Wir Narrenkinder

Wir Narrenkinder

Wie nur, wie die Welt begreifen?
Sie ist doch so riesengroß.

Wie die Weltenformel fassen,
wenn die Menschen sich so hassen,
taumeln durch die schwarzen Weiten,
schauen nur bis hin zum Moos.

Unbeteiligte Gesichter,
dahinter blitzen winz’ge Lichter,
scheue, schmale, hole Richter
über sich und irgendwen.

Das begreifen, das zu seh’n
und dabei nicht ganz untergeh’n.

So die Welt sich weiterdreht
und meine Brust sich senkt und hebt.

Das Herz, das Herz, es schlägt und schlägt,
wie der Schmerz, der sich jetzt regt.

Kann nicht schreien und kann’s nicht wagen,
das so laut und klar zu sagen.

Wenn die Engel Trauer tragen,
sich als Pfandhai durchs Leben schlagen.

Die Geschichten sind so frei,
es zieht mich hin zur Narretei.

Wir alle wollen Retter sein
und schlafen mit dem Wunsch nach Hoffnung ein.

/ 7-2012

Abschüssiger Hang mit Wiese und zwei Mondblumen, dahinter Strand mit Spaziergängern
Spaziergänger am Cospudener See

Legung 2001

Ins Leben tauchen oder weiter übers Wasser gehen?

Ich will leben und zwar wirklich unter Menschen und ich will auf mein Herz hören, mein Herz scheint nur nicht sprechen zu können, nicht meine Sprache.

Du hältst deine Träume in der Hand und bist so vertieft, dass das Leben an dir vorbei fließt. Das Haus, das du dir gebaut hast, reicht dir deiner Meinung nach und trotzdem ruft dein Herz nach etwas ,was du noch nicht erfahren hast und vor dem du erzitterst.
Der frische Wind, der aufkommt muss dich endlich aus der Reserve locken, doch du empfindest ihn nur als lästig und verschließt davor die Augen – hin und her gerissen setzt du deinen ach so scharfen Verstand in Bewegung und stehst doch auf der Stelle, denn ohne Herz lässt sich keine zufriedenstellende Entscheidung finden.
Die Sicherheit, die du dir durch dein erfolgreiches Wissen geschaffen hast, ist ein Gefängnis, klebt wie eine kalte, rostige Rüstung an deinem Körper und ist dadurch ein Grund für deine Unbeweglichkeit und Angst davor, dich in den Strom der Gefühle, des Erlebens und der Träume zu werfen.
Die Krone des Erfolges auf deinem Haupt ist für dich eine unerträgliche Last, die du dennoch nur selten wagst abzunehmen und selbst dann macht dich die Angst vorm Versagen in der Wirklichkeit stumm und träge.

vom 13.06.2002

napoleonundwurzelfrau
Napoleon und die Wurzelfrau, Skulpturen entstanden 2007