Liebe in Zeiten der Krise

Die Haare auf meinen Zähnen, machen mich unattraktiv für die falschen Partner*innen, so hoffe ich. Soweit, so gut. Die Farbe auf meinen Lippen signalisiert ihnen, auf Abstand zu bleiben. Sie kommentieren: Das ist aber ein rotes Rot. Ich lächle und zeige meine Zähne. 
Die Männer in meinem Herzen müsste ich erobern, aber meine Innere Prinzessin wartet immer noch darauf, von ihnen gerettet zu werden.
Die von mir erwählten Menschen retten sich selbst. In ihrer Abwesenheit schwebt der verborgene Tanz, der mir von ihnen versprochen wurde.
Das Los, das ich ziehe, zieht mich in die Welt, egal wohin, egal wer, nur los.
Loslassen; das Gebot der Stunde. Die Welt macht es vor. Und der Tand bäumt sich auf in meinem Zimmer, ich räume und räume, bis ich wieder Gastgeber*in sein könnte.
Die Katze liebt das Chaos. Ich liebe mich selbst. Und immer der Anschein von Glück im Spiegel, bis mir die Flecken auf der Oberfläche auffallen. Ich fange an zu putzen.
Fallen oder Fliegen fragte ich mich. „To fall for someone“ und „to fall in love“ heißt es. I fell for you and no wonderwall appeared, just writings on the wall of your back.

Der Blick, der mich fragen macht, warum ich dich nicht umarme und frage, was du morgen machst?
Der Blick, der mich fragen macht, warum ich jemals Hoffnung hatte, dich zu fragen.
Der Blick, der mich fragen macht, warum ich mich frage, was in dir vorgeht und ob du dir auch alles mit mir vorstellen könntest.
Was ist Wahrhaftigkeit, wenn nicht die Möglichkeit im Verstand und im Gefühl zu ertasten, sich auszumalen, was sein könnte. An einer Weggabelung zu stehen und sich zu entscheiden, sich zu entscheiden. Was passiert, wenn die innere Wahrheit, der Wahrheit eines Gegenüber begegnet. Endlich ent-täuscht sein, es besser als ewig vielleicht grundlos zu hoffen.

Die FOMO Meditation habe ich mir für später auf der App gespeichert. Für den Mittagsschlaf, den ich mir leisten kann. Ich will zurück zu meiner Zufriedenheit, mir der ich in die Welt ging und auf Freunde traf, die ich noch nicht kannte. Seit dem letzten Samstag, sehe ich Feind*innen, da wo ich vorher Menschen sah. Dieses Bild, welches SpiegelTV rahmt und verhöckert, möchte ich betrachten und dann wieder dem Fegefeuer übergeben.
Offen seien meine Augen zu sehen, offen seien meine Ohren zuzuhören. Und offen sei ich für die Freude, das Leid, und den Weg, den du gegangen bist, ehe wir uns trafen.

Johanna nion Blau, 22.01.2026

Der verhängte Spiegel

Lichter in diesem Land, verticken Gebrauchtes für die Quote.
Keine Aurora, zu viel Boreales heute wieder unsere Nacht erhellt.
Und in der Welt nur wieder mehr gewaltvolle Sprache, gewaltvolle Tode.
Ich weine mich müde, nach wundervollen Abenden, Schuld frisst an meinem kalten Herzen.
Wie meine Glieder schmerzen, nach Tanz, nach Spiel, nach durchwachten Nächten.
Wer zündet noch laute Kerzen, wenn sich ab Montag alle wieder knechten?
Statt innehalten, hinter Dingen her hechten, die wir nie brauchten, ohne zu bezahlen.
Der Preis, der Preis, das ist der verhängte Spiegel, der unser Lieben uns bewies und dann den Schmerz so sehr ins Dunkelste verwies. Der Schmerz des Fühlens, das Gegenmittel gegen all die taube Pein des Alltäglichen.
Besonders macht mein Leben vielleicht nur der Blick in diesen Spiegel, auch wenn es splittern sollte, wären all die Splitter mein.

