In den Wellen, ein Kopf, sie schaut mich an. Ich bin verkopft in dieser Welt, in meiner Welt.
Im Meer eine Welt, sie schäumt mich an, ich bin betropft, der Wind trägt die Wellen in mein Herz, die salzige Welt in meine Tränen.
Aufs Geratewohl geh ich am Strand entlang, spüre wie es an mir reißt, der Sturm mich beißt, ein Stück von mir mit sich reißt, hinaus in die Wogen.
Traum-segelnd gerate ich in mein Gleichgewicht. Weiche jedem Strudel aus, jedem Hai, suche die Augen, die mein Leuchtturm sein könnten.
Verbunden mit meinem Körper durch einen dünnen Faden schick ich meine Seele aus, den Hafen zu finden, an dem meine Hoffnung immer schon glückstrunken ankommen wollte.
Die Härte der Wogen schlägt um sich in meinem Gesicht, das Salz des Meeres atme ich aus und ein, um heilsame Tränen zu weinen.
Doch bin ich hier und atme, und schau dem Himmel zu beim Wachsen, will weiter atmen und auch die Flügel ausbreiten. Den Himmel besuchen, der die Erde sein könnte.
Gerade, wenn wir im Meer des Hasses zu versinken drohen. Die Worte, können sie helfen zu verbinden, zu heilen?
Der Traum vom Frieden, muss kein Traum mehr sein. Das ist die Wahrheit und die steht nun geschrieben. Lasst sie uns im 3D-Drucker fassbar werden lassen. Lasst ab vom Ablasshandel. Lasst die Möwen träumen, lasst die Menschen träumen und leben und atmen, an der Küste, wie in der Wüste, im Wald, wie im Gebirge. Wenn Gletscher Brücken bauen können, wer will es denn den Menschen verwehren?
Das Wasser in meinem Herzen kocht und darauf steht der Kessel des Schicksals. Meine Träume leiten mich an Abgründen vorbei hin zu Liebe und Auferstehung. Lass mich dieses Lied für dich singen, bevor es zu Ende geht. Bitte.
Johanna nion Blau, 16.01.2026
Kategorie: Song
Run Girl Run
You know what I’ve been through
You’ve been through it yourself
Run Girl Run
Put your heart on a shelf
‘Till it is safe to feel again
‘Till you are seen and loved
By yourself and someone else
It is possible, it is a craft
He did never learn
So Run Girl Run
You don’t have to earn:
Love, Attention, Trust or Truth
This is a dead end
U-turn and start again
Run girl Run
Till a bright eye meets you on the way
Wishes you the best
And loves you all the same
Johanna nion Blau, 20.08.2025
„Nie wieder“ ist jetzt
Ein Auto fährt unter meinem Fenster vorbei, daraus ertönt: „Fuck you I won‘t do what you tell me!“ Der Song heißt „Killing in the Name“, die Band, die ihn in den 1990ern geschrieben hat und damit aufgetreten ist, heißt: Rage Against The Machine. Gerade befinde ich mich in einem Zustand, der schwer zu fassen ist; kurz vor der Resignation, kämpferisch auf meine Art noch und mit weitestgehend klarem Verstand, versuche ich die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, die auf unsere Gesellschaft und Umwelt gerade einwirken. Ich schaue mir Dokumentationen an, scrolle durch Instagram und lerne investigative bürgerjournalistische Kooperativen wie Bellingcat kennen. Dann sehe ich erschütternde Videos von Menschen in den USA, die um die Einhaltung der Menschenrechte in ihrem Land bitten und Leute weltweit darauf aufmerksam machen, was in den USA gerade abläuft. Eine heldenhafte Person stellt sich der ICE entgegen mit ihrem Smartphone und hat Erfolg. Andere weinen in ihren Autos und machen auf katastrophale Entscheidungen der US-Regierung aufmerksam, die sie meist selbst in großen Ausmaßen betreffen. Mich bewegt die Unmittelbarkeit dieser Nachrichten von betroffenen Menschen, die zeigen, wie einer der mächtigsten Staaten der Welt vor den Augen der Welt in eine faschistische Gesellschaftsordnung umgewandelt wird. Und alle schauen zu?
Gestern bei einem Konzert in Connewitz, waren nur wenige Leute im Publikum. Doch die Band „War/Plague“ hat mich trotzdem oder gerade deswegen mitgerissen. Die Angst und Wut, die Sorgen und Hoffnungen, welche ich hege wegen aktueller politscher Entwicklungen weltweit, das alles kam hoch, da die Band es mit ihren Songs geschafft hat, das alles in mir zu aktivieren nach und nach. Es war eine kathartische Reise innerhalb einer halben Stunde. Ich musste an die USA denken. Die Band selbst kommt aus Minneapolis. Wie lange haben Menschen wie sie davor gewarnt, was jetzt wahr geworden ist und noch wahr werden könnte?
