Nacktheit Tag – Mantel Nacht

Nacktheit Tag – Mantel Nacht

Komm Nacht,
umkleide mich,
lösch die Gedanken,
ich leide nicht.

Träum von der Wirklichkeit,
ich meide Licht.
Es ist so dunkel,
durchscheint mich schlicht.

Versuch zu retten,
das weise Denken,
das schwere Fühlen,
den Tag, den wir hätten.

Schlicht ist was ist,
gebraucht was gedacht.
Wird Wirklichkeit hohl,
wird Wahrheit zur Nacht.

Und träum ich den Tag,
so süß er mir scheint.
Es ist eine Lüge,
die Wahrheit zu sein meint.

Ich seh in die Sonne,
spüre das Licht.
Bin ich schon wach?
Nein, ich fürchte mich nicht.

/ 7-2010

Vollmond
Vollmond

Mein Schatten

Mein Schatten

Ein Wort, ich fliehe,
Nicken – Eifersucht.

Leiden, wenn du vorbeigehst.
Genieße, den Augenblick davor.

Seide, wenn du mich berührst
an meiner Hand,
mir deinen Stempel aufdrückst.

Bleib‘ bis zum Morgen, bis ein Lächeln
von deinen Lippen fällt,
Auf meinen Schatten – ihn erhellt,
dass ich mein Schatten bin.

/ 8-2011

Du
Schatten – Doodle von Johanna Blau

Wir Narrenkinder

Wir Narrenkinder

Wie nur, wie die Welt begreifen?
Sie ist doch so riesengroß.

Wie die Weltenformel fassen,
wenn die Menschen sich so hassen,
taumeln durch die schwarzen Weiten,
schauen nur bis hin zum Moos.

Unbeteiligte Gesichter,
dahinter blitzen winz’ge Lichter,
scheue, schmale, hole Richter
über sich und irgendwen.

Das begreifen, das zu seh’n
und dabei nicht ganz untergeh’n.

So die Welt sich weiterdreht
und meine Brust sich senkt und hebt.

Das Herz, das Herz, es schlägt und schlägt,
wie der Schmerz, der sich jetzt regt.

Kann nicht schreien und kann’s nicht wagen,
das so laut und klar zu sagen.

Wenn die Engel Trauer tragen,
sich als Pfandhai durchs Leben schlagen.

Die Geschichten sind so frei,
es zieht mich hin zur Narretei.

Wir alle wollen Retter sein
und schlafen mit dem Wunsch nach Hoffnung ein.

/ 7-2012

Abschüssiger Hang mit Wiese und zwei Mondblumen, dahinter Strand mit Spaziergängern
Spaziergänger am Cospudener See

In den Städten

In den Städten

Asphalt wie eine Tagesdecke,
über die Welt, die ich gern hätte.

Frei und bunt und wild gewachsen,
Wald und Feld – die grünen Achsen.

So geträumt, bald aufgewacht,
jeden Tag daran gedacht.

Sonderbar war alles da.
Was ich fühlte, wen ich sah.

Traum, doch Wahrheit vor der Tür.
Seh mit Klarheit, bin schon hier.

Mond hinter Hausdach, Südvorstadt, Leipzig