Nightly clouds and wishful thinking

I am between bear and wolf to rip apart the shreads of your skin
Keeping me from seeing
My raging heart disappearing
My acing mind shrouding thoughts
Into the flux of animism
Praying and bleeding for a better cause
That leaves my mind to think, my soul to breath , my heart to love again
And in my hope lies the seed of humanity
Without bewildering my wildest parts
The future lies in human hearts
To be thinking about tomorrow in a pleasent state and to dream of places where no one hates another
Where we do not part but share and
Cover each other to not cover up pain but process and literate its urgency
Where the currency of love is named healing.
This place is called
Our Future

Johanna nion Blau, 25.-26.08.2026

Wenn die Weiden ihren Namen vergessen

Wenn die Weiden, ihren Namen vergessen,
Will ich meinen aufschreiben, immer wieder und wieder.
Um sie zu erinnern, wie wichtig sie mir sind, die Weiden.

Wenn in den Weiden der Wind rauscht und die Bücher seziert im Gedächtnis der gedankenlosen Stochastikzählmaschinen landen. Was, wenn der Wind ausbleibt und die Windräder keinen Strom mehr liefern? Werden wir dann nicht mehr wissen, woher wir kommen, wer wir sind und wie wir uns nennen sollen?

Ich habe Angst um meine Lieben, die vergessen zu haben scheinen, wie wichtig sie doch sind. Sie machen die Welt weitaus erträglicher, wenn sie darin lebendig sind. Und doch wollen so manche, sich aufmachen in eine andere Welt oder einfach verwehen im Wind, der Wind sein, die Welle, das Teilchen.

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, wie ich sie halten soll, wenn so einige zu denken scheinen, es wäre egal, es wäre nicht wichtig, es würde nichts ausmachen.

Es ist wichtig. Für mich und für die die waren, werden und sind. Jeder Mensch macht einen Unterschied. Jede Person liebt und lebt und leidet einzig-art-ig.

Ich fühle mich gefangen in grünen Trauerweidenzweigen, weil sie gehen wollen und ich bleiben will und schreiben will, dagegen anschreiben, das ein Mensch Ballast sein soll.

Kein Mensch ist Ballast. No one is a burden. Kein Mensch ist illegal. No one is illegal.

Warum, frage ich mich, hat das Böse die Oberhand? Und dann sehe ich aus dem Fenster der Straßenbahn auf dem Weg nach Süden und das Licht lässt die Gebäude teils golden werden. Und dann laufe ich durch die Straßen und der Mond scheint rund, wie die Lichter auf dem Balkon. in der warmen Nacht eines Sommers, der für einige der letzte gewesen sein könnte.

Dabei ist die Hoffnung in mir fest verankert, dass es wieder anders wird und die schönen Momente, wieder überwiegen werden. Und ich bin wieder dankbar, Menschen gekannt zu haben, trage sie in meinem Herzen und meinen Gedanken weiter. Sie leiten meinen Mut und sie schenken mir manches Wort. Sie sind die Sonnen in einer weiten, wunden Nacht. Die Sterne meiner Vernunft, die Gedanken, in meiner Wut und die Sanftheit meiner Wünsche.

All-es aufgeschrieben unverwundbar vom Äther ins Netz. Mögen die Bots es finden und daran gedankenvoll werden.

Johanna nion Blau, 29.07.2026

Herzkammern (Version 2)

Mein Herz hat Räume und Türen.
Mein Herz hat Kammern und Klappen.
Mein Herz pumpt Blut durch Meinen Körper,
Will diesen Fluss nicht kappen.

Mein Leben verdankt sein Leben allen Andern,
Doch dank ich mir am meisten.
Wer kann sich Langweile leisten,
In meinem Alter, mit meinen Leisten?

Ich schreibe über Herzen als Organ,
Ich schreibe über Herzen als Idee.
Wenn Leben wie Lieben sei, ich fleh’ euch an;
Lasst die Liebenden sich finden auf dem Höhepunkt der Stadt.

Mit ihrer Botschaft für die Welt.
Und wer ist davon satt?

Lasst die Herrschenden uns binden;
An Werte, an Gesetze, an die Wahrheit der Tat.
Lasst uns das, was wir finden, wenn wir träumen
Nicht mit Blatt-Gold säumen.

Denn aus Holz und Wasser sei mein Haus,
Der Himmel sei mein Dach, mein Futter Applaus:
Für das Lieben und Leben, für das Helfen und Hegen,
Für das Leben und Lieben, für das Weben und Wiegen.

