der wind

ein huf des seltenen tieres
zertritt in schuhen aus gebälk
das wort


sonderbar erfährt mein ruf
erhörung im frühlingshaften
umgang


immerzu forschend mein blick
aus uns erkennenden augen
ein versprechen


und der hall deiner wünsche
umspielt meinen kopf
wie einfälle


hüfthoch saust vertraut
der wind
um mich zu verführen


spiegel
glanz liegt da wie verschwendet
wendet sich das notenblatt


musik
lodert auf
im balanceakt liebe


die taten
rühmen sich des spiels
verwundbar leise


quell
offener Fenster
offener Herzen

JB-05-2020

Pusteblume, Foto: JB

Ablenkung

Oder geh ich im Vorbeigehen

„Donauwelle oder Teilchen?“, fragt die mundgeschützte Backwarenverkäuferin. Fühle mich hamstern. Mit gefüllter Papiertüte in der Hand gehe ich nach Hause, verzweifle an meiner Langsamkeit. Verzehre ohne Zögern hier das Gekaufte. Sonnenstrahlen in meinem Käfig, brennen Gitterspuren in mein Fell. Versteck es schnell unter auffallenden Klamotten.

Nicht Alle Menschen stehen still in dieser Krise. Nicht alle stehen in der Warteschlange. Neben meinem Hamsterrad, rotiert ein systemrelevantes Riesenrad. Ich flüchte mich in Gedankengänge, beim Versuch, Auswege für alle zu finden. In mir suche ich das Labyrinth auf. Erkunde jede Sackgasse, werde dabei mir auch als Raubtier begegnen. Mit Rätseln spiele ich dort, die anderen vielleicht entgingen. Ich denke an Parallelen und dann an Parallelwelten. Daran ist nichts romantisch. Sie werden sich nie begegnen, treffen sich nie in der Wirklichkeit. In meinem Traum aber verirrt sich die Existenz. Die Fugen der Zeit zerbrechen, der Raum schmilzt. Kein Wesen bewegt sich mehr. Dornröschenschlaf der Galaxien. Ein schwarzes Loch küsst sie wieder wach.

Gefühl zu Fallen, das geschieht mir während des Erwachens. Meine Füße berühren schnell wieder sicheren Boden. Wie, um sich zu versichern, dass sich Energie immer noch zu Materie zusammenfindet. Physikalische Gesetzmäßigkeiten beschwichtigen mich in außergewöhnlichen Situationen. Der Wecker klingelt heiter am Morgen. Ich verweile noch etwas in einem Heute meiner Wahl. Manierlich waren meine Gesten auf den Achsen dieser lebenswerten Stadt. Fast haptisch beleuchtete die Lichtverschmutzung meine Form. Später erleuchteten Glühwürmchen das Auwalddunkel, in dem ich mich auf mich zu bewegte. Erinnernswert.

Bleib ich noch etwas in Gedanken, oder geh ich wieder meinen Pflichten nach? Mein System reagiert sensibel auf äußere Reize. Vielleicht zu oft schone ich mein Nervenkostüm. Doch in einer Welt auf Speed und Risiko, sinkt mein Stresslevel, wie der Wasserstand eines Baches in der Frühlingsdürre. Nichts fließt mehr. Die Nachrichten prasseln auf mich ein. Moria, Trump, Brasilien, Femizide, … Gelähmt gehe ich einer Arbeit nach. Versuchte und versuche die Flucht ins Private:

Denkwürdig: Du hast beendet, was noch nicht begonnen hatte; hier unter Menschen, die thronten, während ich in mir zusammenstürzte. Wollte Wege finden, dass nie mehr zu erleben. Eine Entscheidung steht noch aus: Verbrenn ich, was ich kann oder geh ich im Vorbeigehen, als ginge mich nichts etwas an?
Traumbeladen: Suchte nach Nähe in geistiger Umnachtung. Lief einem Gespenst nach, selbst erschaffen. Redete mit einem lieben Geist, der mich ungehört Schlampe taufte. Meine Stimme verkaufte ich, um der Muse barfuß über Messerspitzen laufend nachzujagen. Das Timing war die Schlampe. Ihr Tempel bleibt offen für Opfergaben. Ich war die falsche Braut. Wenn ich davon geh, überstürzt und überlegt, streichelt das Abenteuer meine blutenden Fersen.
Reflektierenswert: Perspektiven spiegeln meine Haltung in Liebesdingen. Ich gehe lieber auf dich zu, statt hinter dir her. Umkreisen uns und prallen manchmal aufeinander. Eine Form der Ablenkung, vielleicht hin zur Zweisamkeit. Deine Hände wärmen mich am Strand. Innehalten. Drama mit Eitelkeiten vereiteln, da ich ich sehr gern bleibe.

