Über und von Johanna Blau
Ich wohne in Leipzig und schreibe und zeichne unter dem Künstlernamen Johanna Blau. Alle Gedichte, die hier zu finden sind, sowie die Fotos, die Malereien und Doodles sind durch mich entstanden.
Ich suche meine Tochter
Ich weine und ich klage
Wo ist meine Tochter?
Sieh, wie ich verzage
Alles schwelt und brennt
Alles Leben mir egal
Alle Wesen enthemmt
Diese Suche meine Qual
Ich suche meine Tochter
Wo hat er sie versteckt?
Ich suche meine Tochter
Helft mir oder ihr verreckt
Kore
Wie sie Kräuter pflückt
Denk ich daran
Werd' ich bald verrückt
Die Wiese jetzt trocken
Mein Fuß steckt sie in Brand
Die Bäume dürsten
Bald brennt das ganze Land
Er hat sie mir entrissen
Ein halbes Leben ohne Sonnenlicht?
Verschleppt, misshandelt
Dieser Handel schmeckt mir nicht
Ich bin ihre Mutter
Ich leide ihre Leiden
Gib sie mir Zurück
Lass sie sich entscheiden
Das Land, es siecht dahin
Flüsse verrinnen
Tiere flüchten, nur wohin
Menschen kämpfen ohne Sinn
Gib mir meine Tochter
„El Violador Eres Tu“
Gib sie mir zurück
Und die Flammen geben vielleicht Ruh'
JB-01-2020
Ein Bild für Vertrauen, bitte!
Male Schnitte mir in die Seele
Und wähle Vorsicht.
Diese dir zu zeigen,
Ist mir direkt nicht möglich.
Was, wenn du Nichts siehst
Oder Schönheit darin findest?
Gequält schaue ich Kopfkino.
Erwähle, was sein könnte;
Gedanken-Horror.
Wieder umkreise ich die Schranken
Der Solovorstellung meiner Angst.
Doch ich setze Zeichen in diesem Film,
Das Zelluloid fängt Feuer.
In der Wirklichkeit ruft Dein Blick.
Mit meinem Weinen schwindet Amnesie.
Schreibe Freiheit in die Weite meiner Fantasie.
Verkenne nicht mehr meine Innenwelten.
Will mich nicht Närrin schelten,
Dass ich leide unter Vorstellungen.
Ich bin angekommen, waren die Wege auch verschlungen.
JB-01-2020
Balance ist für mich grundlegend und ausschlaggebend für so Vieles. Wenn ich sie verliere, wartet das Chaos. Emotional. Irrational. Strukturell. Dann ertrinke ich in Erlebtem, Ausgedachtem und Zukünftigem. Die Zeit ist keine gerade Linie mehr, sie umschlingt mich. Die vielen Möglichkeiten rauben mir den Atem.
Wer könnte ich sein? Was habe ich verpasst? Wie kann ich das wieder gutmachen? Was könnte ich schaffen? Und dabei kann mir keine*r wirklich helfen. Während dies alles meine Gedanken beschäftigt, kann es sein, dass ich einkaufe, Wäsche abhänge oder mit Freund*innen rede. Meine Innenwelt ist für andere so gut wie unsichtbar. Die Zweifel, die Unsicherheit, die Verzweiflung, auch die knallige Euphorie. Ich funktioniere, während ich tagträume.
Will ich das? Diese Schere aus Alltag und Traum ist gefährlich. Gerade wenn sie zu sehr auseinander klafft, droht sie meinen Bezug zur Wirklichkeit zu zerschneiden. Soviel Energie in dem was ich will. Wie kann ich das nutzen?
Die Frage ist doch: Wer bringt mich dazu etwas zu wollen? Wer sagt mir, was gut für mich ist und was schlecht? Zu Anfang sind das die Eltern, die ihrerseits von ihren Eltern gelernt haben. Das ist ein wichtiger Punkt. Ich wurde geprägt durch Ältere, die Erfahrung haben und diese mir weiter vermitteln wollen.
