Mond

Ein Lächeln, steht für sich. 
Ich bin nicht gemeint, 
Fühle meinen Herzschlag moll-betont.

Wer wohl dieses Lächeln von dir abverlangt, 
Es nicht sieht 
Und doch so in deinem Herzen thront?
Ich nun, vergesse diesen angstvoll runden Mond, 
Der sonst meine Flüchten vor Gefühl bescheint.

Dich jetzt aufzuschrecken, 
Das wage ich noch nicht. 
Will auch nicht wieder durch fernes Schwärmen, 
Träume unbefruchtet züchten.

Ich kann nicht von Liebe sprechen, 
Denn wir haben noch nicht viel gesprochen. 
Das ändern will ich liebend gern. 

JB 2022

Zu Nah

Belanglos fließt die Zeit in tausend Muster.
Wer verlangt von mir, dass ich meinen Brustkorb öffne?
Gore und Liebe in Triebe geflossen, die für sich alleine gehen.
Kramt in der Mottenkiste, der Verflossenen, um sich selbst zu sehen.
Verlangen und Sehnsucht jagen sich.
Wir waren dabei, die Regeln zu schreiben, für ein Spiel, welches wir zusammen spielen wollten.
Doch wie immer kommt die Welt dazwischen, das Timing ist beschissen und der Spieß dreht sich um über dem Magma von Herzensangelegenheiten, mit Apfel im Mund dreh ich mich um mich selbst und lass mich braten.
Wilde Gärten rufen, die Saat ist bereitet, erholt sich vom Dauerregen, geht auf und wirft Saat ab, die in der Dürre wartet.

Johanna Blau 4*2023

Korona

Die Zeit, wenn sich der Mond aufbauscht, mit silbriger Korona.
Die Worte, aus deinem Mund zusammen mit dem Rauch, der kürzlichen Begegnung.
Erscheinen und scheinen mich zu wecken, aus langem tiefen Schlummer.
Der Kummer klebt an der Decke über den geraden Balken, nicht mehr relevant.

Wie viele Sorgenfalten, könnten noch verschwinden?
Inmitten der Dunklen Stunde, fühle ich mich verbunden.
Aus dem Rahmen gefallen, die Metapher, der sonnigen Seele.
Und schon sind alle Gedanken mit Rotem Blut beschmiert.

Verlangen nach einem Menschen, der mich sieht und spürt und will.
So einfach, so kompliziert.
Das Laken der Zweifel übergestülpt. Schlendere ich für mich zurück ins Bett.
Am Morgen ist alles wieder grau, es ist März jetzt. 

Das Leben, das Wetter, die Aussichten vergoren.
Das Licht verschluckt, das Hoffen schmerzt.
 Verkramt, mein Lächeln, aber nicht verloren. 

Johanna Blau, März 2023

Über tief wurzelnde Ideen

Wenn ich ganz bei mir bin, tauche ich ab und vergesse Erdbeben und Krieg, schreibe über Zwischenräume und erschrecke dann, da ich denke, ich könnte von anderen als ignorant wahrgenommen werden. Dabei ist das „Vergessen“ eher umformen. Es ist meine Art mit dem alltäglichen Wahnsinn umzugehen, der uns alle umfließt.

Wenn ich ganz bei mir bin, zeichne ich Zähne und Augen von unzähligen Tieren. Zeichne, als wäre ich alleine auf der Welt und dann lade ich ein Foto davon hoch und hoffe auf Reaktionen. Vielleicht in Form von Likes, vielleicht aber auch einfach in Form eines Gesprächs über die Unmöglichkeit sich abzugrenzen, auch wenn es wirklich nötig wäre. Überall sind da Spitzen, die die Dicke Haut durchstechen und Augen, die durch die Milchglas-Fassade schauen können.

Ist diese Art kreativ zu arbeiten notwendig; so tun, als wäre alles für mich, um es dann doch zu teilen mit mir fremden Menschen?

Es gibt diese Hoffnung im kreativen Schaffensprozess, dass es einen Unterschied machen könnte, für wenigstens eine Person. Dass es Freude bringen könnte, oder Hoffnung oder die erleichternde Tränen, darüber, dass es noch jemanden gibt, der so denkt, fühlt, handelt wie ich selbst.

Was mich angeht; ich bin nicht kompromisslos, ich bin nicht mutig und ich bin nicht schonungslos offen. In dem von mir gesetzten Rahmen bin ich ehrlich und ich selbst. Aber nicht alles, was mir durch den Kopf geistert, werde ich so bald in Texte oder Bilder gießen. Das wann und wie behalte ich mir vor. Gerade, wenn es noch Gespinste sind, die durch das Formen in sich zusammenfallen würden, klebrigen Matsch hinterlassend, wäre es schade um die Idee. Ich muss warten, bis sich das Gerüst festigt, erst dann kann ich die Gedanken weiterentwickeln.

