Darüber hinaus

Was Ermächtigung für mich heißt:
Ich erkämpfe mir meine Freiheit (zurück)
Ich erprobe, wie weit ich gehen kann
Ich ertaste Grenzen und überwinde sie
Teste aus
Ich gehe, so weit ich kann
Und darüber hinaus

Was Ermutigung für mich heißt:
Mein Leben zu leben
Ein Beispiel zu geben
Wie es auch laufen kann
Krisen anzusprechen
Und wie ich sie durchlebt habe
Probleme zu erläutern
Und wie ich sie gelöst habe

Was Entstigmatisierung für mich heißt:
Eine Krise schwächt Selbstwert, Körper nicht zuletzt Geist und Seele.
Das Umfeld re-agiert oft aus Angst, Unwissenheit, Sorge und auch mal aus Ignoranz.
Schuld ist die Folge für mich, Scham ist die Folge für mich, Angst ist die Folge für mich, Rückzug ist die Folge für mich:
STIGMA

Ich hole mir meine Unschuld zurück, ich hole mir meinen Mut zurück, ich hole mir meine Luft zum Atmen zurück, ich hole mir meine Neugier zurück auf die Welt, auf mein Wesen, auf meine Gefühle.
All das ist für mich wichtig, um zu gesunden.
Und das ist möglich: Gesund werden an Geist und Körper. Auch in dieser Welt.
Und dann anderen zu helfen, daran zu glauben und darauf zu hoffen, dass es wieder besser wird.

Leuchturmlicht
Was auch geschehen ist, ich will nicht im Trüben schwimmen.
Was auch passiert, ich will leben und das selbstbestimmt.
Klare Sicht auf das Heute ist mein Ziel, das Gestern und das Morgen verschwimmen im Spiel
der Gefühlsgezeiten, will darunter nicht mehr leiden und den Faden weiterspinnen, der mein Schicksal lenkt.
Eingedenk, derer die helfen, die da sind, die zuhören, die aufstehen und einstehen für sich und andere.
Ich will nicht kaputt gehen am System, ich will es entern und meine Sicht der Dinge offenbaren.
So wie wir waren, das ist geschehen, so wie wir sein werden, das wird entstehen, egal wie auch immer wir planen.
Und darum, bin ich gefahren und bin gelaufen und angekommen im Lauf der Wesen und dem Fluss der Gefühle, ich dreh mich um mich, ja, aber auch um meine Lieben.
Dieser Kreislauf wurde von mir nun achtsam aufgeschrieben.
Ein Lied für die Seele, die aufsteht und geht, wenn es nicht mehr geht, die sich hinsetzt und ausruht, wenn nichts mehr um sie steht, die wächst, wenn es regnet, die im Wald spaziert um Ruhe zu tanken, die in der Stadt umherstreift, um zu tanzen, die die Welt sieht im Ganzen.
Und warum nicht Blumen gießen, die in den Himmel schießen?
Das Ziel: Will wie ein Leuchtturm mir den Hafen weisen, glühen und flimmern und weiter leben und träumen und schreiben, für andere Zeiten.

JB-09-2018

 

Mein Dank geht auch an den Offenen Dialog Leipzig e.V.

Fotosafari – Kurzgeschichte

Die Fotosafari

Durch eine Linse betrachte ich dich, mit einem Knopfdruck mache ich mir ein Bild von dir. Dabei verlierst du weder deine Seele noch dein Leben. Du bist ein Schmetterling und sitzt auf einem Brombeerblatt. Was siehst du Schmetterling mit deinen Facettenaugen? Was kannst du erinnern? Ich komme dir so nah wie möglich, ohne dass du den Drang verspürst davon zu fliegen. Ich will dich nicht festhalten, nur den Moment. Und ich frage mich: Klammerst du dich an diese Blattoberfläche oder erscheint es mir nur so, da ich mich gerade an jemanden klammere?

Wir sind auf einen Hügel gestiegen, mein bester Freund und ich. Er fast immer einen halben Schritt vor mir die asphaltierte Straße hinauf, die sich um diesen künstlich aufgeschütteten Hügel windet. Der Hügel ist bewachsen von Eichen, Ahornbäumen und Buchen die so alt zu sein scheinen, dabei ist der Hügel erst nach dem zweiten Weltkrieg aus dem Schutt der Stadt Leipzig zusammen getragen worden. Überall ragen noch Reste von Mauerstücken aus der dunklen Erde.