Doch ist das alles? Wie wäre Fortschritt möglich, wenn es so wäre? Ich träume andere Träume als meine Eltern. Ich wünsche anders, ich lebe anders, ich liebe auch anders. Wo kommt das her? Nur aus den Medien? Diese Prägung seit früher Kindheit ist nicht zu unterschätzen. Mir wird etwas vermittelt, ich lerne daraus. Suche mir Vorbilder, himmele Menschen an, die mir noch nie begegnet sind. Schau mir an wie sie leben und versuche vielleicht ihnen nach zu eifern.
In meiner Jugend habe ich mir in meiner Fantasie ein Alter Ego erschaffen. In Tagträumen ließ ich die wunderhübsche, smarte Frau auf meine Idole treffen und mit ihnen Abenteuer erleben. Ich war 14 Jahre alt, wohnte auf dem Dorf und war in mir gefangen. Mein Spiegelbild entsprach nicht dem Ideal der Stars in der Bravo. Ich empfand mich als langweilig und nicht wert, gemocht zu werden.
Die Tage zogen sich in die Länge. Ich las viel. Schaute viel Fern. Ich träumte mich ein in diese Welten und entschwand in meine Träume.
Was mich angeht, habe ich mich verändert. Durch Krisen bin ich aus dem Käfig meiner Selbstwahrnehmung ausgestiegen und habe mich von Außen und durch die Augen anderer betrachtet. Ich habe darüber nachgedacht, was mir wirklich wichtig ist. Die Energie für Projekte wie Schreiben, Fotografieren und auch die Liebe finde ich mehr und mehr.
Nicht wirklich mein Äußeres hat sich verändert. Meine Einstellung hat sich geändert. Ich nehme eine andere Perspektive ein. Ich bewerte nicht mehr ständig mich oder Andere. Ich lege keine Maßstäbe mehr an. Ich bin.
Wenn ich Werbung schaue, dann ist das eine Welt, mit der ich nicht mehr viel zu tun habe. Statussymbole, Dinge, die mich festhalten in Rollen, die mich festhalten in Lebensläufen. Das alles spricht nicht mehr zu mir.
Wie kann ich den Unterschied vermitteln? Etwas zu haben, um etwas zu sein. Erich Fromm hat das durchschaut. Ich habe mich etwas mit seiner Sichtweise beschäftigt. Ich habe gelesen und adaptiert. Und wie Fight Club zu sehen, hat es etwas ausgelöst. Es ist so, als ob ein Vorhang fällt und ein wunderschöner, mir unbekannter Raum sichtbar wird, in einem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Abenteuerlustig erkunde ich diesen Raum und finde dabei nichts Greifbares.
Was ich finde, sind Möglichkeiten, was ich finde sind Fragen. Seitdem lerne ich täglich zu hinterfragen. Ich schaue hinter Vorhänge und fordere mich dazu heraus, um Ecken zu denken. In einer Welt, in der es viele gerade Straßen gibt, erweitert das meinen Horizont. Egal, ob es mein Denken ist oder etwas, was andere in Gesprächen äußern, ich hinterfrage. Dabei ist nicht Politische Korrektheit oder Bürgerliche Moral mein Maßstab. Ich orientiere mich an der Balance. Diese muss ich abgrenzen von Neutralität, denn mein Bauchgefühl ist ein wichtiger Faktor auf meinem Weg durch den Wertewald.
Ich spüre dabei unangenehmen Gefühlen nach. Denn wenn ich auf diese stoße, finde ich oft eine Lektion über mich und mein Selbstverständnis. Ein Beispiel ist, als ich, in meinem mit vielen Büchern voll gestopftem Zimmer, etwas gesucht und nicht gefunden habe. Ich hamstere Bücher für schlechte Zeiten. Nur fühlt es sich zur Zeit so an, als würde ich die ganze Zeit einen riesigen Rucksack ungelesener Bücher mit mir herumtragen. Dazu kommt, dass ich noch immer meine Sachen gefunden habe, zwischen all den Dingen. Nun war das nicht mehr der Fall und mir wurde klar, dass sich etwas ändern muss. Ich muss mich von vielem trennen, Ballast abwerfen um beweglicher zu sein. Das fällt mir sehr schwer, aber es wird sich hoffentlich irgendwann anders anfühlen. Wie so oft nach einer Krise, werde ich vielleicht daran wachsen und neue Wege für mich entdecken.
