Vergangenheit

Den Kreislauf der Dinge lasse ich los.
Ich überfliege mein Traumland in dem Frieden und Wohlstand herrschen.
Indem keiner herrscht.
Eine Zeitreise würde mich in die Jungsteinzeit führen.
Eine Zeit, in der Frauen säen und ernten.
Ein Zeit, in der Frauen Gemeingüter verwalten.
Eine Zeit, in der alles heilig ist und Gesang und Tanz den Kreislauf des Lebens begleiten.
Weg tanze ich vom Leiden der heutigen Zeit hin zu meinen Ahninnen.
Ich singe Lieder über Glück und Hoffnung.
Das Wort Krieg kennen wir nicht.
Gespielt wird hier, nicht gekämpft.
Getauscht wird hier, nicht gewonnen.
Alles dient Allen.
Und niemand beherrscht die Anderen.
Wird es wieder so sein?

JB-09-2016

Garten

Im Anfang war die Saat.
Mit meiner Familie verknüpfe ich den Garten.
Blumen und Obst und Gemüse.
Schmetterlinge, Kartoffelkäfer und Schnecken.
Früher hatten wir zwei Gärten; einen vor dem Haus und einen auf dem Feld.
Schon früh habe ich gelernt, zu säen und zu ernten.
Schoten gab es und Möhren.
Kürbiskerne habe ich gern geknabbert, genau wie Sonnenblumenkerne.
Meine Eltern kamen von Leipzig aufs Dorf und lernten dort von den bäuerlichen Nachbarn im Mangelland DDR den eigenen Garten sehr zu schätzen.
Im Herbst kochte meine Mutter ein: Gurken, Kirschen und Pflaumen zum Beispiel. Davon lebten wir im Winter, genau wie von den Kartoffeln, die im Keller lagerten.
Die Möhren schliefen derweil unter der Erde und blieben so lange frisch.
Ich denke gern an diese Zeit zurück und jedesmal, wenn ich im heutigen Garten meiner Eltern stehe, fühle ich mich heimisch, obwohl ich sechzig Kilometer entfernt wohne.

JB-09-2016

Holz

Holz

Du reibst an meiner Oberfläche,
Zerstörst meinen Panzer,
Da steh ich nackt vor dir.
Und wenn ich mich in Deinem Herzen verlier‘
zerbricht auch mein letzter kranker Wille.
So bin ich Dein nun ohne falsche Hülle.

Das ist mein Wesen
Und das aufzuschreiben.
Das ist mein Lied und meiner Augen Trauer.
Kehre mein Haus mit einem Besen aus.
Wenn es geschrieben steht,
Weiß ich es noch genauer.

Das wohnt in mir
Und leidet unter Reue.
Das ruft in mir und hält mich wach.
Ich had’re nur mit meiner Stimme Treue.
Denn wenn ich spreche,
Werden alle wach.

JB-09-2016

Ernte

Ernte

Ich hock in einer Grube,
Kein Häschen sagt Hallo.
Ich kann nicht richtig denken,
Verloren ist mein Flow.

Kein Wesen bringt mir Lieder.
Kein Mensch hält mich hier warm.
Wann kommt die Hoffnung wieder?
Verloren der heilige Schwarm.

Wann werd ich wieder tanzen?
Wann kehrt mein Glück zurück?
Will junge Bäume pflanzen,
Von denen ich bald goldne Äpfel pflück.

JB-08-2016

Das Auge des Sturms

Das Auge des Sturms

Kann nicht weiter als bis Heute.
Das Chaos umfliegt mich.
Kann nicht weiter gehen mit meiner Beute.
Ein Sieg ist unglaublich.

Und doch geh‘ ich los,
Ein Schritt nach dem anderen.
Ich glaube an mein Herzenslos,
Will das Gebirge überwandern.

Ich lebe die Angst,
Ich laufe bis Morgen.
Sag mir: „Du kannst!“
Weg mit den Sorgen!

Nehmt mich nun an die Hand,
Lauft mit mir ein Stück.
So weitergehen mit Glückespfand,
Nie mehr zurück zu verrückt.

JB-08-2016

zwielicht

zwielicht

ich bade im mondenlicht
erinnerung ist mir pflicht

berühre dich mit meinem zeh
in mir ein ganzer see

fühlen und wollen wie im traum
zwischen dir und mir ein weiter raum

einzeln und ganz wie ich bin
nur traum und lächeln im sinn

geh ins morgen, schau zurück
jonglier mit sorgen, verbrauche glück

sagen und schattentiere
sieh nur, wie ich friere

watte für ruhige stunden
heilung für offene wunden

morgen wird sonne sein
dann fühl ich mich nicht so allein

JB-08-2016

Zukunft

Zukunft

Ölgetränktes Leichentuch,
Land verwüstet, wie im Fluch.
Amokläufer in Terror gebadet,
Leben das schadet.

Wütendes Volkgrimmen,
Niemand lässt uns abstimmen.
Menschen, die nach unten treten.
Was hilft hoffen, was hilft beten?

Stockschläge, die uns trafen,
Nachrichten lassen uns nicht schlafen.
Gas verdrängt die Luft,
Zwischen den Menschen wächst die Kluft.

Will jetzt nach vorne sehen,
Will gutes in jedem Menschen erspähen.
Zusammen erwägen, wie es weitergeht,
Es ist noch nicht zu spät.

Sonne, Regen, Wind,
Hoffen wie ein Kind.
Tanzen in den Straßen,
Wissen wiederfinden, das wir vergaßen.

Worte ohne Härte zwischen dir und mir,
Wenn ich Vorurteile verlier‘.
Wege, die glücklich machen,
Kein Nutzen mehr für neue Sachen.

Freiheit zu tun und zu lassen,
Im Park Lieder zu verfassen.
Freundschaft zählt mehr als Geld,
Natur bedeutet uns die Welt.

Rad fahren in die Zukunft,
Alle sind glücklich in ihrer Zunft.
Lasst die Fahnen fliegen,
Lasst das Heute siegen.

Jedes Leben zählt,
Gier und Machtkampf abbestellt.
Gemüse wächst in den Städten,
Zusammen können wir uns retten.

JB-07-2016