Am Fuße des Hügels sind die Bäume umrankt von lianenähnlichen Schlingen. Wir fühlen uns wie im Urwald, dabei ist der Auenwald noch ein Stück entfernt, der wahre Urwald von Leipzig. Auch der Beginn unserer Freundschaft erscheint mir als ein so unglaublich weit entfernter Ort in der Vergangenheit. Es ist nun auch schon wieder 17 Jahre her. Damals in dieser Kleinstadt, in der sich ein paar Jugendliche zusammengefunden haben, die nicht auf Dreierschritt Disko standen, sondern auf die sogenannte Subkultur, die einfach nicht mit dem Strom schwimmen wollten und sich Gedanken darüber machten, warum es Grenzen geben muss und warum diese dann verteidigt werden müssen.

Als wir um den Hügel laufen, denken ich an die Geschichte der Stadt, und an die Geschichte des Landes, in dem ich zufällig geboren und aufgewachsen bin. Es erschüttert mich, denn es ist eine Geschichte aus Krieg, Feindseligkeit und Missgunst. Wie anders ist da die Beziehung gewesen, die aus unserer Freundschaft entstanden ist. Wir haben auf ein Fundament aufgebaut und das Haus geschmückt mit wilden Ranken. Aber es entstanden, wie in jeder Partnerschaft auch Missverständnisse, nicht zu erfüllende Ansprüche und oft haben wir uns auch zu sehr bei uns selbst ausgeruht.

Wir laufen weiter den Hügel hinauf um die letzte Biegung. Kommen an auf einem Plateau das mit Wiese bedeckt ist und umsäumt von einem Kranz aus Bäumen. Es gibt Sichtachsen, die die Skyline von Leipzig freigeben. Da ist das Rathaus mit seinem Turm, da ist der Weisheitszahn, der immer noch gern „Uniriese“ genannt wird. Ich halte den Augenblick fest mit meiner handlichen Digitalkamera. Die Stadt umrahmt vom frischen grünen Blattwerk. Ein Heißluftballon schwebt darüber. Auf dem Hügel flitzen Hunde über die Wiese einem Stock hinterher. Ein paar Leute sitzen auf einer Decke und genießen den Blick auf die Stadt.

So habe ich damals auch den Leipziger Süden kennengelernt. Mit seinen Altbauten und den Brachen dazwischen, den Menschen, die geschäftig und gesellig in den Straßen laufen, radeln und sitzen; die die noch vorhandenen Lücken mit Leben füllen. Damals mit ihm zusammen und glücklich bis auf ein paar Schutthaufen, die sich schon angesammelt hatten. Die Frage keimt in mir auf, warum Enttäuschungen schwerer wiegen als Liebesbeweise? Vielleicht, weil bei ersterem unfruchtbares wüstes Land zurückbleibt, das nicht mehr mit Pflanzen überwuchert wird, sondern da gerade dieser Schutt heraus schaut. Insbesondere, wenn man die Probleme nicht benennt und klein meißelt mit Aussprachen, so wie es in einer Partnerschaft doch eigentlich gut und richtig wäre. Soweit waren wir aber noch nicht und die Stadt tat ihr übriges uns einander fremd zu machen.

Der Schmetterling fliegt mir vor die Linse, erst bunt fluoreszierend mit aufgeklappten Flügeln, dann verschmilzt er mit dem dunklen Hintergrund. Unscheinbar, so habe ich mich auch immer gefühlt und ich wollte gesehen werden und ich wollte mich entwickeln, weiter gehen, war auf der Suche, immer getrieben nach dem nächsten fremden Augenpaar, der nächsten Iris in der ich mich spiegelte und die in einem Kopf ein Bild von mir festhielt. So viele interessante Lebensentwürfe, ein Versprechen von Freiheit und Selbstentfaltung lag in der Luft und ich öffnete meine Flügel, mit denen ich lange, lange Zeit zusammengeklappt auf einem Blatt mit dem Hintergrund verschmolzen war. Ich betrachtete mich durch die Augen der anderen und entdeckte mich neu. Als wenn mein Bewusstsein ein neues Zimmer gebaut hätte, vielleicht sogar ein neues Haus für mein Selbst.

