Zukunft 3

Ich will nicht schreien, weil mein Mahnruf verhallte.
Ich will nicht hart werden, weil ich gegen Wände prallte.
Ich will nicht weinen, wegen allem Leid, was uns trifft, unsere Hände erhoben.
Immer wieder aufs Neue, ausgehend von alten Roben.

Ein Sturm soll toben.
Hinaus aus meinem Wasserglas.
Bis sie meine Wut erfasst.
Hinein weht ein frischer Wind in ihre verqualmten Burschenstuben.

Während die Herren im Staub der Jahrhunderte diskutieren.
Ist etwas was ich möchte, reflektieren.
Bin ein Spiegel für den, der Macht missbraucht.
Eine Katze, die ihn im Dunkeln an faucht.

„Wer braucht schon klare Sicht,
Es war doch schon immer so!“
Wimmert der Oberste Po.
Vernunft ist schlicht seine Sache nicht.

Und Angst geht um, da wo Tradition regiert.
Untergangsstimmung hat ihn schon oft manipuliert.
Jetzt droht er mit Mord und anschließender Vergewaltigung.
Er hetzt an realem und digitalem Ort,schmeißt da mit verbalem Dung.

Ein Gericht der hohen Herren,
bestraft die Freiheit mit Gefängnis.
Ziviler Ungehorsam ist nun Pflicht,
Abwarten wird sonst wieder zum Verhängnis.

Wir stehen zusammen für die Freiheit,
graben tief nach Utopia mit unseren Spaten.
Es geht um Alles: Um die Liebe,
Um das Leben, um die Luft zum Atmen.

JB-10-2018

Rosa Staub und Herzensdinge

Das alte Jahr hat seine Krallen tief in mein Herz geschlagen. Ich schwebe und falle zugleich.

In die Nacht, in den Tag. Die Grenzen verweben sich, heben sich auf.

Wer zwischen Himmel und Hölle taugt dazu, mir zu helfen? Doch eigentlich nur ich. Aber nun bin ich ratlos.

Das Wirrwarr über meinem Kopf, klingt mir zu sehr in den Ohren, als dass ich klar denken könnte.

Sich allmählich anpassen oder die alten Muster mit einem Knall durchbrechen?

Im Labyrinth singen die Spatzen ihr unendliches Lied von Freude.

Ich will ihnen folgen, hinaus aus der Falle. Sie fliegen auf.

Herzensentscheidungen stehen an, auf allen Seiten steht geschrieben: No Exit!

Purpurnes Gleißen verheißt Zukunft.

In meinem Herzen sind die Schattenränder immer bunt.

Trag mich ein in dein Gipfelbuch und weine.

Wieder verbrenne ich, scheine hell, wenn mir eigentlich Kontemplation guttäte.

Und ich kleide mich in Tarnumhänge. Ich gehe aus. Gehe aus mir heraus.

Hinaus auf die Straßen dieser Stadt. Träume mich in deine Arme. Im Regen zusammen tanzen.

Damit du wieder der bist, den ich kannte und liebte. Wann war was echt?

Ich will nicht eingehen, wie eine ungeliebte Zimmerpflanze.
Ich will der Urwald, sein, den du unbedingt durchstreifen und entdecken möchtest.

Ich will der Planet sein, auf den du dich wünschst.
Ich will die Piratenbraut sein, der du die Treue schwörst auf unzähligen Raubzügen.

Hammerfest ist mein Wille und wenn mich jemand Hexe ruft, dann sage ich: Ja, hier!

Dein Antlitz wird wieder schön in meiner Vorstellung. Nicht mehr Dorian Gray’s Bildnis, versteckt auf deinem Dachboden. Es zeigt jemanden, der liebt und leidet und hofft; der kämpft, jedes Jahr aufs Neue; um sich kämpft und jetzt auch um mich.

Die Hoffnung bleibt, dass wir unseren Weg zusammen gehen.

Das, was du für mich bist: so facettenreich, wie das Auge einer Libelle. Ich habe dich gesucht und gefunden und lasse dich nun wieder frei, auf das du gehst oder bleibst, wie dir beliebt.

Auf dem Planeten Venus, braucht niemand eine rosarote Brille. Die Luft dort ist voll von rosa Staub. Von da aus will ich die Erde betrachten und meine Entscheidung treffen.