Abends schreibe ich, allein vor mattem Bildschirm, erlebte Reflexionen auf. Streite mich mit meiner Trägheit um Worte, denen Taten folgen. Wir gehen aufeinander zu, im Glauben, das Kreise Kreise nach sich ziehen. Ich freue mich auf die bunten Lichter in Städten und Dörfern, auf die farbenfrohen Kleider der Menschen. Frieden liegt in der Luft, die Angst hat sich verflüchtigt. Im Vorbeigehen verschmilzt alles zu Lichtreflexen. Ganz gleich welche Quelle, sichtbar wird die Form der wandelbaren Welt.

JB-04-2020

Cospudener See, Markleeberg, Foto: JB

Burg Rabenstein

Nestwärme

Ob nun verwandt oder gut bekannt
Erfahren im Geben
Ist in diesem Kalten Land
Nicht nur Prometheus, der das Feuer fand
Auch alle, die Erinnern und Gedenken
In Mitgefühl von innen heraus Schimmern
Und sich selbst verschenken
Familie für die Seele
Umarmung, die ich wähle
Um zu beglücken die Menschen, die ich am liebsten mag
Um zu entrücken, die Menschen, dem dröhnenden Alltag
Um zu verzücken, die Menschen, die ich viele Fragen frag‘


Ummantelung, die ich bequem ohne Zutun abgebe
In diesem meinem Umfeld
So viele, die sehr gern helfen
Sich selbst finden
Durch das Gegenüber
Geschwister
Im Geiste
Zusammen Werden Wahr Wunder Welten
Wird wirklich, Was wir gewünscht
Hämmernde Herzen
Zueinander fliegend
Wie Vögel ohne Federn sind wir
Brauchen nicht Ellenbogen
Brauchen Nestwärme


JB-01-2020
Nest im Winter, Foto: JB

Persephone

Ich suche meine Tochter
Ich weine und ich klage
Wo ist meine Tochter?
Sieh, wie ich verzage

Alles schwelt und brennt
Alles Leben mir egal
Alle Wesen enthemmt
Diese Suche meine Qual

Ich suche meine Tochter
Wo hat er sie versteckt?
Ich suche meine Tochter
Helft mir oder ihr verreckt

Kore
Wie sie Kräuter pflückt
Denk ich daran
Werd' ich bald verrückt

Die Wiese jetzt trocken
Mein Fuß steckt sie in Brand
Die Bäume dürsten
Bald brennt das ganze Land

Er hat sie mir entrissen
Ein halbes Leben ohne Sonnenlicht?
Verschleppt, misshandelt
Dieser Handel schmeckt mir nicht

Ich bin ihre Mutter
Ich leide ihre Leiden
Gib sie mir Zurück
Lass sie sich entscheiden

Das Land, es siecht dahin
Flüsse verrinnen
Tiere flüchten, nur wohin
Menschen kämpfen ohne Sinn

Gib mir meine Tochter
„El Violador Eres Tu“
Gib sie mir zurück
Und die Flammen geben vielleicht Ruh'

JB-01-2020

Trockenheit, Foto: JB

Our Road

Trippin, Trippin
Tippin Point
Trippin, Trippin
Flipping Coins

Zen Buddist Rapsody in Red and Green
Be the waking of my dream
As soon as Bees are saved
My soul is bare so shaved

Trippin, Trippin
Finding Joint
Trippin, Trippin
Lovers in the Void

This beating belongs to us
Synchronising the waves of lust
Happenings of Joy
Find me without no Toy

Trippin, Trippin
Uncontrolled
Trippin, Trippin
Unenrolled

These should be more than Words
I love to know your worth
For me the end might be
Happy or Never, we‘ll see.

JB-12-2019