Mein Ganzes Leben Schenken

Die Kälte strömt um meine Finger, 
Das Herz pumpt Wärme in bekannten Kreisen.
Zerreißt die Welt, ich will sie wieder preisen.
Fügt sie zusammen als viel mehr, nicht mehr geringer.

Das Leben, welches an meine Türe klopft,
Schenkt mir Unbändigkeiten,
Das Du, um welches nicht nur meine Augen streiten,
Will Klarheit in Worten, wie das? Viel zu verkopft.

Mit meinen Worten schütte ich aus Gefühle,
Die unendlich oft gefühlt, von unendlich vielen Lebewesen.
Wär’s jetzt vorbei, wär’s das jetzt gewesen;
Meine Erinnerungen wären bei all jenen, für die ich fühlte und noch immer fühle.

Dass die Liebe siegt, will ich nicht sagen,
Doch Momente, die vorbeiziehen, wollen das ich’s schreibe.
Ich hier am Gedichte sitzen bleibe,
Um festzuhalten: ich will es endlich wagen.

Mein Ganzes Leben dir verschenken,
Denn alles bringe ich dir mit:
Tragik, Komik, Glück und Missgeschick.
Erfahrung halt, lass uns dies Leben bald gemeinsam lenken.

Johanna nion Blau, 5.12.2025

Morgenröte in scheelen Landen

Hart an der Grenze, bremst mein heiliger Wagen.
Ich kann nicht sagen, ob das reicht für heute.
Wer von mir weicht, wer mich erreicht,
Mit Worten oder Taten:
Der*die erbleicht oder errötet vielleicht.
Hingerotzt meine Antwort;
Auf Pein oder Argwohn oder Kummer.
Rede mit Mir!

Der Wirbelsturm, der mein Rückgrat brechen wird,
Ist hoffentlich noch nicht geboren.
Ungesühnt die hybriden Stunden.
Völlerei statt Verlangen.
Keime im Guten wie im Schlechten.
Ich sehe nach dem Rechten und erstarre,
Solange ich auf „Freeze“ geschaltet bin,
Verwalte ich mein Leben, wie ein Uhrwerk.

Überlebensmodus.
Und ja, ich will Leben.
Es geht los!

JB-11-2023

Miteinander

Im flackernden Licht brennender Urwälder,
Glaube ich nicht an 13. Gehälter.
Doch freue ich mich trotzdem drauf,
Denn Geld kostet es zuhauf,
In dieser Welt gesund zu bleiben.
Nichts lässt sich schwerer verschreiben.

Ich wohne in einem Haus mit Aussicht.
Die Lücke, hoffe ich, schließt sich sobald nicht.
Wir sind getroffen, haben gesoffen
Und ich lasse weiter hoffen.
Fürchte dass es vorbei ist, wenn endlich ausgesprochen.
Der Morgen, wieder leuchtend angebrochen.

Sitze vor LED-Technik,
Ein Kaltes Versteck mit Lichtblick,
Das Draußen scheint mir unnahbar fern.
Die Wahrheit ist ein bitterer Kern.
Sobald ich mich wieder in die Wüste schick,
Hör ich einen leisen Mausklick.

Drama und Heiterkeiten,
Vermutlich hilft da nur Streiten.
Wer will sich sicher verlieben?
Warum nicht mal Schlüssel versieben.
Unendlich treu der Einsamkeit,
Und jeden Tag ein anderes Kleid.

Will Sinn in diesem Haufen Unsinn finden.
Die Flüche legen, die Gefühle binden.
Leg mir die Karten.
Hör auf das Lange Warten.
Gräuel in der Schlucht der Fantasie.
Schlauer werde ich nie – als heute.

 

JB-08-2019

Selbstverwirklichung, eine evolutionäre Sackgasse?

Kommt vielleicht auf das Selbst an, oder das Ich. Kommt darauf an, was unter dem Ich schlummert und gern mal die Richtung weist, wenn es nicht weiter geht im Alltag, in gefühlten Schlüsselmomenten, oder wenn ich rückwärts die Einbahnstraße raus schleiche, in die ich mich manövriert habe – jahrelang und vor allem emotional. „Was wird das hier?“, fragen sich nun die Leser. Meine Antwort: „Eine Weltgeschichte!“

Wer bin ich, frage ich mich, wenn ich in den Spiegel schaue, auf den ein Sticker geklebt ist, auf dem geschrieben steht: „Warning – Reflections in this mirror may be distorted by socially constructed ideas of ‚beauty‘.“ Irgendjemand hat versucht, diesen Aufkleber wieder zu entfernen. Aber er war hartnäckig – der Aufkleber – und ich frage mich, was ist schlimmer, zu hinterfragen und sein Leben nach den Antworten zu gestalten, die mir gegeben werden oder ungefragt mit Wahrheiten konfrontiert zu werden, auf die mensch nicht vorbereitet war und vielleicht nie von selbst auch nur auf die Frage gekommen wäre.