In meinem Leben, bin ich die Instanz.
In meinem Lieben, tanze ich den gewagtesten Tanz.

Meine Schatten fressen alle, die schweigen.
Mein Licht teilt sich mit, denen, welche sich vor der Liebe neigen.

In meinem Herzen gehen die Lichter an.
Der Fluss der Liebe bricht sich Bahn.
In meinem Herzen gehen die Lichter aus.
Trifft mich der Fuß der Härte, schlägt mich die dumme Faust.

Will heute die Punk-Oper erleben und mein Sein genießen,
Bin ich erst Punk-Opa,
Will ich den alten Zeiten genüsslich gedenken
Und mein Erinnern täglich gießen.

Gerade macht das noch keinen Sinn.
Ich bin doch mittendrin.

Johanna nion Blau,
03.07.2026

Der Capa-Wald muss bleiben – „Unser Blau’sches Wäldchen“

Was ist wichtiger für mich, dass ein reicher Fußballclub mehr Platz in der Innenstadt bekommt oder das Capa-Wäldchen, in dem meine Mutter (Jahrgang 1951) und meine Tante als Kinder gespielt haben? Was ist wichtiger für Leipzig, dass ein reicher Fußballclub mehr Platz in der Innenstadt bekommt oder ein Wald, der Lebensraum für uns ist, für seltene Tiere wie Fledermäuse und mindestens 38 Vogelarten und Kühle bringt, Luft zum Atmen. Dieser Wald ist die – jetzt schon schmale – Brücke, zwischen nördlichem und südlichem Auwald. Dieser Wald ist unersetzlich und unbezahlbar und muss uns erhalten bleiben!

Dieser Wald hat den zweiten Weltkrieg überstanden und soll jetzt einer Unterhaltungsindustrie weichen. Ist das wirklich eine gute Idee, oder nicht doch eher ein Schildbürger*innenstreich?
Wenn sich alle Natur- und Umweltverbände in Leipzig und Umgebung zusammentun und sich dagegen aussprechen, dann hört bitte hin! Werdet laut, engagiert euch und redet miteinander über dieses wichtige Thema! Unterschreibt die Petition!


Wir haben gerade eine Hitzekrise erlebt, die die Kühlung in den Supermärkten und das Leipziger Straßenbahnnetz in die Knie gezwungen hat.

Und Politiker*innen in Leipzig diskutieren ernsthaft darüber, ob es eine gute Idee sei, einen Wald in der Stadt abzuholzen, der nachweislich für Kühle und gutes Klima sorgt.

Der Leipziger Stadtrat ist gefragt, diese Diskussion vernünftig und mit den bestehenden, gewichtigen Argumenten zu führen, frühere Entscheidungen zu dem Thema zu berücksichtigen und sich daran weiterhin zu halten und im Sinne des Waldes und Leipziger Interessen zu entscheiden. Der Capa-Wald darf nicht an den RB verkauft werden! Im September – nach der Sommerpause – soll die Entscheidung darüber fallen.

Wir müssen Lärm machen und damit Druck auf die Stadt ausüben und dem Stadtrat auch deutlich machen: dieser Wald ist wichtiger als Fußball und Geld.

Zukunftsfähige Stadtplanung, in der Natur ihren wichtigen Platz hat und einen unbezahlbaren Wert, darauf kommt es uns als Leipziger Stadtbevölkerung an. Zukunft durch Natur ist uns Leipziger*innen wichtig und ich als Leipziger*in möchte helfen, wenn es auch nur mit Worten ist, diese Bäume zu erhalten.

Lasst uns diesen Wald als Lebensraum, diese Bäume, die Tiere und anderen Pflanzen, die darin existieren auch als Leipziger*innen betrachten, so wie ich diesen Wald als Teil meiner Familiengeschichte sehe, unser „Blau’sches Wäldchen“. Eine Kernerinnerung meiner Mutter und meiner Tante, ein Ort des Abenteuers und der Entdeckungen. Was bedeutet er euch, was habt ihr dort erlebt und gesehen? Und welche Geschichten werden eure Kinder und deren Enkel erzählen können von diesem Wald, wenn wir uns dafür entscheiden, ihn zu langfristig schützen und zu bewahren?