Johanna Blau 2.1.2024

Der Rote Faden heißt Patriarchat

Grandios scheitern an der Zeit, in meinem Hexenkleid, versuche ich weit, weit hinauszuschwimmen. Stemme mich gegen den Strom der Zeit, der Moral, der Wende in die falsche Richtung. Backlash. Zombies ziehen mich hinab in die Welt aus Hass und Angst. Angst vor allem, was nicht schon „immer so war“.

Ich weiß jedoch: Alles ist Wandel. Sprache verändert sich und das ist gut so. Sprache als Abbild der Gesellschaft zeigt den Kampf der Menschen um die Hoheit über das, was wir verhandeln. Und wenn da alle Menschen miteinbezogen werden sollen, was ist daran so schlimm? Okay, die binäre Welt ist gefährdet, aber was hat uns diese gebracht außer starre Rollenbilder, Kampf, Gewalt, Krieg, Leid und Tod. Ich weiß, es ist schwer, sich etwas Besseres vorzustellen. Fangen wir gerade deswegen jetzt damit an!

Am Ende kann es aber nur besser werden und das wird uns weißen Mitteleuropäer*innen schon so lange vorgelebt, wie wir auf ein Schiff steigen und unsere Weltsicht der eigenen Überlegenheit missionarisch in die ganze weite so schöne Welt exportiert haben, zusammen mit Krankheiten und Waffen und der Gier nach mehr von allem.

Viele Indigene Menschen leben heute noch so, wie sie lange gelebt haben, solange sie nicht daran gehindert werden. Sie nehmen nur so viel wie sie brauchen, bedanken sich für das, was sie nehmen, sind dankbar für Sonne, Wind, Nahrung und das Wasser, welches alles lebendig macht. Alles ist heilig, ob Pflanze, Wetter oder verrichtete Arbeit.

Das Buch „Geflochtenes Süßgras“ von Robin Wall Kimmerer will ich lesen, um diesem Geist wieder näher zu kommen. Ich bin so verstrickt in die aktuellen Kriege, das Leid, was daraus hervorquillt. Es tut mir persönlich gut, zu lesen, dass wir wählen können, welchen Weg wir gehen; den des Todes oder den der vom frischen, lebendigen Grün. Deswegen schreibe ich und deswegen lese ich anderen vor, was ich schreibe. Ich will den Menschen in meinen Umkreisen diese Wahl aufzeigen.

Es ist vermessen, aber in meinem Kopf gibt es eine Überzeugung. Viele Menschen in den Psychiatrien von Europa wären früher in keltischen, gälischen, germanischen Stämmen Heiler*innen gewesen, aufgrund ihrer Sensibilität und ihrer Sensitivität. Die Stimme, die ich höre in meinem Kopf zum Beispiel, ist mir Geleit, Trost und Schutz. Das, was für indigene Menschen auf Turtle Island gängig und normal war und vielleicht auch für meine Ahnen, wurde im christianisierten Europa zum Defizit und Auschlusskriterium für die Teilhabe an der Gesellschaft. Stimmen hören, Zustände der Entrückung, Ahnungen und Eingebungen. Auch in linken Kreisen ist materialistisches Denken die Norm, Spiritualität suspekt und die Leiden Psychiatrie-Erfahrener werden nicht weiter thematisiert. Auch wenn wir durch die Exekutive getötet werden, gibt es keinen großen Aufschrei. Warum?

Das alles sind komplexe Vorgänge, die nebeneinander zu stehen scheinen, ohne dass sie viel miteinander zu tun haben. Der rote Faden heißt Patriarchat. Die bestehende Ordnung wird durch die Wahl eines Präsidenten in den USA abgesichert, auch durch die „Rape Culture“, die der Fall Gisèle Peticot offenlegt. Heute am 25.11.24, dem „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen*“ wird erzählt von den Femiziden, die dieses Jahr von (Ex)-Partnern und Bekannten der Frauen* begangen wurden. Es heißt Femizid und nicht Beziehungsdrama. Es heißt Struktur und nicht Einzelfall. Und diese drastische Gewalt ist nur die Spitze des Eisberges. Das Private ist Politisch, seit es Privatbesitz gibt und der Mann seine Frau zu einem solchem degradieren konnte.

