Auf dem Holzweg

Warum muss ich ans Atmen denken?
So viele, die Mühe damit haben.
Menschen, die ihr Herz ungünstig verschenken,
Menschen, die am Hungertuche nagen.

Das Leben, wie es versucht, mit Einsamkeit mein Selbst zu stehlen.
Ungesagtes hallt in meinem Schädel wider.
Die Schatten an der Wand soll ich als Freunde mir erwählen.
Mein Kopf singt mir die schönsten Weihnachtslieder.

Das Leben meiner Lieben ist mir teuer.
Ich spüre einen Stich, wenn ich sie weinen höre.
Mein Herz, es atmet Eis wie Feuer.
Mein Magen, wenn ich mich am Festessen störe.

Dann weiß ich plötzlich, was ich schreiben will.
Den Augenblick, möchte ich zur Lehre ziehen.
Für meine Seele ist es fast zu viel.
Würd‘ gern in traumlosen Schlaf entfliehen.

Die Worte hab‘ ich lang gemieden.
Ein Leiden hier, das wieder Worte schafft.
Und Punkte geben Halt dem Sätze schmieden.
Drehstuhl und Schreibtisch bedeuten nicht mehr Haft.

Ein Ende will ich keinem Leben schreiben.
Solch Närrin, welche hofft und bangt.
Will ewig am Gedichte sitzen bleiben,
Denn viele sind schon irgendwie erkrankt.

Kein Witz, kein Lachen und kein Segensspruch.
So gehe ich zu Bett, allein mit meinem Denken.
Die Welt lädt auf die Menschheit manchen Fluch.
Will sich wohl vom Holzweg in die Freiheit lenken.

Sind wir uns selbst die besten Henker?
Auch wenn das widersprüchlich scheint,
Spion und Angst verbrüdern sich in jeder Schänke.
Und irgendwo dann wieder eine Witwe weint.

Das Gift auf unsren Feldern frisst uns auf.
Der Honig fließt schon bald nicht mehr.
Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Als wenn es eine Gott gesandte Plage wär‘.

Wir schreiben Zukunft und gestalten Morgen.
Wir schieben auf und handeln wie ein Kind.
Ob Lügen, Täuschung oder braune Horden,
Ein Narr spielt mit dem Leben und das blind.

Was bleibt ist Zeugnis abzulegen und zu mahnen,
Wie es die Alten tun und meine Tränen lenken.
Ich schwöre ab dem Hass und all den Fahnen.
Der Zukunft werde ich meine Achtung schenken.

JB-12-2017

Gedankenflug

Gewichte am Bein
Ich gehe Langsamkeit
Schlingen um mein Herz
Ich fühle Zaudern
Waage im Kopf
Ich denke in Labyrinthen

Ich bleibe stehen
Über mir die Sterne reisen
Mein Herz pumpt Leben
Sprengt die Enge
Und in mir Wärme
Fließt in meine Glieder
Meine Gedanken fliegen wieder
JB-12-2017

Reisende 2

Der Schein der Kerze trügt
Mein Herz hat sich bewegt
Es wächst von Zeit zu Zeit
Öffnet sich, wenn die Seelen zu mir sprechen
Eines Menschen, eines Tieres, einer Pflanze
Dieser Weg auf der Weltenschneide
Geschmiedet in meine Gene
Wir alle wie wir hören und sehen
Träumen und denken
Fühlen und erleben
Sind doch Wahrnehmung
Gespielte Wesen
Gespiegelte Welt
Andacht durch Verhinderung
Ein Spiel am Tisch des Schicksals
Die Welt ist flach gedacht
Doch wir sind viele
Die träumen von Wurmlöchern
Und Freunden da draußen

JB-12-2017

Systemfehler

 

Fehler im System
Ich schreie nicht mehr
Ich schreibe stattdessen
System mit Fehler
Ich weine nicht mehr
Ich lache stattdessen
Mitte ohne Wissen
Ich weiß nicht mehr
Ich bin stattdessen
Wissen ohne Mitte
Ich glaube nicht mehr
Ich weiß stattdessen
Traum ohne Bedeutung
Ich träume nicht mehr
Ich deute stattdessen
Trauma mit Bedeutung
Ich handle nach Maß
Weil ich sonst fühlen müsste

JB-12-2017

Zombie-Träume

Zombie-Träume

Ich träume oft Zombie-Träume. Die Bedeutung finde ich in keinem Traumlexikon, da gibt es Geister und andere Monster aber nicht konkret Zombies. Freud kannte Romero halt leider nicht.

Ob nun mein seelischer Schatten mich überragt oder ich einfach viel zu viele Horrorfilme gesehen habe; ich habe eine Erklärung für diese Omnipräsenz von Geistlosen Hirnfressern in meinen Träumen.

Zombies sind die Monster, die mich am meisten schrecken und somit meinem Unbewussten wohl am erfolgversprechendsten vorkommen, wenn es darum geht mich aufzurütteln aus alltäglichem Verhalten und eingefahrenen Mustern.