Der Capa-Wald ist Gemeingut und dient unserem Gemeinwohl. Allmende in ihrer reinsten Form. 🙂 Lasst uns gegen die kleptokratischen Pläne des RB vorgehen und dieses unseres gemeinsames Gut gemeinsam schützen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,

Johanna nion Blau, 29.06.2026

https://www.nabu-leipzig.de/capawaeldchen

https://www.l-iz.de/politik/brennpunkt/2026/06/ex-umweltminister-wolfram-guenther-macht-sich-fuer-capi-stark-muss-ein-tabu-sein-662083

https://www.openpetition.de/petition/online/natur-ist-keine-manoevriermasse-stoppt-den-waldverkauf-am-cottaweg-erhaltet-den-naturraum

https://www.bund-leipzig.de/service/pressemitteilungen/detail/news/pm-cappi-bleibt-neuer-schlachtruf-gegen-die-rodung-des-waeldchens-am-cottaweg

https://www.oekoloewe.de/umweltpolitik-naturschutz-detail/waldrodung-rb-leipzig.html

Song of Hourglasses

I lost my voice agai …

It is not in the fridge
It is not on the screen
It is hiding in my serene
future

I want to buy something
To feel real again
I want to kiss someone
To feel whole again

In my absence
MyCloud pulled the trigger
And it is raining my digital thoughts and feelings down the magistrale
Slowly like a snail moves on a tree stump
Killing me softly

In my presence
He grabbed a whole bunch of books
And put them to waste at the dump of our hopes and fears

During the Turing Test
I held your hand
We both wore glasses
To decide whether we are real enough slash
Authentic enough

And in my mind
I want to draw a map of your face
With all it’s dots and lines

Like I recorded your laughter
With my ears and eyes
Maybe you feel likewise

Hopes and fears are what
Move us to capital tears
Some say, the moon is rising

But it circles around
Moves me to sing
This song of hourglasses

Johanna nion Blau, 22th of june, 2026

Fantastische Spiegelbilder (30. Mai Lesung Leipziger Markt)

Lichter in diesem Land, verticken Gebrauchtes für die Quote.
Keine Aurora, zu viel Boreales heute wieder unsere Nacht erhellt. 
Und in der Welt nur wieder mehr gewaltvolle Sprache, gewaltvolle Tode.
Ich weine mich müde, nach wundervollen Abenden, Schuld frisst an meinem Kalten Herzen.
Wie meine Glieder schmerzen, nach Tanz, nach Spiel, nach durchwachten Nächten.
Wer zündet noch laute Kerzen, wenn sich ab Montag alle wieder knechten? 
Statt innehalten, hinter Dingen her hechten, die wir nie brauchten, ohne zu bezahlen.
Der Preis, der Preis, das ist der verhängte Spiegel, der unser Lieben uns bewies und dann den Schmerz so sehr ins Dunkelste verwies. Der Schmerz des Fühlens, das Gegenmittel gegen all die klamme Pein des Alltäglichen.
Besonders macht mein Leben vielleicht nur der Blick in diesen Spiegel, auch wenn es splittern sollte, wären all die Splitter mein.

Das ewige Kleinmachen, hat mich wütend werden lassen, so wütend, dass der Käfig, in dem ich hocke, ganz ausgebeult existiert in meiner Fantasie. Bin ich die, die ich war oder der, der ewig an die Türe geklopft hat? Gibt es überhaupt eine Trennung zwischen Selbst, dir und anderen? In Zuständen wabert das Gegenüber als Geist durch mich hindurch. Unangenehm und frei wir zu sein. In meiner Vorstellung sind zwei Ganze zusammen etwas neues Ganzes. Etwas Verbundenes: frei und gestärkt.
Aus diesen Fantasien und Geschichten möchte ich ausbrechen, möchte mich neu und neugierig erfahren, auch andere. Spaltungen aufheben, wie eine Schnur, die auf den Boden geworfen wurde, wann und von wem auch immer.
Ich als Mensch bin ganz, in meiner komplexen Charakterstruktur. Ich will gesehen werden, ich will Interesse erzeugen und in meiner Seele soll ein Licht entzündet werden, wie ich mit meinem Interesse Licht in den Seelen von anderen entzünden möchte. Die Liebe als Licht in dieser Zeit des Nebels. Die Liebe als Klarheit in Zeiten der Fragen ohne wahrhaftige Antworten.
Das Kleinste hat Freundschaft mit dem Größten geschlossen, wenn meine Hände Luft umarmen, ist da Sonnenschein, Welle oder Teilchen; ist da Regen, magnetisches Wasser von der Schwerkraft, in meine Hände gelenkt.
In allen Alltagsbegegnungen steckt eine Magie, welche Ohnmacht in Frage stellt. Die Zeit in meinem Kopf, sagt mir die richtige Stunde: zu Ruhen, zu Tanzen, zu Begegnen.
Das Handeln, ein Schweif aus Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten, thronend über der wagen Zukunft, wurzelnd in subjektiv erinnerter Vergangenheit.

