Hab Zugesehen

Hab zugesehen

Hab zugesehen,
wie das Federkleid der Ente schwindet,
Federn halten warm
und Fleisch macht satt.

Hab zugesehen,
wie ein Kalb an meinem Daumen nuckelt.
Wird wohl bald Wurst,
weil es kein Euter hat.

Hab zugesehen,
wie Hühner ihren Kopf verlieren,
Flügelschlagend dem Leben hinterher.

Hab zugesehen,
wie das Karnickel quiekend um sein Leben hoppelt.
Dann hängt sein Körper offen,
hält die Haut nicht mehr.

Hab zugesehen,
wie ein Fisch die Schnauze aufsperrt.
Niemand hört ihn,
Bauch ist plötzlich leer.

Hab wohl auch zugesehen,
wie eine Gans aufhört zu schnattern,
War noch zu klein,
das weiß ich gar nicht mehr.

Hab zugesehen wie Tiere sterben,
hab zugesehen, wie Körper Nahrung werden.
Jedoch was Tiere lebenslang erleiden,
das überzeugt mich, sie für mich
nicht mehr als schmackhaft zu bewerten.

JB 2012 (Änderungen 11-2013)

hahn

nur nicht den einen

nur nicht den einen

verlange frei zu sein von diesem glück
das neue haus zu deiner warterei

verrucht und ungescholten sei so einerlei
und wenn ich mich verdreh nach deiner seele
schau wie klar ich schweige

versuch mich doch zu sehen
wenn ich mich um dich herum verzweige

das hofft in mir du bist gespannt
und alle draußen finden mich so feige
wenn ich wieder leise leide

und wieder alle wege geh
nur nicht den einen

DSCN0489-768x1024

Heim

Heim

Tritt ein, schenk mir Dein Weglicht als Kamin.
Mein Heim will Deines sein, tritt ein.
Wer hofft schon, dass wir weiter zieh’n,
wenn Du und ich uns Flügel leih’n.

Mein Weg war ohne Dich so fad‘
ich wollte dauernd darauf treten.
Mein Bein war lahm von all der Fahrt,
mein Arm so taub von all dem Beten.

Du stehst hier vor mir; öffnest mir dein Tor,
die Fenster Deines Innern.
So will ich auch wie Du zuvor,
hier heimisch werden, nicht verkümmern.

Und all das Lastenpack,
will ich verstau’n in diesen Zimmern.
Lass uns nun ruh’n.
Denn morgen scheint die Sonne drauf,
dann lässt’s sich’s wohl erinnern.

JB /Oktober 2013

katzenkinder

Flut

Flut

Wie jeden Abend such ich dieses Unheil.
Und find ich’s,
falle ich zu Boden.

Bevor du auf mich trittst mein Herz zu roden,
verschwind‘ ich Nebelelement.
Werd‘ wieder unsichtbar,
mir selber fremd.
Und sehe nur noch,
das was trennt.

Trotz Gier auf heißes Blut
erkalte ich.
So voller Lust auf dich,
verglimmt die feuchte Glut.
Und wenn ich trotze, spalte ich
von Herz und Hirn die rote, wilde Lebensflut.

dorn001

Fegefeuer

Fegefeuer

Meiner Hände Fegefeuer,
Qual, die lähmt und mich zerbricht.
Sind sie mir so ungeheuer,
dass daraus die Seele spricht.

Feuersturm des Morgens
wie verheerst du dies mein Sein,
dass ich mich zum Atmen wende
hin zu längst vergang’ner Pein.

JB 9-2013

fegefeuermaedel001

Ahorn

Ahorn

In deiner Welt,
in dieser Welt,
da weht die Einsamkeit.

In deiner Welt,
in dieser Welt,
da steht sie still, die Zeit.

Und endlich will ich diesen Raum
umfassen, fühlen, dichten.
So werd‘ ich weit, wie diese Welt
und will dich nicht mehr richten.

DSCN7527

Drachenfliegen

Drachenfliegen

Leg dich zu mir Herzenskönig.
Bring mir bei die schönen Atemzüge.
Pflanz mir Hoffnung in die Seele,
schenk mir Chaosengelsflüge.

Sieh mich an, dein Blick spricht Bände,
keine Lust ihn zu mißdeuten.
Will mein Herz nicht länger hüten,
meine Welten, dir jetzt offenbaren.

7-2013

RIMG2750