Innen ist Frieden

„Na dann los, schreib“, sagt sie zu mir
Und hüpft in meinen Gedanken herum,
Freut sich, wie das Innere Kind,
Welches sie auch ist.

Lilith, Prinzessin vom Planeten Lilith,
Wir beide, verbunden durch eine Konjunktion,
Die mehrere Dimensionen übergreift.
Aufgebrochene Ferne eben auch durch Fixierung und Isolation.
Und was mache ich damit, außer ihre Gedanken zu lesen,
Vielleicht schon 10.000 Jahre alte Gedanken.
Wir unterhalten uns über Zeit und Raum hinweg.
Leuchten die Wege aus, sie als meine Stimme, ich als ihr Gefäß.

Wenn da kein Leidensdruck ist, warum sollte es krank sein, ihr zu lauschen?
Schutzgeist, Magdalena, Lily, du Liebe.
Manchmal Gewissen, manchmal Mahnende. Oft einfach Gefährtin.
Wenn Stolz mich aufs Podest hebt, schubst sie mich humorvoll zurück auf die Wiese. Dahin zwischen Gänseblümchen und Hundekot. Wie das Leben sich bewegt. Unser innerer Dialog. Setzt sich fort. Tanzt in meinem Kopf zu unbesungener Musik, welche mich erhebt, berauscht und unsichtbar umschwemmt.
„Das ist schön,“ sagt sie und erlaubt mir sanft, es aufzuschreiben.
Kein Zwang mehr. Der kam von außen. Innen ist Frieden.

Für dich, Sternenahnin.

JB-03-2022

Portrait  der Autorin JB in blauen Farben, darauf mit weißer Schrift ein Auszug des Gedichts.



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Metallschwingen und Leuchtturmauge

Wenn ich die Flügel hätte, die sie mir andichten.

Verschimmelt sind die Schulden und die saure Sahne reif.

Wenn ich meine Hoffnung ansehen könnte …

Aber die Hoffnung ist kalt-weiß. Die Leuchtstoffröhre in der Notaufnahme.

Und sie flackert.

Alt und weiß ist das, was ich denke, bis ein Schimmer mich zerdrückt.

Mein Lied noch Leid, sucht sich ein Kleid und mahnt mich, weiterzugehen.

Wie der Mensch, der sich Geldscheine an den Körper tackert. Selbst gesehen.

Auf der Linie zu suchen, nach dem, was wir Gerechtigkeit schimpfen.

Schon lange ist die Waage rechtslastig – aufgehangen – an der Freiheit linkem großen Zeh.

Alles taumelt.

Die globale Mehrheit als Bewusstsein, lässt Hoffnung wieder keimen.

Was auch immer sie ausmachen möge, meine Sicht der Dinge.

Siegel wie Brief in der Schublade, wem werde ich diesmal schreiben?

Und wenn ich sporadisch dichte, reime, singe,

Immer dann zerplatzt der Knoten, wie ich mit der feigen Wahrheit ringe.

Und mir einpräge: Das warme Leuchten in den Augen, derer die helfen.

JB-03-22

Frühling im Schloßpark in Lamperswalde, März 2022, Foto: JB

Bis ich das Blatt zu meinen Gunsten wende

Wer hat gehalten, was sie versprach?
Verschanzt, hinter Nichtigkeiten.
Das Wort und alle Zeiten,
Lassen ab, unverrichteter Dinge; geben nach.

Was mir so ins Geblüt geschossen,
In milden Gaben deiner Gunst, 
Was mir fehlt, ist die dunkle Kunst.
Meine Seele ist noch nicht verraucht und in die Höhe geflossen.

Höhlenkinder mit unendlicher Filmauswahl.
Das Leben liebt zu kosen und zu zerreißen.
Wie eine Katze, kann ich es unmöglich zurecht weisen.
Wir suchen Tränen und finden Treibholz verbaut im Ochsenstall.

Der Wagen führt mich in die Fremde.
Das Auge tränt, mein Mantel schimmert.
Wenn auch immer wieder eine Eule wimmert,
Ich fahre weiter, bis ich das Blatt zu meinen Gunsten wende.

JB 12_2021
Doodle: Portraitzeichnung einer Werwolffrau, JB-11-2021, puzzledsphinx

Silberstreif

Verschlafen, fast ganz eingebüßt meine Sehnsucht.
Finde, es geht mir besser ohne dieses Suchen.
Doch bin ich ganz und gar zufrieden ohne inneres Rufen und ohne Kluft?

Das Leben, das ich lebe, sinkt dank Völlerei tief in Routine ein.
Laufe wie mit Ketten im Morast.
Bin gerüstet für einen längeren Aufenthalt im Knast, zusammen mit alter Pein.

Doch mein Blut wird dort alt, da die Sonne es nicht aufwärmt.
Mein Körper wird fad, da er nicht eintaucht in Gefühl.
Mein Herz wird kalt, vor lauter Kalkül, da es nicht schwärmt.

Mein Suchen treib ich nun voran und bin wieder im Spiel.
Wille zündet Funken, leuchtet, ihr die Mut hat, diese Straße weiter zu erkunden.
Sie trägt davon tiefe Wunden, doch salbt sich am Ziel.