Ich glaube, gerade geht es vielen Menschen auf der Nordhalbkugel so, die sich eigentlich einfach nur über das sonnige Wetter freuen und die nur Sorge haben, dass ihr Eis zu schnell schmilzt. Während ich mich um Stadt- und Waldbäume, Gebüsch, Getier und die Polkappen sorge, welche mit der Klimakrise kämpfen. War das meine Entscheidung oder wurde ich da hineingeboren? Irgendwie schon letzteres, aber ich will nicht zu weit ausholen. Ich esse jetzt jedenfalls gern veganes Eis für 2 Euro die Kugel. Ist auch keine super Lösung aber das Gewissen ….

Mein Gewissen und die Sicht auf die Zusammenhänge, lassen mich auf die Straße gehen, ob nun für Ein Europa für alle oder bei einem Trauermarsch für die aussterbenden Arten. Ich fühl mich dabei erst mal gut, bin aufgeregt und freue mich über die vielen Menschen, die zusammen kommen, um zu zeigen, dass es ihnen nicht egal ist, dass die Welt an die Wand gefahren wird. Ich bin ergriffen, wenn ich sehe, dass Gothics, die für aussterbende Arten getragenen Schritts durch die Innenstadt laufen, bei den Umstehenden Diskussionen über die Eisbären auslösen. Aber reicht das? Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn wir sind alle Betroffen und dies ist eine Krise, die wir nur gemeinsam bewältigen können.

Vom Selbst übers ich zum Wir. Ich habe gelesen, dass wir, also wir Menschen, kooperative Tiere sind. Wir haben uns unter anderem so vermehrt und ausgebreitet, weil es uns möglich ist, zusammen zu arbeiten. Wir sprechen miteinander, teilen uns mit und tauschen uns aus. Streit gehört auch dazu. Wir leben und arbeiten in Gruppen, Cliquen, Teams. Wir besuchen Konzerte, auf denen wir anderen zujubeln, die uns aus der Seele sprechen. Wir lieben uns und hassen uns auch. Ich muss daran denken, wie sehr mein fehlender Selbstwert, mich daran gehindert hat, auf Menschen zuzugehen und wie oft das als Arroganz fehlinterpretiert wird. Das ist alles so komplex aber halt auch spannend.

Und wieder die Frage: Wo geht es hin mit diesem Text? Gefühl! Gefühl wird ausgelöst durch mein Gegenüber, wird ausgelöst durch mein Selbst, was in meinem Gegenüber sich selbst erkennt oder eben nicht. Und nun wieder die Frage: Wenn ich mich selbst verwirkliche, hilft das jemand anderem und kann das am Ende sogar die Welt verbessern? Und ja, ich will die Welt verbessern. Gutmensch und so: Ich! Besser, weil unser Umgang mit Natur und Umwelt nur besser werden kann und auch muss. Wenn es so weitergeht wie bisher ist das schlecht für uns alle und auch unmöglich – ganz logisch betrachtet.

Wie kann ich mich nun selbst verwirklichen? Ich bräuchte Zeit und ein Selbstwertgefühl, das meinen inneren Zensor in Schach hält, ich bräuchte Geld, damit ich mir ein Dach über dem Kopf leisten kann, damit ich was zu essen kaufen kann und auch damit ich mir was zu schreiben leisten kann, denn mein innerstes Bedürfnis ist es, zu schreiben. Damit lerne ich mich besser kennen, damit kann ich vielleicht auch andere Menschen erreichen, so dass sie anfangen zu hinterfragen. Auch mich zu hinterfragen und den Sinn dieses Textes, natürlich gern. Virgina Woolf hat das so genial geschrieben in „A Room of One‘s Own“. Meine Zeit und mein Geld und mein Leben reichen für Texte wie diesen, Gedichte und täglich Tagebuch. Was würde ich fabrizieren, wenn ich mehr Zeit und oder Geld oder Leben hätte. Und wäre das alles relevant? Natürlich kann ich davon ausgehen, dass eine andere Person diese Art von Essay schon geschrieben haben könnte, vielleicht auch aussagekräftiger oder gar als wissenschaftlicher Essay. Zum Beispiel habe ich gerade das Buch: „Das 6. Sterben“ von Elisabeth Kolbert gelesen und danach müsste ich nichts mehr zu Klimakrise und Artensterben schreiben, weil sie als Wissenschaftsjournalistin das so grandios und fundiert berichtet, dass dazu alles gesagt scheint.

