Bausatz fürs Wohlbefinden

Im Sternenzelt wie ausgekühlt,
So sitz‘ ich hier,
Um den Kopf ganz zerwühlt,
Die Erde taumelt im All.
Gletscherschmelze mitgefühlt.

Im Viertel wird geschaut.
Im Haus wird geschlichen.
Im Traum werden riesige Welten erbaut.
Die Wolken sind bald bunt bestrichen,
Die Ungerechten ihres Goldtopfes beraubt.

Verzweiflung fühlt sich anders an,
Privileg erkannt und ins Äußere gehebelt.
Das Leben, wie ich es neu erfinden kann.
Den Regenbogen-Bausatz schon bestellt.
Wozu brauch ich da noch einen Mann?

Vor Müssen und Sollen will ich mich verstecken,
Vor Gram und Mühsal mein Haupt noch bedecken.
All die Leute, die mir ungekannt die Hand entgegenstrecken.
Wer will da nicht die Zuversicht in anderen Seelen wecken?
Will mich und andere Neu entdecken.

Das soll so sein: Verschenken und verdichten
Und geben will ich, um zu schlichten.
Mich selbst aufgeben mitnichten.
Wie die Vögel ihr Nest einrichten,
So kleide ich mein Leben in Geschichten.

JB-01-2019

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Stimmenmeer

Hab so oft erlebt,
wie Menschen in mein Leben treten.
Die Stimme, mit der sie mit mir reden,
Vergesse ich nie,
Ich fange sie ein mit meinen Ohren.

Weiß lang schon nicht mehr den Sinn der Dialoge,
Schwimme jedoch in Gedanken in vertrautem Stimmenklang herum,
Schöpfe aus Gesagtem neuen Sinn, erhalte dadurch wagen Schwung.
Mit viel Vergnügen schaff ich Stimm-Kaleiloskope.

Vertreib mir die Zeit, und kombiniere Möglichkeiten .
Werde nie satt von den erdachten Wahrheiten.
Vergesse vor lauter Fantasie fast auch die Wirklichkeit.
Und Leute sagen, sie ist still so lange Zeit.

Dabei ist in meinem Kopf ein Stimmenmeer.
Gaukelt mir vor, das alles, was ich will, auch wahr wär‘.
Verspricht mir Gutes, veräußert meine Geselligkeit,
Verlangt so oft meine volle Aufmerksamkeit.

Doch dann ein Lächeln und ein tiefer Blick.
Mensch holt mich in den Raum zurück, in dem ich sitze.
Macht vielleicht über Träumerei so manche Witze.
Ich lache mit und steh mit beiden Füßen wieder in der Alltagspfütze.

JB-1-2019

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Hinter Türen

Hinter den Türen lauern Monster.
Und ihr ruft mich Schwach, weil ich sie sehe,
wie ich langsam untergehe:
In dieser Welt, die doch ihr geschaffen habt,
In der ihr alles Ergriffene so hasst.

Hinter den Türen lauern die Monster,
Mit bitterem Grinsen in ihren Fratzen.
Bringen Träume wie Blasen zum Platzen
Und bitten mich um ihr Verschwinden.
Will sie an diese Worte Binden.

Hinter den Fenstern lauern Schatten,
Die mich umnachten mit ihren Blicken,
Die mir grausame Nachtmahre schicken.
Fühl mich verbannt aus den Herzen der Leute.
Beweg mich natürlich, werd so nicht ihre Beute.

Hinter den Türen lauern viele Monster.
Ich öffne jede einzelne, wieder und wieder.
Strecke danach die verkrümmten Glieder.
Befreie mich von all den Schrecken,
Die sich nach meiner Angst die Münder lecken.

Hinter den Fenstern lauern Schatten,
Ich tanze trotz allem für mich im Kreise,
Singe „Paranoid“ auf lauteste Art und Weise
Fühl mich auf der Lebensbühne,
Wo ich für meine Gedanken schulde und sühne.

Hinter meinen Türen lauern Monster.
Du lachst sie an und sie verblassen.
Dein Dasein lässt zahm werden all die Massen,
Die sich im Unterholz meines Gewissens schadlos tun.
Sonst niemals vor meinem Scheitern ruhen.

Hinter allen Türen lauern Monster.
Das Licht in ihren Augen leuchtet Leben.
Ich will ihnen nur so viele Nächte geben,
Wie ich brauche, den Schleier zu heben:

Zwischen Innen und Außen,
Zwischen Leben und Hausen,
Zwischen Sarg und Liege,
Zwischen Furcht und Liebe.
Um täglich im Alltäglichen zu schweben.