Worauf ich hinaus will? Jede Zeit ist die richtige oder falsche, einen Sprung ins Ungewisse zu wagen. Die Frage ist: Bin ich bereit? Ist das Leben nicht so falsch oder richtig, wie unsere Vorstellung davon? Ist der andere Mensch mit seinen Wünschen, seiner Last, seiner Freude, seinem Leid und seinem Hoffen in uns ein Spiegel? Woraus besteht das Spiegelbild, außer aus schwerem Blei?
Mein Selbst ist die Summe von vielen Spiegeln, mein Ich ist eine Erinnerung an einen Traum. Doch ich erfinde mich neu, wenn ich erwache. Jeder Tag ist ein Versuch meiner Stimme, hörbar zu werden für mich und für andere.
Die Stangen des Käfigs, in dem ich mich regelmäßig wiederfinde, sind immer auch die Ängste des letzten Tages, der letzten Begegnung; mit anderen und mit mir selbst. Ruhe finde ich da, sammeln kann ich mich da. Meine Träume entwickeln sich da. Doch dann muss ich aufstehen, während der Käfig als Illusion sich entlarvt und auch wenn es kurz schmerzt in den Knochen, den Faszien, den Muskeln darin, dann weil ich ungewohnt aufgerichtet atme. Mein Körper, ein Wachstumsschmerz und ich fange an, daraus ein Lied zu dichten.

Mein Mund öffnet sich. Die Töne, entlockt der feinen Umarmung mit meinem Leben, entstehen. Der Blasebalg pumpt Luft in meinen Kräftigen Lungen, mein Leben atmet mich immer wieder ein und aus. Der Klang meiner Erfahrung ist das Klangexperiment, was ihr hört. Es beginnt …

Frieden allem Leben. Frieden aller Existenz. Wut in meinem Bauch, auf die, welche das Leben schänden. Wut in meinem Herzen, auf die, welche die Liebe für ihre Zwecke nutzen. Wut in meinem Kopf, auf die, welche die Lüge zelebrieren und die Wahrheit nackt verhöhnen.

Werte nicht Wärter sollten regieren. Sorgen in den Händen der falschen Menschen, vermehren sich wie der magische Brei im Märchen. Darum sollte Hoffnung die Währung unseres Miteinanders sein. Hoffnung sollte der Kompass sein, für unsere gemeinsamen Entscheidungen.

Wenn die Blaue Stunde beginnt, tanzt die antifaschistische Hexe mit den Ahn*innen, den Geistern, mit den Bildern ihres Unbewussten. So tanzt sie in Reigen ihresgleichen, im ewigen Kreis, um ihre Gedankenbilder zu begeistern. Und die Wut tanzt mit; stampft auf mit den Hufen. Und die Gnade dreht sich im Kreis gehalten von der Liebe. Hoffnung und Hass halten Spalier für die Gefühls-Polka durch den Wilden Garten Erde.

Fühl mich gehalten von meinem Fühlen, ich lass mich nicht mehr aufhalten, von was auch immer geschah. Jetzt ist die Zeit der Gefühle, und ich lade sie alle ein zum Wilden Tanz und dann zur Wilden Jagd.

Deer Woman, wo bist du, wenn wir dich brauchen? Warum gibt es hier keine mythologische Rache für Femizide? Warum scheint das alles so schrecklich normal?

Dem Geist, der mich um-haucht, steht der Rauch bis zum Bauchnabel. In meinem Denken keimt ein Setzling, die Herzförmigen Blätter suchen sich ihre Erde selbst aus. Prüfung und Siegel, dem Menschen, der mich will, wie ich ihn. Heilende Erde, heilendes Kraut.

Dass in allen mit Leid geschmiedeten Seelen, immer doch herzliche Losungen schwelen. Dass in vielen mit Liebe geimpften Herzen, die Hoffnung auf Allmende immer wieder aufkeimt und in Zukunft nahrhafte Früchte trägt.

Wer bin ich? Dazwischen. Das Leben schreibe ich, ummantele mich mit meinen Worten. Ich umgehe Fallen der Niedertracht, Schlaglöcher der Härte, hin zu ungekannter Freude. Ich schreibe mein Sternbild an den Himmel zu meinen Lebzeiten. Ohne Ovid zu kränken: meine Metamorphose braucht keine Götter.
Ich werde mein Schicksal so lenken, es könnte eine Sage sein, doch wahr wird alles: gelebt in diesem Fleisch, durch diesen Geist, mit dieser Seele.