Dieses Bild von dem Schmetterling, der als Raupe lebt und nie etwas anderes gekannt hat, bis er sich dann verpuppt und mit Flügeln aufwacht und ohne einen Moment zu zögern los fliegt, sich auf Blüten niederlässt, dort trinkt und weiter fliegt. So habe ich mich in der Stadt entpuppt und bin durch die Straßen geflogen, von Musik berauscht, von Menschen berauscht, von der Nacht berauscht. Ein Nachtfalter, geleitet vom Mond. Und auch die Beziehung zu meinem Freund hatte sich gewandelt. Wir sind nicht dauerhaft zusammen gezogen. Statt dessen habe ich mir eine Wohngemeinschaft gesucht, mich neu eingerichtet und mein inneres Zimmer in die äußere Welt platziert. Ich habe angefangen Gedichte zu schreiben beflügelt von einer Muse. Gefühle des Ankommens und des Abschieds begleiteten mich auf Schritt und Tritt.

Ich zeige meinem besten Freund das Foto des Schmetterlings auf dem Display und er sagt: „Wow, gut erwischt.“ Ich lache herzlich. Er schaut mich an wie er mich immer anschaut, offen und freundlich, bis auf den Zeitraum in der ich mich von ihm löste und er mir nach unserer Trennung vorwarf: „Du hast mir einen Dolch ins Herz gestoßen, ich wollte mit dir alt werden.“ Ich war damals so zerrissen, zwischen dem was war und dem was ich mir ausmalte, was mein Leben sein könnte. Ich war getrieben von dem Gedanken, dass andere mich besser verstehen, dass da jemand ist der mehr zu mir gehört. Ein Versprechen der unbekannten Zukunft schwebte im Raum. Ich war ungerecht meinem Partner gegenüber und mein Gefühl hat sich aufgemacht diese neue Räume zu entdecken, raus aus dem Schutt der Worte, die in meinem Kopf schwirrten und ihn schlecht machten und seine Vorzüge in den Dreck zogen.

„Leipzig ist passiert.“, so sage ich mir aber ist nicht eher eine Metamorphose in mir ausgelöst worden? Oder ist mein Ich einfach gewachsen durch den erweiterten Raum außen und innen, durch die Sinneseindrücke und Begegnungen, durch die neuen Möglichkeiten? Ich fotografiere, um die Erinnerungen in meinem Kopf mit der sogenannten objektiven Wirklichkeit abzugleichen. Dabei bestimme ich doch den Bildausschnitt, die Tiefenschärfe, die Helligkeit, sogar die Farbe, in der das Bild von der Kamera festgehalten wird. Dann schaue ich mir die Fotos auf meinem Computer an und erinnere mich, wie es war, sie zu machen, erinnere mich auch an den Moment und auch an was ich dabei gedacht habe, an das Gefühl, der Warmherzigkeit unter Freunden, an das Gefühl der Neugier unter mir noch fremden Leuten. Immer habe ich den Wunsch mich zu erinnern und daran zu wachsen. Wie ich auch an der Freundschaft mit diesem Menschen wachse, dem ich weh getan habe und der mir verziehen hat und jetzt Seite an Seite mit mir auf diesem Hügel aus Schutt steht und die Aussicht auf die Stadt genießt. Mit all unseren Wünschen, Vorstellungen und Träumen angereichert ist unser Bild dieses Ortes und was die Zukunft bringt ist nicht Schicksal sondern Entscheidung.

Johanna Blau 4.6.2018

 

Über die kleine Meerjungfrau

Die Geschichte der kleinen Meerjungfrau hat mich als Kind gepackt. Diese Seele, die das Gewohnte aufgibt, um sich der Liebe und dem Fremden hinzugeben. Es ist für mich nicht die Opferbereitschaft gewesen, die mich angesprochen hat – eher ihre Verwandlung und ihre Reise: Von Schwanzflosse zu schmerzenden Füßen, die sie nicht tragen wollen, in eine Welt, die ihr unbekannt ist, die sie jedoch anzieht.

Die kleine Meerjungfrau kennt die Welt über dem Meeresspiegel nur durch dass, was ihre Bewohner in der See verloren haben. Schiffswracks säumen den Meeresboden, Verlorenes wird durch das Mädchen neu entdeckt und sie reimt sich die irdische Welt vielleicht zusammen, wie wir, wenn wir ein Museum besuchen, Scherben in unserer Vorstellung zusammensetzen und die Grabbeigaben einer Priesterin bewundern.

