Über und von Johanna Blau
Ich wohne in Leipzig und schreibe und zeichne unter dem Künstlernamen Johanna Blau. Alle Gedichte, die hier zu finden sind, sowie die Fotos, die Malereien und Doodles sind durch mich entstanden.
Die Zeit, wenn sich der Mond aufbauscht, mit silbriger Korona.
Die Worte, aus deinem Mund zusammen mit dem Rauch, der kürzlichen Begegnung.
Erscheinen und scheinen mich zu wecken, aus langem tiefen Schlummer.
Der Kummer klebt an der Decke über den geraden Balken, nicht mehr relevant.
Wie viele Sorgenfalten, könnten noch verschwinden?
Inmitten der Dunklen Stunde, fühle ich mich verbunden.
Aus dem Rahmen gefallen, die Metapher, der sonnigen Seele.
Und schon sind alle Gedanken mit Rotem Blut beschmiert.
Verlangen nach einem Menschen, der mich sieht und spürt und will.
So einfach, so kompliziert.
Das Laken der Zweifel übergestülpt. Schlendere ich für mich zurück ins Bett.
Am Morgen ist alles wieder grau, es ist März jetzt.
Das Leben, das Wetter, die Aussichten vergoren.
Das Licht verschluckt, das Hoffen schmerzt.
Verkramt, mein Lächeln, aber nicht verloren.
Johanna Blau, März 2023
Wenn ich ganz bei mir bin, tauche ich ab und vergesse Erdbeben und Krieg, schreibe über Zwischenräume und erschrecke dann, da ich denke, ich könnte von anderen als ignorant wahrgenommen werden. Dabei ist das „Vergessen“ eher umformen. Es ist meine Art mit dem alltäglichen Wahnsinn umzugehen, der uns alle umfließt.
Wenn ich ganz bei mir bin, zeichne ich Zähne und Augen von unzähligen Tieren. Zeichne, als wäre ich alleine auf der Welt und dann lade ich ein Foto davon hoch und hoffe auf Reaktionen. Vielleicht in Form von Likes, vielleicht aber auch einfach in Form eines Gesprächs über die Unmöglichkeit sich abzugrenzen, auch wenn es wirklich nötig wäre. Überall sind da Spitzen, die die Dicke Haut durchstechen und Augen, die durch die Milchglas-Fassade schauen können.
Ist diese Art kreativ zu arbeiten notwendig; so tun, als wäre alles für mich, um es dann doch zu teilen mit mir fremden Menschen?
Es gibt diese Hoffnung im kreativen Schaffensprozess, dass es einen Unterschied machen könnte, für wenigstens eine Person. Dass es Freude bringen könnte, oder Hoffnung oder die erleichternde Tränen, darüber, dass es noch jemanden gibt, der so denkt, fühlt, handelt wie ich selbst.
Was mich angeht; ich bin nicht kompromisslos, ich bin nicht mutig und ich bin nicht schonungslos offen. In dem von mir gesetzten Rahmen bin ich ehrlich und ich selbst. Aber nicht alles, was mir durch den Kopf geistert, werde ich so bald in Texte oder Bilder gießen. Das wann und wie behalte ich mir vor. Gerade, wenn es noch Gespinste sind, die durch das Formen in sich zusammenfallen würden, klebrigen Matsch hinterlassend, wäre es schade um die Idee. Ich muss warten, bis sich das Gerüst festigt, erst dann kann ich die Gedanken weiterentwickeln.
Das, was ich veröffentliche, das habe ich eine Zeit lang hin und her bewegt in meinem Geiste. Das habe ich umwandert, wie einen Marmorblock, in dem etwas schlummert, das ich erst erkennen muss. Und wenn ich anfange, es herauszumeißeln mit Worten oder mit Linien, dann ist da immer noch viel Intuition und Versuchen, aber es ist dann eine Geschichte, die erzählt werden möchte.
Eine Geschichte, die ich selbst nie erlebt habe, vielleicht. Eine Geschichte, die mir erzählt wurde, eine Geschichte von der Liebe, vom Leben, vom Sterben. Alles in allem eine Geschichte, die schon oft erzählt wurde, aber der ich eine Nuance hinzufüge, persönlich und entschlossen. Die Lesenden werden wiederum, etwas damit anfangen können oder auch nicht.
Mir ist es wichtig mich abzuschotten im Prozess des Entstehens, mich verletzlich zu machen, durchlässig. So zu werden, wie ich nie einen Einkauf oder eine Tramfahrt heil überstehen würde. So zu werden, dass es fließt, dass etwas werden kann. Das Wissen, dass ich dieses Etwas teilen kann mit anderen Menschen, dass sie es aufnehmen und vielleicht umwandeln oder auch vergessen, bereichert mein Schreiben. In diesem Raum bin ich nicht allein, es gibt da ein Du, auf das ich mich hinbewege.