Dies hier jedoch ist mein persönlicher Versuch, dieses wichtige und zerschmetternde Thema mit meinem Selbst in Einklang zu bringen. Dies ist mein Versuch mit allem klarzukommen und gleichzeitig wird es gerade ein Appell an alle, die dies lesen, sich selbst die Frage zu stellen: „Was würde ich tun, wenn ich die Wahl hätte?“ Und sich dann zu fragen: „Warum denke ich, ich hätte keine Wahl?“ Ich lerne das auch gerade, jeden Tag frage ich mich in mindestens einer Situation: „Muss ich das jetzt wirklich mitmachen? Was wäre, wenn ich aufstehe und gehe? Was wäre, wenn ich meine Meinung sage? Was wäre, wenn ich mich aus meiner Komfortzone raus begebe?“ Klingt anstrengend und ist es auch. Aber es lohnt sich für mich. Beispiele? Ich bin zufriedener mit mir, da ich meine Bedürfnisse klarer äußere und damit auch mehr bei mir sein kann. Das ist eine neue Erfahrung für mich. Ich war früher davon überzeugt, mein Gegenüber müsste ahnen oder sogar wissen, was in mir vorgeht und was ich will. Aber da gehe ich von mir aus. Andere sind nicht so emphatisch. Das akzeptiere ich nun und oftmals gehe anders mit meinen Mitmenschen um. Ich bin gelassener, aber immer noch falle ich in alte Muster zurück und denke dann für andere mit oder will unterstützen, wo mein Rat nicht mal erbeten worden ist. Das schlaucht mich und ich verschließe mich dadurch irgendwann.

Ist der Abschnitt oben ein Beispiel für eine Innenschau, mit der nur die Schreibende etwas anzufangen weiß? Oder bringt das anderen Leuten etwas? Das ist die große Frage mit der ich mich oft beschäftige. Zweifel an der Sinnhaftigkeit des kreativen Produkts, hat schon so manche verstummen lassen. Deswegen finde ich es praktisch, dass ich nicht vom Schreiben leben muss. Ich habe eine Teilzeitstelle und kann in meiner Freizeit kreativ sein. Ich entscheide frei, ob ich diesen Text auf meinem Blog veröffentliche oder nicht. Worüber ich keine Kontrolle habe, ist, wie ihn die Leute aufnehmen, was er ihnen gibt und was sie damit anfangen können.

Ist nun Selbstverwirklichung eine evolutionäre Sackgasse? In Elisabeth Kolberts Buch gibt es ein Kapitel namens „Das Wahnsinnsgen“. Es geht darin um die Neandertaler und darum, dass sie im Gegensatz zum Homo Sapiens, nie großartig in ihre Umwelt eingegriffen und diese somit umgestaltet haben, obwohl sie sich auch umeinander gekümmert haben und wohl auch intelligent genug gewesen wären. Der Mensch, wie er heute noch auf Erden wandelt, hingegen, hat sich nicht von reißenden Flüssen oder gar Meeren abhalten lassen, die Welt zu besiedeln und nach seinen Vorstellungen zu verändern. Dafür muss mensch schon etwas Wahnsinn in sich tragen aber vor allem Vorstellungskraft. Wir haben Kunstwerke und technologische Wunder geschaffen, sind aber auch seit langem dabei, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Alles was wir uns in unserer Fantasie ausmalen können scheint Wirklichkeit zu werden, im Guten wie im Schlechten.