Die Mär vom starken Jäger und der stummen Sammlerin ist wissenschaftlich widerlegt. Die Jungsteinzeit war egalitär und nur die Archäologen des 19. und 20. Jahrhunderts haben ihr Weltbild wie eine Schablone über das gelegt, was sie vorfanden.

Es wird Zeit die Geschichte neu zu schreiben und auch damit allen eine freie und schöne Zukunft zu ermöglichen, gleichberechtigt, selbstbestimmt und friedvoll. Denn es gab die friedvolle Zeit, lange bevor es Könige gab, die eine Stadt verteidigen sollten. Ich hoffe, darauf diese Goldenen Zeiten wieder zu erleben auf dieser unserer Erde. Nur so haben wir als Menschheit eine Zukunft.

Johanna nion Blau 25.11.2024

Leseempfehlungen:
Riane Eisler: Kelch und Schwert (Chalice and Blade)

Robin Wall Kimmerer: Geflochtenes Süßgras (Braiding Sweetgrass)

bell hooks: alles über liebe – Neue Sichtweisen (all about love)

Unlearn Patriarchy 1 und 2

JJ Bola: Sei kein Mann (Mask off – Masculinity Redefined)

Warten und Wachsen

Warten, dass das Blatt, dem Wind sich beugt: die Reise der Zeit beginnt.
Warten, wie um meine Sinne zu schärfen, für diesen Augenblick.
Wenn ich mich drehe und wende, es bleibt fest, wie Fels, mein Geschick,
Dass ich erblicke die Augen, die mich erblicken und verwundern,
Dass ich lausche dem Mund, der meinen Namen sanft nennt, fast wie das ewige Schweigen.
Und dann dreh ich mich, wie der Zeiger einer Uhr nach den Stunden, die vergehen, bis ich dich wiedersehe. Doch die gemeinsame Stunde ist schnell verweht, wie die Blätter im Wind.

Das Blatt ist nun welk, der Baum gibt es frei, und es schillert vor dem Tode in den schönsten Farben.
Ich bin da, da bin ich und ich bin gefangen, in den Fragen, die sich alle Liebsten stellen.
Ich bin da und ich, ich warte, darauf, dass von den vielen Stunden, einige gemeinsam erinnert werden.
Dann der nächste Tag und wieder dreht sich der Zeiger, dreht sich mein Kleid, dreht sich die Welt, bin ich bereit und wieder vorbei.
Die Warterei hat mir mein Herz verwelkt, bevor ich dir deines wiedergab.

In der feuchten Erde wächst unter welken Blättern eine Pflanze.
Sie ist so neu, wie alt, das Muster schenkt sie wieder einem Blatt.
Wer sich das wohl ausgedacht hat?
Ich frage mich, wie meine Muster sich so ausgewachsen haben?
Ich sehe mir die Pflanze an und staune; alles an ihr ist ein kleiner Baum. Doch so zart, beweglich und selbst ein wachsendes Wesen, hin zum Licht, hin zum Regen, hin zum Wind.
Gib mir Leben,
gib mir Elemente.
Ohne das;
welches Wesen könnte,
wachsen, reifen und erfahren,
lieben und sterben; an alledem?
Das ist der Kreis,
das ist die Spirale.
In allem eins,
in allem,
werde ich sein und säen,
was mich ausmacht.

Johanna nion Blau 25.09.2024

Auwald Leipzig, 2020, Foto: JB

Durcheinander.

Traumvernichtend. Unschlichtbare Pein. Herzensnah, der Splitter aus alter Zeit. Die Tränen wachsen auf salzigem Boden. Aufgehoben, von grauen Pelikanen. In die Luft geweiht, dann fallen gelassen. Nicht mein Zweck. Nichts heiligt, das Mittel „Unnahbar“. Träumerei. Rauchend und taumelnd. Wann werde ich woanders suchen.

Im Sein finde ich die Traurigkeit, welche die grauen Tränen fängt, beim Atmen. Und aus dieser Traurigkeit berge ich wärmende Worte. Mit diesen Worten, setze ich mich dem Gestern, dem Durcheinander aus. Ich füge aus dem Chaos Wort an Wort, ich fische aus den Worten mit meinen Gedankennetzen die neue Satzbedeutung in unsere Wirklichkeit.