Johanna nion Blau, 14.12.2025

Im Schlaf segle ich auf meinen Tränen hinaus in die Welt – Vor den Rauhnächten

Der Weiße Himmel deckt sich auf. Im Verlauf des Tages träumt der Mond seine Untergänge. Die Sensensichel nach beiden Orten ausgestreckt, oben wie unten. Ohne zu strafen, denke ich die Wege meines Lebens neu. Asphalt begangen mit Jasminenduft, wechselt mit Moosigem Waldboden. Der Hirschkäfer schaut mich an.
Ich atme froh in die Welt hinaus, nehme mir den Raum, der immer mein war, teile ihn in bunte Bilder, welche mir träumen helfen. Die Gestirne meine Gefährten, rausche ich durch Erinnerungen, hier ein Schmerz, da eine Segnung, immer aufrichtig mit allen anderen.
Das heißt, ich warte auf Vergebung. Und in dem Raum des Dunkels, verheißt ein Riss Heilende Worte. Im Schlaf segle ich auf meinen Tränen hinaus in die Welt. Grüße die Ratten und die Tauben der Städte mit einem insomniösem Lächeln: am Abend, am Morgen, an Tagen, in Nächten. Die Drehung ist dem Wandel immanent. Zauber stärkt sich durch Gedanken, wie Worte ausgesprochen gegenüber Liebenden.
Das tanzt in mir und will den Sprung der Narren wagen, hin zu Gemeinsamkeiten. Gleichzeitig eintauche ich in meine Seele, spüre erstmals, wo ich abgebogen bin und wo ich mich wiederfinde.
Dramen sind Spiele, die alles spüren lassen. Spiele sind Dramen des Vergessens. Vergessen wäre dramatisch, denn dann gebe es keine Regeln mehr, nach denen ich gern spüren würde. Das Haus geschändet. Innen geht das Leben weiter. Die Stufen werden zur Rutschbahn und ich weiß, es geht abwärts, damit ich wieder lieben werden kann.

Der Weiße Hirsch deckt sich mit dem Schnee. Seine Krone und die Korona um den Mond bringen uns die Nacht in der heilende Lieder erklingen. Meine Hand reicht hinauf in den Nebel, bringt ein schlagendes Herz hervor. Das Feuer lodert und die Horde tanzt.
In diesen Nächten gebar die Welt den Traum, in diesen Nächten stechen die Sterne durch die Wirklichkeiten und erzählen uns von Wundern.

Johanna nion Blau, 28.11.2025

Über Fantastische Ausbrüche

Das ewige Kleinmachen, hat mich wütend werden lassen, so wütend, dass der Käfig, in dem ich hocke, ganz ausgebeult existiert in meiner Fantasie. Bin ich die, die ich war oder der, der ewig an die Türe geklopft hat? Gibt es überhaupt eine Trennung zwischen Selbst, dir und anderen? In Zuständen wabert das Gegenüber als Geist durch mich hindurch. Unangenehm und frei wir zu sein. In meiner Vorstellung sind zwei Ganze zusammen etwas neues Ganzes. Etwas Verbundenes: frei und gestärkt.
Aus diesen Fantasien und Geschichten möchte ich ausbrechen, möchte mich neu und neugierig erfahren, auch andere. Spaltungen aufheben, wie eine Schnur, die auf den Boden geworfen wurde, wann und von wem auch immer.
Ich als Mensch bin ganz in meiner komplexen Charakterstruktur. Ich will gesehen werden, ich will Interesse erzeugen und in meiner Seele soll ein Licht entzündet werden, wie ich mit meinem Interesse Licht in anderen zünden möchte. Die Liebe als Licht in dieser Zeit des Nebels. Die Liebe als Klarheit in Zeiten der Fragen ohne wirklich wahrhaftige Antworten.
Das Kleinste hat Freundschaft mit dem Größten geschlossen, wenn meine Hände Luft umarmen, ist da Sonnenschein, Welle oder Teilchen; ist da Regen, magnetisches Wasser von der Schwerkraft, in meine Hände gelenkt.
In allen Alltagsbegegnungen steckt eine Magie, welche Ohnmacht in Frage stellt. Die Zeit in meinem Kopf sagt mir die richtige Stunde: zu Ruhen, zu Tanzen, zu Begegnen.
Das Handeln, ein Schweif aus Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten, thronend über der wagen Zukunft, wurzelnd in subjektiv erinnerter Vergangenheit.