JB-12-2018

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Zerrung – Heilung

Zerrung (JB-11-2018 unten wie oben)

Verwachsen mit einem Baum,
Die Schnur, die uns trennte
Inhaltlich unschlagbare Offenbarung
Ein Eid, denn die Haltung verrät dich
Rettungsring überall vergebens

Ulmen verschaffen mir einen Vorsprung
Bin in Gnade gefallen
Überhang alter Weisheiten
Seeungeheuer postet ihr bestes Selfie
Social Nessie

Gratspaziergang im All
10000 Würfelaugen
Allein mit Mikroben
Pustekuchen aufgegessen
Es treibt mich nach oben

Heilung (JB-11-2018 oben wie unten)

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Oceans of void

Back in space
My head fell out of clouds
Body senseless
Gravity still works

Case and Soul
What the time stole
Want to be whole
Tension and coal
Yet Diamonds

My heart, My guts, My brain
Eaten by emotion
Where is reason
Thought works as an unpleasent ocean

Hang in there
John Grant is singing
The Circle of species
talks like endless ringing

In my head, In my soul, In my intuition
This reason stays to be true
All this because of you
Exist in the city I live in

JB-11-2018

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Narrenjahre

Dieses Zeitgefühl
Ein Schicksalsspiel
Ich tanze zu Unmöglichkeiten
Im Hunger der Gezeiten

Mahnmal vor Millionen
Will mich selbst schonen
Stolpere in ein Dilemma
Entscheidungen noch unklar

Ein Wort, das den Boden zerbricht
Stehe in meiner Pflicht
Mein Selbst nicht preiszugeben
Mir öfter zu vergeben

Erwartungen und Träume
Pflanze wieder Bäume
Aus Nussschalen baue ich Boote
Mit denen ich Tiefe auslote

Ich bin eine Frau, die fühlt
In der fruchtbaren Erde wühlt
Verschlossene Wut entfesselt
Wir haben uns so oft verzettelt

Das umso größer Alles scheint
Die Kraft, die uns eint
Ist Einfühlung und Akzeptanz
So sehen wir uns ganz

Das Heldentum ist abgewählt
Die Tage der Herrschaft sind gezählt
Da wird Turm zur Brücke verbaut
Neu wer lieben Augen traut

Traum wird Wahrheit
Mit offener Augen Klarheit
Begegne ich einem Wesen
Will in ihm lesen

JB-10-2018

Darüber hinaus

Was Ermächtigung für mich heißt:
Ich erkämpfe mir meine Freiheit (zurück)
Ich erprobe, wie weit ich gehen kann
Ich ertaste Grenzen und überwinde sie
Teste aus
Ich gehe, so weit ich kann
Und darüber hinaus

Was Ermutigung für mich heißt:
Mein Leben zu leben
Ein Beispiel zu geben
Wie es auch laufen kann
Krisen anzusprechen
Und wie ich sie durchlebt habe
Probleme zu erläutern
Und wie ich sie gelöst habe

Was Entstigmatisierung für mich heißt:
Eine Krise schwächt Selbstwert, Körper nicht zuletzt Geist und Seele.
Das Umfeld re-agiert oft aus Angst, Unwissenheit, Sorge und auch mal aus Ignoranz.
Schuld ist die Folge für mich, Scham ist die Folge für mich, Angst ist die Folge für mich, Rückzug ist die Folge für mich:
STIGMA

Ich hole mir meine Unschuld zurück, ich hole mir meinen Mut zurück, ich hole mir meine Luft zum Atmen zurück, ich hole mir meine Neugier zurück auf die Welt, auf mein Wesen, auf meine Gefühle.
All das ist für mich wichtig, um zu gesunden.
Und das ist möglich: Gesund werden an Geist und Körper. Auch in dieser Welt.
Und dann anderen zu helfen, daran zu glauben und darauf zu hoffen, dass es wieder besser wird.

Leuchturmlicht
Was auch geschehen ist, ich will nicht im Trüben schwimmen.
Was auch passiert, ich will leben und das selbstbestimmt.
Klare Sicht auf das Heute ist mein Ziel, das Gestern und das Morgen verschwimmen im Spiel
der Gefühlsgezeiten, will darunter nicht mehr leiden und den Faden weiterspinnen, der mein Schicksal lenkt.
Eingedenk, derer die helfen, die da sind, die zuhören, die aufstehen und einstehen für sich und andere.
Ich will nicht kaputt gehen am System, ich will es entern und meine Sicht der Dinge offenbaren.
So wie wir waren, das ist geschehen, so wie wir sein werden, das wird entstehen, egal wie auch immer wir planen.
Und darum, bin ich gefahren und bin gelaufen und angekommen im Lauf der Wesen und dem Fluss der Gefühle, ich dreh mich um mich, ja, aber auch um meine Lieben.
Dieser Kreislauf wurde von mir nun achtsam aufgeschrieben.
Ein Lied für die Seele, die aufsteht und geht, wenn es nicht mehr geht, die sich hinsetzt und ausruht, wenn nichts mehr um sie steht, die wächst, wenn es regnet, die im Wald spaziert um Ruhe zu tanken, die in der Stadt umherstreift, um zu tanzen, die die Welt sieht im Ganzen.
Und warum nicht Blumen gießen, die in den Himmel schießen?
Das Ziel: Will wie ein Leuchtturm mir den Hafen weisen, glühen und flimmern und weiter leben und träumen und schreiben, für andere Zeiten.

JB-09-2018

 

Mein Dank geht auch an den Offenen Dialog Leipzig e.V.