Hat David Lynch L.A. noch brennen sehen? Diese Frage geht mir seit gestern Nacht durch den Kopf. Als ich von seinem Tod erfahren habe, musste ich unwillkürlich an die Dunkelheit denken, die er in seinen Filmen festhalten konnte. Die Düsternis in den Herzen und in den Augen der Protagonist*innen hat sich fest eingeschrieben, in meine Art Filme zu sehen. Ähnlich wie bei einem Gemälde von Rembrandt, ist diese intensive Finsternis in David Lynchs Werk einzigartig in der Kunstform Film. Warum geht mir dieses Bild nicht aus dem Kopf, wie er in der Nacht das Feuer in der Stadt betrachtet? Dieser funkelnden Stadt, die ihn wohl inspiriert und geprägt hat. Ich weiß es nicht, aber der Blick auf seine Filme gibt vielleicht eine Antwort.
Lange habe ich mich aber nicht mehr so sehr mit Lynch und seinem Werk beschäftigt. Filme oder Serien schaue ich seit einiger Zeit eher zur Zerstreuung, Unterhaltung oder Ablenkung. In meinen frühen Zwanzigern war das anders. Da habe ich mich eingelassen auf die Abgründe, da wollte ich verstehen: Das Böse, das Andere, mein Gegenüber. Dabei haben mir Lynchs Filme geholfen, so dachte ich. Aber immer hängt den Abtrünnigen in seinen Filmen etwas Romantisches an. Offenkundig in Wild At Heart, aber auch in Mulholland Drive. Eraserhead hat mir eine Welt aufgezeigt der männlichen Unsicherheit. Lost Highway war ein Trip ohne Wiederkehr. Ich werde Twin Peaks nun endlich komplett anschauen, alle Teile davon. Nun bin ich dafür bereit, mich wieder der Düsternis im Kopf und der Wildheit im Herzen zu stellen, mit der mich David Lynch’s Visionen damals genial konfrontiert haben.
Und das Feuer? Es ist Teil seiner Filme, es brennt in den Herzen, wie auf der Leinwand. Das Feuer zerstört, während es wärmt. Ohne die reale Katastrophe zu romantisieren. Er hat es wohl so stoisch hingenommen, wie alles andere auch. Da stirbt ein Teil der Kunstgeschichte und ich weine. Da stirbt ein Teil meiner filmischen Erziehung und ich bekomme wieder Lust zu schauen.
R.I.P. David Lynch.

Johanna nion Blau, 17.11.2025
(MS: I’ve noticed that all the way through this conversation David, you’ve referred to him in the present tense.
DL: You have to keep Angelo alive. I believe life is a continuum, and that no one really dies, they just drop their physical body and we’ll all meet again, like the song says. It’s sad but it’s not devastating if you think like that. Otherwise I don’t see how anybody could ever, once they see someone die, that they’d just disappear forever and that’s what we’re all bound to do. I’m sorry but it just doesn’t make any sense, it’s a continuum, and we’re all going to be fine at the end of the story.