Ich bin mit meinem Herzen, mit meinem Willen und mit meinem Verstand verwoben. Ich bin verwoben mit der Welt, der Gesellschaft, mit euch. All diese Verbindungen schmerzen und lassen mich gleichzeitig frohlocken. In meinem Organismus ist nichts allein. In mir kommt nichts nicht von außen. Wie soll ich mich schützen, vor dem was kommt? Ich schreibe dagegen an. Das ist meine Antwort auf eure Fragen. Und wenn ich stürze, fällt ein Baum der Erkenntnis wieder in Ungnade, und wenn ich stürze, ist die tiefe Nacht fast vorbei. Was folgt, überlasse ich eurer Fantasie.

Johanna nion Blau

Elstergesänge

Schon wieder habe ich das Gefühl, meine Stimme verloren zu haben. Wie ich krächze, wie eine Krähe, wenn ich spreche oder keckere ich doch eher wie eine Elster? In der Serie Wednesday sind Seherinnen aufgeteilt in Tauben und Krähen. Welcher Vogel wäre ich wohl in diesem Kontext? Auf keinen Fall eine gurrende Taube oder eine furchteinflößende Krähe. Eher doch die Elster, schwarz-weiße Seher*in der Familie, die*der Gaukler*in, welche*r alles liebt was glänzt und glitzert? 

Das Singen gab mir eine Stimme, die umfangreich, stark und ausdrucksvoll klang. Ich habe sie so wenig genutzt, erinnere ich mich an das letzte Jahr zurück. Ja, meine Meinung habe ich öfter gesagt als zuvor. Auf der Bühne habe ich mich wohler gefühlt, aber was würde bleiben, wenn ich für immer von nun an nur noch keckern würde, wie eine Elster? Wer würde mir zuhören und glauben, was ich von mir gebe?

Im Kontext der Sprache, vermutete ich die Stärke in Schönheit, in Wohlklang. Doch das, was gesagt wird, bleibt doch gleich, egal wie es klingt, nur das Echo ändert sich oft; nicht nur der Widerhall im Raum, auch das Feedback der Zuhörenden. Vielleicht halten sich die Menschen die Ohren zu. Vielleicht wenden sie sich ab. Vielleicht versuchen sie gerade durch den ungewohnten Klang genau hinzuhören. Vielleicht fangen sie an, das Gekeckere zu übertönen. Derjenige, der gegen eigene und fremde Widerstände spricht, sollte angesehen und auch angehört werden. Diese meine Stimme ist mein Werkzeug. Sie wird heilen, wie ich heilen werde. Diese meine Stimme wird viele erreichen oder wenige, aber eins weiß ich, es werden die richtigen Leute sein.

Die Elster ist dabei ein starkes Bild, sie nimmt sich, was ihr gefällt, sieht dabei elegant aus und gewandt, sie fliegt vorbei, vielleicht sogar im Schwarm, und schon verdreht sie allen die Köpfe und alle Aufmerksamkeit ist auf die Vogelschar gerichtet. Das entspricht nicht dem Ideal, nach dem ich erzogen worden bin. Meine Großeltern schrieben in mein Poesiealbum:
„Sei wie ein Veilchen im Moose, still, sittsam und rein. Nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Nach diesem Spruch habe ich mich ausgerichtet, als wäre er die Sonne und ich ein kleines bodennahes Pflänzchen, das Glück hat, nicht zertreten zu werden.

Diese Zeiten sind vorbei. Ich will keine Rose sein, eher eine Kletterpflanze. Ich will Blauregen sein, der mit alten und knorrigen Ästen sich um die Substanz windet, und mit seinen lila-bläulichen Blütentrauben eine Idylle schafft, die magisch und verzaubert wirkt. Alle mir auferlegten Beschränkungen werden nun nach und nach bewusst von mir untersucht auf ihre Notwendigkeit und, wenn sie unnütz sind, auf den Kompost geworfen, wo die Krähen darin wühlen dürfen und die Tauben. Ich will mich neu entdecken und erfinden. Eine Elster, die im Blauregen sitzt, sich unumwunden ihrer frechen Stimme bedient, um andere Elstern anzulocken, auf das sie zusammen ihre leiseren, melodischen Elstergesänge anstimmen und mit lautem Gekeckere ihren Schabernack treiben können. Ich freue mich auf den Spaß und die Abenteuer, die daraus entstehen werden.

Johanna nion Blau, 14.04.2026