Anima Mundi

Anima Mundi

Was, wenn es auf der Welt nur eine Seele gibt?

Jeder Mensch ist für sich, solange er lebt.
Sich seiner Selbst bewusst als Kapsel
in der Weltenseele vereinzelt.

Wenn er dann stirbt,
öffnet sich die Kapsel.

Was ist Bewusstsein?
Ich – Raum – Du

Pilgerfahrt

Pilgerfahrt

Ich mag diesen Tag, ungeteilt – nicht öffentlich
er fließt mir zu – ich öffne mich den Stunden
lass mich ein auf die wartungsfreie Arbeit Schreiben
niemand schreibt vor – niemand sagt: schreib ab
Keine Suche nach der mausgrauen Schichtenfalle
Freies Fallen ohne Alltag
Eine Pilgerfahrt der Worte
Wenn ich falle, dann wenigstens auf dem Weg zum Du

Ich mag diesen Tag,
so wie die Leute sich gern reden hören,
lass ich mich schreibend ein auf mein Selbst
Das Lesen der Suchenden
Suche das Gefühl wie das Außen

Ich mag diesen Tag, der sich selbst neu gebiert aus sich
und stirbt ohne Abschied, da er nicht untergeht

Ich mag diesen Tag

botanischer-garten-rabe2000

Mandelblüten

I. Zwei Seelen schweben vor sich hin
und träumen voneinander.

Wer glaubt, dass sich das alles find,
hat Hoffnung für das innre Kind.
Wo gleichen wir einander?

Wenn sie dann schweigt und ihn umkreist,
Ganz halten sie sich wieder.

Und wenn sie wissen, wo sie sind,
Dann wächst wieder der Flieder.

II. Smaragd und Bernstein
Versuchend rein im Sonnenlicht
und was er denkt und was sie spricht.

Durch Tage, Nächte, Morgen streifen
und auch die Putzfrau will begreifen.

Was mich hier hält, ist seine Sicht
und wer er ist und wie er bricht.

Und wenn zwei Welten sich berühren,
dann dürfen dass auch andre spüren.

III. Blumengrüße
Glockenblumen meine Augen,
Sonnenblumen meine Haare,
rote Rosen meine Lippen,
will dich endlich damit küssen.

JB 8-2014

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Der Herrscher

Der Herrscher

Du hälst mein Herz fest, ich leide.
Du legst mir ne Kette um, ich zerre.
Du schreist mich an, ich fliehe.

Du, der du Macht willst;
lebe mit dir selbst und wenn du andere versuchst,
folgen sie dir ins Nirgendwo.

Warum auch immer,
niemand ist da froh,
es wird nur immer schlimmer.

JB 8-2014

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Reisende

Reisende

Wie wir uns bewegen
Vor- und rückwärts in der Zeit.
Erinnern uns an Morgen
Und tragen jenes Sternenkleid.

Ein Kubus uns zu heben.
Ein Kreis uns zu umschließen.

Ein Baum uns zu beleben
Umkreist von Sonnenfliegen.

JB 2014-08

(in Anlehnung an den Film „The Fountain“ von Darren Aronowsky)

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Vergessen

Vergessen

Tief unten schwebt das Erinnern.
Die Tage sind lang gezogen.
Hätte gern wie Amor Pfeil und Bogen,
Damit alle anders werden.

Hätte gern jetzt volle Stimme,
Um mich selber aufzuklären.

Bin zum Schweigen gehalten,
Sonst vergess ich zu verwalten.
Denn nur ich weiß:
Wir müssen uns nicht spalten.

JB 2014-8

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Hexen

Hexen

Wie ihr uns jagt mit euren Stöcken.
Wie wir uns fangen auf unsren Besen.

Wir reiten, ihr zündet.
Wir schmelzen, ihr kündet;
Verbrennt gar uns Menschenwesen.

Eure Sünden, die sind uns’re Not.
Eure Proben sind unser Tod.

Wir sind nicht gefeit vorm letzten Geleit.
Doch tragen wir unser Wissen in die neue wilde Zeit.

JB 8-2014

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