Wer hat gehalten, was sie versprach?
Verschanzt, hinter Nichtigkeiten.
Das Wort und alle Zeiten,
Lassen ab, unverrichteter Dinge; geben nach.
Was mir so ins Geblüt geschossen,
In milden Gaben deiner Gunst,
Was mir fehlt, ist die dunkle Kunst.
Meine Seele ist noch nicht verraucht und in die Höhe geflossen.
Höhlenkinder mit unendlicher Filmauswahl.
Das Leben liebt zu kosen und zu zerreißen.
Wie eine Katze, kann ich es unmöglich zurecht weisen.
Wir suchen Tränen und finden Treibholz verbaut im Ochsenstall.
Der Wagen führt mich in die Fremde.
Das Auge tränt, mein Mantel schimmert.
Wenn auch immer wieder eine Eule wimmert,
Ich fahre weiter, bis ich das Blatt zu meinen Gunsten wende.
JB 12_2021
Doodle: Portraitzeichnung einer Werwolffrau, JB-11-2021, puzzledsphinx
Seit es literatpro.de als Plattform so nicht mehr gibt, veröffentliche ich nicht nur nichts mehr, ich schreibe auch viel viel weniger. Ungern schreibe ich für den leeren Raum. Das wird mir umso klarer, je schwieriger es wird (wohl auch wegen Corona), meine Gedichte zu veröffentlichen in einem Leipziger Verlag. BOD überlege ich jetzt, aber habe gerade überhaupt keine Kohle.
Was tun?
Weiter lesen und mir meiner Stimme immer bewusster werden. Was will ich sagen und wie will ich es ausdrücken? Was will ich der Welt mitteilen?
Dazu kommt noch die Frage, ob ich meine „Alten Sachen“ noch wertschätzen kann? Stehe ich noch hinter meiner Sehnsuchtslyrik oder ist das für mich wie für andere Lyriker*innen nicht relevant genug um zu überdauern? Ich habe Liebe empfunden und dieses Gefühl wenn das denn möglich ist, in Versen verdichtet. Mein letzter Text über Mary Wollstonecraft Shelley rührt etwas in mir an. Er singt ein Lied von Geburt und Sterben, davon etwas zu schaffen, was in der Welt etwas bewirken könnte und wenn nur bei einem einzigen Menschen.
Warum schreibe ich?
Angefangen habe ich, um meine Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Festgeschrieben stolpern sie nicht mehr ungefragt über die Schwelle in mein Denken. Nicht mehr so oft, nicht mehr so intensiv. Warum habe ich also damit aufgehört, bis auf die eine Seite Tagebuch am Tag? Ich bin selbst gerade im Wandel begriffen und werde mir immer mehr bewusst dessen, dass ich mich schmelze und neu forme. Wenn nicht Tag für Tag, dann doch Monat für Monat und Jahr für Jahr. Meine Gedanken sind in Rage und wüten durch den Käfig in den ich sie gesteckt habe, so dass ich überwältigt werde von Gefühlen, die ich nicht greifen kann. Mein Kopf rast. Keine Rast in Sicht. Und doch, ich schreibe wieder. Für mich? Für andere?
Immer für mich, immer um klar zu kommen, Probleme zu analysieren, Lösungen zu erschaffen.
So zum Beispiel: Ich habe meinen Blog, ich suche mir vielleicht ein anderes Schreibportal, Corona ist auch irgendwann vorbei hoffentlich und bis dahin sichte ich über dreihundert Gedichte, siebe aus und wenn nötig hab ich auch einen funktionierenden Drucker. Dann drucke ich halt selbst wieder aus mit Zeichnungen und Fotografien, genug Stoff ist da. Ich muss mich nur daranmachen und darauf habe ich auch wieder Lust und Zeit.
JB-JohannaBlau-hybridmoment-puzzledsphinx, Oktober 2021
Karten ziehen
Scheinbar, eingewebt in unsichtbare Netze
Vor dem Wagen, vor dem letzten Tier
Fliehe ich nicht mehr
Das Rad schwingt in Schatten
Bewegt sich immerzu am Rand
Der sichtbaren Welt
Flüstern, eingebend, vergebend
Jeder Moment wird gezählt
Hybrid oder gegenwärtig
Und die Karten erwarten nichts
Sie geben fragend ihre Antwort preis
Allen die Rat suchen
Umgänglich in Farbe getaucht
Schweben Mögliche gefächert
Unter meiner linken Hand
Ich wähle, entscheide mich
Zu reflektieren
Geschichte erzählt
Mein Leben in Bildern ausgebreitet
Dunkelste Ecken beleuchtet
Umarmt und eingebunden
Verwunden ist Schmerz
Taktgefühl verwandelt
Das Wachsen hilft
Ohne Kalkül
Ziehe ich Karten
Aus dem Gebälk der Welt
Wähle ich verstehendes Suchen
Hexenwerk, natürlich
Offenbar, vertraulich
ungezäumt
Variiert
Achse
ohne
Pol
JB