Die Motte

Die Motte

Umkreise den Mond, der zu mir spricht.
Kenn‘ dieses Licht, aber Mond ist es nicht.
Verbrenn‘ mich daran und fall‘ dann zu Boden.
Will er mich töten? Will er mich loben?

Dann wieder flattern und suchen nach Dir.
Weich aus, wenn sie kommen die geflügelten Vier.
Hass, Trauer, Wut und Schuld.
Niemals bin ich jenen hold.

Ich verbrenne wieder hier.
Doch niemand beißt mich vom Getier.
Geh zu Grunde an dem Licht.
Sag die Worte: „Nein ich fürchte mich nicht.“

Kleinlaut wirst Du Mal zu Mal.
Kann nicht fluchen, Du wirst fahl.
Ich geh wieder hin zum Licht.
Spiel nicht Wahrheit oder Pflicht.

Was wär‘, wenn wir uns erkennen.
Uns seelenvoll beim Namen nennen.
Kein Licht wär‘ für mich int’ressant.
Wär‘ nur noch durch Deinen Blick gebannt.

JB-09-2015

Worteschmied

Worteschmied

Ich such in grauen Stunden meine Fantasie.
Ich lebe unter Menschen meinen Drang nach Worten.
So wie ich atme, sprach ich nie.
So wie ich schreibe, fahnd‘ ich nach den richt’gen Orten.

In Dämmerung versinkt die Leidenschaft.
Im Klang des Herzens hebt sich Liebe ab.
Die Sehnsucht nach dem Schaffen wert zu schätzen.
Sich gegen Missgunst durchzusetzen.

So taumelnd finden Reime ihren Weg.
Ich schleich‘ mich durch die Trampelpfade.
So wie die Hoffnung manchmal baden geht,
Verwirrt mich Dasein mit so mancher Gnade.

Dann, wenn ich aufsteh‘, manchmal will ich fallen.
Dann wenn ich losgeh‘, werf ich alles weg.
Und wenn ich fliege, wird es widerhallen:
Der Stolz, der Mut und manches mal Gepäck.

Ich finde Licht in solcher hausgemachten Kunst.
Ich sehe Glanz in Wortemalerei.
So wie die Stunden sich dann schnell vertun,
So zaubert reimen mir die Traumwelt auch herbei.

JB-09-2015

Zugelassen

Zugelassen

Neu das Gefühl: Wer bist du?
Ich rate nicht mehr, lass einfach zu die Woge.
Wenn ich rätsle, wer Du für mich sein könntest
Verschwimmt hier und jetzt zu Du und ich.

Wenn ich rätsle, wer Du bist, kommt das Gefühl auf
Und ich schwimme wieder.
Wirbel durchströmen mich mit Fragen.
Tropfen treffen mich mit Sorgenquellen.

Ich hadere mit Lächeln, ich träume von anderen.
Ich versorge mich mit Barrikaden.
Du leuchtest doch wie ein Planet
und ich bin Sternengucker.

JB-09-15

Das Schreiben

Das Schreiben

Ich finde euch mit meinem wachen Blick,
Umfangen immer noch von Schwertern.
Wer mir so naht und bleibt es bei Geschick,
Trotzt hohen Dornen, wie den alten Wärtern.

Wenn ich umkreise meine neue Wahl,
dann ist sie eins mit allen andern hier.
Wir fangen alle frisch wie fahl.
Es dreht sich das Karussell mit Getier.

Leucht doch in jede Ritze einmal rein.
Was ich so fang und wie ich dann vereise.
Der Regenschirm er spannt die Leute ein.
Die Fahrt verschlingt horrende Preise.

Ach Emmy deine Worte auf Papier
Geschrieben ungedruckt gelesen.
Wenn ich die Verse schmiede und souflier
Dein Glanz verschont den Reinemacherbesen.

Und alle möchten auch ein Heft von Dir.
Die Guten und die Alten hier im Haus.
Wir helfen kräftigt vor der Tür.
Der Ofen blästs zum Dach hinaus.

08-15 JB

Wortlos

Wortlos

Es geht um, wie es umgeht;
Gnadenlos.
Bin drauf und dran mich einzufügen.
Wenn alle Worte dich zerfetzen
Und du blind bist für Werte.
Wann hab ich bloß gewartet?
Wann bin ich los gestürmt?

