„Too Much“ oder „Die Laute Stille meiner eigenen Gedanken“

Ich werde kämpfen, aber wohl vielleicht eher gegen mich, als für jemanden, den ich will, oder? Ich werde kämpfen für meine Liebe zu mir selbst, das auf jeden Fall jeden Tag aufs Neue, denn jede FLINTA* Person, die Selbstliebe hinbekommt, ist etwas Sand im Getriebe und sich dann noch künstlerisch „deep and honest“ auszudrücken online, dass würde vielleicht noch einen anderen Menschen inspirieren, so etwas zu tun. 
Inspiriert hat mich Lena Dunham’s „Too Much“ damit, anzufangen zu schreiben. Gerade habe ich die sechste Folge zu Ende geschaut und ich liebe alle Charaktere in dieser Serie, auf eine weirde Art, die mich an mich erinnert, wie ich in meinem Zimmer Mixtapes von Radio Fritz aufnehme und in Visions und Musikexpress blättere. Wahrscheinlich denken viele, die mich sehen und nicht kennen, ich sei jünger. Ich bin Jahrgang 1982, also habe ich die 90er bewusst erlebt. (Was hat das mit Lena Dunham zu tun?)

Und ich kenne dieses Gefühl des vorsichtigen, optimistischen Vortastens; beim Menschen kennenlernen, beim in eine neue Schule kommen, beim Arbeiten in einer neuen Umgebung mit neuen Kollegas. Es könnte schön werden, denke ich jedes Mal und dann fallen mir alle Sachen ein, die schief gegangen sind und noch die dazu die schief gehen könnten.

Ja, gerade verstecke ich meine bewusste Aufmerksamkeit in Serien, die nichts mit meiner Realität und der politischen Lage zu tun haben. Aber dann ist da doch immer ein Funke, der mich aufhorchen lässt, ein Gefühl, welches mich zurück bringt in die Wirklichkeit, die vergangen ist oder gerade passiert. Und gerade fühle ich eine schwere Einsamkeit. Es ist als wären alle unerreichbar. Ich will auch darüber schreiben, wie sehr ich mich in Gesprächen zurücknehme, dieses Gefühl einkessele in Höflichkeiten und Fragen, wie es denn dir geht? Warum ich das tue?
Ich will nicht zu viel sein, zu aufdringlich, zu crazy, zu oversharing, zu ehrlich, zu emotional, zu überfordernd, zu fordernd.

Und gleichzeitig will ich einfach laut singen, die Lieder, die mir vorspiegeln, was in mir vorgeht und die Songs, die mir vormachen, wie es noch werden könnte.
Ich will ehrlich sein mit mir und mit anderen. Was ist, wenn ich mir wieder eine Halsentzündung einfange, wenn ich zu laut oder zu hoch singe? Was ist, wenn ich wieder enttäuscht werde, wenn ich mich auf jemanden einlasse, den ich noch nicht kenne?
Ich weiß es nicht. Ich will nicht meine vergangenes Erfahrungen einem Menschen überstülpen, der mir nichts getan hat. Mit Freund*innen kann ich das doch auch. Ich lerne Menschen kennen, wir verstehen uns oder nicht, wir streiten, versöhnen uns und haben wieder etwas übereinander gelernt.
Manchmal scheint es mir so zu sein, dass das eine andere Schublade ist, in die ich einsortiere. Und da stecken diese ganzen Romantischen Komödien und Dramen drin, auch Dawson’s Creek (Rest in Peace „Dawson“) und so viele Happy Ending Schriften auf dem Bildschirm, wo es einfach erst mal angefangen hatte. Wie geht’s denn nun weiter? Wo ist die Anleitung für den Rest des Zusammenlebens von zwei Menschen, bitte?

Diese Serie gerade macht mir solche Angst, weil sie in zwei Folgen noch so viel falsch machen könnte, auch wenn sie in den sechs Folgen davor so viel richtig gemacht hat. Ich habe Angst weiter zu schauen und deswegen schreibe ich gerade diesen Text. Das scheint so banal, wie ein fünftes pinkes Kissen zu sein, was entsorgt wird. Doch, ich bin nicht bereit, das für mich zu akzeptieren. Es ist nicht banal. Ich bin erkältet, schon wieder, es ist kurz vor Weltenende und ich kann dabei zuschauen, sobald ich mich entscheide durch Instagram zu scrollen. Ich bin fertig mit allem, und ich traue mich nicht, Menschen anzurufen, die ich schätze, weil all diese Menschen auch gerade zu tun haben mit allem. So kommt es mir nicht nur vor, es ist so. Und ich glaube nicht, dass geteiltes Leid, halbes Leid ist. Das ist einfach nicht so.

