Das Wurzelwerk

Das Wurzelwerk

War eine Wand ohne Tür – meine Liebe,
Der Raum dahinter – so dunkel, so leer.

War eine Pflanze in zu kleinem Topf – meine Liebe.
Nun frei am Himmel schwebend – unten das salzige Meer.

Wo das Licht, den Weg zu leuchten?
Wo die Seele, ihn zu finden?

Wo der Fluss, Gefühl zu nähren?
Wo die Erde, es zu binden?

Zu Lieben die Kunst – zu Achten, zu Verstehen,
Mit Verstand und Gefühl diesen hohen Weg zu gehen.

Eins zu sein, ohne sich zu verlieren,
sich zu finden, zu binden, alles zu riskieren.

/ 5-2012

Winterwald mit Bodennebel
Winterwald mit Bodennebel

Feuervogel

Feuervogel

Wütend: Wie in Worte fassen,
was ich fühle, will nur hassen.
Bin so einsam, bin gefesselt.
Niemand, der mehr Blicke wechselt.

Alles soll so weitergehen?
Ich will lieben, ich will sehen!

Leben, atmen, Schicksal wenden,
ich will brennen, bis ich glühe.
Will vergehen, wenn ich zage,
mich im Selbstmitleid vergrabe.

Alles soll so weitergehen?
Ich will sein, ich will verstehen!

Bin so frei mich neu zu gießen.
Feuer sei mein Element.
Bin so frei, jetzt zu genießen,
was mich früher hat gehemmt.

/ 2-2012

feuervogelweb
Feuervogel von Johanna Blau

Die Wurzelfrau

Die Wurzelfrau

Heldensagen aufgeschüttet,
auf die Ahnen deiner Krone.
Heute sind sie so zerrüttet.
Sag nicht das jetzt ich hier wohne!

Treues Feld sich selber pflegt,
Heilkraut und das Leid der Welt.
Vergiss nicht, dass ich auf ihm geh.
Hab‘ es so oft schon bestellt. Weiterlesen

Neuland

Neuland

Munter nur im Traum,
allein nur unter Leuten.
Wer fragt „Wer bin ich?“
muss sich trau’n,
was andere vergeuden.

Leben, Lust und Liebe,
was ist der rechte Weg?
Das alles sich für Triebe,
nur einsam neu belebt?

Und geht es hier um Hoffnung,
dann sagt mir mein Verstand:
Für alles gib dein Herz,
als größten Unterpfand.

Wer es verliert, wird leiden,
Wer es gewinnt, der zeigt
mir seine dunklen Seiten
und bringt mich ins neue Land.

/ 8-2011

Feld mit fünf Glockenblumen
Feld mit fünf Glockenblumen

Nacktheit Tag – Mantel Nacht

Nacktheit Tag – Mantel Nacht

Komm Nacht,
umkleide mich,
lösch die Gedanken,
ich leide nicht.

Träum von der Wirklichkeit,
ich meide Licht.
Es ist so dunkel,
durchscheint mich schlicht.

Versuch zu retten,
das weise Denken,
das schwere Fühlen,
den Tag, den wir hätten.

Schlicht ist was ist,
gebraucht was gedacht.
Wird Wirklichkeit hohl,
wird Wahrheit zur Nacht.

Und träum ich den Tag,
so süß er mir scheint.
Es ist eine Lüge,
die Wahrheit zu sein meint.

Ich seh in die Sonne,
spüre das Licht.
Bin ich schon wach?
Nein, ich fürchte mich nicht.

/ 7-2010

Vollmond
Vollmond

Mein Schatten

Mein Schatten

Ein Wort, ich fliehe,
Nicken – Eifersucht.

Leiden, wenn du vorbeigehst.
Genieße, den Augenblick davor.

Seide, wenn du mich berührst
an meiner Hand,
mir deinen Stempel aufdrückst.

Bleib‘ bis zum Morgen, bis ein Lächeln
von deinen Lippen fällt,
Auf meinen Schatten – ihn erhellt,
dass ich mein Schatten bin.

/ 8-2011

Du
Schatten – Doodle von Johanna Blau

Wir Narrenkinder

Wir Narrenkinder

Wie nur, wie die Welt begreifen?
Sie ist doch so riesengroß.

Wie die Weltenformel fassen,
wenn die Menschen sich so hassen,
taumeln durch die schwarzen Weiten,
schauen nur bis hin zum Moos.

Unbeteiligte Gesichter,
dahinter blitzen winz’ge Lichter,
scheue, schmale, hole Richter
über sich und irgendwen.

Das begreifen, das zu seh’n
und dabei nicht ganz untergeh’n.

So die Welt sich weiterdreht
und meine Brust sich senkt und hebt.

Das Herz, das Herz, es schlägt und schlägt,
wie der Schmerz, der sich jetzt regt.

Kann nicht schreien und kann’s nicht wagen,
das so laut und klar zu sagen.

Wenn die Engel Trauer tragen,
sich als Pfandhai durchs Leben schlagen.

Die Geschichten sind so frei,
es zieht mich hin zur Narretei.

Wir alle wollen Retter sein
und schlafen mit dem Wunsch nach Hoffnung ein.

/ 7-2012

Abschüssiger Hang mit Wiese und zwei Mondblumen, dahinter Strand mit Spaziergängern
Spaziergänger am Cospudener See