Dann ist da ein Mensch, der von ihr gerettet und in seine Welt zurückgebracht wird. Was geht in ihr vor? Sie hat ihn gefunden und wieder verloren, weil er sonst sein Leben verloren hätte. Nun will sie ihm folgen, denn nichts ist ihr in ihrer Welt so vertraut wie sein Antlitz. Sie schließt einen Pakt mit der Seehexe, die ihr die Stimme raubt und ihr dafür den Gang an Land ermöglicht. Und dort taumelt sie nun umher, wie ein Schiff in sturmgepeitschter See. Der, den sie gerettet hat, erkennt sie nicht, wird getäuscht. Am Ende treibt sie als Meerschaum auf der Wasseroberfläche, weil sie es nicht schafft, sein Glück, ihn, zu zerstören.

Ist dies die Geschichte eines Opfertodes oder der Liebe, die am Gegenüber verzweifelt? Die Vorstellungen, die wir uns vom Geliebten machen beginnen mit Eindrücken, Gesten, Berührungen vielleicht. Erinnerungen, die im Museum unseres Geistes landen und dort bewahrt werden, bis dann der Ersehnte sich herablässt uns dort zu besuchen und alles scheint sich zu fügen. Fügung ist überhaupt eine Erscheinung in dieser Angelegenheit, die alle Mauerritzen ausfüllt, die unser benommener Geist vielleicht noch wahrnehmen könnte, in der Wand aus Ergebenheit. Wir folgen ihm oder ihr wohin auch immer und was auch immer es kosten mag. Doch die Ernüchterung folgt auf den Füßen, die über Messer laufen müssen und wir haben keine Stimme uns zu offenbaren. Die Maske ist angewachsen auf unseren Gesichtern. Und alles was uns zu ihm oder ihr geführt hat, baut sich nun als Mauer vor uns auf – als unüberwindbares Hindernis.

Ich kehre den Boden, auf dem du schreitest? So nicht! Ich bin ein Wesen, dass sich nicht beugt, ich gehe meinen Weg mit Kurven und Sackgassen – aber es ist mein Gang, mein Weg, meine Entscheidung. Ja, ich liebe dich aber, wenn du mich leiden lässt, dann wird es sein, als wäre ich nie dagewesen. Denn dienen will ich nicht, genauso wenig wie herrschen.

Gehen wir aufeinander zu ohne Masken und hören uns an, was unser Gegenüber zu sagen hat, was er fühlt, wovor er Angst hat, worüber er nachdenkt und stellen uns gleichzeitig die Frage: Wie ist das bei mir? Erkenntnis ist die Frucht, die wir pflücken werden. Über uns, über die geliebten Menschen, über die Welt. Und wenn dann Machtgefälle ausgeglichen ist und wenn wir uns in die Augen schauen können ohne Lüge im Herzen, dann ist da die Chance auf eine Partnerschaft.

JB-04-2018

DSCN3428-600

Doppelhelix

Ein Gespräch mit dir hat mindestens zwei Wirklichkeiten
Mein Blick ins Wurmloch der Gezeiten
Berührung ohne Geländer
Unsre Geister Grabenlose Länder

Verrinnendes Gelächter gemalt auf dunkle Dielen
Verinnerlichter Blick in meinem heiligsten Raum
Und wieder reimt sich das auf Traum
Wie unsere Münder da spielen.

Ein Zweifel lässt das Glück versiegen
Was, wenn du gehst, wenn ich mich selbst vertreibe
Und ewig in der Schleife hängen bleibe
Die es bedeutet einen Geist zu lieben

Ich wache auf und finde Frieden
Im Sternenhimmel wird die Liebe siegen
Nicht nur die Griechen schrieben Wandellieder
Mir weckt der Frühling meine angespannten Glieder

Und wenn ich Wasser in mich selbst verwandel
Und mit mir wie mit allen andern handel
Und mir die Stirn mit Sternenlicht bekränze
Dann wird das Dunkel vertrieben durch meine Feuertänze.

