Über und von Johanna Blau
Ich wohne in Leipzig und schreibe und zeichne unter dem Künstlernamen Johanna Blau. Alle Gedichte, die hier zu finden sind, sowie die Fotos, die Malereien und Doodles sind durch mich entstanden.
Das Biest lauert in mir, kanns nicht abschütteln und nicht vernichten.
Es lässt mir keinen Raum zum wirklich Sein.
Es lässt die tiefe Liebe nicht hinaus und nicht hinein.
Druck auf der Brust, versuch zu schlafen, doch es wühlt in mir.
Der Zweifel ist des Biestes Kind und wie ich davon frier.
Furcht verwoben in den Furchen meiner Stirn.
Die Brauen kennen Grauen nicht nur aus Erzählung.
Bin ich so stumm, dass alles in mir schreit nach Zähmung.
Und lass ich los den Klammergriff der reinen Vernunft, dann falle ich in dampfenden Dung.
Zerträumt die Nacht, ich wache und ich weine, das Zelt aus Himmel ist zerrissen.
Es kleidet nun den Nachtmahr im Geheimen. Warum nur will ich ihn denn küssen?
Im Gefängnis das Leben beginnen. In sich selbst gefangen.
Der Ausbruch wird vereitelt durch der Anderen Missgunst.
Was wenn wir gemeinsam die Mauern niederbrennen, die uns trennen?
Dem Unbekannten offen gegenüberstehen mit heidenhafter Inbrunst.
Johanna Blau, Oktober 2023
Das Wasser in mir tanzt an die Oberfläche. Der Regen draußen will mein Herz mit sich schwemmen. Ich sitze regungslos da. Nur meine Finger drücken sich aus auf der Tastatur. Was gesagt werden will, erscheint auf dem Bildschirm, der mich blendet. Gefühle schwemmen gegen meine Stimmung; die Wellen brechen gegen den Strand. Ich werde wieder weinen. Schwarze Perlen, gewaschen in meinen Tränen, sind die Worte, die ich hervorbringe, aus den Tiefen meiner Suche vor dem unendlich hellen Nichts.
Wie kann ich leben in dieser Welt? Das ist die Frage. Gerecht und glücklich sein? Wie leben in einer Gesellschaft, die ungerecht handelt und Unglück fördert? Warum fragen alle: Warum geht es dir nicht gut?
Der Grund ist ein ausgetrockneter Brunnen, ein trockenes Flussbett, die Erinnerung an einen See, das schmelzende Eis der Pole und der Gletscher, der Starkregen, der fruchtbaren Boden hinwegwäscht, die Menschen, die ertrinken ohne Rettung. Die Dämme, die teilen, die Pumpen, der Ungerechtigkeit, das Wasser, was teuer verkauft oder vergiftet wird und bald vielleicht verdampft.
Werden die Tränen versiegen in den nächsten Tagen? Dann heißt es wieder: Alles Gut! Und ich meine: Es geht wieder, denn ich denke nicht mehr so viel nach. Aber ist das der Sinn dahinter, klarzukommen? Ist es sinnvoll zu ignorieren und sich mit sonst was abzulenken. Sollte ich nicht besser ins Handeln kommen und aufs Pferd steigen, um die obligatorischen Riesen zu jagen? Mit Hilfe eines treuen Begleiters. Wenigstens das?
Wer weiß, ich kann gerade nichts entscheiden und auch will ich nicht wieder überrollt werden. Gerade ist es an der Zeit in mir und um mich herum aufzuräumen. Die Gedanken und Gefühle im Wasserglas zu betrachten, zu sinnen und immer wieder und gegen alles anzutanzen; wie das Wasser, das stetig den Stein höhlt und Canyons entstehen lässt, deren Anblick mein Ego schmelzen lässt.
Ich versuche, doch ich schaffe schwerlich. Wer verdrängt, ist zu sich selten ehrlich. Das Boot unter meinen Flügeln taumelt. Ich kann fliegen, doch habe ich Angst vorm Ertrinken.
Das Letzte, was ich will, ist zu versinken; In den Abyss, die Tiefen in mir zu erkunden. Doch ich muss und werde; raus der Herde.
Hinein in die Schäferinnenkluft, Meine Sorgen werden in Schach gehalten von meinem Willen. Er springt sie an, drängt sie in den Pferch. Und ich kann wieder besser atmen.
Sie alle zu scheren, die Wolle zu färben, Daraus etwas zu weben, Was ich mir umhängen kann, das ist noch nicht dran.
Aber bald schon werde ich in leuchtenden Farben gekleidet, wieder Herrin sein über meine Stimme Und feierlich wandern über den begrünten Kamm.
Offen alles, wie im Meer. Jede Richtung lehrt mich Leben.
Wie die Fülle und dein Segen, mich berührt, ganz sanft, ganz hart, ganz du, das macht mich beben.