Das, was ich veröffentliche, das habe ich eine Zeit lang hin und her bewegt in meinem Geiste. Das habe ich umwandert, wie einen Marmorblock, in dem etwas schlummert, das ich erst erkennen muss. Und wenn ich anfange, es herauszumeißeln mit Worten oder mit Linien, dann ist da immer noch viel Intuition und Versuchen, aber es ist dann eine Geschichte, die erzählt werden möchte.

Eine Geschichte, die ich selbst nie erlebt habe, vielleicht. Eine Geschichte, die mir erzählt wurde, eine Geschichte von der Liebe, vom Leben, vom Sterben. Alles in allem eine Geschichte, die schon oft erzählt wurde, aber der ich eine Nuance hinzufüge, persönlich und entschlossen. Die Lesenden werden wiederum, etwas damit anfangen können oder auch nicht.

Mir ist es wichtig mich abzuschotten im Prozess des Entstehens, mich verletzlich zu machen, durchlässig. So zu werden, wie ich nie einen Einkauf oder eine Tramfahrt heil überstehen würde. So zu werden, dass es fließt, dass etwas werden kann. Das Wissen, dass ich dieses Etwas teilen kann mit anderen Menschen, dass sie es aufnehmen und vielleicht umwandeln oder auch vergessen, bereichert mein Schreiben. In diesem Raum bin ich nicht allein, es gibt da ein Du, auf das ich mich hinbewege.

Ein Bild: Ein Baum, jede Wurzelfaser: eine Idee. Darüber der Stamm aus allen Kunstwerken, die je geschaffen wurden und noch geschaffen werden. Darüber, die Krone aus Ästen und Zweigen: aus unzähligen Gedanken und unseren daraus folgenden Taten.

Johanna Blau, 21.02.2023

Treppenhaus der HGB 2023 zum Rundgang, purpurner durchsichtiger Stoff hängt in der Mitte von der oberen Treppe

Poetin

Was nützt es, wenn ich Sinn verdichte?
So Zwischenräume sanft vernichte;
Sich mir die Wahrheit offenbart:
Dass auch die Lücke, Wissen wahrt.
Johanna Blau

A new kind of kind

Stuttering through the mud of words
The shining people that listen anyway
I am about to rave through the pieces left of civic engagement
Dancing like I don’t care, but I do

About you, about everything
But how in this world of slumber
Can I not be another number
How can I set free my force

How not to make things worse
In this place, where mountains fade
There is no way to debate
This smile is an invitation 

For luck, for love, for levitation
Heaven sent or raised by hell
Here on earth is where I shall make my peace 
Here is where ends meet so well

Johanna Blau 31.12.2022

Ameise

Die Hoffnung ist verschütt gegangen unter der Angst und der Unsicherheit, so dass ich nicht fähig bin sie zu befreien. Ich sitze neben diesem Trümmerhaufen und warte. Ich warte darauf, dass ES besser wird. Ich warte darauf, dass ich wieder etwas empfinde. In diesem Zustand zu schreiben ist nicht leicht. Der Innere Kritiker sitzt neben mir, zeigt auf den Haufen und flüstert mir ins Ohr: Das bist du! Ich kann nicht widersprechen, ich habe keine Gegenargumente. Jedoch fühle ich Tränen in mir aufsteigen. Ich fühle. Ich fühle, das bin nicht ich, ich bin nicht Zweifel geboren aus Unsicherheit, ich bin nicht Ungewissheit geboren aus Angst. An einem Tag wie heute, nehme ich den Haufen, packe ihn in einen großen Rucksack und mache mich auf den Weg.

Es fällt mir schwer vorwärtszukommen. Ich müsste eine Ameise sein, bedenkt mensch, welche Last ich schultere. Und was tue ich? Ich schreibe und ich bin. Um mich abzugrenzen von meiner Angst, meiner Unsicherheit schreibe ich. Diesen Rucksack werde ich an einem guten Tag absetzen, ihn öffnen und hineinschauen. Ich werde die Angst betrachten, die mich lähmt und mit ihr sprechen, wie mit dem kleinen Kind, welches ich einmal war. Ich werde die Unsicherheit betrachten, und sie fest umarmen. Das alles wird nicht morgen geschehen, aber vielleicht schon bald, dann werde ich Angst und Unsicherheit auf den Weg schicken. Sie werden noch eine Weile neben mir laufen. An einer Biegung des Weges werden wir uns verabschieden, an einer anderen Gabelung sicher wiedersehen.

Und die Hoffnung? Wie in Pandora’s Box sitzt sie ganz unten eingequetscht und bekommt kaum Luft. Ich hole sie heraus aus und werde geblendet. Der Stern in meiner Hand strahlt Wärme und Zuversicht aus. Ich werfe die Hoffnung in die Höhe. Sie setzt sich ans Himmelszelt und strahlt da nicht nur für mich. Sie strahlt für alle, die sie sehen gerade sehen müssen.

Johanna Blau

Ein Einzelner Schmetterlingsflügel schwimmt im Wasser. Er wirft einen Schatten auf den schlammigen Boden. Unten steht in weißer Schrift, mit grauem Schatten: Johanna Blau: Ameise. Die Schriftart in der der Text geschrieben ist, nennt sich Elephant.