Metallschwingen und Leuchtturmauge

Wenn ich die Flügel hätte, die sie mir andichten.

Verschimmelt sind die Schulden und die saure Sahne reif.

Wenn ich meine Hoffnung ansehen könnte …

Aber die Hoffnung ist kalt-weiß. Die Leuchtstoffröhre in der Notaufnahme.

Und sie flackert.

Alt und weiß ist das, was ich denke, bis ein Schimmer mich zerdrückt.

Mein Lied noch Leid, sucht sich ein Kleid und mahnt mich, weiterzugehen.

Wie der Mensch, der sich Geldscheine an den Körper tackert. Selbst gesehen.

Auf der Linie zu suchen, nach dem, was wir Gerechtigkeit schimpfen.

Schon lange ist die Waage rechtslastig – aufgehangen – an der Freiheit linkem großen Zeh.

Alles taumelt.

Die globale Mehrheit als Bewusstsein, lässt Hoffnung wieder keimen.

Was auch immer sie ausmachen möge, meine Sicht der Dinge.

Siegel wie Brief in der Schublade, wem werde ich diesmal schreiben?

Und wenn ich sporadisch dichte, reime, singe,

Immer dann zerplatzt der Knoten, wie ich mit der feigen Wahrheit ringe.

Und mir einpräge: Das warme Leuchten in den Augen, derer die helfen.

JB-03-22

Frühling im Schloßpark in Lamperswalde, März 2022, Foto: JB

Silberstreif

Verschlafen, fast ganz eingebüßt meine Sehnsucht.
Finde, es geht mir besser ohne dieses Suchen.
Doch bin ich ganz und gar zufrieden ohne inneres Rufen und ohne Kluft?

Das Leben, das ich lebe, sinkt dank Völlerei tief in Routine ein.
Laufe wie mit Ketten im Morast.
Bin gerüstet für einen längeren Aufenthalt im Knast, zusammen mit alter Pein.

Doch mein Blut wird dort alt, da die Sonne es nicht aufwärmt.
Mein Körper wird fad, da er nicht eintaucht in Gefühl.
Mein Herz wird kalt, vor lauter Kalkül, da es nicht schwärmt.

Mein Suchen treib ich nun voran und bin wieder im Spiel.
Wille zündet Funken, leuchtet, ihr die Mut hat, diese Straße weiter zu erkunden.
Sie trägt davon tiefe Wunden, doch salbt sich am Ziel.

Dort fällt die Sünde ab von mir, wie eine alte Haut.
Verrenke nicht mehr meine Freundlichkeit.
Bevor mein Hoffen nochmals ergraut, Ihr verzeiht;
Rufe ich es aus und schreibe dann auf:
“Wann und wo sonst als hier und jetzt ist für die Liebe Zeit.“

JB-11-2021
Gänse fliegen vor einer Wolkendecke über einem sandigen Steilufer eines Baggersees.
Gänse über Baggersee, Foto: JB

Oh Pan-Demi

Die Worte wollen wissen was wir wünschen zu wirken.
In meinem Sein trägt der Wunsch Früchte, mich zu entdecken.
Das Wollen und die Lust daran erstickt noch in Einsamkeit.
Doch meine Augen finden Fragen und Antworten in deinen Augen.
Der Herd bindet mich nicht und ich will auch sonst an niemanden gebunden sein.
Ich bin frei zu entdecken, wer ich bin.
Ein Mensch, der liebt kennenzulernen, Tiefe Gründe auszuloten und mich dabei tanzend zu versuchen.
Rufe ich die Schatten, sind sie da, mir Erkenntnis zu geben.
Bin ich licht in Momenten der Einsamkeit, für Sorgen bereit.
Bereit mich zu geben.
Bereit zu vergeben.
Bereit zu erleben.

JB 10-2021
JB 09-2021, Buche mit gebogenen Ästen
Versuche im Fluß zu schwimmen.
Verjage die Schwärme der trüben Gedanken.
Will an Land nicht mehr wimmern, 
Will nicht mehr wanken, Und doch:
Ich mal mit Schatten meine Liebe nach.
Fürchte mich vor dem, was ich mir selbst versprach.

Johanna Blau, Juli 2021
JB, Juli 2021

Körpergefühl

Kurz vor Mittag, in Trance von Ibu und Darjeeling.
Ein Traum tanzt mir auf der Nase herum, 
Ich schau ihm zu und bleibe vorerst stumm.
Er spukt durch die Geister vieler Menschen.
Und wenn schon, werde diesmal mit noch mehr Feeling dancen.