Liegt nun damit die Verantwortung Gutes zu planen und dann zu tun in jedem selbst, oder ist nicht auch die Gesellschaft gefragt, darauf hinzuwirken, dass wir genug Informationen haben und diese auch entsprechend sortieren können, um die für uns richtigen Entscheidungen zu treffen? Meiner Meinung nach, ist ein Weg dahin, der, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu verwirklichen. Vielleicht wäre eine Welt in der die Lohnarbeit der Vergangenheit angehört und wir alle selbstbestimmt unser Leben mit einem Grundeinkommen gestalten können, eine Variante. Wenn wir nicht mehr jede Arbeit annehmen müssten, um Geld zu verdienen, dann gäbe es viele Jobs einfach nicht mehr und das sind Jobs, die niemand vermissen würde. Andere Bereiche wie Sorgearbeit und Landwirtschaft könnten umgestaltet werden, wovon wir alle und letztlich der ganze Planet profitieren würden.

Ich schreibe in dieser Zeit in meinen Gedichten viel über die Entmachtung der Mächtigen. Da für mich Machtgefälle oft Ursachen für Ungerechtigkeiten sind. Damit meine ich nicht Gewaltanwendung und auch nicht unbedingt Revolution. Ich meine damit eine nachhaltige Umwälzung der Verhältnisse. So oder so, Ungerechtigkeiten werden dieses System wohl bald zum Kippen bringen. Die Frage ist, in welche Richtung es fällt: Leid und Schmerz für die Menschheit und alle Lebewesen auf der Erde oder ein Gutes Leben für alle.

Ich fühle mich dazu aufgerufen, mir nach bestem Wissen und Gewissen die Informationen zu holen, die mich befähigen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Denn nur, wenn ich zufrieden bin mit meinem Leben oder auch nur die Hoffnung auf Zufriedenheit im Leben sehe, gibt mir das auch Hoffnung zusammen mit anderen das Ruder herumzureißen und dem Sturm zu trotzen, den wir heraufbeschworen haben.

Vielleicht die Selbstverwirklichung der Einen der Grund gewesen für die Misere, aber immer auch gibt es die Menschen, die miteinander kooperieren, die auch mal altruistisch handeln, Generationen voraus planen und vor allem Zusammenhänge erkennen. Warum schätzen wir solches Verhalten nicht als zukunftsweisend und zukunftssichernd? Ich habe viele Vorbilder, die so gehandelt haben und es gibt unzählige Menschen, die gegenwärtig so handeln. Ich ziehe meinen Hut vor Menschen wie Virginia Woolf oder Elisabeth Kolbert und werde mein Bestes tun – auf meine ganz persönliche Art – zu versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen und damit die Erde, unser aller Raumschiff, zu erhalten.

 

JB-06-2019

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Warum Spatzen für mich die wichtigsten Geschöpfe auf der Erde sind

Heute im Park beim Lesen spazierten die Spatzen auf den frühlingshaft grünen Zweigen umher und tschilpten sich zu.

Heute auf dem Weg nach Hause vom Einkauf, flog so ein Spatz an mir vorbei und mir kam ein Gedanke: Für mich sind Spatzen die wichtigsten Wesen auf der Erde. Es wird nicht einfach sein, das Warum zu erläutern, aber ich werde es in diesem Text versuchen; auch weil heute Weltspatzentag ist, wie ich beim Scrollen in Facebook erfahren durfte, habe ich mich entschlossen diesem Gedanken nachzugehen.

Heute ist ebenso Tag des Glücks, wie meine Eltern am Telefon erzählten, was für mich super zusammen passt: Glück wie Vierblättriger Klee, Fliegenpilz oder halt Spatzentschilpen. Die Frage stellt sich nur, wer diese „Tage des …“ festlegt? Gibt es da ein Komitee, was sich damit beschäftigt? Aber ich schweife ab. Zurück zu den unauffälligen und vielleicht deswegen sehr lauten Haussperlingen, wie sie in der Vogelkunde genannt werden.

Aufgewachsen bin ich in einem Haus mit bröckligem Putz und vielen Ritzen. Prädestiniert für eine Spatzenkolonie. Solange ich hören kann, höre ich ihr Tschilpen also. Schon als Baby im Kinderwagen und auch als kleines Kind. Als Jugendliche hab ich dann oft mit Kopfhörern Musik gehört aber nie, um die Spatzen auszublenden. Das war für mich auch Musik. Musik, die ich hier in Leipzig wieder an einigen Ecken höre. Und ja, das ist dann für mich ein nostalgisches Glücksgefühl an Kindheit mit viel Raum und Zeit.

