Ohne Schlaf

Ohne Schlaf

Ich drück mich aus wie ’ne Zitrone.
Nur gut, dass ich hier noch wohne.
Ich halt mich fest an alten Träumen.
Will die gute Zeit nicht versäumen.

Wenn ich dann müde werde,
Wähn‘ ich mich unter der Erde.
Und das Gedankenkreisen,
Will nicht mehr abreisen.

Helden und Monster aufgereiht.
Für Schlaf ist da keine Zeit.
Das Bett hält Sorgen bereit.
Wann bin ich davon befreit?

JB-10-2016

Zunder

Zunder

Ein Kleid genäht aus Zunder
Und wieder geh ich unter.
Schuhe gemacht aus Leid,
Langsam vergeht die Zeit.

Tanze zu Herzenstönen.
Will wieder dem Leben fröhnen.
Will wieder mit Lachen im Blick,
Weben an meinem Geschick.

JB-10-2016

Herkunft

Herkunft

Ich seh‘ in dir ein Häufchen Asche
Und doch bist Du jetzt hier
Ich denk von dir Du bist vergangen
Und doch bist sprichst Du zu mir

Dein Haar wie ihr’s so lang und rot
Deine Augen so voll ihres Leides
Dein Mund verlangt nach Wahrheit
Wir gehen Schritt für Schritt zum Grab

Du zeigst mir Leben und gibst es dann hin
Ich wandle in deinen Spuren
Dein Hauch verweht
Mein Heim ist nicht mehr mein Heim

Wer bin ich nun, da du mich berührt hast?
Wen suche ich, der mich leiten kann?
Ich folge dir nicht ins Banale
Kehre der Welt den Rücken für alle Zeit.

(nach dem Film „Ida“ von Pawel Pawlikowski)

JB-10-2016

Die gute Zeit

Die gute Zeit

Der Tag war da, ich ließ mich treiben.
Das Gestern schenkte neuen Blick.
Um ewig immer fort zu schreiben.
Der Alltag steckt zurück.

Und wenn ich suche, was mich findet.
Das Rad des Lebens wie es Haken schlägt.
Was mich mit eurer Welt verbindet.
Was mir mein Bauch in guten Tagen rät.

Und wenn ich dann verschwinde,
Im allgemeinen Weltgetümmel,
Schnell Wort und Wort verbinde,
Fühl ich mich im Dichterinnenhimmel.

Wie Mascha übers Sterben schreibt,
Und Brecht über den Morgen.
Ich sing von einer guten Zeit.
Vergessen sind die Sorgen.

JB-09-2016

Heilsam

Heilsam

Ungeduldig steh‘ ich vor leeren Fenstern.
Will mich bessern, in die Welt entschlüpfen.
Mit unsichtbaren Wesen um die Wette hüpfen.
Denk nicht an morgen oder gar an gestern.

Mein Mahl war Arbeit und davon zu viel.
Nun sitz‘ ich: schreibe alles zu verdauen.
Kann mir selbst nicht über den Weg trauen.
Das Ganze ist kein Kinderspiel.

Doch Leuten zu begegnen und zu helfen,
Den Wunderheilern ihre Arbeit streitig machen.
Zu Schreiben, Lachen und noch and’re Sachen.
Das heilt die Wunden, geh ich unter Wölfen.

Und Morgen will ich neu beginnen.
Und jeden Tag danach aufs Neue geben.
Mein Helfen ist ein heilsam Beben.
So bleib ich ganz und auch bei allen Sinnen.

JB-09-2016

Vergangenheit

Den Kreislauf der Dinge lasse ich los.
Ich überfliege mein Traumland in dem Frieden und Wohlstand herrschen.
Indem keiner herrscht.
Eine Zeitreise würde mich in die Jungsteinzeit führen.
Eine Zeit, in der Frauen säen und ernten.
Ein Zeit, in der Frauen Gemeingüter verwalten.
Eine Zeit, in der alles heilig ist und Gesang und Tanz den Kreislauf des Lebens begleiten.
Weg tanze ich vom Leiden der heutigen Zeit hin zu meinen Ahninnen.
Ich singe Lieder über Glück und Hoffnung.
Das Wort Krieg kennen wir nicht.
Gespielt wird hier, nicht gekämpft.
Getauscht wird hier, nicht gewonnen.
Alles dient Allen.
Und niemand beherrscht die Anderen.
Wird es wieder so sein?

JB-09-2016

Garten

Im Anfang war die Saat.
Mit meiner Familie verknüpfe ich den Garten.
Blumen und Obst und Gemüse.
Schmetterlinge, Kartoffelkäfer und Schnecken.
Früher hatten wir zwei Gärten; einen vor dem Haus und einen auf dem Feld.
Schon früh habe ich gelernt, zu säen und zu ernten.
Schoten gab es und Möhren.
Kürbiskerne habe ich gern geknabbert, genau wie Sonnenblumenkerne.
Meine Eltern kamen von Leipzig aufs Dorf und lernten dort von den bäuerlichen Nachbarn im Mangelland DDR den eigenen Garten sehr zu schätzen.
Im Herbst kochte meine Mutter ein: Gurken, Kirschen und Pflaumen zum Beispiel. Davon lebten wir im Winter, genau wie von den Kartoffeln, die im Keller lagerten.
Die Möhren schliefen derweil unter der Erde und blieben so lange frisch.
Ich denke gern an diese Zeit zurück und jedesmal, wenn ich im heutigen Garten meiner Eltern stehe, fühle ich mich heimisch, obwohl ich sechzig Kilometer entfernt wohne.

JB-09-2016