Mirrors

Forget about tomorrow
Now is what you feel
Be like a mirror, dont conceal
In the valley of yesterday
You will find only sorrow
Now is the time to dance
Now is the time to sway

No high heel, but lips to seal your mouth with
No splendid appearance, but hips that swing to the beat
Yes I want to love and feel the heat
But if its hot as hell
Do I live long enough to tell you
The way I feel 
This is the mirror I have to go through
I have to break this spell
Speak the words
If it comes to you
My heart is a pouring well
Devil and the Almighty Blues, Foto: JB 2019

Gift

Gift

Am Ende hielt meine Hand die Schlange mir vor die Brust

Männer stürmten meine Welt im Überfluss

Habe mich verwandelt und verstellt

Umgarnt wem es gefiel, sich zu sehen als mein Held

Habe mich gebadet und begraben lassen

Sand wie Eselsmilch fanden meine Gunst

Herrschen und beherrscht sein, eine große Kunst

Und die Liebe, wie sie durch das Delta watet mit reichen Gaben so gelassen

Mich verdurstend findet in Teppich gerollt

Mich mit Versprechen bindet und mit Gold
Wenn mir ein Mann so Treue zollt

Grollt nicht nur das Volk

Kornkammer oder Hochkultur

Wie beim Bau der Pyramiden eine Schnur

So helfen dem Helden die Männer und auch die Frauen, wenn er strauchelt

So schützen sie ihn, wenn er Schlangen streichelt

Mir blieb als Lösung nur der Schlange Gift

Wenn Rom euch heute weiter hält in seinem Griff

Dann gebt nicht auf sammelt euch in Scharen

Schon füllen sich die Straßen und endlose Menschenschlangen bewahren

Mit scharfen Augen und züngelnder Zunge der Freiheit fruchtbarste Garben

JB 04-2021

Doodle Cleopatra, 2019, JB

Alles ist gut

Herbstlich weht der Wind durch mein Gemüt
Meine Stimmung wie Aprilwetter im Wandel
Schließe mit mir einen ehrlichen Handel
Ich steh zu mir und wärme an Worten mein Geblüt

Mit Musik wie an Gesprächen wächst mein Abenteuerwille
Wie März und Mond mir versprachen, es wird anders
Gekleidet in der Not der Anderen, sag ich zu mir, ich kann das 
Verbring viel Zeit allein und schau zu, wie ich die Tagebücher fülle

Gedanken und Gefühle in der Gnadenfrist erlebt
Die allen Lebewesen bleibt auf dieser Erde
Reichtum wächst, gedüngt von dieser bunten Herde
Ein Garten, der von Regenwasser lebt

JB-4-2021
Haussperling, Foto: JB, 2021

Gestirne

Von heute, über morgen, bis in alle Zeit,
Umkämpftes Wesen dieser wandelbaren Härte.
In Zeug und Leinen gehüllt, ihr Weg ist weit,
Scheint sie, die Sonne mystischer Werte.
Ihr Untergang zeigt uns die Sternenkarte.
Und der Mond wacht über so manch Wilde Maid.

In allem ein Glanz von galaktischem Stäuben,
Wie wir auch, ist alles magisch ohne Wissen.
Der Trotz des Tages hilft dem nächtlichen Betäuben.
Wer darf zur Stunde der Hexen die Milchstraßenflagge hissen?
Vergib mir meine Träumerei, die Welt vergisst sich aufzubäumen.
Sehr sehnt sich dieses Herz nach dem Trost, den Träumende oft missen.

Heute ist in allem der Schrecken immanent.
Verborgen liegen in der Wahrheit solche Schmerzen?
Was blockiert, was entfremdet, was hemmt?
Allumfassend ist des Schicksals Spiel der flammenden Kerzen.
Der Planeten Bahn so klar und fest gelenkt
Und doch hat das alles mächtig Einfluss auf unsere Herzen.

Wie alles brennt im All in eisiger Unendlichkeit,
So gibt die Liebe nachts wie tags nicht auf.
Wie alles oben sich entfernt und wieder findet in mathematischer Gleichgültigkeit.
Verleiht unten dieses Spiel auch unseren Seelen ihren Lebenslauf.

JB 03-2021
Märzenbecher, JB 2021

Den Engeln des erschwinglichen Glücks

Raumgreifend dein Auge meine Wirklichkeit verschmäht.
Verwirklicht ein Traum in dieser schonungslosen Härte.
Versagte ich mir das Wachsen, als ich Gläser und Flaschen leerte.
In Dünen wartet Leben, bis es Gelegenheit verweht.

Da wo niemand sich willkommen heißt,
Ist Gerede für den Menschen ein allzu stiller Zeitvertreib.
Wo er mit Macht jongliert und mit hasserfüllter Heiterkeit,
Wartet in Zügen die Gelegenheit, bis sie endlich verreist.

Erschlagen von der einsam sanften Stunde,
Lasse ich mir die Stirn von Umnachtung kühlen.
Dann Brennesselbad aufgrund vergessener Wunde.