Schon lange nagte der Kapitalismus in der patriarchalen Ordnung, in der wir alle organisiert sind, an den Menschenrechten, an der Gewaltenteilung des Staates und am Schutz unserer natürlichen Ressourcen und schon lange wurde von einigen wenigen reichen und mächtigen Menschen versucht, die Menschheit zu spalten und die Deutungshoheit über die Wahrheit zu erlangen. Ich sage von mir nicht, dass ich das alles durchschaue oder alle Antworten habe. Ich schreibe aus dem Impuls heraus, meine Gedanken zu sortieren und für mich klar zu bekommen, was hier gerade passiert. Und ich komme zu dem Schluss, wie viele andere antifaschistisch denkende Menschen: „Nie wieder“ ist jetzt!.
Das, was weltweit in verschiedenen Ausprägungen und Ausmaßen gerade geschieht, ist ein gewaltiger Wendepunkt. Wir Menschen, welche jetzt leben, haben meiner Meinung nach die Verantwortung, sich dem versuchten Umsturz von Demokratien, der Verbreitung von Desinformationen und den offenen Drohungen gegen freiheitliche Gesellschaften entgegenzustellen. Was uns sonst droht, das steht vielleicht schon in Büchern wie 1984 von George Orwell, Huxley‘s „Schöner Neuer Welt“ oder in Margaret Atwood’s „Der Report der Magd“. Die Dystopien drohen Wirklichkeit zu werden, gerade weil darin Sachverhalte beschrieben werden, die irgendwo und früher schon einmal passiert sind. Orwell sagte einmal, sein Buch war nicht als Anleitung gedacht und ich geh mit Prof. Dr. Maja Göpel mit, die bei der Re:publica‘25 in ihrer tollen Keynote Rede unter anderem sagte, es braucht eine Aufmerksamkeitsökonomie hin zu dem, was zukunftsfähig und friedfertig ist. https://www.youtube.com/watch?v=f24LHpFbga8 Her mit dem schönen Leben ist keine leere Phrase für mich. Aber wir müssen auch Zeug*innen sein, von dem, was gerade passiert und auch immer bereit uns auf die Seite der Menschen zu stellen, die marginalisiert werden, die verfolgt, verletzt, getötet werden, in den Selbstmord getrieben werden und auf die Seite derer die verschwinden, ohne eine letzte Nachricht hinterlassen zu können. Und am Ende könnte es uns treffen. Die Menschen in den Instagram Posts, die ich mir anschaue, die vor Ort als Zufallsjournalist*innen von Unrecht, von Gewalt und von Verzweiflung berichten, diese Menschen könnten bald wir selbst sein. Deswegen gibt es gerade für mich keine Nichtbetroffenheit. Die Bedrohung ist global, die Antwort muss ein Zusammenhalt sein, der sich über den Globus spannt, eine Solidarität, die uns alle eint und eine Stimme die vielfältig in den schönsten Tönen antwortet auf das Grau der Anzüge , der Uniformen und Dienstwagen und die einheitliche arbeitssame Stille, die uns allen droht, wenn wir denn fähig sind zu folgen.
Johanna nion Blau, 11.07.2025
An army of suits
An army of suits
Traitors like sharks in minor facilities
Tailors honest to be seen
But they also need this money
Covering up naked lies with expensive fabrics, so clean
I serve them with my mouse clicks, they answer so mean
In my heart I want to be saved
But nobody can save me but me
The outside world is going to be craved
They have raised the fee
The hood is not serving any more
Riches over riches leave the poor
My heart beats to the beat of congregation
No power for a nation
No power for the industry
Plug them all out, set ourselves free
Stop the sellout of the planet,
the people, the animals, the plants,
Don’t cover lies with bullying
Tons of miles to go, but I am in
Community is what we care for, we don’t buy their rants anymore
In a world where separation is the fuel of a fossil nation,
Don’t leave me alone, I am sure
I am sure about the power of belonging
I am sure about creating songs, so together we can sing
Against an army of suits, with their deep pockets.
With their dysfunctional rockets.
Power again to the people, let’s roar
You know what: do leave me alone
To Plan a fine revolution,
To plot for a strong wing of love, of understanding.
We will
We will
We will eventually
We will eventually overcome
Johanna nion Blau
01.03.2025
Tanzt den Goldenen Reiter
„Trash Disse“ in Connewitz, eine Flasche Sekt geht rum unter den Leuten, die sich auf der Tanzfläche bewegen. Das nächste Lied fadet ein: eine Freundin, mit der ich die Diagnose teile, tanzt sich zu mir durch und meint, das ist unser Lied. Es läuft „Goldener Reiter“ von Joachim Witt. Ich nicke energisch und lache laut. Ja, das ist unser Lied wir umarmen uns und singen lautstark mit. „Hey, hey, hey, ich war der Goldene Reiter. Hey, hey, hey, ich bin ein Kind dieser Stadt. …“
In einem anderen Laden in Connewitz, nicht weit entfernt, aber erst gestern beim „Punk-Konzi“, eine befreundete Band spielt ihren einzigen Coversong. Es ist der „Goldener Reiter“. Ich nehme mir vor einen Text über dieses Lied zu schreiben. Nun sitze ich vor meinem Laptop mit einem Grinsen auf dem Gesicht und feuchten Augen.
