Über und von Johanna Blau
Ich wohne in Leipzig und schreibe und zeichne unter dem Künstlernamen Johanna Blau. Alle Gedichte, die hier zu finden sind, sowie die Fotos, die Malereien und Doodles sind durch mich entstanden.
Karten ziehen
Scheinbar, eingewebt in unsichtbare Netze
Vor dem Wagen, vor dem letzten Tier
Fliehe ich nicht mehr
Das Rad schwingt in Schatten
Bewegt sich immerzu am Rand
Der sichtbaren Welt
Flüstern, eingebend, vergebend
Jeder Moment wird gezählt
Hybrid oder gegenwärtig
Und die Karten erwarten nichts
Sie geben fragend ihre Antwort preis
Allen die Rat suchen
Umgänglich in Farbe getaucht
Schweben Mögliche gefächert
Unter meiner linken Hand
Ich wähle, entscheide mich
Zu reflektieren
Geschichte erzählt
Mein Leben in Bildern ausgebreitet
Dunkelste Ecken beleuchtet
Umarmt und eingebunden
Verwunden ist Schmerz
Taktgefühl verwandelt
Das Wachsen hilft
Ohne Kalkül
Ziehe ich Karten
Aus dem Gebälk der Welt
Wähle ich verstehendes Suchen
Hexenwerk, natürlich
Offenbar, vertraulich
ungezäumt
Variiert
Achse
ohne
Pol
JB
Mein Herz, jede Kammer heute auf Folter aus. Wer bin ich, dass ich so viel will? Ohne Leichtigkeit komm ich nicht ans Ziel. Weiß, dass ich alle mit Gram vergräme. Will Spielen dieses Spiel, Lächelnd blecke ich die Zähne. Trümmerteile trüben wieder meinen Blick. Ungeübt wankend geh ich wie über spiegelglatte Planken Wie schnell füllt sich auch wieder dieser Priel mit Schlick.
Und ich wählte Zeit für mich. Hab nun Angst vor meiner eigenen Stärke. Nehm‘ ich mir denn soviel Raum, Wie andere vor mir weichen wollen? Flieh selbst, wenn ich Nähe keimen merke: Hinter Bücher, zurück in Harte Schale, Ohne Fenster zum eigentlichen Kern. Wie sehr ich mit eigenem Bangen zahle. Die Habgier macht das Herz mir eng. Wie wenn ich es in eine Zwinge zwänge.
So schöne Lieder, singt der Vogel auf dem Ast. Ich schließ‘ mich wieder auf, bin unversehrt Und mach von meinen Sorgen einfach Rast. Das alles, was ich fühle, mich verwandelt, Auch aufgewühlte See, weiß ich zu schätzen, Neue Schätze finde ich dann umso leichter Wie aufgewirbelt und angespült. Doch in mir verborgen; unverhandelt Und ohne Kompromisse lebe ich weiter. Den Schatz zu heben, der auch dich bezirzt. Mein Selbst gegossen in die Muster meines Lebens.
Wie auf Kies laufe ich, entlang am ewig gleichen Sandstrand
Überholt und doch aufgegeben
Meine Narben weisen auf die nächste Wand
Beschrieben aber ich kann nichts lesen
Hoffe auf das nächste Abenddämmern
Mein Vertun vergisst so herrlich viel
Warum ich da bin, ist mir ein großes Rätsel
Vielleicht als Geleit im Offenen Spiel
Tanzen ohne Worte zu erfinden
Strecken ohne irgendwo hin zu wollen
Schöpfen aus vollen Kannen
Dabei Humor wie Weihwasser versprühen
Menschen zutraulich umwerben
Traumgeschwungene Linien verbinden
Tränen feiern wie ein Hochzeitsfest
Den Tag mit Blauregen umwinden
JB-08-2020
Sorglast taumelnder Gefühle
Wie ich wühle in mir, zu verstehn
Welch Raum erglast
Wenn ich mich mit dir fülle
Wir beieinander stehn
Verweh auf spitzen Zehen
Unhaltbar dieser Wille