Wir sind auf der Suche nach etwas Schönem, an einem buntbemalten Osterei vorbei gekommen. Aber es ist noch Februar und wir trauen uns nicht, das Ei zu öffnen. Es ist noch zu früh, es könnte gefüllt sein mit noch mehr Abscheulichkeiten, es könnte für eine andere Person dahin gelegt worden sein. Aber was, wenn es für uns da liegt und selbst nicht mehr abwarten kann, geöffnet zu werden? Da, die obligatorische Metapher.

Ich habe einfach Angst, dass mein Radar so kaputt ist, als wäre ich am Nordpol gelandet, die Einstürzenden Neubauten lassen grüßen, und wer ist diese Stella Maris überhaupt? Ich kann dieses Lied nicht mehr hören. Ich mag Happy Endings, die nicht enden. Ich liebe die Serie: „Heartstopper“. Ich möchte Leuten glückliche Leben schreiben. Ich möchte Solar Punk sein und Ursula K. Le Guins Welten betreten dürfen, in diesem oder im nächsten Leben.

Die wichtigen Fragen will ich stellen und Antwort erwarten dürfen. In all meinen Beziehungen. Und wenn mir die Antwort nicht gefällt, dann lass uns darüber reden.

Diese Stille ist es, die mich betroffen macht, die ich mit unendlichen Playlisten und auch mal mit Lachen oder Diskussionen übertönen möchte. Die laute Stille meiner eigenen Gedanken. Und wenn ich da so liege und mir Sorgen mache um mein Umfeld, wenn ich da so liege und denke, alles wird noch schlimmer werden, wenn ich nur versuche vor die Tür zu gehen. Was mache ich? Ich gehe raus, ich treffe Menschen, ich schaue ihnen in die Augen und in ihre Herzen. Ich kann nicht anders. Das sind Begegnungen, die mich verwandeln.
Die Einsamkeit ist eine Illusion, die die Mächtigen uns vorleben. Von allen Lügen, ist sie die erste, welche entlarvt werden muss. Es ist okay, Serien zu streamen und sich damit wegzubeamen und es ist okay, diese Serien dazu zu nutzen, etwas eigenes zu schaffen. Etwas zu schaffen, was andere mitbekommen, was sie irgendwie bewegt.
Die Stille, der Stillstand, die Ruhe vor dem Sturm, das ist wie ich Anlauf nehme. Nichts habe ich vergessen, von dem was ich geschrieben habe, es ist mein, es ist euer, wenn ihr wollt. Es wird schön werden, wenn wir wir werden. Wenn wir uns wieder bewegen.

Johanna nion Blau, 16.02.2026

Liebe in Zeiten der Krise

Die Haare auf meinen Zähnen, machen mich unattraktiv für die falschen Partner*innen, so hoffe ich. Soweit, so gut. Die Farbe auf meinen Lippen signalisiert ihnen, auf Abstand zu bleiben. Sie kommentieren: Das ist aber ein rotes Rot. Ich lächle und zeige meine Zähne. 
Die Männer in meinem Herzen müsste ich erobern, aber meine Innere Prinzessin wartet immer noch darauf, von ihnen gerettet zu werden.
Die von mir erwählten Menschen retten sich selbst. In ihrer Abwesenheit schwebt der verborgene Tanz, der mir von ihnen versprochen wurde.
Das Los, das ich ziehe, zieht mich in die Welt, egal wohin, egal wer, nur los.
Loslassen; das Gebot der Stunde. Die Welt macht es vor. Und der Tand bäumt sich auf in meinem Zimmer, ich räume und räume, bis ich wieder Gastgeber*in sein könnte.
Die Katze liebt das Chaos. Ich liebe mich selbst. Und immer der Anschein von Glück im Spiegel, bis mir die Flecken auf der Oberfläche auffallen. Ich fange an zu putzen.
Fallen oder Fliegen fragte ich mich. „To fall for someone“ und „to fall in love“ heißt es. I fell for you and no wonderwall appeared, just writings on the wall of your back.