Ihresgleichen sucht die Nacht und ich gewinne,
Verwebe wie eine Spinne mit Gesang die Zeit und ehernes Fühlen,
Schneidet rostend meine Stimme in offene Sinne

Johanna Blau, 2020

Mein erstes Sonett, ich wollte es in einem Magazin veröffentlichen. Aber da niemand sich da rührt jetzt hier und überall, wie es mir am besten liegt. Inspiriert ist es durch Emmy Hennings und das Cabaret Voltaire, bei dem bettelarme Menschen Kunst unter die Leute werfen, wie Perlen … auf das die Künste bald wieder aufleben, aufatmen und erschwinglich glücklich machen.

Doodle, Imitationen, JB, 2014

Meer der Taten

Vergebens such ich mein Gefühl in wirbelnden Wellenkämmen.
Strauchle über weite Wanderdünen, wie sie mich auf ewig hemmen, 
Sich um mich her weiter, immer weiter, vermehren. 
Und mir den Blick aufs Meer verwehren.
Will endlich Treibholz sein, in Salzwasser verbrennen.

Das Blau, das Rot, die graue Theorie.
Ich hoff, es wird besser, wird es nie.
Solange ich mich wehre
Und von Traumgebilden zehre,
Singe wie Wind um die Zelte, wenn ich flieh.

Und wie der Sand um meine Füße flammt,
Mein Wille siegt, meine Angst zu Glas verbrannt.
Der Tropfen eingeschlossen in Kristall,
Ist Luft so kostbar im Raum ohne Schall.
Verkauf nicht meine Liebe unbenannt.

Und doch in diesem Land versengt nicht nur das Wort vor lauter Dürre.
Ans Ufer gelenkt, würde ich trinken und wäre endlich wieder irre.
So gelingt dem, wovor ich Ängste hege, wirklich zu werden in der Schwebe.
Wenn ich am Traum und an der Wahrheit Zweifel hege.
Im Detail das Ganze sehe und in Worte Taten webe.

Johanna Blau am 24.12.2020

Holz, Foto: JB 2020

Karomuster oder Verhaltensmuster? – Essay über mich

(„You don’t Know Jack“ Referenz, weil alle anderen Titel so random klangen. Und los gehts!)

Vor einiger Zeit hatte ich ein Bild vor Augen, wie ein Kleinkind in einem großen, durch zwei breite Fenster erleuchtetem, weißen Raum sitzt und herzlich vor sich hin lacht. Der Raum ist leer, keine Möbel, keine Menschen. Dieses Bild will mir etwas sagen und da stehe ich noch ganz am Anfang. So lese ich gerade von Stefanie Stahl: „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Mal sehen, wo mich das noch hinführt.

Was mir das bringen soll? Was ich will, ist klarkommen und mich entwickeln. Vor allem will ich mich anderen gegenüber öffnen können. Es geht in diesem Text um mich. Klar habe ich Eltern und meine Eltern hatten auch Eltern. Wir alle hatten und haben Glaubenssätze in unseren Köpfen und hinterfragen nicht gleich alles, was uns erzählt wird. Das geht mir so, das geht Dir so. Und wenn ich jetzt darauf nicht herumreiten will, ist das mein gutes Recht.

Doch wo hörst Du auf und wo fange ich an zu sein. Im Zwischenmenschlichen definiere ich mich oft und besser als ich selbst, als wenn ich auf mich allein gestellt vor mich hin denke und anfange zu schreiben. Dabei sind in Gesellschaft einfach die Automatismen eingeübter und vertrauter. Indem ich mich anpasse, habe ich überlebt. Das mir selbst zu vergegenwärtigen, das ist das Wichtige. Und ich frage mich jetzt, will ich sie noch, brauche ich sie noch: Diese Muster?

Es ist nicht so, dass ich von aufgrund verändern will, wer ich bin. Was ich will, ist eine Wahl zu haben, wie ich auf Situationen und auf die Wirklichkeit reagiere: Flucht, tot stellen oder angreifen? Tot stellen war immer meine Antwort, ohne nachzudenken. Daran will ich arbeiten.

Wenn ein Mensch mir gegenüber ungerecht ist, will ich mich wehren können. Wenn mich ein Mensch angreift, nehme ich mir seit einem Kurs in WenDo, das Recht, mich zu verteidigen. Es ist ein langer, schwieriger Weg für mich gewesen, mir auch nur zu erlauben so zu denken. Bis ich erkannt habe, dass ich ausgenutzt, verlacht oder benutzt worden bin, verging so viel Zeit, dass ich dachte, ich hätte nun kein Recht mehr, etwas zu sagen. Wenn sich ein Mensch über mich lustig gemacht, dachte ich lange, er oder sie hat ja recht.