Dort fällt die Sünde ab von mir, wie eine alte Haut.
Verrenke nicht mehr meine Freundlichkeit.
Bevor mein Hoffen nochmals ergraut, Ihr verzeiht;
Rufe ich es aus und schreibe dann auf:
“Wann und wo sonst als hier und jetzt ist für die Liebe Zeit.“

JB-11-2021
Gänse fliegen vor einer Wolkendecke über einem sandigen Steilufer eines Baggersees.
Gänse über Baggersee, Foto: JB

Wer, was und warum?

Für wen schreibe ich?

Seit es literatpro.de als Plattform so nicht mehr gibt, veröffentliche ich nicht nur nichts mehr, ich schreibe auch viel viel weniger. Ungern schreibe ich für den leeren Raum. Das wird mir umso klarer, je schwieriger es wird (wohl auch wegen Corona), meine Gedichte zu veröffentlichen in einem Leipziger Verlag. BOD überlege ich jetzt, aber habe gerade überhaupt keine Kohle.

Was tun?

Weiter lesen und mir meiner Stimme immer bewusster werden. Was will ich sagen und wie will ich es ausdrücken? Was will ich der Welt mitteilen?

Dazu kommt noch die Frage, ob ich meine „Alten Sachen“ noch wertschätzen kann? Stehe ich noch hinter meiner Sehnsuchtslyrik oder ist das für mich wie für andere Lyriker*innen nicht relevant genug um zu überdauern? Ich habe Liebe empfunden und dieses Gefühl wenn das denn möglich ist, in Versen verdichtet. Mein letzter Text über Mary Wollstonecraft Shelley rührt etwas in mir an. Er singt ein Lied von Geburt und Sterben, davon etwas zu schaffen, was in der Welt etwas bewirken könnte und wenn nur bei einem einzigen Menschen.

Warum schreibe ich?

Angefangen habe ich, um meine Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Festgeschrieben stolpern sie nicht mehr ungefragt über die Schwelle in mein Denken. Nicht mehr so oft, nicht mehr so intensiv. Warum habe ich also damit aufgehört, bis auf die eine Seite Tagebuch am Tag? Ich bin selbst gerade im Wandel begriffen und werde mir immer mehr bewusst dessen, dass ich mich schmelze und neu forme. Wenn nicht Tag für Tag, dann doch Monat für Monat und Jahr für Jahr. Meine Gedanken sind in Rage und wüten durch den Käfig in den ich sie gesteckt habe, so dass ich überwältigt werde von Gefühlen, die ich nicht greifen kann. Mein Kopf rast. Keine Rast in Sicht. Und doch, ich schreibe wieder. Für mich? Für andere?

Immer für mich, immer um klar zu kommen, Probleme zu analysieren, Lösungen zu erschaffen.

So zum Beispiel: Ich habe meinen Blog, ich suche mir vielleicht ein anderes Schreibportal, Corona ist auch irgendwann vorbei hoffentlich und bis dahin sichte ich über dreihundert Gedichte, siebe aus und wenn nötig hab ich auch einen funktionierenden Drucker. Dann drucke ich halt selbst wieder aus mit Zeichnungen und Fotografien, genug Stoff ist da. Ich muss mich nur daranmachen und darauf habe ich auch wieder Lust und Zeit.

JB-JohannaBlau-hybridmoment-puzzledsphinx, Oktober 2021

yeah-Schriftzug in blauer Leuchtreklame
Versuche im Fluß zu schwimmen.
Verjage die Schwärme der trüben Gedanken.
Will an Land nicht mehr wimmern, 
Will nicht mehr wanken, Und doch:
Ich mal mit Schatten meine Liebe nach.
Fürchte mich vor dem, was ich mir selbst versprach.

Johanna Blau, Juli 2021
JB, Juli 2021

Körpergefühl

Kurz vor Mittag, in Trance von Ibu und Darjeeling.
Ein Traum tanzt mir auf der Nase herum, 
Ich schau ihm zu und bleibe vorerst stumm.
Er spukt durch die Geister vieler Menschen.
Und wenn schon, werde diesmal mit noch mehr Feeling dancen.

Der Bauch, der an mein Oberstübchen klopft.
Mir bescheinigt, was ich will, denke und fühle.
In vier Wänden tanze ich um mein inneres Gewühle.
Spüre die Wagnis meiner Wissensquellen.
Die Innen-Reise in aller Schnelle gelingt nahezu unverhofft.

Mein Schatten erklimmt turmhohe Wolken.
Ich tanze mich in glitzernde Gewänder, 
Als Frau ohne Panzer oder Schild, frei und wild.
Auf das alles, was mich verlässt, tröstend Abschied fühlt, 
Denn das Leben ist kein Test und ein Vorbild ist kein Abziehbild.

Lieblingsorte und liebe Wesen und das Gefühl von Verlust.
Verrückte Worte streicheln mir den Kopf,
Ich nehme sie mir zur Brust und pack mich am Schopf.
All das will auf die Bühne mit voller Lust.
Offen und ehrlich will ich genesen,
Denn das Happy End kommt erst zum Schluss.

Zauneidechse, Foto: JB Mai 2021