Der Blick, der mich fragen macht, warum ich dich nicht umarme und frage, was du morgen machst?
Der Blick, der mich fragen macht, warum ich jemals Hoffnung hatte, dich zu fragen.
Der Blick, der mich fragen macht, warum ich mich frage, was in dir vorgeht und ob du dir auch alles mit mir vorstellen könntest.
Was ist Wahrhaftigkeit, wenn nicht die Möglichkeit im Verstand und im Gefühl zu ertasten, sich auszumalen, was sein könnte. An einer Weggabelung zu stehen und sich zu entscheiden, sich zu entscheiden. Was passiert, wenn die innere Wahrheit, der Wahrheit eines Gegenüber begegnet. Endlich ent-täuscht sein, es besser als ewig vielleicht grundlos zu hoffen.

Die FOMO Meditation habe ich mir für später auf der App gespeichert. Für den Mittagsschlaf, den ich mir leisten kann. Ich will zurück zu meiner Zufriedenheit, mir der ich in die Welt ging und auf Freunde traf, die ich noch nicht kannte. Seit dem letzten Samstag, sehe ich Feind*innen, da wo ich vorher Menschen sah. Dieses Bild, welches SpiegelTV rahmt und verhöckert, möchte ich betrachten und dann wieder dem Fegefeuer übergeben.
Offen seien meine Augen zu sehen, offen seien meine Ohren zuzuhören. Und offen sei ich für die Freude, das Leid, und den Weg, den du gegangen bist, ehe wir uns trafen.

Johanna nion Blau, 22.01.2026

„Nie wieder“ ist jetzt

Ein Auto fährt unter meinem Fenster vorbei, daraus ertönt: „Fuck you I won‘t do what you tell me!“ Der Song heißt „Killing in the Name“, die Band, die ihn in den 1990ern geschrieben hat und damit aufgetreten ist, heißt: Rage Against The Machine. Gerade befinde ich mich in einem Zustand, der schwer zu fassen ist; kurz vor der Resignation, kämpferisch auf meine Art noch und mit weitestgehend klarem Verstand, versuche ich die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, die auf unsere Gesellschaft und Umwelt gerade einwirken. Ich schaue mir Dokumentationen an, scrolle durch Instagram und lerne investigative bürgerjournalistische Kooperativen wie Bellingcat kennen. Dann sehe ich erschütternde Videos von Menschen in den USA, die um die Einhaltung der Menschenrechte in ihrem Land bitten und Leute weltweit darauf aufmerksam machen, was in den USA gerade abläuft. Eine heldenhafte Person stellt sich der ICE entgegen mit ihrem Smartphone und hat Erfolg. Andere weinen in ihren Autos und machen auf katastrophale Entscheidungen der US-Regierung aufmerksam, die sie meist selbst in großen Ausmaßen betreffen. Mich bewegt die Unmittelbarkeit dieser Nachrichten von betroffenen Menschen, die zeigen, wie einer der mächtigsten Staaten der Welt vor den Augen der Welt in eine faschistische Gesellschaftsordnung umgewandelt wird. Und alle schauen zu?

Gestern bei einem Konzert in Connewitz, waren nur wenige Leute im Publikum. Doch die Band „War/Plague“ hat mich trotzdem oder gerade deswegen mitgerissen. Die Angst und Wut, die Sorgen und Hoffnungen, welche ich hege wegen aktueller politscher Entwicklungen weltweit, das alles kam hoch, da die Band es mit ihren Songs geschafft hat, das alles in mir zu aktivieren nach und nach. Es war eine kathartische Reise innerhalb einer halben Stunde. Ich musste an die USA denken. Die Band selbst kommt aus Minneapolis. Wie lange haben Menschen wie sie davor gewarnt, was jetzt wahr geworden ist und noch wahr werden könnte?

Schon lange nagte der Kapitalismus in der patriarchalen Ordnung, in der wir alle organisiert sind, an den Menschenrechten, an der Gewaltenteilung des Staates und am Schutz unserer natürlichen Ressourcen und schon lange wurde von einigen wenigen reichen und mächtigen Menschen versucht, die Menschheit zu spalten und die Deutungshoheit über die Wahrheit zu erlangen. Ich sage von mir nicht, dass ich das alles durchschaue oder alle Antworten habe. Ich schreibe aus dem Impuls heraus, meine Gedanken zu sortieren und für mich klar zu bekommen, was hier gerade passiert. Und ich komme zu dem Schluss, wie viele andere antifaschistisch denkende Menschen: „Nie wieder“ ist jetzt!.

