Für mich existieren aktuell im Linken politischen Spektrum keine Seiten, auf die ich mich stellen könnte. Es heißt: „No Border, No Nation.“ Es heißt: „Es gibt kein Richtiges Leben im Falschen!“ Es heißt: „No one is free, until everyone is free!“ Es heißt: „Solidarity is our weapon!“ Das ist alles in meinem Sinne, nur wo ist der Kompass, der den Weg weißt zu diesen Zielen?
Gerade befinde ich mich in M.C. Escher’s labyrinthischem Treppenhaus mit vielen anderen Menschen und versuche die Linien auf dem Globus in Diskussionen einzuflechten. Ich versuche menschlich zu denken, zu fühlen, zu bleiben und es fällt mir schwer, wenn die Politik so unmenschlich agiert und beschließt und kürzt an Geld, an Lebensqualität, an Selbstbestimmung, an Freiheit. Waren wir je wirklich frei? Ich hatte das Gefühl, wir sind auf dem Weg dahin. Wer ist wir?
Es scheint mir wie, ein gegen „die da oben“. Dabei habe ich gelernt, es gibt keine „Eliten“. Ich bin hilflos, ob der Gewalt in der Welt. Wie könnte ich dafür argumentieren anzugreifen? Wie könnte ich dagegen argumentieren, sich zu verteidigen? Die Industrien schleifen Menschen zu Werkzeugen, die Werkzeuge des Tötens in die Welt bringen, die dann gehandelt werden wie Gut, so schlecht sie auch nutzbar sind. Sie werden verbraucht und wieder hergestellt, produziert um Leben zu vernichten, um “Ordnung zu schaffen“ um Systeme aufrechtzuerhalten, die nicht funktionieren dürften, die Leiden schaffen; unendliches menschliches und planetarisches Leid.
In der Welt ist das Töten für Ressourcen, aus denen Dinge bestehen, die töten, ein Weg, der nirgendwo hinführt. Wir gehen diesen Weg „Tag für Tag“ aufs Neue und lenken unseren Geist dabei in andere Richtungen (dabei lenken wir Geschosse und Raketen auf „Ziele“), damit wir nicht zu sehr verzweifeln, um weiterzumachen oder wir verzweifeln, bleiben liegen für immer und andere steigen über uns, um weiterzukommen. Nur wohin? Wohin führt der Weg in Eschers Treppenhaus? Wir begegnen Menschen auf Augenhöhe, nur dass sie über Kopf an uns vorbei hasten. Wir steigen Treppen hinauf endlos und endlos steigen wir Treppen hinab. Wir sind gefangen in Wegen, die nirgendwo hinführen. Der Weg ist kein Ziel. Der Weg ist die Illusion, die in den Abgrund zeigt, den wir umwandern.
Die Aussicht zu gewinnen oder zu verlieren ist Antrieb in diesem System. Die Lose sind doch alle Nieten, auch die die gewinnen. Der Millionen-Lotto-Gewinn: Die Karotte, die dich weiterlaufen lässt. Dein Aktienfond bei deiner Bank, und du hoffst auf einmal, dass die Mieten steigen, dass der Weizen auf den Feldern verdirbt und die Ölproduktion stagniert, auch wenn du in einer 3-Zimmer-Mietwohnung das Müsli für die Kinder zubereitest und sie zur Eile rufst, weil der Berufsverkehr auf dem Weg zur Schule wieder schlimm sein wird.
Perspektiven: Das Hamsterrad oder die Karriereleiter, das Labyrinth, in dem wir das Gefühl haben, voran zu kommen, und alle, die in die Tiefe stürzen, sind „selbst schuld“. Ist das so? Die neuesten Kürzungen betreffen Menschen mit Behinderung, Menschen, die nicht in diesem Staat geboren worden sind, Menschen, die nicht arbeiten, alleinerziehende Eltern. Nicht die Masse, nicht die Mehrheit, oder? Wen betrifft es, wenn Betroffene in Armut gezwungen werden, oder in Arbeit, oder in den Tod? Warum fühlt sich gefühlt niemand betroffen, in den Ämtern und Behörden? Weiter Dienst nach Vorschrift. Dabei wird Hannah Arendt so zitiert:
„Kants ganze Moral läuft doch darauf hinaus, dass jeder Mensch bei jeder Handlung sich selbst überlegen muss, ob die Maxime seines Handelns zum allgemeinen Gesetz werden kann. […] Es ist ja gerade sozusagen das extrem Umgekehrte des Gehorsams! Jeder ist Gesetzgeber. Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant. “
Und das ist so lange bevor es um das Töten von Menschen geht. Selbstmord in diesen System ist politisch. Das Individuum leidet so lange in diesem Labyrinth aus dem kein Ausweg möglich scheint, bis der dunkle unbekannte Abgrund für Verstand, Psyche und Seele verlockend wirkt. Systemversagen, wenn die Menschen, denen das System dienen sollte, ihm zum Fraß vorgeworfen werden.
Wie kann das Bruttoinlandsprodukt Wohlstand anzeigen und wessen Wohlstand zeigt es an? Warum haben wir keine Wohlbehagens-Skala eingeführt? Wer hat etwas gegen zufriedene Menschen?
Gern wüsste ich, wie es weiter gehen kann. Wir sollten nicht das Ende herbeisehnen oder uns in Nihilismus ergehen. Wir sollten, ja was sollten wir? Lasst uns miteinander reden. Lasst uns die Sonne genießen und den Tag, lasst uns darüber sprechen, dass es so nicht endlos weiter gehen kann. Zu viele haben nicht überlebt, zu viele können nicht mehr, zu viele werden ignoriert und damit überrannt. Wo ist die Rampe? Wo ist die Parkbank? Wo ist der Park zum Verweilen, zum Austausch, zum Planen der weiteren Schritte? Wo ist der Platz zum Demonstrieren, zum Zusammenkommen? Das Wir ist das, was zählt, das was wir haben, soll geschützt werden, gegen die, die es uns nehmen wollen. Wir haben Zeit, wir haben einander, wir haben wichtige Ziele vor Augen (Frieden, Wohlbehagen, Selbstverwirklichung, wirkliche Sicherheit, eine schöne Zukunft) und wir wollen endlich zusammen da ankommen.
Johanna nion Blau, 26.04.2026