JB-04-2018

IMG_20180401_222532-600

Zapfenstreich

Viel erlebt, dem Tagebuch das zu berichten
Wen ich getroffen, für wen ich was gehegt
Viel gelebt, um morgen das zu sichten
Was sich gelegt hat und wessen Wesen weiterhin bewegt

Will immer mehr einem begegnen
Und treffe ihn auch oft, dann muss ich gehen
Die kleine Pflanze von Gefühl beregnen
Und dann ganz wie die Nymphe weitersehen

Will keinem Menschen mich mehr so versprechen
Wie ich es tat mit meinen Versen
Mein Herz kann über Wunder sprechen
Doch beim Anblick dieses einen bersten

Zum Zapfenstreich geh ich nach Haus
Und fühl mich wohl so mit mir selbst allein
Der Tag schickt seine Boten aus
Ich gehe grade, mach mich nicht mehr klein

JB-02-2018

DSCN2614-600

Tunnelblick

War so schön in Dunkelheit
Gefiel mir, war mir Eitelkeit
Nun fällt das Licht auf meine Haut
Hab wieder nur auf Sand gebaut

Seh diesen Glanz in weiter Ferne
Da wär ich gerne
Vorbei an dem was Nähe und Pein mir verhieß
Schnell raus aus dem Pansverließ

Eine Kerze find ich vor
Und ein noch verschlossenes Tor
Ich tauche eine Hand in meine Taschen
Nehm den Schlüssel will einen Blick erhaschen

Öffne das Tor und seh nur Pflicht
Kür verdorben im Sonnenlicht
Gaben der Unterwelt von denen ich nicht esse
Da ich sonst meine Scham vergesse

Zurück am fremden Ort
Allein im Krähenhort
Ein Spiel lenkt die Augen
Töne die Angst rauben

Ein Seil gespannt durch den Raum
Ich geh darauf wie im Traum
Vertrau mir: Was ich sagen möchte
Der Berg sieht im Propheten auch das Schlechte

Die Nacht beglänzt von Sternen ist mein Haus
Der Tag von Sonne erwärmt ist meine Flucht
Wenn Augenblicke werden wie eine Sucht
Dann wird das Spiel zum Graus

Nun tanze ich den Spott aus meinen Sachen
Und singe meine Worte mit Bedacht
Was wir am Tage miteinander machen
Bleibt dunkel, was gefühlt wird zeigt die Nacht

JB-01-2018

Tand und Tempel

Farbband ohne Sinn am Firmament
Eine Spur, die Hitze in den Himmel brennt
Ein Feuer, das mich nicht wärmt
Ein Käfer, der nur andere umschwärmt

Ein Lächeln ist alles, was Du verschenken willst
Wie Du meinen Hunger niemals stillst
Fühle mein Fühlen jetzt erkalten
Kann nicht mal mehr Deine Güte im Gedächtnis halten

Mein Zugewinn, ich gehe and’re Wege
Bau mir am Wasser neue Stege
Und fische Menschen mit meinem Herzen
Brenne oft noch an die alten Kerzen

Sandburgen hab ich oft schon mit gebaut
Sah mich doch nie als eine Braut
Keine Flucht ohne Fänger, doch das macht
mich nicht zur Jägerin in der langen Nacht

Ich träumte Liebe in Dein Herz
Ich schrieb mich ein in Deine Augen
Hab mich geirrt und all der Schmerz
Schmeckt lange nach wie bitt’re Trauben

Ein bares Gut, wie wir die Liebe suchen
Uns töricht übers Gras erheben
Und dann zusammen Flüge buchen
Die Sonne sinkt vor uns wie unser Leben

Dann wieder neu und wieder gleich
In Dunkel getaucht und doch so leicht
Im Flimmerglitterliebesland
Ist Liebe Tand.

Zu viel: Ich tauchte ab und fand
In meinen langen Träumen
Ein grenzenloses Land
Wo Blumen kurvige Wege säumen

Tempelberg auf einem Hügel
Nichts wird dort geopfert
Und ewig floss der Strom Gefühl
Wo mein Ruf wird oft erhört

Will dieses Land nun ehren und entsagen
Der Macht, die mich in diesem Nebel irreleitet
Das Leben einer Nonne will ich planen
Und hoffen, das der Traum auch andere begleitet

Erwachen will ich und Geträumtes finden
In meiner Zeit an diesem Ort
Mich mit den Seelen anderer verbinden
Kommt Zeit, kommt Tat. Bis dahin halt ich Wort.

JB-01-2018