Dieses Lied begleitet mich schon eine Weile auf den Tanzflächen der Stadt. Schon davor beim Studium, auch in der Kleinstadt, in der ich mein Abi machte, wurde es bei Diskos des Soziokulturelle Zentrums gespielt. Wann habe ich den Text bewusst wahrgenommen? 2007 habe ich meine erste Psychose durchlebt. Danach nahm ich Medikamente, die sich nicht gut vertragen haben mit Alkohol und habe nicht viel beziehungsweise nicht lange gefeiert. Vier Jahre ohne Alkohol und ich musste erstmal meinen Groove finden ohne dieses Mittel der Enthemmung.
Den Groove habe ich auf der Tanzfläche gefunden. Wie in Trance bewegte ich mich zum Rhythmus und zu den Melodien, die auf mich einwirkten. Meine Muskeln spannten sich rhythmisch an und entspannten sich wieder, genauso wie ich es mir wünschte. Dieses Spiel mit den Melodien belebt mich heute noch genauso und lässt mein Ego so klein werden, wie ein Sandkorn an einem langen, wunderschönen Strand. Wenn ich mich vergesse, bin ich eine von Vielen, nicht mehr und nicht weniger. Tanzen ist mein Rausch geworden.
Joachim Witts Lied „Der Goldene Reiter“ taucht immer wieder auf in diesem Kontext, in der Moritz Bastei bei Studi Partys, sangen Student*innen im ersten Semester dieses Lied mit. Dadurch brach für mich eine Mauer weg. „Lebensbedrohliche Schizophrenie“ verliert etwas vom Schrecken, wenn es durch so viele Kehlen freudig gesungen und betanzt wird.
Zwei Jahre nach meiner zweiten Psychose, bin ich in Kontakt mit der Fotografin Kirsten Becken. Sie möchte ein Artbook herausgeben. Sie möchte darin die Erlebnisse ihrer Mutter künstlerisch bearbeiten und aufarbeiten. 2017 erscheint „Seeing Her Ghosts“ und beinhaltet zahlreiche spannende englische und deutschsprachige Texte und Kunstwerke. Ein Gedicht von mir erscheint unter meinem Geburtsnamen. Ich blättere auf die Seite 57 und finde „Zunder“ abgedruckt neben Joachim Witts Liedtext zu „Goldener Reiter“.
JB-10-2023
Zunder
Ein Kleid genäht aus Zunder
Und wieder geh ich unter.
Schuhe gemacht aus Leid,
Langsam vergeht die Zeit.
Tanze zu Herzenstönen.
Will wieder dem Leben frönen.
Will wieder mit Lachen im Blick,
Weben an meinem Geschick.
JB-10-2016
http://kirstenbecken.de/seeing-her-ghosts/
Kunstfilm: Ihre Geister sehen von Kirsten Becken: https://www.youtube.com/watch?v=0pafjlo2Vqw
A new kind of kind
Stuttering through the mud of words The shining people that listen anyway I am about to rave through the pieces left of civic engagement Dancing like I don’t care, but I do About you, about everything But how in this world of slumber Can I not be another number How can I set free my force How not to make things worse In this place, where mountains fade There is no way to debate This smile is an invitation For luck, for love, for levitation Heaven sent or raised by hell Here on earth is where I shall make my peace Here is where ends meet so well Johanna Blau 31.12.2022

To Witness
Clarity is scarce / For one moment at a time / The heat is rising / So am I
Dear Future Children, I am oh so sorry / I would love to say to you: Don’t Worry
But I tell you that we will have failed / As soon as you will be born / And breath this planets air
For you must now live with the big heat, the hunger, and the fires everywhere
So many righteous people try to fight this very future / And for that they are jailed.
The heat is rising now, and so are they.
But they must fight lies, bullets and poverty.
How to witness all this madness and to keep my very sanity?
The road is empty of righteous voices for now at so many foremost beautiful places
I watched people making heavy choices and how
They lost friends, lost hope, lost their lives, what now?
One dives into sadness and frustration watching all of this / Faith and action are heavy to live up to
To witness streets, empty of the people who live there / I want to become brave and stable / Not afraid anymore, but capable
I want to become a vessel of justice / A Pandoras’ Box / For them who abuse and kill and silence
I want to end their violence / Give my hope to the people like a cunning fox / To start over the good riot worldwide
A Stone is growing in my heart, I want to pull it out
But this heavy stone can’t be moved alone.
Together let’s throw it into the ocean with a victorious shout.
Let the waves do the rest.
Do not detest freedom anymore / United we will be best, as we stand up for our dignity and a freely breathing chest.
JB-07-2022