Der Bauch, der an mein Oberstübchen klopft.
Mir bescheinigt, was ich will, denke und fühle.
In vier Wänden tanze ich um mein inneres Gewühle.
Spüre die Wagnis meiner Wissensquellen.
Die Innen-Reise in aller Schnelle gelingt nahezu unverhofft.

Mein Schatten erklimmt turmhohe Wolken.
Ich tanze mich in glitzernde Gewänder, 
Als Frau ohne Panzer oder Schild, frei und wild.
Auf das alles, was mich verlässt, tröstend Abschied fühlt, 
Denn das Leben ist kein Test und ein Vorbild ist kein Abziehbild.

Lieblingsorte und liebe Wesen und das Gefühl von Verlust.
Verrückte Worte streicheln mir den Kopf,
Ich nehme sie mir zur Brust und pack mich am Schopf.
All das will auf die Bühne mit voller Lust.
Offen und ehrlich will ich genesen,
Denn das Happy End kommt erst zum Schluss.

Zauneidechse, Foto: JB Mai 2021

Mirrors

Forget about tomorrow
Now is what you feel
Be like a mirror, dont conceal
In the valley of yesterday
You will find only sorrow
Now is the time to dance
Now is the time to sway

No high heel, but lips to seal your mouth with
No splendid appearance, but hips that swing to the beat
Yes I want to love and feel the heat
But if its hot as hell
Do I live long enough to tell you
The way I feel 
This is the mirror I have to go through
I have to break this spell
Speak the words
If it comes to you
My heart is a pouring well
Devil and the Almighty Blues, Foto: JB 2019

Karomuster oder Verhaltensmuster? – Essay über mich

(„You don’t Know Jack“ Referenz, weil alle anderen Titel so random klangen. Und los gehts!)

Vor einiger Zeit hatte ich ein Bild vor Augen, wie ein Kleinkind in einem großen, durch zwei breite Fenster erleuchtetem, weißen Raum sitzt und herzlich vor sich hin lacht. Der Raum ist leer, keine Möbel, keine Menschen. Dieses Bild will mir etwas sagen und da stehe ich noch ganz am Anfang. So lese ich gerade von Stefanie Stahl: „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Mal sehen, wo mich das noch hinführt.

Was mir das bringen soll? Was ich will, ist klarkommen und mich entwickeln. Vor allem will ich mich anderen gegenüber öffnen können. Es geht in diesem Text um mich. Klar habe ich Eltern und meine Eltern hatten auch Eltern. Wir alle hatten und haben Glaubenssätze in unseren Köpfen und hinterfragen nicht gleich alles, was uns erzählt wird. Das geht mir so, das geht Dir so. Und wenn ich jetzt darauf nicht herumreiten will, ist das mein gutes Recht.

Doch wo hörst Du auf und wo fange ich an zu sein. Im Zwischenmenschlichen definiere ich mich oft und besser als ich selbst, als wenn ich auf mich allein gestellt vor mich hin denke und anfange zu schreiben. Dabei sind in Gesellschaft einfach die Automatismen eingeübter und vertrauter. Indem ich mich anpasse, habe ich überlebt. Das mir selbst zu vergegenwärtigen, das ist das Wichtige. Und ich frage mich jetzt, will ich sie noch, brauche ich sie noch: Diese Muster?

Es ist nicht so, dass ich von aufgrund verändern will, wer ich bin. Was ich will, ist eine Wahl zu haben, wie ich auf Situationen und auf die Wirklichkeit reagiere: Flucht, tot stellen oder angreifen? Tot stellen war immer meine Antwort, ohne nachzudenken. Daran will ich arbeiten.

Wenn ein Mensch mir gegenüber ungerecht ist, will ich mich wehren können. Wenn mich ein Mensch angreift, nehme ich mir seit einem Kurs in WenDo, das Recht, mich zu verteidigen. Es ist ein langer, schwieriger Weg für mich gewesen, mir auch nur zu erlauben so zu denken. Bis ich erkannt habe, dass ich ausgenutzt, verlacht oder benutzt worden bin, verging so viel Zeit, dass ich dachte, ich hätte nun kein Recht mehr, etwas zu sagen. Wenn sich ein Mensch über mich lustig gemacht, dachte ich lange, er oder sie hat ja recht.

Selbstwert und Selbstvertrauen musste ich mir erarbeiten. Ich arbeite immer noch in jeder Konfliktsituation, daran, mich nicht zurückzunehmen, sondern auch mal auf Konfrontation zu gehen oder zu provozieren. Oder je nachdem wie ich mich entscheide, scheinbar emotionslos zu argumentieren. Wut zu zeigen ist neu für mich. Lange, lange Zeit habe ich sie aufgefressen und mich damit selbst stark belastet. Vertrauen in meine Fähigkeiten ist neu für mich. Liebe und Zuneigung mir gegenüber anzunehmen, ist neu für mich.