Geradlinig schlage ich die Wörterfaust in sein Gesicht, damit ich wieder atmen kann.

Freiheit will erkämpft sein. Wildheit will verspielt sein. Nicht viel davon hat Spaß gemacht. Ich will doch aber das Leben feiern, wie es mir auf die Füße fällt. Nicht viel davon war von Interesse für dich, außer vielleicht; du konntest durch mich strahlen. Gib mir mein Lied zurück und mein Licht. Sei endlich glücklich, mich gekannt zu haben. Und lass mich los. Ich werde endlich fallen, wie die grauen Tränen ins Tal der lebendigen Mahnung:

Dieses Leben ist da um zu lieben und geliebt zu werden. Wenn es auch nur der Mangel an Kommunikation war. Und wenn schon, was ist der Unterschied? Wenn du mir nicht sagst, dass du mich liebst, ich kann es nicht ahnen. Ich will lernen anzunehmen, was mir Leute an Worten, Taten und Gaben schenken. Das ist nun meine Aufgabe. Ich will lernen mich auszutauschen.

Johanna nion Blau 21.09.2024

Die Wilden Pferde

Wenn der Himmel lacht,
Scheuen die Pferde.
Gekonnt trotze ich der Wilden Herde.
Aber nur in meinem Kopf.
Sobald ich den Krug weiterreichen werde,
Sehe ich die Scherben schon liegen auf der Erde.
Ich weiß, wo sie sind: Kehrschaufel und Besen.
Dabei ist oft nie etwas gewesen.
Wer hat mich denn nur so präpariert?
Und wieso habe ich mich so oft echauffiert?
Ich will im Moment erleben, wie ich tanze.
Ich will im Moment erleben, wie ich Hoffnung pflanze.
Ich will im Moment erleben, wie ich ernte.
Die lieben Worte, der Menschen, die ich hier schon kennenlernte.
Und wenn es scherbelt und wenn es kracht. Und wenn die Liebe die Pferde scheu macht. Die Ruhe ist vielleicht vorbei, das Abenteuer aber lacht.
Will die Kurven des Lebens mit Bravour nehmen und die Abkürzungen meiden, auch wenn ich sie scheinbar kenne. Das Leben sei mir lang, ohne Langeweile, wenn ich die Tage neu benenne.
In meinem Herzen säe ich ein die Lust auf Abenteuer. Will frei sein zu tun was ich will, war mir das gestern noch ungeheuer.


Johanna nion Blau, 19. August 2024

Flickenteppich

Gestern war Groll da und aß eine Tüte Chips über meinem Teppich. Alles voller Gedankenkrümel. Ich musste staubsaugen, denn ich bekomme Besuch.
Heute trinkt Einsicht eine Tasse Grünen Tee mit mir. Wir sitzen still beieinander und schreiben.
Vor einer Woche fraß ich Aas mit Wut und Raserei. Wir warfen die blanken Knochen in den Orkus. Es rief von unten mit eisgrauer Stimme.

In meinen Eingeweiden rumort es, wie in einer Kaffeemühle. Viel zu verdauen gibt es. Die Tropfen, Pillen und Wässerchen, die helfen, vergesse ich oft. Dann höre ich mir beim Denken zu.
In Kreiseln schraubt sich ein Gedanke in luftige Höhen. In Spiralen spult sich ein Denkmuster in die Tiefen hinab.

Das alles geschieht im Inne halten. Die Jahre, die mir bleiben, will ich darüber schreiben. Den Stoff der Erinnerung aufdröseln und mit dem Faden in Karomuster das weben und nähen, was war, was ist und was sein könnte.

Ein Flicken ist lila, wie die Magie festgehalten in Pride-Flaggen.
Ein Flicken ist Sternenhimmel; schwarz mit winzigen Perlen besetzt, für die Suche, welche Ankommen heißt.
Für das Sprechen, das Umdeutung bedeutet, ein Flicken bunt wie ein Garten im Frühsommer: blütenreich, voller Summen.

Dann wird das Lieben federleicht eingewoben in einen Flicken, schimmernd wie die Flügel eines Kolibris.
Auf dieser Decke möchte ich ein Picknick machen. Alle meine Gefühle sind herzlich eingeladen. Ich bereite mich vor auf eine Tortenschlacht und viele, viele Ameisen.

Johanna nion Blau, 27.07.2024