Waldbaden

In der langen Dämmerung meines Breitengrades,
Gelingt es mir, Gedanken zu sortieren.
Dies und das haftet an mir beim Spazieren.
Ich lass es über meinem Kopf rotieren,
Entlang des neu gewählten Pfades.

Tierisches Rascheln hier und da,
Verlangt nach Blicken wie ein Menschenwesen.
Was auf mich zu kommt, wie um zu genesen,
Wichtig ist es, ohne zu viel zu lesen.
Mein Sein scheint mir klar.

Ankommen, sind die Wege auch verschlungen.
Vorbei an jeder Bank, Ruhe tanken in Bewegung.
Der Lauf der Sonne, verleiht dem Gange Schwung.
Von der Gedanken, wie der Füße Wanderung,
Sind meine Sinne aufnahmebereit wie meine Lungen.

Fort von allem, was mich treibt.
Der Tag endet in Verkleidung.
Der Mond trägt leicht am Sternenhimmel, er ist jung.
Über mir zerfällt das Universum,
Seit Anbeginn der Zeit.

JB-06-2019

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Gabe

Fluch ist, wenn das Herz aufhört zu schlagen.
Flucht ist, wenn mein Kopf mich wanken lässt.
Gefahr, wie soll ich anders sagen,
Ist Furcht, dass was mich ausmacht, mich verlässt.
Der Spruch: „Du sollst dich selber finden!“,
Lässt mich bald mit mir selbst Verstecken spielen.
Will alles Suchen überwinden
Und mich dann im Dunkeln wieder Fühlen.
Wer hat das Schwarzlicht noch erfunden,
Das mich an Mond und Sternen zweifeln lässt?
Möchte gern im Traum das Spiegelland erkunden,
Dessen Dasein mich durch alle Tage hetzt.
Doch Gabe auch Gedanken in Gestalt zu sehen.
Und Gabe auch das Licht im Prisma aufzuspalten.
Die Verse, die daraus entstehen,
Farbenfrohe Wesen, die sich in mir selbst entfalten.

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Parallelen

Trapezübung mit einem Menschen,
Den ich nicht kenne und nicht wollen mag.
Das Gefühl, dass das Netz unter mir verschwindet.
Zuviel des Guten,
Wenn er mich von der Seite her anstarrt.
Sich dann mit Flüsterworten um mich windet.

Ich will fallen, um zu leben,
Mich mit Salto verabschieden aus dem Rampenlicht,
Ein Clown, der mein Verschwinden laut verkündet.
Soviel Freiheit, wenn der Zirkus, die Zelte abbricht.

Meine Gesichter zeige ich ohne Maske,
Meine Geschichten lösche ich von allen Platten.
Wer mich nicht kennt, den will ich spüren.
Gespräch mit einem Menschen,
Der noch nicht weiß, was wir aneinander hatten.
Die Parallelen sind wie Schienen, die uns zueinander führen.

Zusammenspiel statt Aufprall,
Wenn ich mich öffne und wachse im Frühlingslicht,
Du spendest mir im Sommer kühlen Schatten.
Ein Miteinander gibt es zwar noch nicht.

Doch all das Fühlen webt an neuen Netzen.
Gewahr der Schmerzen, die der Absturz brachte.
Bau ich an neuen Schienen sachte.
Zu dir hin verschiebe ich meinen Überschwang.
Setze mein Werden in Gang.
Wandle uns ein Leben lang.

Verzeih, die Pracht der Blütenberge,
Bekränzte dein Haupt, da ich die Nacht erwachte,
Und über meine Angst laut lachte,
Das du nicht du warst und ich sterbe.

So finde ich viele Parallelen,
Im Dasein wie im Gehen und in deinem Wesen.
In Liebe aufzuwachen und zu sehen,
Die Liebe schläft so sanft, sie wird genesen.
Tagwach und himmelstürmend wehen
Wir diesen Traum in viele Seelen.

JB-03-2019

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Zerrspiegelnd

Rate, wem ich traue
Mein Selbst, wie ich mir Brücken baue
Versuch, um Schande zu vermeiden
Mich zu entfesseln und neu zu schreiben
Bastel‘ mir im Kopf unsichtbare Murmelbahnen
Lass Kugeln rollen, die mich nicht mehr nachahmen

Mein Leben haucht an die Galaxie
Ich befinde mich in Therapie
Klar war mir vorher nie
Wie sehr ich flieh
Vor der Amnesie
Vor dem Er und Sie
Lieber bin ich Hippie
Als ich mein Gefühl verlieh
Traf mich das Spiegelbild mit Agonie

Seewasser tropft herab auf eine wartende Braut
Hab ich dir nicht vertraut?
Hab ich dich geköpft oder war das deine Vorhaut?
Werde jetzt nicht laut
Versuche zu verstehen
Wie die Tage verwehen
Und was bleibt ist stehen
Wir haben den Weg nicht gesehen
Im Sturm der Raumzeit
Alles was ich sah war zerrspiegelnd wahr
Aber erklär das mal Lord Narr
Der sein Schloss aus Glitzer baut
Traum lässt sich nicht verorten
Obwohl wir Gefühle horten
Ist das Loch im Bauch vollzeit da
Ist das Leben als Hauch unbewusst nah

Das Spiegelwesen, dass mich anschaut
Im Dialog mit meinem Schein
Suchte ich die Antwort
Dabei fand ich Pein
Was sehen die anderen?
Was bin ich allein?
Da gibt es kein Verhandeln
Und keinen Halt
Sollt ich mich verwandeln
Werd ich so alt?