Mich zu offenbaren, was meine Gefühle für andere Menschen angeht, ist eine Aufgabe, die ich mir stelle. Ich arbeite daran. Und ja, es ist Arbeit. Raus aus der Komfortzone, raus aus dem Zimmer, der Wohnung, abseits der bekannten Wege die Welt erkunden, auf unbekannte Menschen zugehen. Dabei fühle ich mich, als würde ich im Jobcenter meine Liste mit Bewerbungen vorzeigen. Aber was soll’s. Der Weg raus ist hindurch. Und wie ich so wandere durch einen Tunnel voller Autowracks und Mumifizierter Leichen, hinter mir Grunzende Laute und Schlurfende Schritte, sehe ich ein Licht vor mir auftauchen. Schon alleine das ist ein Wunder. Ich habe vor, mich weiterhin zu wundern, dass ich es bis hierhin geschafft habe und ich freue mich ehrlich auf das was noch folgt. Denn, ich habe vor, mein Leben auszustaffieren und mit Glitzer zu überschütten, wie nur was.

Nicht immer nur unerreichbar fern, oder Sehnsüchte, die unerfüllt bleiben. Nicht mehr in den Wolken schweben abtauchen ins Leben nach dieser Auszeit, die keine ist. Stopp. Da ist wieder diese utopische Phantasterei, der ich gern verfalle. Ich bin noch nicht fertig mit mir.

In meinem Geburtshoroskop stehen Venus und Mars im Quadrat.Wenn es überhaupt etwas bedeutet,dann so viel wie: es gibt oft Stress in Beziehungen mit Männern oder männlich gelesenen Personen. Kann ich bestätigen, aber ich weiß auch schon einige Zeit von dieser unseligen Konjunktion. Also ist das vielleicht nur eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Genug von der Astrologie.

Die Wahrheit ist, und jetzt muss ich es rauslassen: Ich bin bereit mich einzulassen, ich bin bereit so viel Liebe zu geben, wie ein Mensch nur ertragen kann. Und ja, da ist dieses nicht unerhebliche Problem, das auch zu zeigen. Ich habe soviel Angst vor Ablehnung und davor, für eine Partnerschaft als ungeeignet abgestempelt zu werden. Deswegen verwende ich viel Energie darauf zu durchdenken, was denn in einer Begegnung mit einem mir wichtigem Menschen angemessen wäre. Nicht unbedingt auf das, was ich sage. Das was ich sage, ist eh meist zensiert von mir. Das passiert schon lange automatisch: vorausahnen, was mein Gegenüber von mir will und reagieren. Nicht unbedingt es erfüllend aber dementsprechend berechnend und vorausschauend. Wenn ich dafür zu aufgeregt bin oder emotional werde, verunsichert mich das zutiefst und ich analysiere nach der Begegnung, was ich hätte anders machen können, damit mein Gefühlspanzer weniger durchlässig erscheint.

Das alles will ich nicht mehr, denn ich raube mir selbst soviel damit. Ich verbaue mir so viele Chancen auf tolle Erfahrungen und Begegnungen, was mich sehr traurig macht. Aber mein Verhaltensmuster schleift mir hinterher, wie ein zerfetztes, schmutziges Hochzeitskleid. Alle gelernten Muster liefern sich in meinem Kopf eine Kissenschlacht, wenn ich versuche einem Menschen zu sagen, was in mir vorgeht. Und wenn ich um Hilfe bitte, weil es mir schlecht geht, ist es als ob Gletscher tauen und das Schmelzwasser von Jahrhunderten dann aus meinen Augen hervorbricht. Es ist schmerzhaft und es tut mir gut. Das zu beschreiben, tut mir gut. Deswegen hier auch die Masse an Metaphern.

Und gerade will ich nicht von Narzissmus oder Co-Abhängigkeit schreiben. Ich will davon schreiben, einen Menschen kennenzulernen und für mich zu erwählen. Das ist so schön beschrieben in Liv Strömquists Graphic Novel: „Ich fühl’s nicht“. Ein Mensch ist keine Ware, die wir uns aussuchen, wie in einem Katalog und sofort wieder zurück schicken, wenn sich herausstellt, dass der Mensch nicht zu 100 Prozent unseren Anforderungen entspricht. Und ich will das Besondere an Dir erkennen und zu schätzen wissen. Ich will es feiern und Dir Liebesbriefe schreiben dürfen. Ich will mir das erlauben und es sollte mir auch erlaubt sein. Schließlich bin ich Dichterin. 😉

Da bin ich noch nicht mal auf der Ebene des Körperlichen. Aber das ist eine andere Geschichte.

JB-12-2020

JB, Selbstportrait 2020