränen zu weinen.
Doch bin ich hier und atme, und schau dem Himmel zu beim Wachsen, will weiter atmen und auch die Flügel ausbreiten. Den Himmel besuchen, der die Erde sein könnte.
Gerade, wenn wir im Meer des Hasses zu versinken drohen. Die Worte, können sie helfen zu verbinden, zu heilen?
Der Traum vom Frieden, muss kein Traum mehr sein. Das ist die Wahrheit und die steht nun geschrieben. Lasst sie uns im 3D-Drucker fassbar werden lassen. Lasst ab vom Ablasshandel. Lasst die Möwen träumen, lasst die Menschen träumen und leben und atmen, an der Küste, wie in der Wüste, im Wald, wie im Gebirge. Wenn Gletscher Brücken bauen können, wer will es denn den Menschen verwehren?
Das Wasser in meinem Herzen kocht und darauf steht der Kessel des Schicksals. Meine Träume leiten mich an Abgründen vorbei hin zu Liebe und Auferstehung. Lass mich dieses Lied für dich singen, bevor es zu Ende geht. Bitte.

Johanna nion Blau, 16.01.2026

Der verhängte Spiegel

Lichter in diesem Land, verticken Gebrauchtes für die Quote.
Keine Aurora, zu viel Boreales heute wieder unsere Nacht erhellt.
Und in der Welt nur wieder mehr gewaltvolle Sprache, gewaltvolle Tode.
Ich weine mich müde, nach wundervollen Abenden, Schuld frisst an meinem kalten Herzen.
Wie meine Glieder schmerzen, nach Tanz, nach Spiel, nach durchwachten Nächten.
Wer zündet noch laute Kerzen, wenn sich ab Montag alle wieder knechten?
Statt innehalten, hinter Dingen her hechten, die wir nie brauchten, ohne zu bezahlen.
Der Preis, der Preis, das ist der verhängte Spiegel, der unser Lieben uns bewies und dann den Schmerz so sehr ins Dunkelste verwies. Der Schmerz des Fühlens, das Gegenmittel gegen all die taube Pein des Alltäglichen.
Besonders macht mein Leben vielleicht nur der Blick in diesen Spiegel, auch wenn es splittern sollte, wären all die Splitter mein.

Johanna nion Blau, 14.12.2025