Ein Bild: Ein Baum, jede Wurzelfaser: eine Idee. Darüber der Stamm aus allen Kunstwerken, die je geschaffen wurden und noch geschaffen werden. Darüber, die Krone aus Ästen und Zweigen: aus unzähligen Gedanken und unseren daraus folgenden Taten.
Was nützt es, wenn ich Sinn verdichte? So Zwischenräume sanft vernichte; Sich mir die Wahrheit offenbart: Dass auch die Lücke, Wissen wahrt. Johanna Blau
Stuttering through the mud of words
The shining people that listen anyway
I am about to rave through the pieces left of civic engagement
Dancing like I don’t care, but I do
About you, about everything
But how in this world of slumber
Can I not be another number
How can I set free my force
How not to make things worse
In this place, where mountains fade
There is no way to debate
This smile is an invitation
For luck, for love, for levitation
Heaven sent or raised by hell
Here on earth is where I shall make my peace
Here is where ends meet so well
Johanna Blau 31.12.2022
Die Hoffnung ist verschütt gegangen unter der Angst und der Unsicherheit, so dass ich nicht fähig bin sie zu befreien. Ich sitze neben diesem Trümmerhaufen und warte. Ich warte darauf, dass ES besser wird. Ich warte darauf, dass ich wieder etwas empfinde. In diesem Zustand zu schreiben ist nicht leicht. Der Innere Kritiker sitzt neben mir, zeigt auf den Haufen und flüstert mir ins Ohr: Das bist du! Ich kann nicht widersprechen, ich habe keine Gegenargumente. Jedoch fühle ich Tränen in mir aufsteigen. Ich fühle. Ich fühle, das bin nicht ich, ich bin nicht Zweifel geboren aus Unsicherheit, ich bin nicht Ungewissheit geboren aus Angst. An einem Tag wie heute, nehme ich den Haufen, packe ihn in einen großen Rucksack und mache mich auf den Weg.
Es fällt mir schwer vorwärtszukommen. Ich müsste eine Ameise sein, bedenkt mensch, welche Last ich schultere. Und was tue ich? Ich schreibe und ich bin. Um mich abzugrenzen von meiner Angst, meiner Unsicherheit schreibe ich. Diesen Rucksack werde ich an einem guten Tag absetzen, ihn öffnen und hineinschauen. Ich werde die Angst betrachten, die mich lähmt und mit ihr sprechen, wie mit dem kleinen Kind, welches ich einmal war. Ich werde die Unsicherheit betrachten, und sie fest umarmen. Das alles wird nicht morgen geschehen, aber vielleicht schon bald, dann werde ich Angst und Unsicherheit auf den Weg schicken. Sie werden noch eine Weile neben mir laufen. An einer Biegung des Weges werden wir uns verabschieden, an einer anderen Gabelung sicher wiedersehen.
Und die Hoffnung? Wie in Pandora’s Box sitzt sie ganz unten eingequetscht und bekommt kaum Luft. Ich hole sie heraus aus und werde geblendet. Der Stern in meiner Hand strahlt Wärme und Zuversicht aus. Ich werfe die Hoffnung in die Höhe. Sie setzt sich ans Himmelszelt und strahlt da nicht nur für mich. Sie strahlt für alle, die sie sehen gerade sehen müssen.
Ich will meine Stimme hören lassen
Nicht in Raten damit zahlen
Cash auf die Kralle sollt ihr kriegen
100K and more, zahle ich Finderlohn
Für mich als Ganzes, in einer Welt der Selektion.
Ich will meine Stimme feiern,
Wenn ich mich plötzlich nicht mehr winde
In grauen Endlos-Schleifen, die ich mir sonst selbst auf die Nase binde.
Verwinde ich jetzt, die Gedanken der anderen, die ich nicht lenken kann.
Mann, wer bin ich, dass ich lachen werde
über die Pferde, die noch mit mir durchgehen?
über Ignoranzen und Ismen, die mich gestern noch kriegten.
Kopfkino, wenn ich euch betrachte.
Ich will das Leben tanzen, wie es mir auf die Füße fällt.
Reisen in eure Welt, mir ein Bild machen, von dem was euch gefällt.
Und darüber ins Handeln kommen.
Schreibend alles umkleiden mit Glitzer
Zeichnend, die Struktur erfassen meiner Lüste.
Wüste, Küste, Wald erkunden, einkreisend umrunden.
Im Fahren ankommen, erfahren mit gesund geleckten Wunden.
„Hedonism“ singen auf queeren Partys,
In sicheren Räumen, mit Leuten Utopien verhandeln und erträumen.
Liebe schreiben auf Körper, die nicht mehr durch Abstand quälen
Und in Seelen, die mir zugewandt von sich erzählen.
Ich will mich feiern, wie ich Träume lebe.
Ich will mich gießen in eine von mir erdachte Form.
Und vor euch stehen glitzernd, strahlend,
ein Einhorn, unter vielen.
Johanna Blau