Ein Dilemma ist es da, dass ich auch Katzen sehr mag, die wie alle wissen Spatzen zum Fressen gern haben. Eine Episode meiner Jugend: Ich sollte Wäsche auf dem Wäscheboden aufhängen. Meine Katzenfreundin Biene wollte unbedingt mitkommen. Ich ließ sie und als ich mit Wäsche aufhängen beschäftigt war, hörte ich auf einmal aufgeregtes Tschilpen. Da kam auch schon Biene angelaufen mit einem toten Spatzenküken im Maul. Ich hatte ein sehr schlechtes Gewissen deswegen, denn ich hatte Eins und Eins nicht zusammen gezählt. Unsere Spatzenkolonie brütete unter dem Dach und vom Dachboden aus war es für eine Katze ein leichtes die Nester zu erreichen. Das war mir aber eine Lehre für die Zukunft und ist mir nicht nochmal passiert.

Warum nun sind diese Vögel mir so wichtig? Das mit der Nostalgie ist vielleicht klar geworden. Des weiteren sind Haussperlinge für mich der Inbegriff der Stadtnatur. Sie sind angewiesen auf Hecken, in denen sie nisten und ruhen können. Sie brauchen Nahrung in Form von Raupen und Samen. Das alles gibt es in einer „aufgeräumten“ Stadt leider nicht mehr. Alles wilde, alle Spielplätze für die Natur sind da schon den Baggern und Neubauten gewichen. Noch ist es in Leipzig nicht ganz still, aber mir fallen umso mehr die Inseln der Spatzen auf, die noch übrig geblieben sind. Und es wird gebaut und gebaut.

Warum ich das so schlimm finde? Ich finde das schlimm, weil ich mich nicht als Krone der Schöpfung ansehe. Als Mensch sehe ich mich nicht über anderen Lebewesen stehen. Ich versuche auch danach zu leben, was sehr schwer fällt, wenn ich mir vor allem meinen Speiseplan anschaue. Ich will auch nicht predigen. Ich will versuchen, verständlich darzulegen, warum mein Leben nicht wertvoller ist als das eines Spatzen, was meine vollste Überzeugung ist. Und dann erkläre ich sogar, warum er für mich wichtiger ist als meine eigene Spezies, wie die Überschrift ja provokanter weise ausdrückt.

Es gibt Lebewesen auf der Erde, die schon so lange existieren als Art, sich immer weiter entwickeln bis hin zur Perfektion. Der Mensch gehört für mich sicher nicht zu diesen Lebewesen; Bakterien, Viren oder Pilze, sind da schon näher dran. Zugegeben sie haben auch Vorsprung was die Zeit angeht, in der sie sich entwickeln konnten. Überhaupt, wenn ich daran denke, wie großspurig die Spezies Mensch von sich denkt, dann ist da wohl ein riesiger Minderwertigkeitskomplex am Start. Da muss an Evolutionsjahren einiges kompensiert werden mit hoher Denkleistung, Bewusstseinswerdung und vielen, vielen positiven Mantras. Oder anders ausgedrückt: Größenwahn.

Wie soll das auch anders sein, wenn mensch sich sogar seiner nächsten Verwandtschaft den Affen schämt? Lange Zeit wollten wir diese Verwandtschaft ja auch nicht anerkennen und es gibt immer noch genug Vertreter von Homo Sapiens, für die die Erde eine Scheibe ist, sieben Tage lange im größten Steinofen des Universums von Gott gebacken. Da hat so was wie Evolution keinen Platz und die Menschen haben von Papa ja auch den Freifahrtschein bekommen über die Erde zu herrschen, sie sich Untertan zu machen und sie dann, wie ein spielendes Kind das Kinderzimmer, zu verwüsten. Nicht mein Weltbild!

Mein Weltbild hat viel mehr mit einem Kreis zu tun als mit einem nach oben spitzen Dreieck. Ich meine Kreis im Sinne von dem „Circle of Life“. In dieser Grafik sind wir eine ganz kleine Nummer, wenn auch unser „Impact“ verheerend ist. Und in diesem Kreis des Lebens sehe ich auch dass Spatzen schon so einiges überlebt haben. Wie andere Vögel sind sie die Nachfahren von den Dinosauriern. Sie hatten Zeit so geniale Sachen wie Federn zu entwickeln und fliegen zu lernen. (Achtung „Flugneid“ nicht ausgeschlossen.) Sie haben sich wie Wolf und Katze entschieden in der Nähe des Menschen zu leben. Wobei sie wohl wiederum mehr mit Katzen gemein haben, die auch gut ohne Menschen auskommen können, wenn es denn drauf ankommt.