Selbstwert und Selbstvertrauen musste ich mir erarbeiten. Ich arbeite immer noch in jeder Konfliktsituation, daran, mich nicht zurückzunehmen, sondern auch mal auf Konfrontation zu gehen oder zu provozieren. Oder je nachdem wie ich mich entscheide, scheinbar emotionslos zu argumentieren. Wut zu zeigen ist neu für mich. Lange, lange Zeit habe ich sie aufgefressen und mich damit selbst stark belastet. Vertrauen in meine Fähigkeiten ist neu für mich. Liebe und Zuneigung mir gegenüber anzunehmen, ist neu für mich.

Mich zu offenbaren, was meine Gefühle für andere Menschen angeht, ist eine Aufgabe, die ich mir stelle. Ich arbeite daran. Und ja, es ist Arbeit. Raus aus der Komfortzone, raus aus dem Zimmer, der Wohnung, abseits der bekannten Wege die Welt erkunden, auf unbekannte Menschen zugehen. Dabei fühle ich mich, als würde ich im Jobcenter meine Liste mit Bewerbungen vorzeigen. Aber was soll’s. Der Weg raus ist hindurch. Und wie ich so wandere durch einen Tunnel voller Autowracks und Mumifizierter Leichen, hinter mir Grunzende Laute und Schlurfende Schritte, sehe ich ein Licht vor mir auftauchen. Schon alleine das ist ein Wunder. Ich habe vor, mich weiterhin zu wundern, dass ich es bis hierhin geschafft habe und ich freue mich ehrlich auf das was noch folgt. Denn, ich habe vor, mein Leben auszustaffieren und mit Glitzer zu überschütten, wie nur was.

Nicht immer nur unerreichbar fern, oder Sehnsüchte, die unerfüllt bleiben. Nicht mehr in den Wolken schweben abtauchen ins Leben nach dieser Auszeit, die keine ist. Stopp. Da ist wieder diese utopische Phantasterei, der ich gern verfalle. Ich bin noch nicht fertig mit mir.

In meinem Geburtshoroskop stehen Venus und Mars im Quadrat.Wenn es überhaupt etwas bedeutet,dann so viel wie: es gibt oft Stress in Beziehungen mit Männern oder männlich gelesenen Personen. Kann ich bestätigen, aber ich weiß auch schon einige Zeit von dieser unseligen Konjunktion. Also ist das vielleicht nur eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Genug von der Astrologie.

Die Wahrheit ist, und jetzt muss ich es rauslassen: Ich bin bereit mich einzulassen, ich bin bereit so viel Liebe zu geben, wie ein Mensch nur ertragen kann. Und ja, da ist dieses nicht unerhebliche Problem, das auch zu zeigen. Ich habe soviel Angst vor Ablehnung und davor, für eine Partnerschaft als ungeeignet abgestempelt zu werden. Deswegen verwende ich viel Energie darauf zu durchdenken, was denn in einer Begegnung mit einem mir wichtigem Menschen angemessen wäre. Nicht unbedingt auf das, was ich sage. Das was ich sage, ist eh meist zensiert von mir. Das passiert schon lange automatisch: vorausahnen, was mein Gegenüber von mir will und reagieren. Nicht unbedingt es erfüllend aber dementsprechend berechnend und vorausschauend. Wenn ich dafür zu aufgeregt bin oder emotional werde, verunsichert mich das zutiefst und ich analysiere nach der Begegnung, was ich hätte anders machen können, damit mein Gefühlspanzer weniger durchlässig erscheint.

Das alles will ich nicht mehr, denn ich raube mir selbst soviel damit. Ich verbaue mir so viele Chancen auf tolle Erfahrungen und Begegnungen, was mich sehr traurig macht. Aber mein Verhaltensmuster schleift mir hinterher, wie ein zerfetztes, schmutziges Hochzeitskleid. Alle gelernten Muster liefern sich in meinem Kopf eine Kissenschlacht, wenn ich versuche einem Menschen zu sagen, was in mir vorgeht. Und wenn ich um Hilfe bitte, weil es mir schlecht geht, ist es als ob Gletscher tauen und das Schmelzwasser von Jahrhunderten dann aus meinen Augen hervorbricht. Es ist schmerzhaft und es tut mir gut. Das zu beschreiben, tut mir gut. Deswegen hier auch die Masse an Metaphern.

Und gerade will ich nicht von Narzissmus oder Co-Abhängigkeit schreiben. Ich will davon schreiben, einen Menschen kennenzulernen und für mich zu erwählen. Das ist so schön beschrieben in Liv Strömquists Graphic Novel: „Ich fühl’s nicht“. Ein Mensch ist keine Ware, die wir uns aussuchen, wie in einem Katalog und sofort wieder zurück schicken, wenn sich herausstellt, dass der Mensch nicht zu 100 Prozent unseren Anforderungen entspricht. Und ich will das Besondere an Dir erkennen und zu schätzen wissen. Ich will es feiern und Dir Liebesbriefe schreiben dürfen. Ich will mir das erlauben und es sollte mir auch erlaubt sein. Schließlich bin ich Dichterin. 😉

Da bin ich noch nicht mal auf der Ebene des Körperlichen. Aber das ist eine andere Geschichte.

JB-12-2020

JB, Selbstportrait 2020