Herb und dunkel, süß und licht, Gram geborgen in weicher Haut.
Wer sich nur traut, wer sich das traut, egal wer mich noch berührt, und mit mir Träume tauscht, dich hoffe ich zu spüren und zu erleben.
Die Sonne, der Regen, der Wind und die Nacht umrauschen die Schatten, die uns folgen.
In meiner leisen Wut, verbaut sich meine Scham den Rückzug. Sie vertröstet vergangene Gesichtszüge, röstet mein Hoffen.
Hasenscharf vermute ich den nächsten Schritt im Dunkeln.
Hexenschlau schäumend tanze ich unterm Mond, den Großen Sorgen entweichend.
Raue See in meinen Träumen, Zirkus in meinem Herzen, Segel gesetzt im Kopf.
Verschmerzend roh das Ei meines Gefühls, Tat streicht die Hebel, des sich bindenden Gefüges.
Verlasse das Steuer, verberge meine Not, auf das das Licht mich findet, unterwegs, in weitem Gebirge der Wellenberge.
Wer bringt mir zu kosten, den trüben Saft? Wer gibt dir zu schmecken, die süße Lust?
Verlangen uferloses Außen, betrübt im Innen so einzigartig. Wagnis versüßt mir das Warten auf das nächste Bangen.
Es lohnt für sich zu denken. Es barmt sich die Heldin der Geschichte, das Gift zu sein, das Heilen könnte.
Der Kelch, der Honig fließen lässt, abgesondert. Die Blüte, die Nektar verschenkt, sichernd und exklusiv.
Das Leben schenkt mir bittere Freude in einen Kokon getaucht, ewig wachend und wachsend am Heute.
Hitzig Blitze schießend überm Wasser, um die Weite zu vermessen, bin ich. Für dich Sturm und Würde, für mich Erfüllung und Bürde. Dauernd suche ich nach der Frage, die ausmacht unser Meer.
Puzzled Sphinx 6-2023
#gedicht #poesie #gefühl #johannablau #puzzledsphinx #hybridmoments #ichraumdu
Ein Lächeln, steht für sich.
Ich bin nicht gemeint,
Fühle meinen Herzschlag moll-betont.
Wer wohl dieses Lächeln von dir abverlangt,
Es nicht sieht
Und doch so in deinem Herzen thront?
Ich nun, vergesse diesen angstvoll runden Mond,
Der sonst meine Flüchten vor Gefühl bescheint.
Dich jetzt aufzuschrecken,
Das wage ich noch nicht.
Will auch nicht wieder durch fernes Schwärmen,
Träume unbefruchtet züchten.
Ich kann nicht von Liebe sprechen,
Denn wir haben noch nicht viel gesprochen.
Das ändern will ich liebend gern.
JB 2022
Belanglos fließt die Zeit in tausend Muster.
Wer verlangt von mir, dass ich meinen Brustkorb öffne?
Gore und Liebe in Triebe geflossen, die für sich alleine gehen.
Kramt in der Mottenkiste, der Verflossenen, um sich selbst zu sehen.
Verlangen und Sehnsucht jagen sich.
Wir waren dabei, die Regeln zu schreiben, für ein Spiel, welches wir zusammen spielen wollten.
Doch wie immer kommt die Welt dazwischen, das Timing ist beschissen und der Spieß dreht sich um über dem Magma von Herzensangelegenheiten, mit Apfel im Mund dreh ich mich um mich selbst und lass mich braten.
Wilde Gärten rufen, die Saat ist bereitet, erholt sich vom Dauerregen, geht auf und wirft Saat ab, die in der Dürre wartet.
Johanna Blau 4*2023
Die Zeit, wenn sich der Mond aufbauscht, mit silbriger Korona.
Die Worte, aus deinem Mund zusammen mit dem Rauch, der kürzlichen Begegnung.
Erscheinen und scheinen mich zu wecken, aus langem tiefen Schlummer.
Der Kummer klebt an der Decke über den geraden Balken, nicht mehr relevant.
Wie viele Sorgenfalten, könnten noch verschwinden?
Inmitten der Dunklen Stunde, fühle ich mich verbunden.
Aus dem Rahmen gefallen, die Metapher, der sonnigen Seele.
Und schon sind alle Gedanken mit Rotem Blut beschmiert.
Verlangen nach einem Menschen, der mich sieht und spürt und will.
So einfach, so kompliziert.
Das Laken der Zweifel übergestülpt. Schlendere ich für mich zurück ins Bett.
Am Morgen ist alles wieder grau, es ist März jetzt.
Das Leben, das Wetter, die Aussichten vergoren.
Das Licht verschluckt, das Hoffen schmerzt.
Verkramt, mein Lächeln, aber nicht verloren.
Johanna Blau, März 2023