Zombies fressen Gehirne und das Schlimmste, was mir angetan werden kann, ist mir meinen Verstand zu rauben – also eben mein Hirn zu fressen.

Nun schafft mein Kopf am liebsten – meine Lieblingsbeschäftigung ist das Schreiben. Wenn ich darüber schreibe, wie ich Angst habe den Verstand zu verlieren, dann ist das verzwickt, denn ein bisschen muss ich den Verstand verlieren, um schreiben zu können. Ist doch Inspiration der Zugang zum Unbewussten. Und sind nicht Gefühle und Erfahrungen unter der Vernunft begraben, bis sie dann doch nachts erwachen, die Hände durch viel Erdreich in die Luft strecken auf dem neblig-trübem Friedhof meiner Erinnerungen?

Wenn ich sage, ich will nicht den Verstand verlieren meine ich vor allem: Ich will die Kontrolle über meine Gedanken nicht verlieren. Ich will nicht zu einem geistlosen Hirnfresser werden, der andere geistlosen Hirnfresser produziert. Ich will also nicht trieb- oder anderweitig gesteuert, gedankenlos und seelenlos vor mich hin leben. Ich will nicht vernichten, sondern schaffen. Das tue ich im Traum mit eben diesen untoten Vorzeichen des Alltagstrotts. Und wenn ich dann aufwache, tue ich dass indem ich den Traum aufschreibe, indem ich mich wieder mehr meinen Lieblingsbeschäftigungen zuwende und mich so ver-wirkliche. Ich bin kein Monster. Ich bin ein kreativer Mensch.

Die Zombies in meinen Träumen sind oftmals nur Randfiguren. Sie scheinen (noch) nicht sonderlich bedrohlich. Sie bringen mich aber dazu, Hürden zu überwinden, mich zu trauen, was ich mich sonst nicht traue, nämlich Türen zu öffnen, die sonst verschlossen geblieben wären: Auszubrechen aus dem Alltag, mich hinzusetzen und über Zombie-Träume zu schreiben. Dafür meinen Dank an mein Gehirn.

JB-11-2017

Begegnungen 2

Begegnungen 2

Ein Kreis wird zur Kugel und umkreist einen Feuerball. Bewegt sich jede Sekunde durchs All. Trotz dessen ich auf dieser Kugel wohne, immer in Bewegung: Ich sehne mich nach Ruhe. Bin so träge wie der Klotz, der im Physikunterricht vom Modellauto fällt, das plötzlich bewegt wird. Kurz bevor das Universum wieder implodiert werde ich diese Ruhe finden, wie auch immer meine Moleküle dann organisiert sind. Bis dahin heißt es weiter bewegt werden.

Vom gleißend schwarzem All zum Alltag. „Wir sind alle Sternenstaub.“, so heißt es. Und auch Sternenstaub steht morgens auf und geht zur Arbeit. Dabei passieren kleine Abenteuer. Ich begegne alten Feinden und neuen Verbündeten. Aus mir mache ich ein Alien, das die Welt mit dem sechsten Sinn er-spürt und ich er-trage Blicke, die durch mich hindurch gehen hin zur nächsten Ampel, zum nächsten Geschäft. Als wäre ich kein Ich, als wäre da kein Selbst.

Sternenstaub wir alle. Und daraus eine Geschichte. Ich begegne Menschen wie eine Außerirdische. Ich habe jeden Moment Angst etwas Komisches zu sagen oder etwas „falsch zu machen“. Ich blicke hinunter auf den Bordstein neben die Person zu ihrem vierbeinigen Begleiter und endlich darf ich lächeln.

JB-11-2017

Traumsegen

Traumsegen

Tänzerischer Geist,
der mich im Nu erreicht.
Mir die Namen meiner Liebsten ins Herz schreibt.
Den Wundern meine Richtung zeigt.

Und hier nun ein Zauberwort:
„Finde deinen Traumsegensort.
Dem eine Macht innewohnt.
Wo die pure Freude thront.“

Träumerisches Ganzes,
Heilt während des Tanzes.
Wunden befreit,
Brot geteilt.

Segen für das Nah und Fern.
Ich denke ohne Grenzen und das gern.
Ich lerne dies neue Fach.
Ich handle dem Spüren nach.

Wechsle zwischen Tag und Nacht,
Bin Zeugin der letzten Schlacht.
Geh mutig vor die Tür.
Ich danke dem Leben dafür.

Zauber wohnt den Worten inne.
Erfahrung, die ich täglich gewinne.
Vollkommen steht nichts geschrieben.
Sätze in den Fels getrieben:

„Verlange alles von der Welt,
Doch achte das von dir bestellte Feld.
Gewinne Freunde, nicht den Sieg,
Sei sanft und ehre, was dir lieb.

Der Wandel ist alltäglich,
Das Festhalten kläglich.
Die Wünsche wachsen dir im Traum.
Ihre Frucht reift nicht am Baum.“

JB-11-2017