Und nun sind auch diese Tiere, die solange so gut überlebt haben am Verschwinden. Diesen Spruch von Einstein oder Maurice Materlinck finde ich sehr passend: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen“. Für mich und auf Spatzen übertragen heißt das: „Wenn die Spatzen aus meinem Leben verschwinden, geht mit ihnen für immer auch meine geistige Gesundheit.“ Und da mir diese sehr wichtig ist und ich auch schon weiß, wie es sich ohne anfühlt, sind mir Spatzen wichtiger als ich selbst es bin.

JB-20-März-2019

Zerrspiegelnd

Rate, wem ich traue
Mein Selbst, wie ich mir Brücken baue
Versuch, um Schande zu vermeiden
Mich zu entfesseln und neu zu schreiben
Bastel‘ mir im Kopf unsichtbare Murmelbahnen
Lass Kugeln rollen, die mich nicht mehr nachahmen

Mein Leben haucht an die Galaxie
Ich befinde mich in Therapie
Klar war mir vorher nie
Wie sehr ich flieh
Vor der Amnesie
Vor dem Er und Sie
Lieber bin ich Hippie
Als ich mein Gefühl verlieh
Traf mich das Spiegelbild mit Agonie

Seewasser tropft herab auf eine wartende Braut
Hab ich dir nicht vertraut?
Hab ich dich geköpft oder war das deine Vorhaut?
Werde jetzt nicht laut
Versuche zu verstehen
Wie die Tage verwehen
Und was bleibt ist stehen
Wir haben den Weg nicht gesehen
Im Sturm der Raumzeit
Alles was ich sah war zerrspiegelnd wahr
Aber erklär das mal Lord Narr
Der sein Schloss aus Glitzer baut
Traum lässt sich nicht verorten
Obwohl wir Gefühle horten
Ist das Loch im Bauch vollzeit da
Ist das Leben als Hauch unbewusst nah

Das Spiegelwesen, dass mich anschaut
Im Dialog mit meinem Schein
Suchte ich die Antwort
Dabei fand ich Pein
Was sehen die anderen?
Was bin ich allein?
Da gibt es kein Verhandeln
Und keinen Halt
Sollt ich mich verwandeln
Werd ich so alt?

Leise verwoben
Leicht verschroben
Wandel nach oben
Will endlich sein

JB-3-2019

Diagnosen sind die neuen Sternzeichen

Ich bin als paranoid schizophren diagnostiziert, aber in meinen Augen hat das ungefähr soviel Gewicht wie für andere das eigene Sternzeichen. Ehrlich gesagt hat mein Sternzeichen für mich mehr Gewicht. Die Frage ist doch, ob ich mich dadurch definiere, oder es als Begriff sehe, der etwas zusammenfasst, was sich eigentlich doch gar nicht zusammenfassen lässt. Nicht alle unter einem Sternzeichen geborenen sind gleich, so ist es auch mit Diagnosen. Und überhaupt, ist nicht eh alles am zerfließen, Schubladendenken ist Einbildung, oder etwa nicht?

Auch ich nutze Schubladen, um schnelle Entscheidungen zu treffen, wenn mein Bauchgefühl gerade mit meinem Blinddarm zusammen Urlaub macht, irgendwo anders. Wo auch immer. Das heißt aber nicht, dass das immer die richtigen oder auch besten Entscheidungen waren und sind. Die besten Entscheidungen treffe ich aus dem Bauch heraus. Aber was heißt das? Heißt das nicht einfach, dass ich gesammelte Informationen so verknüpfe, dass mir eine Entscheidung so leicht fällt, oder auch einfach so plausibel erscheint, dass ich damit gut leben kann und auch für diese Entscheidung einstehe.