Leise verwoben
Leicht verschroben
Wandel nach oben
Will endlich sein

JB-3-2019

Panzerglas

Grad bin ich so einsam, dass ich schreiben muss.
Bilder aus Glascherben im Kopf.
Die Sehnsucht nach Grenzenlosigkeit ist es, die mich einschließt, die mich umfängt mit Vampirzähnen.
Niemand fühlt so tief, wie das unsichtbare Kind, fühlt Verlassenheit in den Armen eines Anderen.
Mein Auge und mein Herz aus Glas und du schlägst darauf ein Welt, Ordnung.
Du schlägst darauf ein – täglich, stündlich.
Doch auch Scherben sind Waffen, nicht gegen mich selbst. Nie mehr gegen mich selbst.
So wahr ich fühle, wie ich fast zerberste.
Und mein Herz, es schlägt.
Und mein Auge, es sieht.

Panzerglas

JB-12-2018

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Stimmenmeer

Hab so oft erlebt,
wie Menschen in mein Leben treten.
Die Stimme, mit der sie mit mir reden,
Vergesse ich nie,
Ich fange sie ein mit meinen Ohren.

Weiß lang schon nicht mehr den Sinn der Dialoge,
Schwimme jedoch in Gedanken in vertrautem Stimmenklang herum,
Schöpfe aus Gesagtem neuen Sinn, erhalte dadurch wagen Schwung.
Mit viel Vergnügen schaff ich Stimm-Kaleiloskope.

Vertreib mir die Zeit, und kombiniere Möglichkeiten .
Werde nie satt von den erdachten Wahrheiten.
Vergesse vor lauter Fantasie fast auch die Wirklichkeit.
Und Leute sagen, sie ist still so lange Zeit.

Dabei ist in meinem Kopf ein Stimmenmeer.
Gaukelt mir vor, das alles, was ich will, auch wahr wär‘.
Verspricht mir Gutes, veräußert meine Geselligkeit,
Verlangt so oft meine volle Aufmerksamkeit.

Doch dann ein Lächeln und ein tiefer Blick.
Mensch holt mich in den Raum zurück, in dem ich sitze.
Macht vielleicht über Träumerei so manche Witze.
Ich lache mit und steh mit beiden Füßen wieder in der Alltagspfütze.

JB-1-2019

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Hinter Türen

Hinter den Türen lauern Monster.
Und ihr ruft mich Schwach, weil ich sie sehe,
wie ich langsam untergehe:
In dieser Welt, die doch ihr geschaffen habt,
In der ihr alles Ergriffene so hasst.

Hinter den Türen lauern die Monster,
Mit bitterem Grinsen in ihren Fratzen.
Bringen Träume wie Blasen zum Platzen
Und bitten mich um ihr Verschwinden.
Will sie an diese Worte Binden.

Hinter den Fenstern lauern Schatten,
Die mich umnachten mit ihren Blicken,
Die mir grausame Nachtmahre schicken.
Fühl mich verbannt aus den Herzen der Leute.
Beweg mich natürlich, werd so nicht ihre Beute.

Hinter den Türen lauern viele Monster.
Ich öffne jede einzelne, wieder und wieder.
Strecke danach die verkrümmten Glieder.
Befreie mich von all den Schrecken,
Die sich nach meiner Angst die Münder lecken.

Hinter den Fenstern lauern Schatten,
Ich tanze trotz allem für mich im Kreise,
Singe „Paranoid“ auf lauteste Art und Weise
Fühl mich auf der Lebensbühne,
Wo ich für meine Gedanken schulde und sühne.

Hinter meinen Türen lauern Monster.
Du lachst sie an und sie verblassen.
Dein Dasein lässt zahm werden all die Massen,
Die sich im Unterholz meines Gewissens schadlos tun.
Sonst niemals vor meinem Scheitern ruhen.

Hinter allen Türen lauern Monster.
Das Licht in ihren Augen leuchtet Leben.
Ich will ihnen nur so viele Nächte geben,
Wie ich brauche, den Schleier zu heben:

Zwischen Innen und Außen,
Zwischen Leben und Hausen,
Zwischen Sarg und Liege,
Zwischen Furcht und Liebe.
Um täglich im Alltäglichen zu schweben.

JB-12-2018

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