Hab ich mich gefügt? Jemals und bin ich geschmolzen in der Glut ihrer Gedanken?
Wenn alles untergeht, meine Worte bleiben.
Träum von guten Tagen wie immer.
Setz mich auf die Bank und schau den Leuten zu.
Dann träum ich wieder vor mich hin.
Lass mich bescheinen.
Und ruh mich aus für meine neue Kür.

Gegangen bin ich ohne Worte und nahm Bilder mit.
Sie sind in mir gewachsen und das Licht fing sie ein.
Ich bin unter Leuten gewesen und hab dort gezaubert.
Mit meinen Händen gab ich alles preis.
Er fehlt und ich lache selten über mich.
Wenn ich tanze, gleiten Worte an mir ab und ich sprühe Leben.
Die Leute, unter die ich mich mische, sind sie wahrhaftig für mich bestimmt?
Der Träumer mit seinen blauen Augen. So rein und neu.

Wer geht die Wege wie die Worte?
Wunderbare Einkehr.
Wenn ich weiß, wie ich klinge ohne Klavier.
Du taumelst durch die Welt und ich erkenne dich.
Wie immer wieder traurig durch das Glas.

Ein Freund für mich, oh ja der beste.
An meiner Seite führt er ohne Fehl und Tadel.
Ein Ritter der Zeiten mit Stachel und Lachfalten.
Wenn ich ihn rufe ist er bald schon nah.
Und Freundschaft ist mir so viel wieder wert.

JB-08-15

Vollmond

Vollmond

Merk nur, wie lieblich das brennt
Wenn nichts mehr Namen hemmt
Ich bin zweifellos am Leben
Möchte die Massen erheben
Denke und handle wie ich
Das nie mehr Vernunft in Dir spricht

Der Mond so weit über uns
Gib mir die Hand und die Gunst
Ein Versprechen für Übermorgen
Die Tatkraft und die Sorgen
So wie im Traum Du mich hälst
Bald meine Worte erwählst

Verwirrt ohne Suche
Im Hain Deine Buche
Geschmäht und geachtet
Kein Pfeil, der umnachtet
Das Ziel umkreist
Und meine Macht vereist

Wenn ich so still
Wie ich will
Hier liege neben Traumgebilden
Tanz mit den Kindern den wilden
Kann morgen mit den Flügeln schlagen
Und meine Hoffnung weitertragen

So rigeros verpflichtend
In der Nacht fleissig dichtend
Aufgegeben das Spiel Arbeit
Such ich nach Klarheit
Und werd verrückt
Bin bald auch bedrückt

Einsames bildet sich im Umkreis von Geschichten
Wenn wir wieder dichten
Eins werden für Unsichtbare
Falsche Gedanken so klare
Wieder ohne Worte scheinen
Und uns im Dunkel vereinen

Meine Schicht beginnt
Wenn dieser Mond verrinnt
Tage und Nächte versuch ich mich
Klage und Lächle in diesem Licht
Fang Motten und andres Gelichter
Seh in Deine Gesichter

Einer, der mich so erkennt
In Deinen Augen es brennt
Bin für Dich eine Spur
Bist für mich bald Tortur
Merk mir, wie Du Dich hier nennst

JB-08-2015

Tage wie dieser

Tage wie dieser

Jeder Schritt ein weiter Weg, in diesem Land aus Melancholie.
Ich liege hier und lasse Zeit verstreichen.
Interesse haben, wie ging das nochmal?
Morgen wird besser, muss besser werden.
Versuche mich zu beschäftigen, mit losen Dingen und lieben Menschen.

Nicht zu weit voraus planen,
Nicht zu weit in sich hinein horchen,
Nicht zu weit zurück denken.
Nicht zuviel Wollen.
Ja nichts entscheiden.

Aufstehen oder liegen bleiben.
Das ist die große Frage.
Musik als Seelentröster.
Nachrichten als Auslöser.
Freunde, gern gesehen.

Durchatmen bis zum Aufatmen.
Bis dahin liegen alle Mittel brach.
Yoga hilft, Joggen hilft, Meditation hilft.
Ich bin mit mir selbst beschäftigt.
Aufstehen. Essen. Einkaufen. Reden.

So wie ich jetzt bin, das ist Tiefpunkt.
Besuche das „Land Unter“.
Absinken, um wieder aufzutauchen.

Auf zu neuen Ufern.
Frei vom Grübeln.
Frei von der Meinung anderer.
Frei vom Beherrschen wollen.
Frei vom Machen müssen.
Frei von perfekt und sofort.

Selbstwert wiederfinden.
Wege wagen.
Wunden heilen lassen.
Zeit geben.
Weitergehen.

JB 10.8.2015