Wie ist das nun bei Astrolog*innen? Da gibt es ja verschiedene Schulen, da müssen sich die Guten schon mal für eine entscheiden und dann ist da oben wie unten und unten wie oben, was in Jahrhunderte alten Büchern steht. Ist das auf unser Jetzt einfach so übertragbar oder muss das angepasst werden? Mein Geburtshoroskop sagt mir zum Beispiel, dass ich in zwischenmenschlichen Beziehungen immer eine Herausforderung finden werde. Anders ausgedrückt, es ist nicht einfach für mich, es mit einer/m Partner*in auszuhalten. Ist auch so, schon das Wort Beziehung reizt mich, aber vielleicht ja auch, weil ich die Beschreibung zum Quadrat Venus und Mars gelesen habe und nun der Überzeugung bin, dass das bei mir schwierig ist. Hm, Henne oder Ei? Oder lieber doch Rührtofu?

Wie ist das nun bei Psychiater*innen? Da gibt es eigentlich nur eine Schule, da müssen sich die Guten schon mal nicht entscheiden und da ist dann alles kategorisiert und verschlagwortet und pathologisiert ja eh. Alles ist in Diagnosen aufgeschlüsselt und ein Spezialfach wird auch noch gewählt. Wie war das noch: Wenn wir uns viel mit Schwangerschaft beschäftigen, sehen wir auf einmal überall Schwangere? Dazu kommt, dass ja häufig Leute in schweren Krisen in die Klinik kommen und dann auch manchmal Drehtür-mäßig wiederkommen. Ich war selbst vor drei Jahren zwei Wochen zur Tablettenumstellung in der Klinik und vier Jahre davor und acht Jahre davor. Als ich das letzte Mal psychotisch war, wurde meinen Eltern empfohlen mich betreuen zu lassen und ich habe selbst meine Zukunft in einer geschützten Werkstatt gesehen. Nun habe ich wieder eine Arbeit auf dem „ersten Arbeitsmarkt“ und kann diesen Text schreiben, was auch keine Selbstverständlichkeit ist.

Vieles wird geprägt durch die eingenommene Perspektive. Das ist meine Erfahrung. Viel ist Beobachtung und Reflexion. Wie die Katze in der Kiste, die nur lebt oder tot ist, solange wir darüber nachdenken. Daher beschäftige ich mich gern mit Physik und Fragen, die noch mehr Fragen hervorrufen, dadurch bleibt mein Geist rege und hat zu tun. Mein Geist hat dann soviel zu tun, dass ich mich freue. Und wenn das passiert, dann kommt da was ins Gleichgewicht. Genauso wie, wenn ich mit Leuten rede und meine Gedanken äußere, was ich mich lange Zeit nicht getraut habe. Da geht es dann vielleicht, um die Eigenschaften des Sternzeichens Jungfrau, und dass das ja irgendwie auch auf Leute mit anderen Sternzeichen zutreffen kann. Stimmt! Alles ist relativ. Hm, raus aus der Schublade und tanzen zu Möglichkeiten und dabei Käptn Peng hören. Wie ich es grad tue beim Schreiben dieses Textes. „Käptn Peng und die Tentakel von Delphi“ könnten eh in jeder Musiktherapie in jeder Klinik und überhaupt überall gespielt werden, zum Beispiel „Gelernt“, oder „Sockosophie“ oder „Kündigung 2.0“ oder „OHA“.

Das meiste macht also die Perspektive aus und ich hab mich dazu entschlossen es positiv zu sehen. Durch meine Krisen, habe ich meinen Horizont erweitert, teilweise Blockaden überwunden, teilweise Blockaden sichtbar gemacht. Heilung ist ein großes Wort bei Schizophrenie aber ich nehme mir nicht die Meinung vieler Psychiater zum Vorbild, dass es Heilung bei meiner Erkrankung nicht geben kann, sondern erinnere mich an all die Grenzen, die ich in mir aufgespürt und dann überwunden habe. Wachstum nennt sich das dann wohl. Ja, Wachstum ist das, in einer Form einer Spirale. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich schon mal war. Die Situation ist aber vielleicht vergleichbar, aber ich habe meine Perspektive geändert; ob nun mit Draufsicht oder Durchblick oder durch hinterfragendes Beobachten. Es wird mehrdimensional wo es früher paradox erschien. Und die Erleuchtung hat mich hinter Spiegel geführt, wo ich vielleicht einen kurzen Blick auf mein echtes Selbst erhaschen konnte, aber welcher Mensch erträgt schon so was, wenn er*sie nicht darauf vorbereitet worden ist. Alles was dann folgt, ohne die Leitung von Menschen, die mit Selbsterfahrung erfahren sind, wird höchstwahrscheinlich ausarten. Da sind alle diese Zäune, aus denen mein Umfeld ein Labyrinth gebaut hat, mit Konventionen, Regeln oder auch nur Redewendungen und ich bin dann einfach über diese Zäune gesprungen, statt dem Weg zu suchen und in allen Sackgassen zu landen, die das Leben der Anderen geprägt hat. Wen verstört das mehr?

