Über und von Johanna Blau
Ich wohne in Leipzig und schreibe und zeichne unter dem Künstlernamen Johanna Blau. Alle Gedichte, die hier zu finden sind, sowie die Fotos, die Malereien und Doodles sind durch mich entstanden.
Wage doch Trauer zu tragen,
Obwohl niemand mir Trauer zu spricht.
Wie wohl in dunklen Tagen fürchte ich gerade das Licht.
Sage doch Freund zu meinen Feinden,
Wie mir das Versprechen zerbricht
Daran zu wachsen, was schmerzt und sticht.
Sage noch Himmel zur Hölle,
Engel und Teufel verkleiden sich so schlicht.
Verfluche diese meine Haltung trotz alledem nicht.
Wage doch vielen zu sagen,
Dass Furcht mir in die Seele kriecht.
Hoffnung ist, was Wagnis in Schattenkreise flicht.
Verdammt sind mir dagegen viele Konventionen,
Sollen sich denn Lebewesen lohnen?
Unbezahlbar sind sie doch und nicht gemacht für Zölle.
Tand in der Hand, will ich mich schonen,
Weinen und lachen und jede Regung soll mir innewohnen.
Sage doch Freund auch zu dem tief empfundenen Weinen.
Jedes meiner Worte steht für Gefühle,
Ob schmerzlich erfahren oder empfunden im Freudengewühle.
Fehlte mir das, sollte ich diese Wagnis meiden,
Fehlten mir auch die Worte, Freude zu beschreiben.
JB-05-2020
ein huf des seltenen tieres
zertritt in schuhen aus gebälk
das wort
sonderbar erfährt mein ruf
erhörung im frühlingshaften
umgang
immerzu forschend mein blick
aus uns erkennenden augen
ein versprechen
und der hall deiner wünsche
umspielt meinen kopf
wie einfälle
hüfthoch saust vertraut
der wind
um mich zu verführen
spiegel
glanz liegt da wie verschwendet
wendet sich das notenblatt
musik
lodert auf
im balanceakt liebe
die taten
rühmen sich des spiels
verwundbar leise
quell
offener Fenster
offener Herzen
„Donauwelle oder Teilchen?“, fragt die mundgeschützte Backwarenverkäuferin. Fühle mich hamstern. Mit gefüllter Papiertüte in der Hand gehe ich nach Hause, verzweifle an meiner Langsamkeit. Verzehre ohne Zögern hier das Gekaufte. Sonnenstrahlen in meinem Käfig, brennen Gitterspuren in mein Fell. Versteck es schnell unter auffallenden Klamotten.
Nicht Alle Menschen stehen still in dieser Krise. Nicht alle stehen in der Warteschlange. Neben meinem Hamsterrad, rotiert ein systemrelevantes Riesenrad. Ich flüchte mich in Gedankengänge, beim Versuch, Auswege für alle zu finden. In mir suche ich das Labyrinth auf. Erkunde jede Sackgasse, werde dabei mir auch als Raubtier begegnen. Mit Rätseln spiele ich dort, die anderen vielleicht entgingen. Ich denke an Parallelen und dann an Parallelwelten. Daran ist nichts romantisch. Sie werden sich nie begegnen, treffen sich nie in der Wirklichkeit. In meinem Traum aber verirrt sich die Existenz. Die Fugen der Zeit zerbrechen, der Raum schmilzt. Kein Wesen bewegt sich mehr. Dornröschenschlaf der Galaxien. Ein schwarzes Loch küsst sie wieder wach.
Gefühl zu Fallen, das geschieht mir während des Erwachens. Meine Füße berühren schnell wieder sicheren Boden. Wie, um sich zu versichern, dass sich Energie immer noch zu Materie zusammenfindet. Physikalische Gesetzmäßigkeiten beschwichtigen mich in außergewöhnlichen Situationen. Der Wecker klingelt heiter am Morgen. Ich verweile noch etwas in einem Heute meiner Wahl. Manierlich waren meine Gesten auf den Achsen dieser lebenswerten Stadt. Fast haptisch beleuchtete die Lichtverschmutzung meine Form. Später erleuchteten Glühwürmchen das Auwalddunkel, in dem ich mich auf mich zu bewegte. Erinnernswert.