Wie die Schleier von mir fallen, versuch ich nicht mehr zu gefallen mit anerkannten Eitelkeiten. Dabei ist „Liebsein“ so gefährlich, noch schlimmer als ehrlich zu erklären: „Ich bin ich und schwebe oft in andren Sphären.“ Im Ernst, wie Zuversicht, wird Freundlichkeit oft gleich gemacht mit Narretei und der Schwäche des Gemüts, sogar der Verstandesfunktionen. „Wer wird wohl in deinem Oberstübchen wohnen und da mit Tassen um sich schmeißen?“ Mit fast 40 Jahren Praxis im Freundlich sein, kann ich sagen, trotz aller damit verbundenen Widrigkeiten, lohnt es sich oftmals verbale Streicheleinheiten zu wagen.
Welch Schmach, dass uns noch die Psychopathen stolz regieren. Mit Floskeln Tag für Tag die Welt umrunden. Wo sind hier die leeren Stunden, die Gefühl verheißen. Sie bräuchten sie wohl am Meisten. Mit Phantastereien will ich daher nun um mich schmeißen. Einfühlungsvermögen sollten heute alle Leute überall studieren. Wer das in Kindheit nicht gelernt, hat doch noch Chancen es zu tun, in Suppenküchen oder bei „Rette ein Huhn!“
Wer will denn noch ganz hoch Hinaus? Die Luft wird dünn da oben und so ganz allein gefällt der Schmaus doch auch nicht, oder? Ruft mir einen Anwalt, bevor ich es hier noch weiter treibe. Das Gebot der Stunde lautet: „Vergesst alle Gebote und fühlt die Schmerzen dieser Welt!“ Wer dass noch aushält, ist doch eher krank, als jeder Insasse einer Heilanstalt. Öffnet deren Tore und heraus spazieren, Tore, die niemanden regieren wollten. Menschen die lieber Sind als sich übers Haben zu erklären. Menschen, die gedacht haben ohne Geländer. Menschen aus traumhaften Ländern. Menschen, die erfahren haben, wie es ist, sich an Erfahrungen zu stoßen aber auch zu laben.
Wo aus Gedanken, Worte wachsen, wo erwünschte Welten sich begreifen, wo an den Bäumen die Früchte für uns alle reifen und wo belohnt wird, wer an sich wachsen will, da bleiben endlich die Zorneswaffen still. Ich will nicht mehr warten auf das utopische Morgen, will mir zuversichtlich heute schon die Werkzeuge borgen und fragen und erlernen, wie sie zu benutzen sind. Mit Liebe und Vertrauen will ich sie gebrauchen wie ein Kind.
Lasst mich nun ruhig schlafen auf Netzen, gesponnen aus freundlichen Taten, um Kraft zu tanken für den folgenden Jahreskreis. Währenddessen sticht die Zeit in See mit mächtigen Segeln. Gegen den Bug schlagen die Wellen der Veränderung und auch der Wind der Geschichte treibt sein Spiel mit allen Dingen. Auf diesem Schiff gibt nur der Blick nach Innen Wahrheit preis. Wie ich mit Sicherheit weiß, wird alles Gut, wenn wir nur Gutem helfen beim Gelingen.
Eingekesselt von Feuer muss ich landen
In Zeiten, die Brandschatzen an der Geschichte
Zukunft gelesen in meinem Schatten
Das Licht geht aus
Wer wird dem Herrin
Wenn ich erfasse, wohin es führt
Muss ich verraten, wie mir wird
Muss ich veranlassen
Der Wunsch zu bleiben
Heimzugehen und zu schlafen
Weh mir, die Tür steht offen
Und mein Bett das brennt
Wach auf
Das Wasser steht
In meinen Hausschuhen
Trampelpfad in die Wüste
Wach auf
Der Mond unbekümmert
Über allem
Ragt er der Erde zu
Verbleibe
Eile
Liebe
Ruft
Steuer umgerissen
Gedanken legen Wert
Auf Nähe
Dich Küssen
In dieser Zeit
Ist dieser Punkt
Wichtiges
Geleit
In dieser Zeit
Weiß
Ich
Nichts
Die Geschichte lehrt
Was geleert
Verloren
Geht
JB-11-2019