Das, was weltweit in verschiedenen Ausprägungen und Ausmaßen gerade geschieht, ist ein gewaltiger Wendepunkt.  Wir Menschen, welche jetzt leben, haben meiner Meinung nach die Verantwortung, sich dem versuchten Umsturz von Demokratien, der Verbreitung von Desinformationen und den offenen Drohungen gegen freiheitliche Gesellschaften entgegenzustellen. Was uns sonst droht, das steht vielleicht schon in Büchern wie 1984 von George Orwell, Huxley‘s „Schöner Neuer Welt“ oder in Margaret Atwood’s „Der Report der Magd“. Die Dystopien drohen Wirklichkeit zu werden, gerade weil darin Sachverhalte beschrieben werden, die irgendwo und früher schon einmal passiert sind. Orwell sagte einmal, sein Buch war nicht als Anleitung gedacht und ich geh mit Prof. Dr. Maja Göpel mit, die bei der Re:publica‘25 in ihrer tollen Keynote Rede unter anderem sagte, es braucht eine Aufmerksamkeitsökonomie hin zu dem, was zukunftsfähig und friedfertig ist. https://www.youtube.com/watch?v=f24LHpFbga8 Her mit dem schönen Leben ist keine leere Phrase für mich. Aber wir müssen auch Zeug*innen sein, von dem, was gerade passiert und auch immer bereit uns auf die Seite der Menschen zu stellen, die marginalisiert werden, die verfolgt, verletzt, getötet werden, in den Selbstmord getrieben werden und auf die Seite derer die verschwinden, ohne eine letzte Nachricht hinterlassen zu können. Und am Ende könnte es uns treffen. Die Menschen in den Instagram Posts, die ich mir anschaue, die vor Ort als Zufallsjournalist*innen von Unrecht, von Gewalt und von Verzweiflung berichten, diese Menschen könnten bald wir selbst sein. Deswegen gibt es gerade für mich keine Nichtbetroffenheit. Die Bedrohung ist global, die Antwort muss ein Zusammenhalt sein, der sich über den Globus spannt, eine Solidarität, die uns alle eint und eine Stimme die vielfältig in den schönsten Tönen antwortet auf das Grau der Anzüge , der Uniformen und Dienstwagen und die einheitliche arbeitssame Stille, die uns allen droht, wenn wir denn fähig sind zu folgen.

Johanna nion Blau, 11.07.2025

Von allen fern – Wachsen und Warten 2

Ich fühl mich von allen fern,
Freund wie Feind
Und spüre diese Leere
Die Höhle wo mein Herz gewohnt
Füllstoff Genussstoff
Ohne Fühlen ist mir ungewiss
Was ich will, wer mir gut gesonnen
Was werde ich gewonnen haben
Wenn aus der Leere mir ein neues Herz erwächst?
Welches endlich wählt
Ein Herz, das endlich erwählt und dann seinem fühlenden Willen stärkend folgt.
Die Folter, darauf zu warten, füll ich mit Träumereien
Ich fühl wachsend den nie gesehenen wundervollen Garten

Johanna nion Blau, 24.05.2025

An army of suits

An army of suits
Traitors like sharks in minor facilities
Tailors honest to be seen
But they also need this money
Covering up naked lies with expensive fabrics, so clean
I serve them with my mouse clicks, they answer so mean

In my heart I want to be saved
But nobody can save me but me
The outside world is going to be craved
They have raised the fee

The hood is not serving any more
Riches over riches leave the poor
My heart beats to the beat of congregation
No power for a nation
No power for the industry
Plug them all out, set ourselves free

Stop the sellout of the planet,
the people, the animals, the plants,
Don’t cover lies with bullying
Tons of miles to go, but I am in
Community is what we care for, we don’t buy their rants anymore

In a world where separation is the fuel of a fossil nation,
Don’t leave me alone, I am sure
I am sure about the power of belonging
I am sure about creating songs, so together we can sing
Against an army of suits, with their deep pockets.
With their dysfunctional rockets.
Power again to the people, let’s roar

You know what: do leave me alone
To Plan a fine revolution,
To plot for a strong wing of love, of understanding.
We will
We will
We will eventually
We will eventually overcome

Johanna nion Blau
01.03.2025