Bleib ich noch etwas in Gedanken, oder geh ich wieder meinen Pflichten nach? Mein System reagiert sensibel auf äußere Reize. Vielleicht zu oft schone ich mein Nervenkostüm. Doch in einer Welt auf Speed und Risiko, sinkt mein Stresslevel, wie der Wasserstand eines Baches in der Frühlingsdürre. Nichts fließt mehr. Die Nachrichten prasseln auf mich ein. Moria, Trump, Brasilien, Femizide, … Gelähmt gehe ich einer Arbeit nach. Versuchte und versuche die Flucht ins Private:
Denkwürdig: Du hast beendet, was noch nicht begonnen hatte; hier unter Menschen, die thronten, während ich in mir zusammenstürzte. Wollte Wege finden, dass nie mehr zu erleben. Eine Entscheidung steht noch aus: Verbrenn ich, was ich kann oder geh ich im Vorbeigehen, als ginge mich nichts etwas an? Traumbeladen: Suchte nach Nähe in geistiger Umnachtung. Lief einem Gespenst nach, selbst erschaffen. Redete mit einem lieben Geist, der mich ungehört Schlampe taufte. Meine Stimme verkaufte ich, um der Muse barfuß über Messerspitzen laufend nachzujagen. Das Timing war die Schlampe. Ihr Tempel bleibt offen für Opfergaben. Ich war die falsche Braut. Wenn ich davon geh, überstürzt und überlegt, streichelt das Abenteuer meine blutenden Fersen. Reflektierenswert: Perspektiven spiegeln meine Haltung in Liebesdingen. Ich gehe lieber auf dich zu, statt hinter dir her. Umkreisen uns und prallen manchmal aufeinander. Eine Form der Ablenkung, vielleicht hin zur Zweisamkeit. Deine Hände wärmen mich am Strand. Innehalten. Drama mit Eitelkeiten vereiteln, da ich ich sehr gern bleibe.
Abends schreibe ich, allein vor mattem Bildschirm, erlebte Reflexionen auf. Streite mich mit meiner Trägheit um Worte, denen Taten folgen. Wir gehen aufeinander zu, im Glauben, das Kreise Kreise nach sich ziehen. Ich freue mich auf die bunten Lichter in Städten und Dörfern, auf die farbenfrohen Kleider der Menschen. Frieden liegt in der Luft, die Angst hat sich verflüchtigt. Im Vorbeigehen verschmilzt alles zu Lichtreflexen. Ganz gleich welche Quelle, sichtbar wird die Form der wandelbaren Welt.
Ob nun verwandt oder gut bekannt
Erfahren im Geben
Ist in diesem Kalten Land
Nicht nur Prometheus, der das Feuer fand
Auch alle, die Erinnern und Gedenken
In Mitgefühl von innen heraus Schimmern
Und sich selbst verschenken
Familie für die Seele
Umarmung, die ich wähle
Um zu beglücken die Menschen, die ich am liebsten mag
Um zu entrücken, die Menschen, dem dröhnenden Alltag
Um zu verzücken, die Menschen, die ich viele Fragen frag‘
Ummantelung, die ich bequem ohne Zutun abgebe
In diesem meinem Umfeld
So viele, die sehr gern helfen
Sich selbst finden
Durch das Gegenüber
Geschwister
Im Geiste
Zusammen Werden Wahr Wunder Welten
Wird wirklich, Was wir gewünscht
Hämmernde Herzen
Zueinander fliegend
Wie Vögel ohne Federn sind wir
Brauchen nicht Ellenbogen
Brauchen Nestwärme
JB-01-2020