Was dann war? Chaos im Kopf. Aber darum soll es mir jetzt nicht gehen. Ich hab Bock auf Lösungsorientierung. Und die Lösung ist es durchzustehen, sich eingestehen, dass ich Hilfe brauche und diese Hilfe anzunehmen, sich „zu verlieren“, „zu zersetzen“ und dann wieder neu zusammen zu puzzeln. Denn das alte Ich, das gibt es nicht mehr. Es ist ähnlich wie, wenn mich jemand teleportiert hätte auf einen anderen Planeten mit mehr oder weniger Schwerkraft als auf der Erde herrscht. Da ist nichts mehr, was mich in alten Bahnen hält, außer vielleicht die Leute, die mich vorher kannten. Aber da durch die Medis und was sonst noch, eh erst einmal Depression angesagt ist, erkennt dich eh keiner wieder. Und das kann Jahre lang so gehen, weil es auch dafür einen Namen gibt im Psychiaterjargon und das ja ganz „normal“ ist. Was alles normal ist! [Fügen Sie hier ihre persönlichen Nebenwirkungen ein.]

Ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich erkenne, dass ich gewachsen bin. Und das nach Krisen die ich aus den „normalsten“ Gründen hatte. Ich kann es auch nicht ausschließen, dass mir „das“ wieder passiert. Aber dann ist es halt so und es wird weiter gehen. Die Angst, die mir vom Arzt über die Putzfrau alle in der Klinik eingeimpft haben, die hab ich ausgeschwitzt. Und wenn andere mich vielleicht in Zukunft oder gerade als manisch beschreiben würden, ich sage, ich bin „im Fluss“. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl der Verknüpfung und des Durchdringens des Seins an sich. Ich erkenne dann so viele Zusammenhänge und fühle mich verbunden mit Allem. Was mich stürzen lässt, ist der Wasserfall der Erkenntnis, dass ich allein nichts ausrichten kann. Und was mich aufprallen lässt ist der See der Gleichgültigkeit tief darunter. Meine Mitmenschen haben sich eingerichtet und alles und alle, die gegen die Norm verstoßen und vielleicht andere aufrütteln könnten, werden so schnell wie möglich wieder auf Linie gebracht.

So sehe ich nicht die Psychose, die Neurose, die Depression oder die Manie als das Problem, das sind doch wirklich nur Symptome, oder? Das Problem ist die Trägheit der Gesellschaft. „Psychisch Kranke“ sind vielleicht wie Kanarienvögel in einem Bergwerk. Sie merken zuerst, wenn die Luft dünn wird. Sie sacken zuerst zusammen. Diese Zeichen nicht anzuerkennen und „einfach so weiterzumachen“ ist der Todesstoß für unsere Weltgemeinschaft. Die Leute sind nicht aus Spaß auf der Straße und das gibt mir ja auch Hoffnung, dass so viele Leute sich auflehnen, hinterfragen und protestieren. Aber was, wenn das System kippt? Was wenn wir den „Tipping Point“ hinter uns lassen?

Greta Thunberg sagt es, wie es ist: Dies ist eine Krise und dementsprechend müssen wir handeln. Ich hatte schon mehrere Krisen, ich weiß, dass es nicht das Ende der Welt ist, wenn ich nur schnell genug handle und das Handeln besteht darin mich und meine Situation zu verändern: mein Verhaltensmuster, meine Denkmuster, meinen Umgang mit meiner Umgebung zu hinterfragen und sie meinen Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Das können wir auch im Großen: Annehmen, dass da ein Problem existiert, um Hilfe bitten und diese Hilfe auch annehmen. Die Lösungen für die großen Probleme gibt es oft bereits oder sie werden halt gemeinschaftlich geschaffen. Die Blockaden sind es die erkannt und überwunden werden müssen in welcher Form sie auch immer auftreten.
Wachstum nennt sich das sicher, vielleicht auch kulturelle Evolution. Wir haben alles was wir brauchen, unseren Kopf, unser Herz unser Bauchgefühl und ein Netz, dass sich über die Welt spannt und uns alle verbindet.

JB-02-2019