Worauf ich hinaus will? Jede Zeit ist die richtige oder falsche, einen Sprung ins Ungewisse zu wagen. Die Frage ist: Bin ich bereit? Ist das Leben nicht so falsch oder richtig, wie unsere Vorstellung davon? Ist der andere Mensch mit seinen Wünschen, seiner Last, seiner Freude, seinem Leid und seinem Hoffen in uns ein Spiegel? Woraus besteht das Spiegelbild, außer aus schwerem Blei?
Mein Selbst ist die Summe von vielen Spiegeln, mein Ich ist eine Erinnerung an einen Traum, doch ich erfinde mich neu, wenn ich erwache. Jeder Tag ist ein Versuch meiner Stimme, hörbar zu werden für mich und für andere.
Die Stangen des Käfigs, in dem ich mich regelmäßig wiederfinde, sind immer auch die Ängste des letzten Tages, der letzten Begegnung mit anderen und mit mir selbst. Ruhe finde ich da, sammeln kann ich mich da. Meine Träume entwickeln sich da. Aber dann muss ich aufstehen, während der Käfig als Illusion sich entlarvt, auch wenn es kurz schmerzt in den Knochen, den Faszien, den Muskeln darin, dann weil ich ungewohnt aufgerichtet atme. Mein Körper ein Wachstumsschmerz und ich fange an, daraus ein Lied zu dichten.
Mein Mund öffnet sich, die Töne, entlockt der feinen Umarmung mit meinem Leben, entstehen. Der Blasebalg pumpt Luft in meinen kräftigen Lungen, mein Leben atmet mich immer wieder ein und aus. Der Klang meiner Erfahrung ist das Klangexperiment, was ihr hört, lest. Es beginnt …
Frieden allem Leben. Frieden aller Existenz. Wut in meinem Bauch, auf die welche, das Leben schänden. Wut in meinem Herzen, auf die, welche die Liebe für ihre Zwecke nutzen. Wut in meinem Kopf, auf die welche die Lüge zelebrieren und die Wahrheit nackt verhöhnen.
Werte nicht Wärter sollen regieren. Sorgen in den Händen der falschen Menschen, vermehren sich wie der magische Brei im Märchen. Darum sollte Hoffnung die Währung unseres Miteinanders sein. Hoffnung sollte der Kompass sein für unsere gemeinsamen Entscheidungen.
Ich bin mit meinem Herzen, mit meinem Willen und mit meinem Verstand verwoben. Ich bin verwoben mit der Welt, der Gesellschaft, mit euch. All diese Verbindungen schmerzen und lassen mich gleichzeitig frohlocken. In meinem Organismus ist Nichts allein. In mir kommt Nichts nicht von außen. Wie soll ich mich schützen, vor dem was kommt? Ich schreibe dagegen an. Das ist meine Antwort auf eure Fragen. Und wenn ich stürze, fällt ein Baum der Erkenntnis wieder in Ungnade, und wenn ich stürze, ist die tiefe Nacht fast vorbei. Was folgt, überlasse ich eurer Fantasie.

Johanna nion Blau, 12.10.2025

Wir bauen am Floß für die kommenden Wogen

Ich will von Dunkelheiten singen, die Niemanden schaudern, lass uns mit unseren Ängsten plaudern.
Ich will vom Unbekannten singen, das Potenziale bereit hält, lass uns nichts erwarten und aufspringen, wenn die Gelegenheit vorbeischnellt.

Wie kann ich mir Glück vorstellen, das mich trägt?
Welcher Plan taugt für mich, ist es nicht zu spät?
Niemals! Das Atmen fällt mir leichter, auch bei wenig Raum, viel mehr in großen Sälen.
Vertraute Stimmen zeigen mir, wie ich mich raumgreifend versprühe.
Ich sitze gemütlich unter einem allwissenden Baum.
Will mich nicht mehr mit Fragen quälen.
Das Leben, wie ein Fluss, der mich stetig beschenkt.
Das Lieben, wie ein Kuss, der meine Sinne lenkt.
In all dem verwoben, weiß ich, was ich will.
Nur da dieses alte Gefühl:
„Das steht mir nicht zu, das ist besser als ich.“
Dieses Gefühl in mir, halte ich, umarme es mit nostalgischem Griff.
Lass es dann fliegen. Einfach wird sowas nie sein. Doch es wird leichter.

Wie mein Gang durch unbekannte Gassen; der Weg, den ich beschreite, fächert sich vor meinen Füßen auf, die tanzen, wenn ich in mir Töne forme. Umgeben von Menschen, will ich meinen Weg besingen. Bei der Quelle der Hoffnung in die Weite blicken, in der Nähe finden, was ich mir wünsche.
Gestrandet, ja, wie wir alle, doch verbindend versammelt mit dem Wunsch, die Liebe zu leben und auszuloben. Wir bauen am Floß für die kommenden Wogen: der Gefühle, des Selbst, der Luft, die unsere Lungen füllt, den Kopf weitsichtig erhoben.

Johanna nion Blau, 10.10.2025

Wenn ich Erde und Mond in meine Träume lenke

So seufzt dein Auge mir entgegen.
Zuerst erspart mein Leid mir Mitgefühl.
Dann will ich dir ergeben meine Stimme sanft erheben.
Doch bleibt dein Herz gebrochen, fast wie ein Fossil.

In meiner Mitte fehlt die Spur.
Und ohne dich baumle ich herum ganz eingewoben.
Die Spinne des Schicksals will meinen Schwur.
Ich soll mein Glück für mich allein erproben.

Die „Macht des für sich Seins“ soll ich erkunden,
Die in so vielen meiner Stunden bebt.
Für wen habe ich sie einstmals denn erfunden,
Wenn meine Seele einsam neben allen anderen Menschen schwebt?

Wenn ich jetzt und hier deinen Namen denke,
Sind Raum und Zeit reine Illusionen.
Wenn ich Erde und Mond in meine Träume lenke,
Wirken spannungsvolle Kräfte, die auch uns innewohnen.

Die Gischt der Wellen zeigt die Kraft des Mondes.
Er zieht am Meer, an Kronen und am Stein.
Die Erde gibt sich hin, sterblich wie alles.
Materie ist Energie gepresst ins Sein.

Was uns wachsen macht, sind zwischenmenschliche Bindungen.
Die Liebe kommt und geht, wie die Gezeiten.
Im Fluss folgt jeder Tropfen des Bettes Windungen.
Wasser ist Wandel, auch für die die bleiben.

Meine Macht ist Liebe; sieh mich Bäume pflanzen.
In jedem Sprössling wächst der Welten raue Kraft.
Ihr Tagwerk ist das Geben: Blätter, die im Winde tanzen.
Und das Nehmen gehört vollständig der Nacht.

Johanna Blau, Januar 2024

Glaszeitalter

Scherben im Sand,
Glaswurzel vom Blitz geformt und in den Strand eingebrannt.
Wie selten die Form das Sein bestimmt und Donnergrollen Klarheit schafft.
Im Untergang der Sonne spiegelt sich Tiefe wider,
Anfangs einander so leichtfertig versprochen.
Wandelbar der Wille für sich selbst einzustehen.
Perlen der Kraft, die in Muscheln der Muße heranreifen. 
In den Himmel eingehen, die Tore bilden, die die Engel durchschritten.
Und mit den Menschen litten, bis die nicht mehr glaubten zu hoffen.
Erträume mir jetzt kräftige Glieder, um mich auszurichten am gerechten Wirken.
Nicht um zu richten, doch um zu verstehen.

Unter Birken sähe ich den Mut meines Herzens in die Welt, auf das die Pilze wachsen und das Geflecht darunter ausstrahlt meilenweit in unsere Zukunft.
Spiegel der Zukunft? Gläserne Menschen streben nach Durch-Lässigkeit. Für Vermutungen wohl nicht mehr die Zeit. Sie wollen Glas-Klarheit in Gesprächen wie in Gedanken. Kein Wesen soll mehr zerbrechliche Gefühle hegen. Kein Zweifel soll mehr sich um unsere Körper ranken. Kein Geheimnis sollen sie mehr pflegen, welches sie ins Wanken bringt. Wie die Dämme brachen im Zeitalter des Glases. Und die Verbindung abrach, nachdem sie so unendlich viel geteilt hatten. 

Und doch will ich jetzt und hier anders leben und meinen Kern schmelzend auf die Reise schicken, wenn ich das Gefühl habe zu fallen. Vorher ohne Plan das Ruder kreisen lassen auf meinem Lebensweg. Bis zum Vulkan der Liebe reisen, um dort vielleicht sogar gänzlich zu verglühen. Als Lava mich ergießen und neu geformt werden von der kalten blauen See. Der Kreis ist vollendet, wenn ich wie Phoenix auferstehe. Als Erde wieder das Myzel und die Wurzeln berge. Das alles in Sekunden oder Jahrhunderten, wer weiß schon, wie die Zeit fließt, wenn alles sich bewegt.
Im Glaszeitalter, in dem Schrott-Satelliten durchs All torkeln. Der Mond sich wandelt und die Fluten fällt. Wie ein Herz in der sonst unendlich kalten Welt, ein Stern auf seiner Bahn uns alle erhält. Der Planet seine Hülle vielleicht behält. Der Mensch wieder Erde statt Glas bestellt.

Johanna Blau 07-2021
JB, 2021